Behind the scenes bei „cosnova“: Wie Female Empowerment und New Work im Beauty-Unternehmen gelebt werden

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27. Oktober 2023

Gründer*innen können – zumindest zu einem großen Teil – selbst entscheiden, wie sie ihren Berufsalltag und ihr Arbeitsleben gestalten; aber wie lassen sich New Work-Vorstellungen in einem großen, internationalen Unternehmen umsetzen? „cosnova“, die Firma hinter den bekannten Beauty-Brands „Catrice“ und „essence“, hat uns in ihr Headquarter nach Sulzbach (Taunus), eine Kleinstadt in der Nähe von Frankfurt am Main, eingeladen, um mit verschiedenen Mitarbeiterinnen über dieses Thema zu sprechen.

Wie können Female Empowerment und ein Engagement für Vielfalt im Unternehmen unterstützt und umgesetzt werden? Welche Ansprüche stellen junge Arbeitnehmer*innen? Wie wird ein globaler Beauty-Player nachhaltiger? Wie sehen gelungenes Female Leadership und Vereinbarkeit aus? Diese und viele weitere Fragen durften wir „cosnova“-Mitarbeiterinnen aus unterschiedlichen Abteilungen stellen – und haben dabei sehr viele positive Impulse für eine moderne, innovative Arbeitswelt mitgenommen.

Treffen in der Kaffeeküche des „studio_c“, dem hauseigenen Content-Produktionsstudio von „cosnova“ in Sulzbach bei Frankfurt am Main.

Fokus HR: Wie finden Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen heute zusammen?

femtastics: Liebe Tina, du bist Head of Human Ressources bei „cosnova“ und führst ein rund 12-köpfiges Team. Worauf legst du selbst bei der Team- bzw. Mitarbeiter*innenführung wert?

Tina Schomann: Zum einen finde ich Offenheit und Transparenz sehr wichtig. Man muss über alles reden können. Denn nur, wenn ich weiß, was meine Mitarbeiter*innen bewegt, kann ich auch darauf eingehen und mit ihnen zusammen schauen, was wir verbessern können. Zum anderen ist Feedback in beide Richtungen wichtig – sowohl positives als auch konstruktives. Ich lege wert darauf, eine Rückmeldung zu bekommen, ob ich meinen Job gut mache und was ich besser machen kann. Und genauso gebe ich diese Rückmeldung meinen Mitarbeiter*innen, damit sie die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln und an sich zu arbeiten. Außerdem ist das Thema Spaß wichtig – Spaß an der Arbeit ist ein essentieller Grundstein, um das Potential auszuschöpfen und gut zusammenzuarbeiten.

Man muss über alles reden können.

Foto: Tina Schomann ist Head of Human Ressources bei „cosnova“ und arbeitet selbst schon seit rund zehn Jahren im Unternehmen im HR-Bereich.

Stichwort Female Empowerment: Wie weiblich, divers und inklusiv ist „cosnova“ und wie wird Empowerment intern definiert?

Bei uns arbeiten sehr viele Frauen*, knapp 80% unserer Mitarbeitenden – was wahrscheinlich an der Branche liegt. Kosmetik spricht immer noch mehr Frauen* als Männer an, wobei sich das auch ändert, und wir da auch viel in Richtung Employer Branding machen. Zudem sind 70% unserer Führungskräfte weiblich. Vier davon arbeiten im Tandem.

Mit dem Durchschnittsalter von 37 haben wir auch viele Rückkehrer*innen aus der Elternzeit – eine gute Vereinbarkeit ist uns daher sehr wichtig.

Was Internationalität betrifft: Bei uns arbeiten Menschen aus rund 30 verschiedenen Herkunftsländern. Und zur Inklusion: Wir hatten gerade eine Masterandin bei uns, die ihre Master-Thesis zur Frage, wie sich Menschen mit Behinderung besser bei „cosnova“ integrieren lassen, geschrieben hat. Mit ihren Erkenntnissen arbeiten wir jetzt und sie bleibt auch als Trainee bei uns. Zudem haben wir eine interne Diversity-Task-Force gegründet, die sich mit diesen Themen befasst. Wir sind da noch am Anfang, aber finden den Themenbereich sehr wichtig.

Was sind deiner Erfahrung nach die Vorteile von diversen Teams?

Sie bereichern in jeder Hinsicht. Eine Vielfalt an Perspektiven ist einfach ein Gewinn. Gerade Themen rund um Innovation und Kreativität profitieren enorm.

Wie haben sich die Ansprüche von Arbeitnehmer*innen deiner Erfahrung nach über die Jahre verändert?

Die junge Generation weiß auf jeden Fall, was sie will. Sie geht meiner Erfahrung nach sehr selbstbewusst vor und fordert auch viel ein – gerade, wenn ich das mit meiner Generation vergleiche. Themen wie flexible Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, oder auch wie ein Unternehmen sich zu Nachhaltigkeit und Diversität aufstellt, sind viel wichtiger geworden als zum Beispiel die Frage, ob man eine Führungsposition bekommen kann. Auch die Verweildauer in Unternehmen hat abgenommen im Vergleich zu früher. Deshalb bieten wir zum Beispiel viele Möglichkeiten an, innerhalb unseres Unternehmens zu wechseln und unterschiedliche Abteilungen kennenzulernen und Erfahrungen zu machen.

„Spaß an der Arbeit ist ein essentieller Grundstein, um das Potential auszuschöpfen und gut zusammenzuarbeiten“, sagt Tina Schomann.

Welchen Ratschlag hast du für Frauen*, die sich auf ihre Traumposition bewerben wollen, aber ggf. unsicher sind, ob sie die passende Qualifikation mitbringen und wie viele Ansprüche sie an den potentiellen Arbeitgeber stellen dürfen?

Dass nicht 100% der Ansprüche, die in einer Stellenanzeige genannt sind, erfüllt werden, ist uns als Personaler*innen klar. Abstriche macht man immer. Für mich kommt es darauf an, wer vor mir sitzt, was diese Person mitbringt, und da ist nicht entscheidend, was jemand studiert hat. Auch Noten sind für mich Schall und Rauch. Viel wichtiger ist es, wohin jemand will und was diesen Menschen begeistert. In dieser Hinsicht finde ich es auch kritisch, als Personaler*in zu viel mit Künstlicher Intelligenz zu arbeiten: Wenn ich eine KI die Bewerber*innen vorsortieren lasse, sortiert die KI eventuell Menschen mit viel Potential aus, nur, weil diese einen genannten Aspekt nicht erfüllen. Wir machen das deshalb alles händisch.

Mein Rat ist, Begeisterung für den betreffenden Job mitzubringen. Das ist eine gute Grundlage, auf die man aufbauen kann. Wenn jemand Begeisterung mitbringt, ist diese Person ja auch bereit, sich in neue Themen einzuarbeiten. Dann kann auch ein*e Quereinsteiger*in supertolle Ergebnisse erzielen.

Und bezüglich der Ansprüche: Ansprüche an Arbeitgeber*innen zu haben und diese auch zu kommunizieren, finde ich wichtig. Aber auf der anderen Seite kann man als Bewerber*in ja auch sagen, was man mitbringt, welchen Beitrag man fürs Unternehmen leisten kann. Und dann gleicht es sich vielleicht ja aus.

Mein Rat ist, Begeisterung für den betreffenden Job mitzubringen.

Fempower bei „cosnova“: Vier Mitarbeiterinnen aus ganz unterschiedlichen Abteilungen geben uns einen Einblick wie New Work in ihrem Arbeitsalltag gelebt wird. Von links nach rechts: Tina Schomann, Kristin Jaskolka, Katrin Steinbach, Isabelle Tambue.

Fokus Führung: Warum lohnt es sich, nicht alleine, sondern gemeinsam zu führen?

Liebe Kristin, liebe Isabelle, ihr teilt euch als „Global Brand Director essence“ die Verantwortung für die Marke essence. Sind dabei eure Verantwortungsbereiche innerhalb der Position aufgeteilt oder teilt ihr euch dieselben Verantwortungsbereiche?

Kristin Jaskolka: Als wir das Angebot bekommen haben, die Stelle gemeinsam zu übernehmen, wurden wir gefragt, wie wir die Stelle aufteilen wollen. Niemand hat uns gesagt: „Es soll so oder so aufgeteilt sein“. Wir haben diskutiert, was unsere jeweiligen Stärken sind und mit welchen Mitarbeiter*innen wir bereits gearbeitet haben.

Isabelle Tambue: Wichtig dabei war auch, innerhalb des Unternehmens zu kommunizieren, wer wofür zuständig ist. Wir sind gemeinsam verantwortlich für die Marke, Vision und Strategie, aber Kristin ist zuständig für alles, was Konsument*innen visuell von der Marke sehen: Online-Auftritt, Social Media, Kampagnen, die Präsentation in den Stores … Und ich bin zuständig für die Produkte.

Foto: Isabelle Tambue (erstes Foto) und Kristin Jaskolka (zweites Foto) teilen sich die Stelle der „Global Brand Director essence“. Beide arbeiten in ihrer Stelle Vollzeit.

Wie kam es dazu, dass ihr euch den Brand Director-Posten im Tandem teilt?

Isabelle Tambue: Die Idee kam von unserer Vorgesetzten, wir waren das Versuchskaninchen (lacht), aber es funktioniert so gut, dass wir mittlerweile mehrere Tandems in Führungspositionen haben.

Wie organisiert ihr euch im Arbeitsalltag ?

Isabelle Tambue: Ich denke, es spielt eine wichtige Rolle, dass wir total auf einer Wellenlänge sind und sehr gut miteinander auskommen. Außerdem ist Kommunikation das A und O.

Kristin Jaskolka: Einmal die Woche haben wir einen festen Termin zusammen, aber wir sind ständig im Austausch mit einander. Manchmal treffen wir uns auch für einen ganzen Tag zusammen bei einer von uns zu Hause – das haben wir während der Corona-Zeit zum Beispiel oft gemacht, damals sogar mit unseren kleinen Kindern, weil es keine Betreuung gab. Wir haben eine Beziehung zu einander, in der wir einander immer anrufen oder etwas fragen können.

Isabelle Tambue: Wir schreiben einander auch viel via „WhatsApp“, auf dem kurzen Dienstweg, um einander auf dem Laufenden zu halten.

Vereinbarkeit und Zeit für Privates sind dem Führungsduo sehr wichtig. Nicht nur, weil beide Mütter sind – Kristin ist Mutter von drei Kindern, Isa von zweien.

Ihr habt in euren Teams rund 40 Mitarbeitende. Wie gelingt die Führung in der Doppelspitze bzw. als Tandem? 

Kristin Jaskolka: Wir haben im Unternehmen Schnittstellen, aber grundsätzlich arbeiten wir mit unterschiedlichen Ansprechpartner*innen und Mitarbeiter*innen. Die Zuständigkeiten sind klar geklärt. Was allerdings nicht heißt, dass wir die jeweils anderen Teams nicht kennen.

Isabelle Tambue: Wir sind ein enges Team und wir kennen jede*n einzelne*n Mitarbeiter*in, das heißt, wir können uns gegenseitig auch vertreten. Wenn Kristin beispielsweise in Urlaub ist, dann kommt ihr Team auf mich zu und umgekehrt.

Mir gibt es eine große Ruhe und Sicherheit, im Tandem zu arbeiten und zu führen.

Ist das auch eine Entlastung für euch, dass ihr zu zweit seid?

Isabelle Tambue: Also mir gibt es eine große Ruhe und Sicherheit, dass ich weiß, dass Kristin da ist und dass sie immer so entscheiden wird wie ich es auch tun würde oder wie es das Beste für die Marke ist. Auch, dass sie ggf. ein Feuer löschen könnte, falls in meiner Abwesenheit etwas passiert. Und ich denke, umgekehrt ist es genauso.

Das spricht ja total für das Tandem-Modell. Welche anderen Vorteile hat es?

Kristin Jaskolka: Unser Hauptziel war nicht, Zeit zu sparen, was man ja vielleicht denken könnte, sondern, unsere verschiedenen Stärken zusammenzubringen. Wir kennen unsere eigenen Stärken und die der anderen und das hilft enorm.

Isabelle Tambue: Wenn man sich umgekehrt auch eingestehen kann, wo man selbst nicht stark ist und das auch offen mitteilt, und dann andere Menschen dazuholt, dann kann man nur gewinnen.

Fokus Nachhaltigkeit: Wie lassen sich Visionen und ein Corporate Job kombinieren?

Liebe Katrin, du bist Technical Unit Expert Corporate Responsibility (CR) und Spezialistin für Inhaltsstoffe. Wie ist dein Werdegang bzw. dein fachlicher Hintergrund?

Katrin Steinbach: Ich bin Ingenieurin für Technologie der Kosmetik und Waschmittel. Ich wollte schon immer in der Kosmetik arbeiten und war technikinteressiert. Der Fokus auf Nachhaltigkeit kam hier bei „cosnova“. Mein Antrieb war, das ultimative nachhaltige Produkt zu schaffen, das war 2011 – ein früher Zeitpunkt, um sich in der Industrie mit dem Thema zu befassen.

Foto: Seit 2010 ist Katrin Steinbach bei „cosnova“. Anfangs hat sie das Innovation-Team geleitet und nach Innovationen gesucht – von neuen Texturen über optische Effekte bis zu Inhaltsstoffen. Die Mutter von zwei Kindern hat neben ihrem Corporate Job noch ein eigenes Unternehmen gegründet.

Stichwort Inhaltsstoffe: Inwiefern hängen bei cosnova Corporate Responsibility und Inhaltsstoffe zusammen?

Dabei geht es um den ganzen Kreislauf eines Rohstoffs und um Umwelt, Gesundheit und Soziales: Wie wird der Rohstoff produziert bzw. wo wird er angebaut? Was passiert mit dem Stoff, wenn er in die Umwelt gelangt? In der Regel landen die Stoffe ja im Abwasser. Hat er Auswirkungen auf den menschlichen Körper, wenn er auf die Haut aufgetragen wird? Das alles sind Aspekte, die wir berücksichtigen.

An welcher Herausforderung arbeitet ihr gerade – wofür sucht ihr aktuell eine Lösung?

Wir arbeiten an mehreren Säulen: Verpackungen und Abfall, Inhaltsstoffe – mein Thema –, Zusammenarbeit mit Business-Partnern, soziale Themen und Klimastrategie.

Ich arbeite seit sechs Jahren am Thema Inhaltsstoffe, und Mikroplastik war unser großes Thema. Seit März 2023 sind alle Produkte von „essence“ und „Catrice“ 100% ohne Mikroplastikpartikel. Das ist ein großer Erfolg für uns. Aber parallel arbeiten wir auch an anderen Inhaltsstoffen, die wir auf unsere Verbotsliste gesetzt haben und zu denen wir nachhaltigere Alternativen suchen. Unter anderem suchen wir nachhaltigere Alternativen für synthetische Polymere und wir arbeiten permanent an unseren „Clean Beauty“-Guidelines und schauen wie wir unsere Produkte optimieren können. Momentan beschäftigen uns u.a. die sogenannten flüchtigen Silikone. Auf die wollen wir bis 2025 komplett verzichten. Es ist ein mühevoller Prozess und wir nehmen uns jedes unserer Produkte vor.

Mir war es wichtig, etwas beizutragen, das die Welt ein Stück besser macht.

Du hast neben deiner Arbeit für „cosnova“ deine eigene Marke für ökologische Kosmetikprodukte und Waschmittel aufgebaut: „as Easy as That“. Wie vereinst du die Führung deines Unternehmens mit deinem Corporate Job?

Die Idee hatte ich schon länger und umgesetzt habe ich sie dann während der Corona-Pandemiezeit. Damals haben ja viele Menschen über ihr Leben und ihre Arbeit nachgedacht. Mir war es wichtig, etwas beizutragen, das die Welt ein Stück besser macht. Ich konnte bei „cosnova“ meine Arbeitszeit reduzieren, um die restliche Zeit in mein eigenes Unternehmen zu stecken. Aktuell arbeite ich fast 50/50.

Welchen Ratschlag hast du für andere (angehende) Gründer*innen?

Wenn man wie ich zwei Jobs parallel macht, muss man sich gut organisieren. Ich habe jeweils ein Pensum für beide Bereiche, an das ich mich streng halte. Davon abgesehen: Ich finde, man muss es einfach mal machen. Natürlich muss man mit einer gewissen Planung an eine Gründung herangehen und alles sollte Hand und Fuß haben, aber man darf es nicht zerdenken. Man kann nicht jeden Schritt planen, das ist unmöglich. Wenn man anfängt, dann geht es irgendwie.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!


Hier findet ihr „cosnova“:


– Werbung: In Zusammenarbeit mit „cosnova“ –

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