Reisekolumne “Bärbel on tour”: Ein Resümee

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Die Hamburgerin Hannah Wagner reist im Rahmen eines Sabbaticals mit ihrer Hündin Flora und Fiat Ducato “Bärbel” für viereinhalb Monate durch Europa und berichtet auf femtastics monatlich von ihren Vanlife-Erlebnissen. Eineinhalb Wochen ist sie noch “on the Road” bevor es zurück in die Heimat geht. Im vorletzten Teil ihrer Reisekolumne zieht sie ein Resümee. Hier geht’s zu allen Teilen ihrer Reisekolumne.

Es ist fast vorbei. Viereinhalb Monate Sabbatical sind so gut wie durch, abgefeiert, ausgereizt, beendet.

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Surfstopp mit Bärbel in Galizien.

Es ist fast vorbei. Viereinhalb Monate Sabbatical sind so gut wie durch, abgefeiert, ausgereizt, beendet. Zeit, ein kleines Resümee zu schreiben. Welches waren meine größten Herausforderungen auf dieser Reise, welche Hürden musste ich nehmen und was hatte ich mir vorher vielleicht sogar schwieriger vorgestellt, als es schlussendlich war? Zumindest sollte das das Thema dieses Textes werden. Doch während ich angefangen habe zu schreiben, habe ich gemerkt, dass meine jetzige Perspektive und die Erfahrungen, die ich in den vergangenen vier Monaten machen durfte, mir voll im Weg stehen, wenn ich versuche, mich an schwierige, anstrengende oder angsteinflößende Momente zu erinnern. Denn alle zusammengefasst haben dazu geführt, dass ich jetzt in einem Liegestuhl in Südfrankreich sitze und blondgesonnt und braungebrannt darüber nachdenke, ob ich wohl morgen nochmal Kartoffeln ernten darf oder vielleicht doch eher Mangold.

Ich bin aufgebrochen, weil ich eine Auszeit brauchte. Von meinem Job, meiner nicht vorhandenen Freizeit und meinem Alltag, in dem ich mich meistens eher wie ein passiver Teilnehmer fühlte, als jemand, der irgendwie zur Steuerung beiträgt.

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Die Küste Galiziens
, mein Lieblingsort und mein erster „Strandstopp“ bei Dune du Pilat
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Ich bin aufgebrochen, weil ich eine Auszeit brauchte. Von meinem Job, meiner nicht vorhandenen Freizeit und meinem Alltag, in dem ich mich meistens eher wie ein passiver Teilnehmer fühlte, als jemand, der irgendwie zur Steuerung beiträgt. Also habe ich mich für einen Weg entschieden, bei dem ich immer und überall definitiv das Steuer in der Hand habe. Lustigerweise gar nicht so bewusst, wie sich das jetzt anhört.

Meine Reiseziele für die Tour standen zu Beginn nur grob fest, das Ziel Selbstbeschäftigung war da schon konkreter. Und klar, es gibt praktische Herausforderungen im Vanlife und mit denen musste ich mich während der gesamten Fahrt immer wieder auseinandersetzen: Wo ist die nächste Toilette? Ist duschen einmal die Woche okay, auch wenn es nur kaltes Wasser ist und nicht wirklich von oben kommt? Wie koche ich mir etwas Warmes zu essen, wenn es doch regnet und mein Gasherd im Bus nicht funktioniert? Wie kühlt man Wein und Käse am besten ohne Kühlschrank? Wie befreie ich mich um fünf Uhr morgens aus diesem Schlammloch? Was tue ich gegen diese gemeine Einsamkeit, die dann eben doch mal durchkommt? Welche Route nehme ich wohin und wie sorge ich dafür, dass dieser LKW-Fahrer endlich überholt und das mit der Lichthupe sein lässt? Wo ist der nächste Arzt und wie erkläre ich ihm auf portugiesisch, dass ich glaube, eine Blasenentzündung zu haben? Wie komme ich den Berg hoch, ohne langsamer als 50 km/h zu werden? Wie finde ich einen Stellplatz, auf dem ich mich auch alleine sicher fühle? Gibt es nachhaltige Schäden, wenn man sich aus Versehen reichlich Desinfektionsmittel ins Auge kippt, weil mal glaubt, es sei Kochsalzlösung?

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Im Schlamm in Frankreich
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Alle für sich genommen waren das oft sehr valide Probleme, die meine Laune, meinen Tagesablauf und tendenziell meine Reiseroute bestimmt haben. Aus dem Jetzt betrachtet habe ich sie alle irgendwie gemeistert. Toiletten sind in Portugal und Spanien zum Beispiel meist in den Supermärkten, ich habe die Katzenwäsche neu für mich entdeckt und erkannt, dass ich nicht explodiere, wenn ich meinen Campingkocher in Bärbel benutze. Deswegen wird das jetzt kein langer Text mit praktischen Tipps für die Herausforderungen im Vanlife. Sondern eine Versicherung, dass sie auftreten werden und jede/r sie auf ihre/seine eigene Art meistern kann. Und wird.

Ich habe Pläne und ich habe wahnsinnig viele neue Perspektiven ausprobieren und durch so viele unterschiedliche Brillen aufs Leben gucken dürfen.

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Links: Parken mit Freunden in Portugal
. Rechts: Karotten ernten in Südfrankreich.

Also möchte ich behaupten: „Ziel erreicht.“ Ich bin nicht nur ein paar Reisekilos schwerer (Bärbel aber auch), in allen lustigen Hauttönen gemustert und sehr viel langhaariger als bei meiner Abfahrt. Auch in meinem Kopf hat sich etwas verändert. Mein Gehirn platzt vor neuen Ideen und Denkansätzen. Ich habe Pläne und ich habe wahnsinnig viele neue Perspektiven ausprobieren und durch so viele unterschiedliche Brillen aufs Leben gucken dürfen.

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Links: Sonnenuntergang in Moledo, Nordportugal
. Rechts: Traumstellplatz in Nordportugal
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Und jetzt steht die eigentliche Herausforderung an: Wiedereingliederung in den Alltag, ohne in alte, falsche Routinen zurückzufallen und vor allen Dingen, ohne die neuen Ideen aus den Augen zu verlieren.

 

Hier findet ihr alle Reiseberichte von Hannah.

Hier findet ihr Hannah & “Bärbel”:

    

Fotos: Hannah Wagner

Illustration: Kaja Paradiek für femtastics

 

 

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