Sophia Zarindast: „Mach Dich vom Druck frei!“

Fotos: 
10. Mai 2015

Wenn wir die zehn stilsichersten Frauen Hamburgs wählen dürften, wäre die Schmuckdesignerin Sophia Zarindast garantiert unter der Top 3. Die 24-Jährige hat nicht nur ein außergewöhnliches Gespür für Farbzusammenstellungen, sondern auch für Bildkompositionen. Seit fünf Jahren postet die Halb-Perserin auf ihrem Blog Kabutar über alles, was sie inspiriert, lässt uns auf Instagram an ihrem bunten Leben teilhaben und kreiert unter ihrem Namen seit 2012 Schmuck. Ihre Leidenschaft, die schon in der Kindheit aufkeimte, gilt dabei ganz den Edelsteinen, von Rosenquarz bis Andenopal. In ihrer bunten Wohnung in Eppendorf begleiten wir sie beim Entstehungsprozess ihrer neuen Kollektion Calypso und sie verrät uns, wie man es schafft, sich mit seinem eigenen Schmucklabel selbstständig zu machen.

Femtastics: War Schmuck schon immer deine Passion?

Sophia Zarindast: Ja! Ich erinnere noch, als ich fünf Jahre alt war, war ich zusammen mit meiner sieben Jahre älteren Schwester bei meiner Oma in Ostfriesland. Von meiner Tante Meta bekam meine Schwester damals eine Kette mit silbernem Anhänger geschenkt. Daraufhin bin ich grün vor Neid zu meiner Tante gelaufen und hab sturmgeklingelt: „Ich will auch so eine Kette – aber in Gold!“. Ich habe Schmuck und besonders Mineralien schon immer geliebt und mir regelmäßig auf dem Flohmarkt für ein paar Euro eine Kiste mit Krimskrams gekauft und daraus Ketten gebastelt. Meine Sammlung an Steinen ist mittlerweile riesengroß.

Nun hast du daraus ein Business gemacht – seiner Leidenschaft zu folgen, trauen sich in der heutigen leistungsorientierten Zeit nur sehr Wenige.

Das stimmt. Auch bei mir war das nicht einfach. Mein Vater hätte schon lieber gewollt, dass ich Zahnärztin oder Anwältin geworden wäre. Das Kreative war ihm aber auch immer am wichtigsten – statt Fernsehschauen wurde bei uns immer viel gemalt und gelesen. Trotzdem wäre ihm eine bodenständige Karriere für mich lieber gewesen.

Wie hast du dich durchgesetzt?

Ich habe ein gutes Abitur gemacht und hätte sofort los studieren können. Ich habe aber relativ schnell gemerkt, dass das nicht unbedingt mein Weg ist und habe mich von dem Druck von außen freigemacht.

 

Die Jugend ist etwas, was du nie wiederbekommst.

Wie hast du das geschafft?

Man muss ehrlich zu sich sein und sich auf das konzentrieren, was das Herz sagt. Es schadet nicht, sich nach dem Abi eine kleine Auszeit zu nehmen und herauszufinden, was man wirklich will. Außerdem ist die Jugend etwas, was du nie wiederbekommst. Jeder muss sich irgendwann die Frage stellen: Bist du auf der Welt, um Geld zu verdienen? Oder, um glücklich zu sein? Das Glück sollte immer im Fokus bleiben.

Und mit diesen Argumenten hast du auch deinen Vater überzeugt?

Tatsächlich habe ich meine Leidenschaft für das Schmuckdesign gegenüber meinem Vater eher etwas verheimlicht. Er dachte, das sei nur ein Hobby. Irgendwann wurde ihm die Tragweite und Ernsthaftigkeit meines Unterfangens bewusst. Seitdem ist er vielleicht sogar stolz auf das, was ich mache.

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Überall in Sophias Wohnung lassen sich Mineralien und Kristalle finden.

 

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Sophias kreativer, farbverliebter Stil spiegelt sich auch in ihrem Wohnzimmer wider.

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Elemente aus Sophia Zarindasts „Calypso“-Kollektion

 

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Mein Blog war der Auslöser für mein Business.

 

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Was war der Auslöser, aus deiner Leidenschaft ein Business zu machen?

Das war mein Blog, den ich 2010 gestartet habe. Hier habe ich meinen Schmuck gezeigt und bekam relativ schnell viele Anfragen, ob ich nicht mal ein paar Stücke verkaufen möchte. Das habe ich dann einfach gemacht.

Also Hands on? Oder hast du erstmal einen Business Plan geschrieben?

Um Gottes willen! Ich bin überhaupt kein Kopfmensch, sondern der totale Bauchmensch und gehe alles sehr intuitiv an. Das ging von einem Tag auf den anderen.

… zack zur Behörde und Gewerbe anmelden?

Genau! Mein Freund hat mir geholfen, den Shop zu programmieren. Die Produktbilder machen wir alle in Heimproduktion.

Also eine richtige One-Woman-Show.

Ich mache wirklich fast alles allein. Das ist ein richtiger Batzen Arbeit von der Produktion der Stücke bis hin zum fertigen Bild im Shop – natürlich unterstützt  mich mein Freund, wo er kann. Ohne ihn würde ich es nicht schaffen.

Kannst du von deinem Schmuck denn leben?

Ohne Nebenjob geht es momentan noch nicht. Aber ich bin auf dem Weg und tatsächlich ist mein Nebenjob ein guter Ausgleich – vor allem, um unter Menschen zu kommen.

Bereust du es, keine Ausbildung als Goldschmiedin gemacht zu haben?

Das möchte ich tatsächlich noch unbedingt angehen. Leider gibt es in Hamburg wenige Ausbildungsplätze.

Stirbt der Job des Goldschmieds langsam aus?

Zum Glück ist das Interesse an handwerklichen Berufen in den letzten Jahren wieder gestiegen. Es gibt so viele junge Goldschmiede, das ist toll. Der Job ist wieder auf dem Vormarsch. Das hängt auch damit zusammen, dass die Menschen langsam keinen Bock mehr auf billig produzierte Massenware haben.

Wie gehst du eigentlich damit um, wenn du ähnliche Designs bei Modeketten entdeckst?

Vielleicht habe ich da einen Nerv getroffen, aber ich glaube nicht, dass ich von denen kopiert werde. Ich ärgere mich darüber auch nicht. Die freie Marktwirtschaft bringt nun mal mit sich, dass bestimmte Designströmungen von vielen Labels aufgegriffen werden. Ich beanspruche da kein Monopol, sondern bin realistisch.

Trotzdem hat handgemachter Schmuck eine ganz andere Wertigkeit …

… und auch Nachhaltigkeit! Es ist schön, die Menschen zu kennen, die Dinge mit ihren eigenen Händen produzieren und sozusagen von Mensch zu Mensch zu kaufen.

Wenn ich Schmuck von dir kaufe, kaufe ich auch ein Stück Sophia?

Auf jeden Fall. Durch Instagram und meinen Blog lasse ich meine Kunden an meiner Arbeit und meiner Inspiration teilhaben. Man kennt sich ein wenig, auch wenn man sich persönlich vielleicht noch nie getroffen hat. Das ist authentisch und funktioniert.

Vielen Dank, Sophia!

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Gassi mit Hund Cooper (links). In Sophias VW Bulli unterwegs zu Planten un Blomen (rechts).

 

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Planten un Blomen gehört zu Sophias Lieblingsorten in Hamburg.

 

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Hier findet ihr Sophia:

15 Kommentare

  • Anna sagt:

    Tolles Interview, tolle Fotos, tolle Frau! <3 Ich find's super schön, dass man beim Lesen eurer Interviews beinahe das Gefühl hat, mit auf dem Sofa zu sitzen – das ist alles sehr natürlich und nahbar.

  • janni sagt:

    Tolle Frau, ich kannte den Schmuck noch nicht. Es ist immer spannend über kreative Menschen zu lesen.
    Doch ich würd mich freuen, wenn hier auch Frauen aus sozialen, technischen oder auch handwerklichen Bereichen (noch mehr) stattfinden…

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