Zu Besuch bei Anna Cor: Über ihr Cottage auf dem Land und ihre neue Leidenschaft Töpfern

Bei Instagram begeistert die Fotografin und Stylistin Anna Cor (41) mit ihren Interior-Inhalten knapp 50.000 Follower*innen – auch im echten Leben spielt die Liebe zu Design, zum Einrichten und zu schönen Dingen eine große Rolle. Wir haben Anna in ihrer Wohnung in Berlin-Mitte besucht. Im Interview verrät Anna, warum sie ihr selbst renoviertes Cottage auf dem Land wieder verkauft hat, wie sie ihre Liebe zum Töpfern entdeckte und wie man es schafft, Interior-Liebe und chaotisches Familienleben zu verbinden.

Ihre Wohnzimmerwand hat Anna mit Lehmfarbe von „Nen-do“ gestrichen, erhältlich bei Minimarkt. Das weiße Sofa stammt von „Sofacompany“.
Wir besuchen Anna Cor an einem gemütlichen Herbsttag in ihrer Wohnung in Berlin-Mitte. Hier lebt sie mit ihrem Mann, ihren drei Kindern (zwischen 7 und 15 Jahre alt) und ihrem Labrador Mimi.

femtastics: Du bist Fotografin und Stylistin. Wo genau liegt dein Fokus?

Anna Cor: Alles rund um den Bereich Interior berührt mein Arbeitsumfeld. Es geht von der Kreation kleinerer Interior-Objekte wie Keramik bis hin zum großen Teil Fotografie und Styling. Ich kümmere mich im Rahmen einer gemeinsamen Tätigkeit mit meiner Kollegin Silke Conrad auch um die Ausstattung von Sets oder von Privat- und Geschäftsräumen. Der Interior-Aspekt bildet die Klammer um alles.

Auch auf deinem Instagram-Account geht es hauptsächlich um Interior-Themen. Ein Projekt, das viele begeistert hat, ist die Renovierung deines Cottages …

Ja, dazu muss ich direkt sagen, dass wir das Cottage gerade verkauft und übergeben haben. Es ist also nicht mehr in unserem Eigentum oder Besitz. Wie man auf den Fotos in dieser Homestory sieht, ist jetzt vieles aus dem Haus in unserer Wohnung gelandet. Es ist also nicht mehr die Wohnung, die man von Fotos bei Instagram kennt.

Es gibt von den Strokes das Lied „Heart in a Cage“, in dem es heißt: „I’m stuck in a city, But I belong in a field“. So fühle ich mich oft.

Wie kam es zum Verkauf?

Mein Mann geht in den Norden. Er hat dort ein berufliches Angebot bekommen, das er in jedem Fall annehmen wollte. Und wir können es zeitlich nicht stemmen, uns in dieser Situation weiterhin um das Cottage zu kümmern. Deshalb haben wir entschieden, es zu verkaufen.

Fiel dir der Verkauf schwer? Es wirkte wie ein echtes Herzensprojekt.

Ja, das war es auch. Es gibt von den Strokes das Lied „Heart in a Cage“, in dem es heißt: „I’m stuck in a city, But I belong in a field“. So fühle ich mich oft. Ich bin seit über 20 Jahren in Berlin und seit 20 Jahren sage ich, dass ich hier weg will. Aber trotzdem bleibe ich, weil ich Berlin gleichzeitig auch unheimlich liebe.

Das Cottage auf dem Land sollte da ein Mittelweg sein?

Es steht in der Prignitz und ich habe jahrelang nach einem Haus gesucht, das mir gefällt – und bei dem auch das Grundstück passt. Oft bestehen die Dörfer da nur aus einer Straße, an der alle Häuser stehen. Ich wollte aber kein Grundstück, das direkt an der Straße liegt. Nach langer Suche wurde ich endlich fündig.

Und dann habt ihr richtig viel Arbeit investiert?

Es war die klassische Geschichte. Erst dachte ich bei vielem: Das lassen wir erst einmal so. Aber dann fängt man einmal an, in einem Zimmer den Boden herauszureißen – und wenn man schon mal dran ist, macht man im nächsten Raum weiter. Wenn in einem Zimmer Fußbodenheizung liegt, soll es in einem anderen auch so sein. So wurde alles immer mehr. Ich habe es wirklich genossen, das zu machen. Es waren vier oder fünf Jahre, in denen wir immer herumgewerkelt haben, auch die Gartenarbeit hat uns am Ende sehr viel Spaß gemacht. Die möchte ich auch hier in Berlin wieder in mein Leben holen.

Es war also ein Verkauf schweren Herzens?

Ja, es fiel mir sehr schwer, das Haus zu verkaufen. Es war wirklich wie ein Zuhause, wir haben es für uns hergerichtet, weil wir lange dort bleiben wollten. Die berufliche Veränderung meines Mannes ist dann sehr plötzlich in unser Leben getreten. Und ich bin natürlich traurig, nicht mehr dort sein zu können – aber Menschen und die Familie stehen immer an erster Stelle. Tätigkeiten gehen Objekten vor. Mir war es wichtig, liebe Menschen zu finden, die das Haus übernehmen. Die habe ich gefunden, ich kenne sie auch privat. Ich kann also auch mal gucken fahren, wie es in Zukunft dort aussieht, wenn ich es übers Herz bringe. Gerade kann ich es mir noch nicht vorstellen.

Die tolle Holzküche ist ein Entwurf, den Anna gemeinsam mit dem Architekten Jörg Ebers entwickelt hat. Gebaut wurde sie von einem Tischler.

Viele Großstadtmenschen haben ja den Wunsch nach einem solchen zweiten Zuhause auf dem Land. Kannst du es uneingeschränkt empfehlen oder ist es schwer, zwei Lebensmittelpunkte miteinander zu kombinieren?

Ich konnte das immer ganz gut definieren. Ich hätte dort nicht für immer leben wollen, es war klar ein Ort für das Wochenende und die Freizeit. Mit Kindern würde ich es einfach unheimlich schwierig finden, logistisch alles zu organisieren. Was man bei einem solchen Haus immer unterschätzt: Es ist ein Groschengrab. Man stellt es sich schon schlimm vor – aber es nicht noch viel schlimmer. Und so ein Cottage ist auch ein Zeitfresser. Ich mache so etwas immer mit vollem Herzen, da fließt meine ganze Energie und Kraft rein, das nimmt also viel in Anspruch.

Das Highlight des Esszimmers ist der runde Holztisch von „Frama“.

Ich möchte immer etwas Neues lernen und gerade hat mich das Töpfern an der Drehscheibe gepackt, da stecke ich aktuell viel Energie rein.

Hast du einen Tipp für alle, die mit dem Gedanken spielen, ein Cottage zu kaufen? Welche Erfahrungen möchtest du teilen?

Man muss wirklich Spaß daran haben, alles selbst zu machen. Auch mal richtig im Dreck zu wühlen. Wir haben auch selbst den ganzen Dreck aus dem Schornstein geholt, man ist schmutzig von oben bis unten. Und wenn man das zehnte Wochenende hintereinander streicht und verputzt, dann ist es irgendwann auch nicht mehr so lustig. Wer nur von ein bisschen Spaß draußen und von viel Natur um sich herum träumt, für den ist es sicher einfacher, ein kleines Ferienhäuschen zu suchen, das man direkt für zehn Wochenenden im Jahr bucht. Das ist unkomplizierter.

Bei uns ist es so, dass die Kinder auch schon ziemlich groß sind. Es war klar, dass unser Ältester auf keinen Fall noch jedes Wochenende dort verbringen will. Und wenn man nicht oft da ist, dann passiert es schnell, dass etwas verlottert. Man muss sich einfach gut darum kümmern – das sollte einem vorher klar sein. 

Gibt es bei dir denn jetzt ein neues Projekt, in das du deine Leidenschaft steckst?

In letzter Zeit habe ich viel getöpfert. Ich möchte immer etwas Neues lernen und gerade hat mich das Töpfern an der Drehscheibe gepackt, da stecke ich aktuell viel Energie rein.

Spannend! Wie kam es dazu?

Ich bin seit Jahren begeisterte Keramikkäuferin und -sammlerin. Egal, wo ich bin, von überall bringe ich Keramik mit. Bislang habe ich ohne Drehscheibe mit Ton gearbeitet und Aufbauarbeiten gemacht. Die Drehscheibe hat mich aber schon immer interessiert, ich habe immer mal wieder verschiedene Kurse belegt. Jetzt habe ich für eine längere Zeit eine Drehscheibe ausgeliehen und werde mir sicher auch eine eigene kaufen.

Perfect Match: Das braune Samtsofa stammt von „New Works“, der Plüschsessel von „&tradition“.

Was begeistert dich am Töpfern?

Es hat einen Suchtfaktor, es ist eine tolle Sache. Töpfern ist meditativ, weil man sich konzentrieren muss und sehr fokussiert ist. Aber das, was man macht, und das, woran man denken muss, ist auch nicht so viel, dass es stressig wird.

Besitzt du denn auch einen Brennofen?

Den braucht man nicht. Hier in Berlin kann man überall brennen lassen, Keramikstudios mit Brennservice gibt es wirklich an jeder Ecke. Wer das einmal online sucht, wird sofort fündig und kann ganz tief eintauchen.

Welche Objekte stellst du jetzt her? Und soll da auch ein Business draus werden?

An der Drehscheibe stelle ich aktuell eigentlich nur kleine Schalen her. Ich bin bei solchen Dingen ein bisschen wahnsinnig, es ist wie bei der Fotografie: Ich möchte Sachen einfach gut können und mache so lange das Gleiche, bis ich es wirklich kann. Oft mache ich auch nichts anderes, als einen Klumpen Ton zu zentrieren und wieder zu dezentrieren – einfach, weil ich versuche, das zu können. Das alles ist wirklich just for fun. Die Sachen sind für mich und manche verschenke ich.

Das klingt schön. Eine Sache, über die ich mit dir gern sprechen würde, ist das Thema „Kinder und Interior“. Bei dir sieht alles so klar und durchdacht aus – dabei leben auch drei Kinder im Haushalt. Wie klappt das?

Wir haben natürlich auch lange viel buntes Zeug im Wohnzimmer oder in der Küche liegen gehabt. Wir sind drumherum gewatet und haben es so hingenommen. Aber mein Sohn ist jetzt 15, meine Tochter sieben – die sind auch viel in ihrem Zimmer, es ist nicht mehr die Zeit, wo sie alles in die Wohnräume schleppen und hier liegen lassen. Am Anfang ist man ja ziemlich gelassen und geduldig, aber irgendwann hat man einige gemeinsame Jahre hinter sich und man sieht ein: Das geht noch ein bisschen so weiter. Da habe ich irgendwann die Maxime ausgerufen, dass sie möglichst viel in ihr Zimmer mit zurücknehmen. Da darf es auch chaotisch sein, das ist ihre Sache. Aber ich möchte, dass sie abends ihre Sachen aus dem Wohnzimmer mitnehmen und es dort ordentlich ist.

Hals über Kopf verguckt haben wir uns in die Köpfe vom schwedischen Label „Cooee Design“.

Du hast auf deinem Blog auch verraten, dass deine Tochter sich mal rosafarbene Wände gewünscht hat, sie aber nicht bekam. Habt ihr euch da geeinigt oder hat sich die Interior-begeisterte Mama durchgesetzt?

Bei ihr im Zimmer ist jetzt ganz viel pink, die ganze Bettwäsche und der Berberteppich. Als sie rosa Wände wollte, haben wir einfach ihre Kommode in Rosa-Pastell gestrichen und ihr gesagt: Schau, wie schön rosa es jetzt hier ist. Damit war sie total happy. Ich glaube, man muss dann gar nicht mehr thematisieren, dass die Wände jetzt eben nicht rosa sind – dann entstehen um das Thema auch gar nicht so viele Konflikte.

Danke für die Tipps. Verrätst du zum Schluss noch, was bei dir – außer Töpfern – in Zukunft noch ansteht?

Im Moment ist bei mir alles offen. Ich empfinde es gerade so, dass ich eine Phase der Ruhe habe. Aber ich habe in den letzten Jahren immer erfahren, dass viel schneller etwas Neues aufploppt, als man denkt. Ich genieße also die Ruhe, habe meine normale Arbeit und auch mal ein bisschen Langeweile – das tut auch mal ganz gut gerade. Aber es ist gleichzeitig alles offen und ich bin gespannt, was kommt.

Das sind wir auch und wir wünschen dir dafür ganz viel Erfolg und Freude! Danke für das schöne Gespräch.
 

Hier findet ihr Anna Cor:

 

Layout: Kaja Paradiek

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