Unbekannte Urlaubsorte: Diese fünf Urlaubsregionen solltet ihr unbedingt besuchen!

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27. März 2024

Urlaub-Geheimtipps fernab des Trubels: Hier kommen fünf weniger bekannte Urlaubsregionen

Gibt es sie eigentlich noch? Urlaubsregionen, die weniger bekannt sind und an denen man fernab der Massen vom Alltag abschalten kann? Wir haben uns auf der Landkarte umgeschaut und stellen euch fünf unbekannte Urlaubsorte auf dem europäischen Kontinent vor. Eigensinnige Inselbewohner*innen, mutige Frauen* und Grenzerfahrungen inklusive. Vom Polarkreis zu den Karpaten. Los geht die Reise!

Vega-Archipel in Nordnorwegen

Aus dem Meer ragen schroffe Klippen. Rote Holzhäuser stehen auf Stelzen. Kayaks gleiten auf ruhigem Gewässer von Bucht zu Bucht. Die Strände muten karibisch an und laden zu einer kleinen Auszeit unter freiem Himmel ein – zumindest im Sommer. Denn so idyllisch das Panorama in der eisfreien Zeit wirkt, das Leben auf den Vega-Inseln vor der Helgelandküste in Nordnorwegen ist karg. Der Archipel liegt südlich des Polarkreises und besteht aus mehr als 6.500 Inseln, Riffen und Schären und zählt zu den am wenigsten erforschten Inseln der Welt. Hin geht es mit dem eigenen Segelschiff oder per Fähre. Einwohnerdichte? Sieben Menschen pro km².

Die Strände muten karibisch an und laden zu einer kleinen Auszeit unter freiem Himmel ein

Seit Hunderten von Jahren bauen die Menschen der Vega-Inseln koselige (die norwegische Antwort auf hygge) Häuser, schützen nistende Enten vor Raubtieren wie Adler, Otter und Nerzen. Als Dank erhalten sie, sobald Ente und Küken in See stechen, die feinsten Daunen der Welt. Die „UNESCO“ kürt diese besondere Beziehung zwischen Mensch und Federvieh, und insbesondere den Beitrag der Frauen* als Vogelschützer*innen, zum Weltkulturerbe.

Jersey im Ärmelkanal

Klippen, Dünen, unberührte Strände. Ebbe und Flut. Geheime Buchten und Grotten. Sand zwischen den Zehen. Küstenwandern mit Panoramablick. Zum Afternoon Tea und zum Aperó geht es in eine quirlige Hafenstadt. Auf Jersey fahren britische Etikette und Savoir-vivre Tandem. 

Die autonome Kanalinsel gehört zu Großbritannien und liegt vor der Küste Nordfrankreichs, nur eine kurze Fährüberfahrt von der Bretagne entfernt. Dank ihrer Lage im Ärmelkanal ist das Klima – ganz unbritisch – mild und sonnig.

Die grüne Insel ist eine Schatzkammer mutiger Lebensgeschichten, die Beachtung verdienen.

Bei Streifzügen über die Insel begegnen einem Geschichten von heldenhaften Frauen*. Dazu zählen Claude Cahun, die die Wahrnehmung von Geschlechterrollen mithilfe von Fotografie und Schrift in Frage stellte, und Marcel Moore, eine Surrealistin. Die beiden französischen, feministischen Künstlerinnen lebten, liebten und arbeiteten gemeinsam nach ihrer Flucht aus Frankreich auf der Insel und leisteten antifaschistischen Widerstand gegen die Nazi-Besatzung. Frances Le Sueur setzte sich leidenschaftlich für den Erhalt der Flora auf Jersey ein. Louisa Gould nahm während des Zweiten Weltkriegs einen russischen Zwangsarbeiter aus einem Kriegsgefangenenlager der Nazis auf. Ihr Beweggrund? Sie verlor einen ihrer Söhne im Krieg und wollte verhindern, dass eine andere Mutter ebenfalls ihren Sohn verlor. Nach dem Verrat einer Nachbarin wird sie in einer Gaskammer im Konzentrationslager Ravensbrück ermordet. Die grüne Insel ist eine Schatzkammer mutiger Lebensgeschichten, die Beachtung verdienen.

Baskenland zwischen Frankreich und Spanien

Sprache verbindet – idealerweise. Das Baskenland zwischen Bilbao und Biarritz zeigt allerdings, dass Wörter, Grammatik und Aussprache auch zu Konflikten führen. Und zwar dann, wenn sich Menschen primär über ihre Sprache identifizieren und ungehört fühlen. Bis heute erkennen die Regierungen in Madrid und Paris, Europas älteste noch lebende Sprache, das Euskara, nicht als gleichberechtigte Amtssprache an. Zusammen mit dem Wunsch einer grenzüberschreitenden territorialen Einheit und der Selbstbestimmung über ihre politische Zukunft entsteht ein Grundkonflikt, der heute zwar gewaltfrei ausgetragen wird, aber stillsteht. Wie lassen sich solche Konflikte lösen?

Wer im Urlaub politische Themen ausblenden mag, der findet ganz wunderbare Naturräume als Rückzugsorte. Der Atlantik im Golf von Biskaya zeigt, welche Kraft in ihm steckt. Hohe Steilküsten, windgepeitschte Bäume, tosende Wellen. Zum Surfen ideale Bedingungen. Im Naturpark Armañón liegt eine ganz besondere Höhle mit eigentümlich geformten Stalaktiten. Sie heißen Heliktiten, wachsen in alle Richtungen und bilden Steinformationen, die so ähnlich aussehen wie Korallen. Der Nervión-Wasserfall fällt über 300 Meter in die Tiefe und ist Spaniens höchster Wasserfall. Abends locken zahlreiche Bars mit einem Absacker und leckeren Pintxos. Beim Häppchen-Hopping auf baskische Art entsteht ein leichtes Lebensgefühl. Hier rücken Menschen aus verschiedenen Landstrichen friedlich zusammen.

Umbrien in Mittelitalien

Endlose Hügellandschaften, Weinberge, Olivenhaine, urige Dörfer und historische Sehenswürdigkeiten fernab des Trubels. Italien kann so viel mehr als Mailand, Venedig oder Toskana. Das „grüne Herz“ Italiens liegt in Umbrien, eingeklemmt zwischen Rom und Florenz. Wer auf Ferienzeiten angewiesen ist, findet auch im August, wenn das Land über den ganzen Stiefel verteilt Urlaub macht, dank Agriturismi noch freie Zimmer oder Wohnungen auf Bauernhöfen für Selbstversorger*innen – häufig mit Pool. Eine prima Basis für Freundeskreise, Familien und Honeymooner, um die umliegenden Amphitheater, Basiliken und Paläste zu erkunden.

Das „grüne Herz“ Italiens liegt in Umbrien, eingeklemmt zwischen Rom und Florenz.

Highlights? Spoleto, Gubbio und Assisi gehören dazu. Und Orvieto, eine der schönsten Kleinstädte Europas. Sie liegt markant auf einem Felsplateau und der gotische Dom aus Tuffstein, Basalt, Marmor und Mosaiken ist bereits von Weitem zu sehen. Bei Weißwein lässt sich prima das schöne Leben einer Cittàslow genießen. In Orvieto entstand die Bewegung, die heute ein weltweites Netzwerk ist und das Ziel verfolgt, Städte mit einer nachhaltigen Lebensweise zu schaffen und Locals eine hohe Lebensqualität zu bieten. Fast vergessen: Birreria, Enoteca, Gelateria, Osteria und Spaghetteria seien ebenfalls als Kulturgut an dieser Stelle erwähnt. Cin Cin!

Hohe Tatra in der Slowakei

An der polnisch-slowakischen Grenze liegt das kleinste Hochgebirge der Welt. Die Hohe Tatra gehört zu den Karpaten und ist als Nationalpark und „UNESCO Biosphärenreservat“ ausgezeichnet. 25 Gipfel liegen höher als 2.500 Meter – ein Wanderparadies mit offenen Landschaften, Bergseen, Wasserfällen und traumhaften Ausblicken. In der schroffen Bergwelt mit blühenden Sommerwiesen streifen Bären und Wölfe umher. Hubschrauber kommen nur in Notfällen zum Einsatz. Berghütten setzen bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Bedarfsgütern stattdessen auf die Muskelkraft der „Sherpas“. Die letzten ihres Standes in Europa versorgen die Hütten mit den Notwendigkeiten des Alltags und tragen um die 40 Kilo auf ihren Lastengestellen. 

Die Hohe Tatra hat sich im Vergleich zu den Alpen ihre Ursprünglichkeit bewahrt – auch dank klarer Regeln zum Verhalten auf den Wanderwegen und zum Besucheraufkommen. Ein Urlaub in der Hohen Tatra ist für Solo-Wanderfans und für aktive Familien mit Kindern gleichermaßen interessant. Die nötige Infrastruktur, inklusive Thermalquellen und Grand Hotels, ist vorhanden und das Angebot familienfreundlich – im Sommer und im Winter.

Ist eure Lieblingsregion dabei? Habt ihr weitere Geheimtipps? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!


Text: Sonja Anwar

Foto: Adobe Stock

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