Erfolg durch Instagram statt Kunstgalerie: Künstlerin Isis Maria Niedecken

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1. August 2022

Ihre Kunst zeigt fröhliche Alltagsszenen, die ihrer farbenfrohen Wohnung entsprungen sind: Die Künstlerin Isis Maria Niedecken hat sich mit ihrem Freund Hans und dem gemeinsamen Sohn Noah eine bunte Oase mitten in Berlin geschaffen. Wir haben die 28-jährige Wahlberlinerin in ihrer Wohnung und ihrem Atelier besucht und mit ihr darüber gesprochen, warum Instagram ein gutes Marketing-Tool für ihre Kunst ist (ganz ohne Zugang zur Kunstszene), was sie durch das Mutter-Sein über sich selbst gelernt hat, und wie Häkeln ihre Kreativität anregt.

Ein Raum aus der farbenfrohen Wohnung von Isis Maria Niedecken | femtastics
Isis Maria Niedecken wohnt mit ihrem Freund Hans und dem gemeinsamen Sohn Noah in Berlin. „Generell ist unsere Wohnung sehr eklektisch“, sagt sie. „Unser Kind wohnt genauso wie wir hier, deswegen bringt jeder seinen Einfluss mit ein.“
Das Interview führt femtastics-Autorin Kira Rosenkranz (rechts).

femtastics: Wie und wann bist du zum Malen gekommen?

Isis Maria Niedecken: Ich habe gemalt seitdem ich denken kann. Die Art und Weise wie mein Vater mit mir und meiner Schwester connected hat, war immer eine Form von Unterricht. Das war im Urlaub oft Malunterricht. Er hat selbst Kunst studiert und es war ihm sehr wichtig, uns Wissen weiterzugeben. Wir haben also immer gemalt. Das habe ich auch in meiner Jugend weitergeführt. Damals habe ich sehr naturalistisch gemalt, da hatte ich auf jeden Fall richtig viel Zeit. (lacht)

Wie wurde daraus ein Beruf?

Ich habe Modedesign studiert, da setzt man sich viel mit Ästhetik und Kunst auseinander. Begonnen auf Leinwände zu malen habe ich aber erst, als mein Sohn Noah geboren wurde. Auch nur mit der Motivation, das Ganze für den Spaß zu machen und nicht für den Verkauf. Noah ist direkt zu Beginn der Corona-Pandemie geboren – dadurch konnte ich nicht viel unternehmen oder andere Mamas kennenlernen. Ich hatte also viel Zeit zu Hause und wollte etwas Produktives machen, bei dem ich am Ende des Tages etwas geschafft habe. Das Malen war eine schöne Beschäftigung, den Tag zu füllen.

Am Anfang habe ich das nur für mich gemacht. Mit der Zeit hatte ich aber zu viele Bilder und keinen Platz mehr und habe angefangen, sie auf Instagram zu zeigen. Das war ein langer Prozess mit mir selbst, bis ich bereit war, meine Kunst mit anderen zu teilen.

Künstlerin Isis Maria Niedecken in ihrer Wohnung | femtastics
Isis-Maria Niedecken ist in Köln geboren und aufgewachsen und 2013 nach Berlin gezogen.

Ich hatte viel Zeit zu Hause und wollte etwas Produktives machen, bei dem ich am Ende des Tages etwas geschafft habe. Das Malen war eine schöne Beschäftigung, den Tag zu füllen.

Die Wohnung von Künstlerin Isis Maria Niedecken | femtastics
„Das Sofa habe ich schon seit acht Jahren, aber es war kleiner und hellblau. Als wir hier eingezogen sind, wollten wir das Sofa vergrößern und ich habe auf „eBay Kleinanzeigen“ das lange Stück gesucht, aber nie gefunden. Zwei Wochen später stand das Sofa einfach vor unserer Haustür. Wir haben dann einen neuen Bezug gekauft und gefärbt. Das Sofa ist also zu uns gekommen“, erinnert sich Isis Maria Niedecken.

Bist du auch in einer Galerie vertreten oder verkaufst du ausschließlich online?

Bisher nur online. Das klappt bislang auch ganz gut. Ich habe ein paar Kontakte zu Galerien bekommen, zu denen meine Sachen gut passen würden, ich bin allerdings nicht gerade der „most outgoing“ Mensch. Deshalb fällt es mir schwer, auf Galerien zuzugehen und mich selbst anzupreisen. Auf Social Media ist das einfacher für mich. Aber das ist ja auch alles ein Prozess. Ich versuche gerade, mich mehr zu öffnen und neue Leute kennenzulernen.

Bisher verkaufst du deine Bilder also über Instagram und deine eigene Website?

Genau. Ich habe keinen Onlineshop, ich verkaufe alles per Mail. Eine Freundin von mir hat jetzt mein Social Media Management übernommen und das ist eine große Entlastung. Ich habe ein paar Wochen versucht, es selbst zu schaffen, aber dann blieb keine Zeit mehr zum Malen. Mein Instagram-Account ist in letzter Zeit sehr gewachsen. Ich weiß, dass das nicht nur wegen meiner Kunst ist, aber es ist ein guter Weg um meine Kunst zu verkaufen und viele Leute zu erreichen.

Künstlerin Isis Maria Niedecken in ihrer Wohnung in Berlin | femtastics
„Die alten Gartenstühle im Wohnzimmer sind von „Ikea“ aus den 90ern und ich habe passende Bezüge genäht“, erzählt Isis Maria. „Ich habe eine große Liebe für Stühle, deshalb haben wir viel zu viele.“

Es fällt mir schwer, auf Galerien zuzugehen und mich selbst anzupreisen. Auf Social Media ist das einfacher für mich.

Auch Isis Maria Niedeckens Atelier haben wir einen Besuch abgestattet.

Bist du selbst Social Media-Fan oder eher nicht?

Instagram ist ein kostenloses Marketing-Tool, das ich nutzen kann, um Leute zu erreichen, die meine Kunst sehen und vielleicht kaufen. Ich verstehe auch, wenn Künstler*innen keine Lust darauf haben und lieber in Ruhe ihre Kunst machen wollen. Aber für mich funktioniert das bisher sehr gut. Am Kunstmarkt geht es letztlich auch viel um Präsentation. Von der Kunst, aber auch von der/dem Künstler*in.

Ist es deiner Erfahrung nach schwierig in die Berliner Kunstszene zu kommen?

Davon habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung, weil ich selbst nicht drin bin. (lacht) Aber ich habe bisher auch noch keinen Versuch gestartet. Alle Künstler*innen, die ich bisher kennengelernt habe, sind überhaupt nicht ausschließend. Ich denke, dass man einfach super social sein muss und viel Energie investieren muss, Leute kennenzulernen. Das habe ich bisher noch nicht gemacht, weil es nicht meine Stärke ist. Zum Glück habe ich sehr gute „Wing-Women“ in meinem Leben, die mich supporten und enthusiastisch vorstellen. Dafür bin ich sehr dankbar.

„Unsere Einrichtung ist entstanden, weil wir viel zusammengewürfelt haben. Hans hat ein paar Stücke mitgebracht, auch von seiner Großmutter. Die Kommode im Wohnzimmer und der Küchentisch sind schon lange in Familienbesitz.“

Mutter zu werden hat meine Prioritäten komplett verändert. Ich habe verstanden, dass ich das beste Vorbild bin, wenn ich authentisch ich selbst bin.

„Das Tiger-Bild über dem Esstisch habe ich aus Marrakech mitgebracht. Es inspiriert mich immer sehr. Ich habe auf jeden Fall etwas für Tiger übrig“, sagt Isis Maria.

Du arbeitest auch als Model. Wie vereinst du das mit dem Malen und mit eurem Familienalltag?

Mein Freund hat seine Stunden reduziert, damit wir unsere Woche flexibler zusammen gestalten können und ich auch kurzfristige Jobangebote wahrnehmen kann. Es sind aktuell nur ein bis zwei Model-Jobs im Monat – das ist machbar, da komme ich auch noch zum Malen. Mein Traumszenario ist es aber mit meinem Kind und meinem Freund zuhause zu sein und zu malen und weniger alleine zu reisen.

Mutter zu werden hat meine Prioritäten komplett verändert. Ich habe verstanden, dass ich das beste Vorbild bin, wenn ich authentisch ich selbst bin. Kinder merken schnell, wenn man sich verstellt und unzufrieden ist. Mir war klar, dass ich viel Zeit mit meinem Kind verbringen will und deshalb versuche ich gerade alles, damit meine Traumvorstellung von meinem Leben mit Malen als Hauptberuf möglich wird. Dafür investiere ich viel Energie, die ich neben dem Mama-Sein übrig habe.

Das Atelier von Künstlerin Isis Maria Niedecken | femtastics
„Meistens male ich mit Acryl, weil Öl mit einem Kind zu Hause einfach nicht möglich ist“, sagt Isis Maria. „Aber ich male auch mit Öl-Sticks, die trocknen schneller und man hat trotzdem das Gefühl von Ölfarben und die dreidimensionale Haptik im Bild. In der Glas-Reihe habe ich die sehr viel verwendet.“

Ich möchte ein Urlaubsgefühl oder eine kurze mentale Pause in das Zuhause von Menschen bringen.

„Für mich ist es wichtig, dass ich direkt auf Papier skizziere“, sagt Isis Maria. „Ich habe es schonmal digital auf dem iPad versucht, aber das war furchtbar. Es gibt zu viele Möglichkeiten und man kann alles wieder rückgängig machen. Das macht für mich den Prozess kaputt.“

Wie hast du deinen Kunststil entwickelt?

Als ich vor zwei Jahren angefangen habe, großformatiger zu malen, wollte ich in erster Linie Lebensfreude festhalten. Es sollte etwas sein, das man sich gerne zuhause aufhängt. Eigentlich baut alles auf meiner Bachelor-Kollektion auf. Die Kollektion hieß „Welcome to Loveland“ und war von Sommererinnerungen inspiriert. „Mental Vacation“ für den Alltag. Das wollte ich auch in meinen Bildern erreichen. Ich möchte ein Urlaubsgefühl oder eine kurze mentale Pause in das Zuhause von Menschen bringen.

Vom Thema Urlaub bin ich organisch zu Alltagsmomenten übergegangen. Denn auch im Urlaub liegt die Schönheit ja in den kleinen alltäglichen Dingen, wie gutes Essen, Karten spielen und gute Gesellschaft. So wie Erinnerungen durch subjektive Wahrnehmung verändert werden, spiele ich in meinen Bildern mit Proportionen und Perspektiven: die Farben sind zum Teil übersättigt, es gibt naturalistische Elemente und Parts, die wie durch Kinderaugen gesehen wurden.

In welchen Momenten bist du am kreativsten?

Wenn das Kind in der Kita ist. (lacht) Ich würde am liebsten sagen „im Urlaub“, aber das stimmt leider überhaupt nicht. Da habe ich nicht die Zeit, kreativ zu sein. Ich werde kreativ, wenn ich dazu komme, zu lesen oder zu häkeln. Wenn mir die Inspiration fehlt, nehme ich mir eine halbe Stunde Zeit zum Häkeln und dann merke ich, dass mein Gehirn runterfährt und ich wieder Kapazität habe, über Ideen nachzudenken und Skizzen zu machen. Zeit ist das Wichtigste.

Manchmal fällt es mir aber schwer, den Prozess zu genießen. Ich habe angefangen zu hinterfragen, ob ich etwas male, weil ich es gut finde oder weil ich denke, dass es gut ankommt. Auch ein spannender Prozess, bei dem man sich mit sich selbst auseinandersetzen muss.

Wenn mir die Inspiration fehlt, nehme ich mir eine halbe Stunde Zeit zum Häkeln und dann merke ich, dass mein Gehirn runterfährt und ich wieder Kapazität habe, über Ideen nachzudenken und Skizzen zu machen.

Isis Maria Niedecken | femtastics

Interior spielt in deinen Bildern eine große Rolle. Außerdem ist viel Farbe im Spiel. Ist das bei dir auch im echten Leben so?

Ein paar Bilder sind wirklich Detailaufnahmen aus unserer Wohnung. Unsere Wohnung ist unsere Oase und spiegelt uns als Familie sehr gut wider. Mein Freund und ich wohnen jetzt seit fünf Jahren zusammen. Alles war ursprünglich aus unseren kleinen Studenten-Buden zusammengewürfelt und ist dann gewachsen. Hans, mein Freund, ist Illustrator und Designer. Er baut auch gerne Möbel und Action-Figuren. Er hat den Sofatisch und den Sessel im Spielzimmer selbstgemacht.

Ich liebe es, wenn eine Wohnung die Menschen, die darin leben, abbildet. Ich bin in einem sehr kreativen und bunten Haus aufgewachsen. Als ich ausgezogen bin, habe ich erstmal sehr minimalistisch gelebt. Es hat aber nur ein oder zwei Jahre gedauert, bis ich das nicht mehr wollte. Jetzt ist es immer eine kleine Diskussion zwischen Hans und mir: Er mag weiße Wände und ich sehe überall Platz, wo man noch mehr Bilder aufhängen könnte.

Vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke!

Hier findet ihr Isis Maria Niedecken:


 
 

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