"feschi"-Gründerinnen Michaela und Christina Bischof: Wie das Mutter-Tochter-Duo eine erfolgreiche Haircare-Marke aufgebaut hat

Friseurmeisterin Michaela Bischof hatte genug von Industrieprodukten, die nicht hielten, was sie versprachen. Und fing 2015 an, eigenes Shampoo und Conditioner in ihrem Haarsalon in Österreich zu verkaufen. Tochter Christina Bischof erkannte das Potential und stieg mit ein. Heute ist "feschi" eine erfolgreiche Haircare-Marke mit Kund*innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Interview erzählen die Gründerinnen Michaela und Christina Bischof, warum Haarpflege mehr braucht als gute Produkte, worüber das Mutter-Tochter-Duo regelmäßig streitet – und warum das gut so ist.
femtastics: Michaela, was hat dich dazu bewegt, deine eigene Haarpflegemarke zu starten?
Michaela Bischof: Nach Jahrzehnten als Friseurin hatte ich genug von den Produkten großer Konzerne, die ich in meinem Salon verkaufen sollte. Sie haben oft nicht der Qualität entsprochen, die ich meinen Kund*innen bieten wollte. Den Mut zu meiner eigenen Marke hatte ich aber erst nach einem Rechtsstreit mit einem Branchenriesen: Eine Produktlinie, die laut Vertrag nur über Friseur*innen verkauft werden sollte, war plötzlich im Handel aufgetaucht. Ich bin dagegen vorgegangen und habe recht bekommen.
Danach hatte ich keine Lust mehr auf Verträge mit großen Marken. Und habe mit "feschi" meine eigene Linie gestartet: wenige, aber hochwertige Produkte, dazu mein Wissen aus über 40 Jahren im Salon.
"Christina hat mir dauernd gesagt, was ich alles besser machen könnte. Ich habe gesagt: Okay, dann mach du das doch."Michaela Bischof
Und wie kam es dazu, dass du ins Business deiner Mutter eingestiegen bist, Christina?
Christina Bischof: Als Mama 2015 "feschi" gestartet hat, war ich hauptberuflich Content Creatorin und habe ihre Produkte auf meinen Social Media Kanälen gezeigt. Meine Community war begeistert, aber die Produkte konnte man bis dahin nur in Mamas Salon in Perchtoldsdorf bei Wien kaufen. Ich habe das Potenzial gesehen und gesagt: "Mama, du brauchst einen Onlineshop!".
Michaela: Christina hat mir dauernd gesagt, was ich alles besser machen könnte. Ich hatte vieles gar nicht auf dem Schirm. Und habe ihr irgendwann vorgeschlagen: "Okay, dann mach du das doch."
Christina: Nach einem längeren Gespräch haben wir uns entschieden, es zu versuchen und gemeinsam durchzustarten. Ich bin dafür extra von Deutschland zurück nach Wien gezogen und wir haben das Ganze größer aufgezogen. [Lese-Tipp: "Gründen, sichtbar werden, wachsen" – der Gründungs-Guide von "Businettes".]
Wie habt ihr "feschi" gemeinsam von der lokalen Salon-Marke zur digitalen Brand weiterentwickelt?
Christina: Als ich eingestiegen bin, gab es ein komplettes Rebranding: neuer Onlineshop, neue Produzent*innen in Deutschland, recycelte Verpackungen. Im März 2020 haben wir daraus die "feschi GmbH" gegründet. Die Marke war damit offiziell nicht mehr Teil von Mamas Salon. Kurz darauf ist auch mein Partner Tim Kleinwächter als Geschäftsführer eingestiegen.
Mir war wichtig, eine ganze Welt um "feschi" zu bauen. Kund*innen sollen nicht nur wirksame Produkte bekommen, sondern einen Partner an ihrer Seite haben, der sie auf ihrer Haircare-Journey begleitet.
"Die besten Produkte bringen nichts, wenn man keine sinnvolle Routine damit hat."Christina Bischof












Was unterscheidet "feschi" von anderen Haircare-Marken?
Christina: Der größte Need, den wir am Markt gesehen haben, war fehlendes Haarwissen. Die besten Produkte bringen nichts, wenn man keine sinnvolle Routine damit hat. Ein Beispiel: Bei gereizter, trockener Kopfhaut hilft nicht nur ein gutes Sensitiv-Shampoo, sondern vor allem, seltener zu waschen: zwei- bis dreimal pro Woche statt jeden Tag. Dann ist die Kopfhaut meist nach ein paar Wochen im Gleichgewicht. Das ist schlecht fürs Geschäft, aber gut für die Kund*innen, und das zählt am Ende. Deshalb beraten wir auch aktiv über "WhatsApp", "Instagram" und im Webshop, statt nur zu verkaufen.
Euer Trockenshampoo gehört zu den Bestsellern. Warum, glaubt ihr, ist es so beliebt geworden?
Christina: Trockenshampoo gehört für viele Menschen einfach dazu, weil es den Alltag erleichtert und das Haarewaschen so lange wie möglich rauszögert. Und weil man den Effekt in Sekunden sieht. Auf Social Media wollen Menschen Sofort-Ergebnisse, das ist in der Haarpflege sehr schwer.
Michaela: Gesunde und schöne Haare sind ein Langzeitprojekt. Also ist Trockenshampoo unser Einstiegsprodukt geworden: Wer davon überzeugt ist, gibt danach auch dem Rest unseres Sortiments eine Chance.
Wie entscheidet ihr, welche neuen Produkte ins Sortiment kommen?
Christina: Meistens aus einer Mischung aus Marktbeobachtung, Trends und Kund*innenwünschen. Unser neues "Aqua Dry"-Trockenshampoo ist entstanden, weil ich eine ähnliche Produktart schon vor Jahren in den USA gesehen und mich gefragt habe, warum es das bei uns noch nicht gibt. Ähnlich wie das mit Korean Beauty im Skincare-Bereich funktioniert. Die Ideen gehen wir dann mit unseren Produzent*innen durch und tüfteln so lange herum, bis das Produkt passt. Sie sind immer vegan, silikonfrei und ohne Mikroplastik.
Seit kurzem sind "feschi"-Produkte in Deutschland in allen "Rossmann"-Filialen erhältlich. Was bedeutet dieser Schritt für euch?
Christina: Das ist ein Meilenstein und bedeutet gleichzeitig enorme strukturelle Änderungen. Auch für "Rossmann" ist das neu: Premium-Haircare zu diesem Preis gab es dort bisher nicht. Heute beliefern wir Kund*innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, den Großteil unseres Umsatzes machen wir aber weiterhin online.
"Unser größtes Anliegen bleibt, Frauen* zu mehr Wohlbefinden über ihre Haare zu verhelfen."Christina Bischof












Wie geht ihr als Mutter und Tochter in der Geschäftsführung damit um, wenn ihr unterschiedlicher Meinung seid?
Christina: Wir sind sehr oft unterschiedlicher Meinung. Aber die Person mit den besseren Argumenten bekommt recht. Wir finden beide: Es zeugt von Intelligenz, die eigene Meinung zu ändern, wenn man überzeugt wird. Meinung ist schließlich nicht gleich Wahrheit.
Michaela: Ich habe mich 2021 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und stehe Christina und Tim seither beratend zur Seite, vor allem bei Fragen rund um die Produkte und ihre Inhaltsstoffe. Bei Styling-Events oder Pop-ups bin ich aber immer noch Teil des Teams.
Was habt ihr voneinander gelernt, seitdem ihr miteinander arbeitet?
Christina: Von Mama, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt, dass man sich nie scheuen soll, um Hilfe zu bitten. Und dass man neben all dem Business-Kram auch das Leben genießen muss.
Michaela: Ich habe von Christina gelernt, offen für Fortschritt zu sein, zuzuhören und Dinge manchmal weniger emotional zu betrachten.
Welche Pläne habt ihr für "feschi"?
Christina: Es klingt vielleicht kitschig, aber unser größtes Anliegen bleibt, Frauen* zu mehr Wohlbefinden über ihre Haare zu verhelfen. Wir sind ein Team aus mittlerweile zwölf Menschen, das ein ehrliches Interesse an glücklichen Kund*innen hat. Genau das wollen wir uns gerade jetzt, in wirtschaftlich nicht ganz einfachen Zeiten, bewahren.
Fotos: Eileen Jordan, Rebecca Dimeny, Studio Ato (alle für "feschi")