Träumt ihr schon ewig vom eigenen Café oder Restaurant? Ihr findet die Idee toll, die eigenen Stammgäste zu bedienen und ein guter Gastgeber zu sein? Ein Café zu gründen ist für viele eine große Wunschvorstellung, aber auch eine ziemliche Herausforderung. Damit der Start etwas leichter fällt und ihr eurem Traum ein bisschen näher kommt, haben wir euch eine Liste mit den zehn besten Tipps unserer Protagonistinnen aus verschiedenen Stories zur Neugründung erstellt. Ganz nach unserem Motto: If you can dream it, you can do it!

Das Standard ist Hamburgs erste Aperitivo-Bar. Sie wurde vor rund anderthalb Jahren auf St. Pauli von Jasmin Baltres eröffnet. (Credit: Silje Paul)
1. Überlegt euch ein Konzept mit Wiedererkennungswert
Jasmin „Mina“ Baltres von der Aperitivo-Bar Standard schwört auf Einzigartigkeit:
„Man muss sich immer überlegen, wie man sich von der Masse abheben kann. Das Konzept beim Standard zum Beispiel ist ganz klar strukturiert: Jeden Abend gibt es eine andere Kleinigkeit und es wird dem Kunden nichts vorgegeben. So muss der Gast genau ‚hinschmecken‘ und kann die Gerichte individuell entdecken. Überlege dir also das gewisse Etwas, warum die Gäste gerade in dein Restaurant gehen sollten.“

Katrin Koch träumte schon früh vom eigenen Café – und setzte diesen Traum im Frühling 2017 mit “Kropkå” in Hamburg-Hoheluft in die Tat um. (Credit: Maria Gibert)
2. Sucht euch einen guten Unternehmensberater
Katrin Koch vom Café Kropkå rät:
„Wenn man sein eigenes Café aufmacht, gibt es sehr viel zu bedenken. Finanziell steht eine Menge auf dem Spiel. Allein eine Immobilie in Hamburg zu finden oder mit der Bank zu sprechen, ist oft eine Herausforderung. Für Gastronomiebetriebe ist es heutzutage schwierig, Geld von der Bank zu bekommen. Deswegen sollte man sich einen guten Unternehmensberater suchen, der einen vertrauenswürdig begleitet und immer zur Seite steht.“

Das gemütliche Café Osterdeich von Yasmina Foudhaili liegt in der Nähe der Osterstraße und ist ein beliebter Treffpunkt in Hamburg-Eimsbüttel. (Credit: Silje Paul)
3. Sammelt Erfahrung im Service
Yasmina Foudhaili von Café Osterdeich hat gleich drei Tipps für euch:
„Ich würde jedem, der gerne ein Café eröffnen will, erst einmal raten, ein halbes oder ganzes Jahr lang in einem Café zu arbeiten. In der Zeit kann man sich die Arbeitsabläufe angucken und die Branche kennenlernen. Dann merkt man schnell, ob die Gastronomie wirklich das Richtige für einen ist.“
4. Findet den richtigen Standort
„Manchmal hilft es, einfach mit dem Fahrrad quer durch die Stadt oder die Wunsch-Stadtteile zu fahren und nach leeren Ladenflächen Ausschau zu halten. Was man auch nicht immer im Hinterkopf hat, ist die Sonne. Ein Café auf der Sonnenseite hat definitiv Mehrwert als auf der Schattenseite. Wenn man sich zu unsicher ist und eigentlich keine Ahnung von Immobilien hat, sollte man sich einen Makler holen.“
5. Sucht euch einen passenden Partner
„Wichtig ist, dass man jemanden hat, der es mit einem trägt – ob das Freunde sind, die Familie oder der Partner. Ein Café ist nichts, was man als Einzelkämpfer schafft. Dazu ist es viel zu komplex. Die Arbeitszeit ist ja nicht nur die Zeit, die man im Café verbringt. Sie umfasst ja auch die Vor- und Nachbereitung. Also braucht man Freunde, die Verständnis dafür haben, dass man nicht immer Zeit hat oder, dass man in seiner Freizeit manchmal auch einfach auf dem Sofa sitzen will.“

Das Organisationstalent erbte Sofija Dreshaj von ihren Eltern, von denen sie ihren Biergarten in Hamburg-Wilhelmsburg übernommen hat. Credit: Pelle Buys
6. Organisationstalent ist eine der wichtigsten Eigenschaften!
Sofija Dreshaj von der Willi Villa und Zum Anleger hat alles im Griff:
„Organisationstalente haben es vielleicht auch einfacher, denn es ist viel Koordination. Teilweise hast du acht Veranstaltungen parallel und dann musst du schauen, dass genug Besteck, Teller und so weiter da ist. Aber das Wichtigste ist natürlich, dass man mit Menschen gut kann und dass es dir Spaß macht – das spürt der Gast sofort.“

Seit Anfang 2016 führt Catharina das vegane Café Happen Pappen – zuerst in Hamburg-Eimbüttel, mittlerweile am neuen Standort auf St.Pauli. Credit: Linda David
7. Tastet euch langsam an die Selbstständigkeit ran
Catharina Bernhardt von Happen Pappen empfiehlt:
„Kneif den Arsch zusammen und mache erst mal zwei Dinge parallel, bevor du alles aufgibst. Man muss nicht direkt ins kalte Wasser springen. Man kann auch erst mal testen, ob es tatsächlich klappt, das Hobby zum Beruf zu machen. Dann kann man zum Beispiel, solange es der Arbeitgeber zulässt, den Bürojob auf 30 Wochenstunden kürzen. Wenn man merkt, es klappt, sollte man sich einfach trauen und den großen Schritt zur Selbstständigkeit wagen. Auch wenn der 9-5 Job oft viel mehr Geld bringt – was nützt es dir, wenn er deine Träume nicht erfüllen kann?“

Gretchens Villa von Stefanie Herbst gibt es schon seit 8 Jahren im Karoviertel und ist eine beliebte Anlaufstelle für leckeres Frühstück. Mittlerweile hat Stefanie ihr Café verkauft. (Credit: Pelle Buys)
8. Nicht sofort expandieren
Stefanie Herbst von Gretchens Villa findet:
„Mach erst mal das eine. Und mach das zwei, drei Jahre lang und guck dann, dass du dich weiterentwickelst. Alles nacheinander, nicht alles sofort. Und lieber mit Bedacht als aus der Pistole geschossen. Ich würde niemals sagen: Wag es nicht, deine Träume umzusetzen. Doch, habe den Mut! Aber lass dir Zeit und fang erst mal langsam an. Aufstocken geht immer. Eins nach dem anderen.“

Die Hamburgerinnen Ina Choi-Nathan und Alana Zubritz zeigen, wie einfach es sein kann, der Umwelt einen Gefallen zu tun und eröffneten in Hamburg das erste Zero-Waste-Café. (Credit: Nassim Ohadi)
9. Das Café-Konzept zu Hause proben
Alana von In guter Gesellschaft, Hamburgs erstem Zero-Waste-Café, empfiehlt:
„Als wir uns für das Konzept Zero Waste entschieden, habe ich es erst einmal zu Hause umgesetzt. Ich habe Bücher und Blogs gelesen und Selbstexperimente durchgeführt. Ich habe zum Beispiel eine Wurmkiste zu Hause, in der aus meinem Biomüll Komposterde produziert wird.“

Stefanie Horn backt unter dem Namen „Smells Good Vegan Bakery“ für Cafés. Irgendwann möchte sie ihr eigenes Café eröffnen. (Credit: Isabella Hager)
10. Mit einem Catering-Service für Cafés und Hochzeiten starten
Stefanie Horn von Smells Good Vegan Bakery kommt ihrem Traum Step by Step näher:
„Ich glaube, jeder, der professionell backt, möchte ein eigenes Café haben. Das ist mein Lebenstraum und den möchte ich bald realisieren. Ich habe keine Ausbildung zur Konditorin gemacht, daher kann ich noch einiges lernen. Im Moment wäre das noch zu riskant für mich und es wäre schade, wenn es nach einem Jahr nicht funktionieren würde. Gerade hier auf St. Pauli und in Hamburg allgemein gibt es viele kleine, gute Cafés. Aber für meinen Geschmack noch zu wenig ausschließlich vegane Cafés.“
Hier findet ihr alle Food-Stories auf femtastics.com.
Teaserbild: Linda David, Silje Paul, Maria Gibert
Redaktion: Nicola Orf
