Kolumne „Wir renovieren eine Villa!“ #5: Über Frustration beim Sanieren & ein Surprise Baby

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18. August 2022

Du bist gerade auf Haussuche, möchtest dieses Jahr ein Haus renovieren oder hast ein großes Faible für Vorher/Nachher-Interior-Stories? Dann bist du bei unserer femtastics-Kolumne „Wir renovieren eine Villa!“ genau richtig. Büsra Qadir, Gründerin von „Nindyaa“ und Marketingexpertin bei „Twitter,“ und ihr Mann haben eine Altbauvilla in Niedersachsen gekauft. Diese werden sie kernsanieren – ein Glücksfund nach sechsmonatiger Suche und rund 20 Hausbesichtigungen zuvor. Büşra, die Mutter einer dreijährigen Tochter und eines frisch geborenen Sohnes ist, nimmt uns ab sofort monatlich mit auf ihre Reise als neue Hausbesitzerin – im letzten Teil folgt dann die große femtastics-Homestory!

Diesmal schreibt Büşra über die Tiefs, die das Sanieren eines Hauses mit sich bringt; was ihr hilft, dennoch optimistisch zu bleiben und Dinge, die den aktuellen Frust zumindest lindern.

Diese Probleme beim Sanieren eines Hauese können auftreten.
Büşra Qadir saniert eine 200 Jahre alte Villa zusammen mit ihrem Mann. Gerade hat sie ihr zweites Kind bekommen!

Sanieren meets Baby

Seit meiner letzten Kolumne hier auf femtastics sind ein paar Monate vergangen. Ich habe mir eine etwas längere Pause gegönnt, denn ich war unter anderem im Wochenbett. Im Juni habe ich mein zweites Kind auf die Welt gebracht. Und obwohl unser Haus meine volle Aufmerksamkeit brauchte, habe ich den Stift einfach fallen lassen und mich komplett auf mein Baby und meinen Heilungsprozess im Wochenbett konzentriert. Alle offenen To Do’s und Telefonate zum Haus habe ich irgendwie delegiert oder in meiner nicht endenden To Do-Liste-für-die-Zukunft geparkt. Dank der hormonellen Umstellung ging das super! Ich habe für kurze Zeit alles vergessen und war auf einer Baby-Wolke.

Vorher jedoch, in der Schwangerschaft, ging das Vergessen nicht so gut. Die Belastung war hoch. Vollzeitjob, Schwangerschaft und Haussanierung gleichzeitig hatten es in sich. Nicht die coolste Kombination, muss ich sagen. Ich lag oft nachts hellwach im Bett und wusste gar nicht, worüber ich zuerst nachdenken sollte, so viel “Gedankenstoff” hatte ich. 

Und jetzt, wo mein Wochenbett vorbei ist, stehe ich wieder mitten im Alltag und unsere Haussanierung hat mich thematisch voll eingenommen. Ich wünschte ich könnte euch in dieser Kolumne Updates zum Haus geben, welche Materialien wir ausgesucht haben, wie weit wir mit der Baustelle gekommen sind etc. Aber die Wahrheit ist, dass in den letzten drei Monaten so gut wie gar nichts Sichtbares passiert ist. Um die Lage kurz zusammenzufassen: Wir befinden uns momentan in einem Tief. 

Über die Frustration beim Sanieren

Daher möchte ich heute über Frustration im Haussanierungsprozess schreiben. Es fällt mir als Optimistin nicht leicht, aber das Thema ist wichtig und gehört irgendwie dazu. Ich möchte hier ja schließlich authentisch bleiben und nicht nur mit den Highlights unserer Sanierung prahlen. 

Die Reise “rein in die Frustration” begann damit, dass wir Anfang Mai gemeinsam mit unserem Architekten zu der Entscheidung kamen, den hinteren Teil des Hauses (da wo die große offene Wohnküche mit der Galerie hin soll) abreißen und neu bauen zu lassen, um Kosten einzusparen und viele Sanierungsprobleme zu vermeiden. Beim Entkernen entdeckten wir nämlich, dass dieser hintere Teil des Hauses von ziemlich schlechter Substanz ist und die Sanierung uns viele unvorhergesehene Mehrkosten bereiten würde. 

Die Außenwände zu unserem Innenhof sind dort nach außen gebogen, das Dach hängt irgendwie durch und wir müssten mehrere Stahlträger zur Verstärkung einbauen, Fensteröffnungen ändern, mehrfach dämmen, um die schiefe Außenwand auszugleichen, mit Sparren aufdoppeln – und dann hätten wir immer noch viele Schwachstellen in der Zukunft.

Das Schlimmste war, dass wir die gesamte Sanierungsplanung neu überarbeiten mussten.

Die Entscheidung des Abrisses fiel uns zwar nicht leicht, aber sie ergab einfach Sinn. Das Schlimmste für uns war aber die Tatsache, dass wir diese Entscheidung nicht von Anfang an getroffen hatten und somit die gesamte Sanierungsplanung in den letzten Monaten neu überarbeiten mussten. 

Außerdem mussten wir mit unserem Architekten eine Baugenehmigung vorbereiten und einreichen, bevor wir jetzt überhaupt mit den neuen Maßnahmen beginnen, geschweige denn die Gewerke beauftragen können. Die Genehmigung haben wir bis dato noch nicht erhalten und warten ungeduldig darauf. Unsere gesamte Sanierung verschiebt sich um vier bis sechs Monate. Mindestens. Ob wir dieses Jahr noch einziehen können, bezweifle ich sehr, aber ein kleines bisschen Hoffnung habe ich immer noch (come on, ein klitzekleines Räumchen müsste für uns doch fertig werden, oder?).

Sanieren Schritt für Schritt

Alles ist plötzlich teurer geworden.

Der Abriss und die Baugenehmigung sind das Eine. Ein weiterer ziemlich heftiger Frustrationsfaktor für uns stellt unser Budget dar. Wir haben mit einer für uns nicht kleinen Summe unsere Sanierung geplant und einen Kredit abgeschlossen, aber in unserer aktuellen Kostenplanung scheinen wir einfach nicht mehr damit hinzukommen. Die Rechnung geht nicht auf. Alles ist plötzlich teurer geworden. Der Abriss und der Neubau von circa 50qm Grundfläche werden anscheinend mehr als die Hälfte unseres geplanten Budgets beanspruchen. 

Meine Ansprüche an das Haus senke ich gefühlt täglich.

Mit der anderen Hälfte muss aber das viel größere Haupthaus komplett saniert werden (neue Böden, Fußbodenheizung, Fenster, Innendämmung, Türen etc.). Wir müssen daher sehr viele Abstriche machen. Das Dach muss wahrscheinlich einige Jahre warten und vielleicht wird es doch nicht mehr das schicke Chevron-Parkett. Meine Ansprüche an das Haus senke ich gefühlt täglich. Baustoffe und Materialien sind nicht nur teurer geworden, sondern auch einfach nicht mehr verfügbar und die Gewerke kommen nicht hinterher mit ihren Angeboten und Terminen. Wir warten und warten gefühlt die ganze Zeit auf irgendetwas. Auf Genehmigungen, Angebote, Anträge, Gutachten, E-Mails, Rückrufe. 

Ich gehe mal davon aus, dass alle Bauherr*innen so einen Tiefpunkt erreichen und am Liebsten alles über Bord schmeißen und wegrennen würden. Der Gedanke, dass wir nicht alleine mit unserem Frust sind, erleichtert mich nämlich etwas. Manchmal schleicht sich bei uns sogar Reue ein und plötzlich sind wir uns nicht mehr sicher, ob wir das Richtige getan haben mit diesem Hauskauf. Ein Fertighaus wäre doch vielleicht einfacher gewesen, oder?! Das Ende scheint noch lange nicht in Sicht zu sein. 

Büşras Sohn wurde im Juni geboren.

Ich wünschte, es gäbe einen „Hausvorbereitungskurs“, genauso wie es Geburtsvorbereitungskurse gibt. Leider bereitet dich keine*r darauf vor, was auf dich wirklich zukommen wird. Und selbst wenn man vorgewarnt ist, so ist jedes Sanierungsprojekt anders und man muss das Drama selbst durchlebt haben, um es wirklich zu verstehen. 

Viele Bekannte und Freund*innen hatten davor gewarnt, dass wir mit viel mehr Geld und Zeit rechnen sollen, aber so zielstrebig wie wir waren, wollten wir das nicht wahrhaben. Vor allem der Zeit-Aspekt macht uns wahnsinnig. Mit jedem vergangenen Monat zahlen wir nämlich noch Miete und den Kredit und ziemlich hohe Strafzinsen, weil wir unser Darlehen für die Sanierung noch nicht aufgebraucht haben. Alles nicht so cool. 

Unsere aktuelle Wohnung in Hamburg haben wir gekündigt und ziehen ganz abenteuerlich in die Nähe unseres Hauses, in eine Ferienwohnung. Wir wollen nämlich näher dran sein, in unserem neuen Wohnort Fuß fassen und dabei sein, wenn dann doch irgendwann die Baustelle beginnt. Vielleicht packen wir sogar selbst irgendwie mit an, wer weiß. 

Was uns hilft, optimistisch zu bleiben

Weil ich aber eine Optimistin bin und diese Kolumne nicht negativ angehaucht beenden möchte, liste ich jetzt mal ein paar Dinge auf, die uns jetzt gut tun und unseren Frust lindern würden:


  • Wir erhalten zeitnah die Baugenehmigung für unseren Anbau
  • Ein reibungsloser Abriss des hinteren Hauses in den nächsten Wochen
  • Wir erhalten gute und bezahlbare Angebote für den neuen Anbau (pretty please!)
  • Kleine aber sichtbare Erfolge am Haus wie zum Beispiel neuer Estrich und Fußbodenheizung
  • Liebe Nachrichten von euch, dass alles gut gehen wird und dass sich der ganze Stress lohnt weil ihr genau dasselbe durchlebt habt
  • Urlaub. Geht immer! Und hilft beim Vergessen der Probleme 


Und ich bleibe bei meinem Hoffnungsschimmer: Irgendwie wird das alles schon! Wir werden aus diesem Tief herauskommen und bald sichtbare Fortschritte machen. Unsere Ideen werden wir irgendwie umsetzen und unser Haus wird wahnsinnig schön werden. Nur an das ungewohnt langsame Tempo der Baubranche müssen wir uns gewöhnen. Meh. 

Hier findet ihr Büşra Qadir:

Fotos: Nadina Memagić


1 Kommentar

  • Michelle sagt:

    Hallo,

    Ich schreibe diesen Kommentar nun, weil ich seit September 2021 genau so einen Artikel gebraucht hätte. Einen von jemandem, der genau so die Nerven verliert / verloren hat, wie ich. Dort begann die Sanierung meiner Wohnung, die mich mehr als ein paar Nerven und Zeit und Geld (!) gekostet hat.

    Es wird!

    Und das meine ich so. Bei mir war die Einweihung am 1. April geplant und gerade ist der Maler da, um die Fußleisten zu versiegeln. Die Party hat also noch nicht stattgefunden. Einen Wasserhahn in der Küche habe ich auch noch nicht und das WC habe ich zwar enttapeziert und auseinander genommen, mich dann aber in letzter Sekunde gegen die Sanierung von WC und Bad entschieden (aus finanziellen Gründen).

    Bei mir ist es auch Altbau und es ist einiges schief und krumm, obwohl ich super Handwerker hatte/habe, die toll arbeiten, sich größte Mühe geben und wirklich lieb sind. Trotzdem kann ich sie nicht mehr sehen und will einfach nur in meiner Küche stehen und mit Freunden kochen – ohne Handwerker.

    Aber es wird.

    Und bei euch ist ja auch kein Stillstand. „After rain comes sun“. Auch bei euch, da bin ich mir sicher. 🙂

    Ich schicke meine übrigen Sanierungsnerven zu euch!

    Viele Grüße

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