Energieeffizient bauen und nachhaltig wohnen – zu Hause bei Sustainable Stylist Janine Dudenhöffer

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11. Juli 2022

Als „Sustainable Stylist“ liegt Janine Dudenhöffer der nachhaltige Umgang mit Kleidung im Blut. Mit dem Bau eines energieeffizienten Hauses im Berliner Umland hat sie ihre Expertise in den Bereich der Architektur ausgeweitet. Neben der Bauweise setzt die Stylistin auch bei der Inneneinrichtung auf Nachhaltigkeit. Unterstützt wird sie dabei von Natalia Pietrasinska vom „Studio Nati“. Wir haben Janine in ihrem Haus im Grünen besucht und mit ihr und Natalia über nachhaltiges und energieeffizientes Bauen, Vintage-Interior-Funde und Belastungsgrenzen bei großen Projekten gesprochen.

femtastics-Autorin Kira Rosenkranz (links) trifft Interior Designerin Natalia Pietrasinska (Mitte) und Stylistin Janine Dudenhöffer (rechts) zum Interview.
Janine Dudenhöffer hat ein energieeffizientes Haus im Berliner Umland gebaut.

femtastics: Das Grundstück, auf dem euer energieeffizientes Haus jetzt steht, habt ihr bereits 2017 erworben, aber erst in der Pandemie bebaut. War die Planungsphase so lang wegen der energieeffizienten Bauweise?

Janine: Die lange Planungsphase hatte verschiedene Gründe. Wir haben das Grundstück sehr spontan gekauft. Ursprünglich wollten wir ein bereits bestehendes Haus erwerben und haben uns deshalb nur Bestand angeschaut, aber nachdem uns der Gutachter wiederholt wegen Holzwurm im Dach, feuchtem Keller oder defekten Rohren von verschiedenen Objekten abgeraten hatte, haben wir unseren Plan geändert.
 
Eine Freundin erzählte uns von diesem Grundstück hier, das einer Erbengemeinschaft von zwei Frauen gehörte. Wir haben es gekauft. Wir hatten zuvor aber nie übers Bauen nachgedacht und hatten deshalb keinen Plan in der Schublade. Wir kannten keine Architekt*innen, nichts. Dann kamen all die Entscheidungen auf uns zu: Mit wem bauen wir? Was überhaupt? Was passt hierhin? Uns war wichtig, dass das Haus in die Umgebung passt. Was passt ins Budget? Wir haben immer nur Horror-Storys von Familien und Pärchen, die gebaut haben, gehört, und uns immer gedacht: Diesen Schuh ziehen wir uns nicht an!

Natalia Pietrasinska (links) von „Studio Nati“ unterschützt Janine Dudenhöffer bei der Entwicklung eines nachhaltigen Interior Designs.

Welche Herausforderungen gab es?

Janine: Es war schwierig, die richtigen Leute zu finden, mit denen man zusammenarbeiten will. Wir haben schließlich ein Architektenteam vor Ort gefunden. Das war ein großer Vorteil, weil sie alle Gewerke und Behörden bereits kannten. Der kreative Part lag bei uns, aber wir waren froh, ein Team an der Seite zu haben, das Architektur und Bauleitung ausführen konnte. Es war uns wichtig, dass alles aus einer Hand kommt.

Wenn Architekt*innen etwas planen und dem Generalunternehmen die Ausführung überlassen, gibt es immer Schnittstellen. Wenn etwas nicht funktioniert, gibt es die Tendenz sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben. Das wollten wir nicht und sind im Endeffekt sehr glücklich damit.

Ohne synthetisches Dämmmaterial zu arbeiten bzw. generell wohngesundes Bauen war uns wichtig.

Worauf muss man eigentlich achten, wenn man ein energieeffizientes Haus bauen will?

Janine: Wir haben zum Beispiel mit Poroton-Ziegeln gebaut. Wenn du mit Holz baust, speichert das Holz das CO2, wenn es nicht verrottet. Deswegen wird Bauen mit Holz als sehr nachhaltig angesehen. Bei einem Poroton-Ziegel, der gebrannt werden muss, wird erstmal Energie freigesetzt. Das hat mir ein bisschen Bauchschmerzen bei der Entscheidung bereitet. Aber da bei Poroton-Ziegeln keine Dämmung, wie Mineralwolle oder Styropor, von außen nötig ist, ist der Ziegel vertretbar.

Das sind Sachen, die wusste ich vorher nicht. Ohne synthetisches Dämmmaterial zu arbeiten bzw. generell wohngesundes Bauen war uns wichtig, genauso wie das Verbauen vieler Glasflächen in Süd-Richtung. Zwar heizt das Haus im Sommer dadurch schnell auf – aus diesem Grund haben wir lange über eine passende Verschattung nachgedacht -, aber im Winter und Herbst kommt mehr Licht und Wärme rein. Die Art, wie ein Haus konstruiert ist, wirkt sich auf die Energieeffizienz aus. Ein großer Punkt ist dabei das Heizsystem. Es war klar, dass wir eine Erdwärmepumpe haben wollen.

Leider haben wir keine Photovoltaik-Anlage eingebaut. Das bereuen wir jetzt sehr, vor allem mit den steigenden Strompreisen. Denn unsere Wärmepumpe wird mit Strom betrieben. Wir verbrennen zwar kein Gas und kein Öl, aber wir haben eine hohe Stromrechnung.

Könnt ihr das relativ einfach nachrüsten?

Janine: Wir haben sogar schon die Leerrohre legen lassen, aber wir konnten uns das damals einfach nicht mehr leisten. Bei der Entwicklung von Photovoltaik-Anlagen tut sich viel, auch was die nachhaltige Herstellung und den Speicher betrifft. Mir war damals nicht klar, ob es schon gute Cradle-to-Cradle-Hersteller gibt und ob die bestimmte Zertifizierungen haben. Auch deshalb haben wir damals beschlossen, mit dem Einbau einer Photovoltaik-Anlage noch zu warten. Wenn wir heute eine beantragen würden, würden wir wahrscheinlich erst in zwei Jahren eine bekommen. Jetzt ist die Nachfrage natürlich groß, aber wir werden das auf jeden Fall noch machen.

Das maßangefertigte Treppenmöbel dient als Keller-Ersatz.

Es nicht immer so, dass neu bauen weniger nachhaltig ist als sanieren.

Als „Sustainable Stylist“ bist du tief im Thema Nachhaltigkeit verwurzelt. Wann hast du den Wunsch verspürt, das Thema auszuweiten und ein komplett nachhaltiges Haus zu bauen?

Janine: Tief im Herzen wollte ich lieber ein Haus sanieren. Ich habe mittlerweile viel mit Architekt*innen darüber gesprochen und es beruhigt mich, wenn Menschen aus der Branche sagen, dass Sanierung nicht immer nachhaltiger ist. Früher wurde mit viel dünneren Wänden gebaut. Die müssen isoliert werden, dann muss vielleicht noch der alte Keller trockengelegt und die Heizanlagen ausgetauscht werden. Bei einem alten Haus muss man so viel machen. Deshalb ist es nicht immer so, dass neu bauen weniger nachhaltig ist als sanieren.
 
Mit einem Neubau kann man sehr viel richtig machen. Aber die Tatsache, dass wir kein Mehrfamilienhaus gebaut haben, ist natürlich per se nicht nachhaltig. Wenn man ehrlich ist, ist der Platz nicht da, dass jeder mit seiner Familie auf einem eigenen Stückchen Land wohnt. Wir müssten viel mehr in die Höhe bauen. Wenn man ganz nachhaltig wohnen will, muss man ein Tiny House auf Stelzen bauen. Dann dürfte man gar keinen Boden versiegeln. Man könnte entweder ein Tiny Haus bauen oder auf ein vorhandenes Gebäude aufstocken und da einziehen. Das wäre nachhaltiger als das, was wir gemacht haben. In der Tiefe habe ich damals nicht darüber nachgedacht. Das kommt erst im Laufe der Zeit. Und jetzt versuchen wir, das Beste daraus zu machen.

Hinter unserem Haus ist momentan noch ein Wald, aber da wird jetzt eine neoklassizistische Villa hingebaut. Mich schmerzt es zu wissen, dass die Bäume wegkommen, weil sie in der Feuerwehrzufahrt stehen. Aber ich kann verstehen, dass auch andere Menschen ein Haus mit Garten haben wollen. Das wollten wir schließlich auch. Man kann nicht selbst etwas für sich in Anspruch nehmen, was man anderen dann verwehrt. Wir müssen trotzdem darüber sprechen, für wie viele Menschen das noch möglich sein wird und was man alternativ machen kann. Es muss eine Wohnweise sein, in der sich Menschen wohlfühlen.

Janine Dudenhöffer hat viele liebevoll ausgewählte und aufgearbeitete Vintage-Möbel, die mit ins neue Haus umgezogen sind.

Wie kann das gelingen?

Janine: Städte werden lebenswert, wenn sie begrünt und nicht so eng zugebaut sind, viele Parks, begrünte Fassaden und luftdurchlässige Korridore entstehen und die Städte sich nicht so aufheizen. So ist eine Stadt keine Asphalt-Wüste, sondern hat einen grünen Charakter.

Mein Ansatz ist, sich erstmal aus dem zu bedienen, was schon da ist.

Natalia, in deinem „Studio Nati“ berätst du Kund*innen, wie sie ihre Inneneinrichtung möglichst nachhaltig gestalten können. Auch Janine hast du hier im Haus unterstützt. Wie gelingt eine einfache, nachhaltige Einrichtung?

Natalia: Vorab sende ich meinen Kund*innen einen Fragebogen, den sie ausfüllen. Wir schauen dann gemeinsam, was schon vorhanden ist, was im Falle eines Umzugs behalten werden soll und was neu gebraucht wird. Mein Ansatz ist, sich erstmal aus dem zu bedienen, was schon da ist. Es müssen nicht die kompletten Möbel ausgetauscht werden. Sie können einfach neu angestrichen und mit Deko-Elementen aufgewertet werden.

Bei Möbeln, die man länger hat, würde ich immer auf Qualität setzen. Eine Vase oder ein Bild lassen sich schneller austauschen, aber bei Sachen, von denen lange gezehrt werden soll, würde ich immer dazu raten, tiefer in den Geldbeutel zu greifen oder darauf zu sparen – und dann mit Bedacht zu kaufen.

Janine: Eigentlich gibt es viele Parallelen zwischen Mode und Interior.

Natalia: Total. Es gibt Kund*innen, die alles neu haben wollen. Ich versuche dann, Sachen, die sie bereits besitzen, mitzunehmen und ein bisschen zu verändern. Bereits vorhandene Sachen sind am nachhaltigsten. Es gibt mittlerweile viele schöne Brands, „Pamono“ zum Beispiel, die machen tolle Vintage-Möbel. Auch bei „eBay Kleinanzeigen“ kann man richtig coole Sachen finden, wie die angesagten Marmor-Tische zum Beispiel.

Natalia und Janine planen schon wieder neue Interior Projekte für Janines Haus!

Viele haben den Drang nach Perfektionismus. Aber es ist leichter, wenn man nach und nach Sachen dazukauft – ohne Druck und in Ruhe. Das ist viel nachhaltiger.

Viele haben diesen Gedanken, dass beim Einzug alles perfekt eingerichtet sein muss.

Nati: Viele haben den Drang nach Perfektionismus. Aber es ist leichter, wenn man nach und nach Sachen dazukauft – ohne Druck und in Ruhe. Das ist viel nachhaltiger. Mit „Photoshop“ oder speziellen Interior-Programmen helfe ich bei der Visualisierung. So kann man gleich sehen, wie zum Beispiel ein Wandteppich an einer bestimmte Stelle aussieht.
 
Janine: Das ist eine große Hilfe bei der Entscheidung. So können Retouren vermieden werden, weil du dir sicher bist, dass es das ist, was du wirklich willst.

Wir haben viel Zeit in das Treppen-Möbel investiert. Das ist sozusagen unser Keller und wir brauchten viel Stauraum.

Was ist in den 1,5 Jahren, die du mit deiner Familie jetzt in dem Haus lebst, schon fertig geworden? Was steht noch an?

Janine: Wir haben viel Zeit in das Treppen-Möbel investiert. Das ist sozusagen unser Keller und wir brauchten viel Stauraum. Also haben wir uns die Schränke unter der Treppe maßanfertigen lassen. Das Chaos da drinnen haben wir mittlerweile organisiert. Es gibt verschiedene Fächer für Büro-Sachen, den Drucker und zwei Hocker – falls wir mehr Gäste haben. Zwei große Fächer hatte ich eigentlich für die Polster von der Terrasse gedacht, aber da ist jetzt die Deko von Ostern und Weihnachten drin. Es gibt also immer wieder Fehler bei der Planung. Wir haben auch noch nicht alle Lampen. Und die Wand hinter dem Bett ist noch sehr kahl. Aber da hat Nati schon viele tolle Ideen. Ich bin immer froh über die ganz kleinen Schritte.

Als „Sustainable Stylist“ hilft Janine ihren Kund*innen, modische Kombinationen zu finden, in denen sie sich sicher und stark fühlen.

Die Steckdosen-Planung hat mich damals nicht wirklich interessiert – heute würde ich da mehr drüber nachdenken.

Die Fassade des Hauses ist zum Teil schwarz gehalten.

Gibt es etwas, was du jetzt anders machen würdest oder nachbessern willst?

Janine: Die Treppe war schmaler geplant, sodass im Essbereich noch mehr Platz sein sollte. Im Nachhinein würde ich genauer darauf achten, dass die Maße eingehalten werden. Und ich würde manche Regale im Treppen-Möbel ausziehbar machen, sodass man besser an die hinteren Dinge kommt. Oder eine Steckdose für den Drucker einplanen. Das sind wirklich Luxusprobleme, aber wir haben uns so viele Gedanken über diesen Stauraum gemacht. Am Ende war es leider eine Budget-Frage.
 
In meinem Kleiderschrank brauche ich diese kleinen Löcher zum Verstellen der Böden nicht, die stören mich jetzt total. Wenn man das schon vom Schreiner machen lässt, würde ich heute darauf bestehen, dass keine zusätzlichen Löcher im Schrank sind – die Regale verstellt man ehrlicherweise nie!
 
Ein weiterer Punkt ist die Steckdosen-Planung, die hat mich damals nicht wirklich interessiert. Heute würde ich da mehr drüber nachdenken. Es sind einfach zig Dinge, auf die du gleichzeitig achten musst.

Natalia sucht gerade für Janine eine passende Lampe, die über den Spiegel im Kleiderschrank passt, sodass die Stangen der Hängeelemente dennoch heruntergelassen werden können.

Rückblickend betrachtet – würdest du es dennoch genauso noch mal machen?

Ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob ich den Hausbau heute nochmal so machen würde. Es war eine sehr kräftezehrende Zeit, noch dazu in der Pandemie. Ich bin an meine Grenzen gekommen, es ist kein Zuckerschlecken. So viel musste sehr schnell entschieden werden, damit der Zeitplan eingehalten werden konnte.
 
Es ist so wundervoll hier und ich bin so dankbar, dass wir das machen konnten. Jeder/jedem, die*der sowas plant, sollte aber auf dem Schirm haben, wie viel Arbeit das alles bedeutet. Es ist eine große Belastung, auch finanziell. Auf Instagram sieht das immer so leicht aus. Auch, weil die Leute selten über die ganzen Schwierigkeiten sprechen. Über die Belastungsproben auf allen Ebenen.

Mir hilft es immer zu wissen, was auf eine*n zukommt. Jetzt, wo wir damit durch sind, weiß ich, wovon die anderen immer gesprochen haben. Das ist ein bisschen so wie mit dem Kinderkriegen. (lacht)

Vielen Dank für den inspirierenden Tag bei dir, liebe Janine!

Janine Dudenhöffer in ihrem Wohnzimmer arbeitend | femtastics

Hier findet ihr den Interior Service von Natalia Pietrasinska:

Hier findet ihr den #wardrobestyling-Service von Janine Dudenhöffer:

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