Die Modebranche ist im Umbruch, dennoch hat sich die 19-jährige Kendra Lüders, die in der Nähe von Bremen aufgewachsen ist, mit 17 für ein Modedesignstudium an der Akademie Mode & Design in Hamburg entschieden. Und der Entschluss trägt Früchte: Gerade heimste die Viertsemesterin den dritten Platz beim Wettbewerb „Kreation des Jahres“ ein, den Gala von Eduscho Ende letzten Jahres an der Modeschule ausgeschrieben hat. Wir sprechen mit ihr über ihren Entwurf „Change“, Zukunftspläne, Konkurrenzdruck im Studium und, ob sie nach dem Studium den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchte.
Kendra Lüders: Unsere Modedesigndozentin Susanne Müller-Elsner hat uns das Projekt Anfang November vorgestellt und ich wusste sofort, dass ich mitmachen möchte. Bei der Projektvorstellung habe ich sofort gemerkt, dass es realitätsnah ist, wie es auch in der Zukunft in der Modebranche sein wird. Mich hat sehr begeistert, dass man überlegen musste, was der Kunde will, was man selbst mit seinem Entwurf ausdrücken möchte und wo man dann den Schnittpunkt findet. Bis zu dem Zeitpunkt haben wir im Rahmen des Studiums nur für uns gearbeitet. Dass man für jemand anderen designt und sich und seinen Entwurf „verkaufen“ musste, fand ich sehr spannend.
Am meisten habe ich gelernt, mich auf jemand anderen einzustellen. Ich hätte noch viel wilder und experimenteller sein können, aber es muss am Ende auch tragbar sein.
Da es um die Neuerung der Verpackung des Produktes ging, habe ich mir die Frage gestellt, wie man Tradition und Moderne verbinden kann. Dabei ist mir gleich klar geworden, dass ich einen Kolibri-Print einfügen werde, weil er so aussagekräftig ist. Bei der Jacke, die ich entworfen habe, war die Idee, dass die Trägerin sie selbst verändern beziehungsweise selbst designen kann. Jetzt kann man die „Flügel“ an den Seiten mit einem Reißverschluss abtrennen oder anknöpfen.
Wir hatten Hilfe von Schnittdirektricen. Eigentlich nähen wir alles selbst, aber dieses Mal haben wir es aus Zeitgründen an die Direktricen abgegeben. Das war schwer, weil man selbst am besten weiß, wie man es gerne haben möchte. So wird es aber auch im späteren Arbeitsleben sein, da wird man auch nicht alles selbst nähen können. Es war toll, das fertige Kleid im „Real Life“ zu sehen.
Am meisten habe ich gelernt, mich auf jemand anderen einzustellen. Ich hätte noch viel wilder und experimenteller sein können, aber es muss am Ende auch tragbar sein. Hinzu kommt das Thema Zeitmanagement. Das lernt man immer wieder bei Projekten. Damit alles klappt, muss man von Anfang an gut planen.
Ich finde die Dozenten machen das sehr gut, ich fühle mich nicht unter Druck gesetzt, einem bestimmten Stil gerecht zu werden. Dabei gehen die Dozenten auch auf jeden Studenten ein. Man merkt nicht, dass die Dozenten einen Studenten bevorzugen und dadurch kommt unter uns Studenten auch kein Druck an. Wir sind eher eine große Gemeinschaft, die zusammenhält. Man merkt mittlerweile allerdings mehr Ehrgeiz als im ersten Semester. Aber wir gönnen einander die Erfolge.
Auch wenn ich nicht viel verdiene, möchte ich einen Job haben, der mich erfüllt.
Ich habe viele Vorurteile gehört, zum Beispiel, dass das Modebusiness eine brotlose Kunst sei. Aber jeder kann etwas erreichen, wenn er es auch wirklich will. Wenn ich es nicht probiere, bereue ich es mein Leben lang. Ich muss das einfach machen, um zu sehen, ob diese Branche etwas für mich ist oder nicht. Vor dem Studium wusste ich das natürlich noch nicht, jetzt bekomme ich langsam die Bestätigung durch die Dozenten und mein Umfeld. Auch wenn ich nicht viel verdiene, möchte ich einen Job haben, der mich erfüllt. Ich möchte nicht zu einem Job gehen und keine Lust auf meine Arbeit haben.
Im vierten Semester kommt der Kurs „Marketing“ hinzu. Die vorherigen Semester stützen sich eher auf den kreativen Teil. Ich glaube, im sechsten oder siebten Semester ist ein Kurs über das Thema Gründen angelegt.
Im Abitur hatten wir drei Schwerpunkte, unter anderem das Thema Mode. Bei dem Thema bin ich hängen geblieben und habe bestimmte Projekte wahrgenommen. Da war für mich klar, dass ich mir gut vorstellen kann, Modedesign zu studieren. Für mich war ebenfalls von Anfang an klar, dass ich kein theoretisches Studium machen möchte. Ich wusste bereits ab der elften Klasse, dass ich in der Modebranche arbeiten möchte – als Mitschüler noch gar nicht wussten, was sie einmal machen wollen.
Ich habe erstmal geschaut, welche Städte für mich in Frage kommen. Ich habe mir die drei Standorte der AMD in Berlin, München und Hamburg und zusätzlich die Esmod in Berlin angeschaut. Aber natürlich hängt es auch davon ab, wo man angenommen wird. München war mir dann doch zu weit von meiner Heimatstadt bei Bremen entfernt. Hier in Hamburg brauche ich nur eine Stunde bis nach Hause. Auch die Akademie hat mich total überzeugt, weil sie der allererste Standort der AMD ist.
Es ist wichtig, dass man zu seinen Gefühlen steht. Heutzutage muss man immer stark und taff sein, aber man kann auch scheitern und das ist menschlich.
Im Studium wird uns nahegelegt, dass wir uns ausprobieren sollen. Ich habe aber gemerkt, dass ich nicht der traditionellen Mode und dem Mainstream nachgehe. Natürlich muss man auch darauf achten, was gerade „in“ ist, aber man sollte nicht Trends in den Fokus der eigenen Arbeiten stellen. Meinen eigenen Stil habe ich noch nicht gefunden.
Das dritte Semester war für mich ein Knackpunkt, da habe ich gemerkt, dass für mich viel über das Gefühl geht. Es gibt nichts Explizites, an dem ich mich orientiere, sondern es ist bei mir eher eine Gefühlssache. Vor kurzem habe ich zum Beispiel eine Kollektion entwickelt, die sich darauf bezieht, dass bei Menschen im Äußeren alles schön aussieht und im Inneren sieht es komplett anders aus. Es ist wichtig, dass man zu seinen Gefühlen steht. Heutzutage muss man immer stark und taff sein, aber man kann auch scheitern und das ist menschlich. So etwas interessiert mich sehr – auf das Innere einzugehen. Mode ist ein Weg sich selbst auszudrücken.
Im dritten Semester hatten wir die Aufgabe, uns von einem Designer inspirieren zu lassen. Ich habe den Designer Ryota Sakai als Inspirationsquelle gewählt. Er hat einen sehr asymmetrischen und Hybrid-artigen Stil. Das finde ich sehr interessant. Aber bei jedem Designer gibt es etwas, das ich für meine Entwürfe mitnehme. Allerdings nie alles, weil man auch seinen eigenen Stil entwickeln möchte und nicht kopieren soll.
Generell kann ich mir vorstellen, mein eigenes Label zu gründen, allerdings nicht direkt nach dem Studium. Ich muss erst mal gucken, wie die Modewelt so tickt. Wir haben zwar im fünften Semester das praktische Semester mit Praktika, aber ich möchte erstmal richtig in einem Unternehmen gearbeitet haben, vielleicht als Designassistentin. Eine Label-Gründung würde ich nie ausschließen – man weiß nie, wo einen der Weg hinführt.
Ich würde das Praktikum gerne aufteilen und es im Ausland und in Hamburg machen. Ich möchte auch die Erfahrung machen, mal woanders zu leben. Ein spezifisches Label habe ich nicht im Sinn. Davon mache ich es nicht abhängig, ich gucke einfach, wo ich am meisten lernen kann.
Das kann ich mir gut vorstellen, allerdings nicht im Bereich Modedesign, sondern eher im Bereich Nachhaltigkeit. Es ist schön, nicht nur das Design zu beherrschen, sondern auch zu sehen, wie man in der Modewelt etwas verändern kann.
Im Studium kann es weniger berücksichtigt werden, weil es auch eine Geldfrage ist. Generell achten wir aber darauf, dass wir nicht überflüssigen Stoff kaufen und allgemein nichts verschwenden. Wir haben eine Kiste, in der wir kleinere Stoffreste aufbewahren, die wir wiederverwerten können. Das finde ich total wichtig, dass man nicht immer etwas einfach wegschmeißt. In den theoretischen Fächern beschäftigt uns Nachhaltigkeit sehr. Das finde ich auch sehr wichtig. Ich möchte etwas verändern und ein „Macher“ sein.
Mit der Mode kann man nicht nur sich selbst, sondern auch seine eigene Power nach außen tragen! Und generell finde ich, dass es noch viel mehr weibliche Designer geben sollte. Es gibt so viele männliche Designer. Frauen sind genauso kreativ wie Männer!
Fotos: Sarah Buth
Layout: Kaja Paradiek
– Werbung: Diese Homestory ist in Zusammenarbeit mit „Gala von Eduscho“ entstanden –
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