MYLILY – dieses Start-up klärt mit Biotampons und Workshops über die Periode auf

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2. April 2020
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Das Hamburger Start-up MYLILY hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass Frauen sich in ihrem Körper selbstbewusst und wohl fühlen. MYLILY stellt schadstofffreie Biotampons und -Binden her, die Mensch und Natur nicht schaden. Außerdem legen sie Wert darauf, mit ihrer Arbeit zur Aufklärung über die Periode beizutragen – besonders bei Kindern und Jugendlichen. Dafür hat MYLILY das „First Period Kit“ herausgebracht und bietet Workshops zur Periode in Schulen an. Hinter dem Start-up stecken Dennis Werner und Heide Peuckert, die gemeinsam gegründet haben. Wir treffen die 35-jährige Heide zum Interview in ihrem Büro.

femtastics: Wie kamst du darauf, dich mit dem Thema Menstruation zu befassen?

Heide Peuckert: Ich war mit einer amerikanischen Freundin in Mexiko unterwegs und wir wollten tauchen gehen. Sie sagte plötzlich, sie könne leider nicht tauchen, weil sie ihre Tage bekommen habe. Ich fragte nur, warum sie nicht einfach einen Tampon benutze und sie antwortete, das wolle sie nicht, weil in Tampons so viele Schadstoffe seien. Ich habe mich gewundert, das war das erste Mal, dass ich mir darüber Gedanken gemacht habe, welche Inhaltsstoffe in Tampons stecken.

Später wollte ich das recherchieren, aber es lässt sich gar nicht so leicht herausfinden, was in Tampons drin ist, weil es auf den meisten Packungen nicht drauf steht. Bei Binden ist das genauso. Das fand ich erschreckend.

Unsere Produkte bestehen zu 100% aus Biobaumwolle – andere Stoffe sind nicht drin, auch keine synthetischen Fasern. Alle Produkte sind hypoallergen und frei von Schadstoffen und Pestiziden.

Biotampons und -Binden von MYLILY.

Wie verlief der Weg von dieser Feststellung bis zur Gründung von MYLILY?

Zunächst habe ich intensiv über das Thema nachgedacht und mit vielen Leuten darüber gesprochen. Ich war in der Start-up-Szene sehr gut vernetzt, denn ich habe mich schon während meines BWL-Studiums viel mit Start-ups und innovativen Ideen beschäftigt. Nach dem Studium habe ich zuerst für ein Start-up im deutschen Wohnungsmarkt gearbeitet, dann mit Start-ups für eine Software-Firma. Ich wusste, dass ich irgendwann mein eigenes Unternehmen gründen möchte.

Dennis kannte ich bereits über diverse Veranstaltungen und wir wussten schnell: Wir machen das entweder ganz oder gar nicht. Wir sind sehr wissenschaftlich vorgegangen, haben den Markt analysiert und uns über nachhaltige Produktionsmöglichkeiten und Materialien informiert. Als wir sicher waren, dass wir es umsetzen können und dass hinter unserer Vision wirklich ein Geschäftsmodell steht, haben wir direkt unsere Jobs gekündigt und losgelegt.

Wie lange hat es gedauert bis MYLILY auf dem Markt war?

Von der Entscheidung, zu gründen, bis zum Launch der Website waren es rund vier Monate. Wir sind sehr sportlich unterwegs. (lacht) Wir sind mit den Tampons gestartet, die anderen Produkte kamen später dazu.

Was wollt ihr mit MYLILY anders machen?

Wir wollen unseren Kundinnen volle Transparenz geben. Unsere Produkte bestehen zu 100% aus Biobaumwolle – andere Stoffe sind nicht drin, auch keine synthetischen Fasern. Alle Produkte sind hypoallergen und frei von Schadstoffen und Pestiziden. Die Produkte sind mit dem „Global Organic Textile Siegel“ (GOTS) zertifiziert.

Was uns ebenfalls wichtig ist: Wir möchten sinnvolle Kooperationspartner unterstützen – wir arbeiten mit Menschen mit Behinderung und dem Frauen-Projekt „Taste of Malawi“ zusammen. Unsere „Period Bags“, die kleinen Täschchen für Periodenprodukte, werden in Malawi gefertigt und dieses Projekt ermöglicht Frauen dort eine Schneiderausbildung. Wir möchten beweisen, dass Business, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung Hand in Hand gehen können und auch zusammengehören. Ich denke, das unterscheidet uns von vielen anderen Unternehmen auf dem Markt.

Ebenso ist Aufklärung ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit: Sowohl auf unseren Kanälen – auf Instagram und unserer Website – als auch in Schulen möchten wir über die Periode aufklären und mit Tabus brechen.

Dennis und Heide haben MYLILY gemeinsam gegründet.

Das „First Period Kit“ von MYLILY soll bei der Aufklärung über die Periode helfen und Mädchen Selbstbewusstsein geben – neben den gezeigten Produkten wie Biotampons, „Periodicle“ und Zyklustagebuch beinhaltet es weitere wie Binden, ein Kirschkernkissen und Postkarten.

Wie schwierig ist es, sich als Start-up gegen die großen Player am Markt durchzusetzen?

Jede Frau kennt die großen Marken für Periodenprodukte. Vielleicht kennen wir sie schon von unseren Müttern, wir haben uns an die Marken gewöhnt und vertrauen ihnen. Aber auf dem Markt der Damenhygiene ist seit Jahren nichts passiert, es ist Zeit, dass Innovation passiert und neue nachhaltige Ansätze sich durchsetzen. Uns ist es sehr wichtig, unsere Kundinnen zu verstehen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Wir stehen in regem Austausch mit unserer Community – auf Instagram, Facebook, per E-Mail und durch Feedback-Formulare – und binden sie in unsere Entscheidungen ein. Das schätzen unsere Kundinnen.

Wie hat sich euer Sortiment erweitert?

Auch das hing mit Wünschen von Kundinnen zusammen. Nach den Tampons, mit denen wir gestartet sind, haben wir Slipeinlagen, Tag- und Nachtbinden und Menstruationstassen herausgebracht. Danach kamen Produkte wie das „First Period Kit“ und unser „Periodicle“ hinzu.

Mit dem „First Period Kit“ möchtet ihr Mädchen über die Periode informieren und aufklären. Wie gelingt das?

Einerseits wussten wir aus eigener Erfahrung, andererseits aus unserer Community, dass die Aufklärung zur Periode noch recht mangelhaft ist. Es ist immer noch ein Tabuthema. Uns interessant, wie Frauen und Männer heute damit umgehen, deshalb haben wir eine umfangreiche Umfrage gestartet, mit über 4.000 Teilnehmer*innen. Dabei haben wir festgestellt, dass die Aufklärung zur Periode in den Schulen noch immer sehr schlecht ist, im Grunde hat sich seit Jahrzehnten nicht viel geändert.

Mit unserem „First Period Kit“ möchten wir einen Beitrag dazu leisten, über die Periode aufzuklären und dazu beizutragen, dass offener über das Thema geredet wird. Die Kits beinhalten unser Aufklärungsmagazin „Periodicle“, Karten für die Eltern, wenn die Worte fehlen, unsere Tampons und Binden, einen Selbsterkundungsspiegel, unser Täschchen für Periodenprodukte von „Taste of Malawi“, ein Kirschkernkissen, einen Zykluskalender und kleine Goodies.

Ich habe mich geschämt, weil ich die erste war, die ihre Periode bekommen hat. Aber jetzt weiß ich, dass das völlig normal ist und ich mich nicht schämen muss.

– eine Schülerin im MYLILY-Workshop

Wie kamt ihr auf die Idee, Workshops in Schulen zu veranstalten?

Dennis Werner (der dazugekommen ist): Am Anfang stand das Aufklärungsmagazin. Dann haben wir Anfragen bekommen, von Lehrer*innen und Eltern, wie man besser über die Periode aufklären kann, woraufhin wir uns überlegt haben, was wir über das Magazin hinaus anbieten können. So kam es zu den Workshops.

Heide: Auch durch unsere Umfrage haben wir verstanden, dass es einen großen Bedarf danach gibt. Unsere Magazine stellen wir auch Frauenärzt*innen zur Verfügung, damit sie diese auslegen können.

Dennis: Eigentlich bin ich gerade zu euch gekommen, um euch zu erzählen, dass wir gerade eine Kundenrezension erhalten haben, in der uns eine Mutter dafür dankt, dass wir bei der Aufklärung helfen. Es ist schön, wie wir über das Magazin hinaus unterstützen können.

Wie habt ihr euer Aufklärungsmagazin „Periodicle“ entwickelt?

Heide: Das Magazin ist hier im Team entstanden, es beinhaltet Informationen, persönliche Geschichten, Illustrationen und Grafiken. Die Cover-Illustration stammt von einer Illustratorin aus Schottland. Wir haben alle Informationen ausführlich recherchiert und dann von einer Frauenärztin gegenlesen lassen. Dabei kam heraus, dass viele Informationen, die wir gefunden hatten, gar nicht stimmen. Selbst in vermeintlich zuverlässigen Quellen wird zum Teil falsche Information zur Periode vermittelt.

Um welche Themen geht es in den Workshops?

Das sind im Grunde dieselben Themen wie in unserem Magazin – von der weiblichen Anatomie über die Periode bis zum Thema Verhütung. In den Workshops geht es auch viel darum, die Normalität zu transportieren, es sind auch persönliche Geschichten dabei, es geht um Austausch und die Teilnehmer*innen können Fragen stellen. Bislang haben wir die Workshops immer mit Mädchen und Jungen zusammen gemacht, immer mit einer Schulklasse. Auch die Jungs sind sehr interessiert an dem Thema und es ist super wichtig, dass sie auch über die Periode aufgeklärt werden. Wir haben super Feedback bekommen.

Auf unserer Website kann man sich über die Workshops informieren und uns per E-Mail kontaktieren, wenn Interesse besteht, einen solchen Workshop in einer Schule zu veranstalten.

Die Periode ist ein sehr wichtiges Thema – wenn man bedenkt, dass man die Periode einmal im Monat hat!

– eine Schülerin im MYLILY-Workshop

Zum „First Period Kit“ von MYLILY gehören neben Tampons und Binden auch ein Aufklärungsmagazin, ein Zyklustagebuch, ein handgenähtes Täschchen für Periodenprodukte, ein Selbsterkundungsspiegel und andere Goodies!

Muss mehr über die Periode gesprochen und informiert werden?

Ja, auf jeden Fall. Wir freuen uns, dass es immer mehr Initiativen und Informationen zur Periode gibt und dass mehr Aufklärung betrieben wird. Auch die Diskussion zur Senkung der Mehrwertsteuer auf Hygieneprodukte war wichtig. Dennoch ist es immer noch ein Tabuthema und es gibt immer noch Mädchen oder Frauen, die sich dafür schämen, ihre Periode zu haben. Solange es nicht ganz normal ist, eine andere Frau nach einem Tampon zu fragen, haben wir noch viel zu tun.

Wir sehen es an unserem eigenen Umfeld: Wenn wir auf Partys oder mit Freunden zusammen sind, werden wir so viel zum Thema Periode gefragt, das ist der Wahnsinn.

Dennis: Ich musste zu Beginn unserer Gründung erst einmal meine Freundin ausfragen: Welche Produkte nutzt du eigentlich? Und wie viele Tampons brauchst du pro Periode? (lacht)

Wenn wir auf Partys oder mit Freunden zusammen sind, werden wir so viel zum Thema Periode gefragt, das ist der Wahnsinn.

Was habt ihr selbst im Laufe eurer Arbeit an MYLILY über die Periode gelernt, das ihr vorher nicht wusstet?

Sehr viel! Wir lernen andauernd dazu. Auch weil wir viele Fragen aus unserer Community erhalten, die wir zusammen mit Frauenärzt*innen beantworten müssen. Dadurch bilden wir selbst uns immer mehr weiter.

Ihr arbeitet daran, dass eure Produkte so nachhaltig wie möglich sind. Müssen Tampons aus Hygienegründen immer in Folie verpackt sein?

Dennis: Es gibt mittlerweile eine Tamponart, die sich in Papier verpacken lässt, aber es ist fraglich, ob das nachhaltiger ist, weil Papier erstens selten recycelt wird und zweitens diese Tampons dann eine Beschichtung haben müssen. Unsere bestehen zu 100% aus Biobaumwolle und müssen deshalb in Folie verpackt werden.

Heide: Viele Tampons haben eine Beschichtung aus unterschiedlichen Stoffen, oftmals aus Plastik, die sie in Form halten. Das wollten wir bewusst nicht. Unsere Tampons sollen hypoallergen sein und zu 100% aus Biobaumwolle bestehen.

Das Thema Periode wird in der Schule nur sehr diskret und sachlich besprochen, anstatt mal zu sagen, dass es in Ordnung ist und was es mit einem macht.

– eine Schülerin im MYLILY-Workshop

MYLILY stellt neben Biotampons und -Binden auch Menstruationstassen her.

Wie beurteilt ihr den Trend zu Menstruationstassen? Ist die Nachfrage groß?

Es gibt „Team Tasse“ und „Team Baumwolle“, aber das Interesse an Menstruationstassen wächst auf jeden Fall. Sie sind mittlerweile im Mainstream angekommen. Das ist gut, weil es eine sehr nachhaltige, umweltschonende Option ist. Die Menstruationstasse gibt es übrigens schon lange, ursprünglich kam sie in der Entwicklungshilfe zum Einsatz und dann über die Nachhaltigkeitsszene zu uns.

Ich persönlich hatte anfangs Berührungsängste gegenüber der Menstruationstasse. Ich teste natürlich alle unsere Produkte ausgiebig selbst und den Test der Menstruationstasse habe ich vor mir hergeschoben. (lacht) Aber: Sie ist super!

Habt ihr das Produkt je als Konkurrenz gesehen?

Für uns ist es wichtig, dass jede Frau das Produkt auswählen kann, mit dem sie sich wohl fühlt, deshalb war für uns klar, dass wir auch Menstruationstassen anbieten werden. Jede Frau muss selbst entscheiden, welches Produkt sie nutzen möchte. Wir bieten Menstruationstassen in fünf unterschiedlichen Größen an, weil die Anatomie jeder Frau etwas anders ist und nicht eine Größe für alle passt.

Für uns ist es wichtig, dass jede Frau das Produkt auswählen kann, mit dem sie sich wohl fühlt, deshalb war für uns klar, dass wir auch Menstruationstassen anbieten werden.

Wo sind eure Produkte erhältlich?

Sie lassen sich in unserem Online-Shop bestellen und sind deutschlandweit bei Rossmann sowie in vielen Edeka, Budni, Rewe, Famila, Combi und Reformhäusern erhältlich. In Österreich und der Schweiz erhält man uns auch online oder bei BiPa.

Welche Ziele und Pläne habt ihr für die Zukunft?

Unser grundsätzliches Ziel ist, dass Frauen sich in ihren Körpern wohl fühlen. Für uns gibt es drei Säulen, um das Ziel zu erreichen. Erstens bieten wir weiterhin Produkte ohne Bullshit an, mit denen sich Frauen gut fühlen können, weil sie für ihren Körper und die Umwelt gesund sind. Zweitens möchten wir dazu beitragen, dass Frauen sich wohl fühlen, weil sie aufgeklärt sind und wissen, was in ihrem Körper passiert. Drittens kann man sich nur wohl fühlen, wenn man auch von außen akzeptiert und anerkannt wird – in dieser Hinsicht ist es wichtig, weiterhin am Abbau von Tabus zu arbeiten.

Vielen Dank für das Interview!

Hier findet ihr MYLILY:

Layout: Kaja Paradiek 

– Werbung: Diese Story entstand in Zusammenarbeit mit MYLILY –

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