Easy Vanlife: Fabienne Höppner reist mit Hund in ihrem umgebauten „VW Polo“ durch Europa

2. Oktober 2023

Die Berlinerin Fabienne Höppner (32) reist mit ihrem Hund Porthos in ihrem 24 Jahre alten „VW Polo“ quer durch Europa. Die Selbstständige hat vor einigen Jahren ihr eigenes Unternehmen gegründet und arbeitet aktuell remote von ihrem Auto aus an den schönsten Orten. Dass man für Vanlife und das Leben unterwegs auf vier Rädern nicht immer unbedingt viel Geld braucht, beweist sie mit ihrem selbst ausgebautem Auto, in dem sie unterwegs schläft und lebt.

Der Wille nach Freiheit war groß. Also habe ich mein Auto nach dem Motto „Geht nicht gibt’s nicht” umgebaut.

femtastics: Seit wann reist du durch Europa?

Fabienne Höppner: Ich bin immer gern und viel gereist. Nach meinem Master in Steuerrecht und Unternehmensbesteuerung und einem Job im Steuerbüro war der Wille nach Freiheit groß. Also habe ich mein Auto nach dem Motto „Geht nicht gibt’s nicht” umgebaut. Seit zwei Jahren bin ich nun zusammen mit meinem Hund unterwegs. Dieses Jahr sind wir schon fünf Monate gereist.

Happy Vanlife: Fabienne Höppner reist seit zwei Jahren immer wieder mit ihrem Hund im umgebauten „VW Polo“ durch Europa.

Was hat dich dazu inspiriert, deinen „VW Polo“ umzubauen und auf Reisen zu gehen?

Ich bin ein Fan davon, Sachen einfach zu machen. Ich dachte mir: Was bringt es mir, fünf Jahre auf einen Bus zu sparen und in der Zwischenzeit so gar nichts mit meinem Traum machen zu können? Es hat mich gereizt auszuprobieren, mit wie wenig man auskommen kann.

Es hat mich gereizt auszuprobieren, mit wie wenig man auskommen kann.

Wohin ging der erste Trip?

Der erste Trip ging erstmal für eine Nacht in die Sächsische Schweiz, weil ich ausprobieren wollte, wie es ist, in meinem Auto zu schlafen. Vielleicht würde es mir gar nicht gefallen? Ich habe aber direkt gemerkt: Mehr als mein Auto und Porthos brauche ich nicht.

Also hast du das Auto weiter ausgebaut?

Ich habe immer mehr umgebaut. Am Anfang hatte ich nur eine Matratze auf umgeklappten Rückbänken. Das war super unbequem, also habe ich die Rückbank ausgebaut und eine Unterkonstruktion inklusive vernünftiger Matratze eingebaut. Dann habe ich gemerkt, dass ich eine Art Küche brauche. Also habe ich den Beifahrersitz ausgebaut und eine Mini-Küche eingebaut.

Die größte Herausforderung waren eigentlich die großen Mengen Futter für Porthos. Eigentlich wird er gebarft, unterwegs kriegt er aber trotzdem gegartes Gemüse und Reinfleisch-Dosen. Rohes Fleisch bei so einer Reise in einem Polo zu transportieren ist nicht wirklich hygienisch und sinnvoll.

Ich bin ein Fan davon, Sachen einfach zu machen.

Wie schaffst du es, mit begrenzten finanziellen Ressourcen über längere Zeiträume zu reisen? Gab es besondere Herausforderungen oder unerwartete finanzielle Wendungen, die du beim Vanlife bewältigen musstest?

Finanzielle Herausforderungen gab es zum Glück noch nicht. Ich habe aber immer Angst vor größeren Schäden am Auto. In Norwegen hatten wir tatsächlich meinen ersten richtigen Autounfall. Wir sind in einen Schneesturm geraten, dann ins Schleudern gekommen und haben die Leitplanke mehrfach gerammt. Da war ich im ersten Moment hilflos, aber zum Glück war das im Endeffekt nur ein Stoßstangenschaden. Die Kosten für die Reparatur waren nicht so teuer.

Wenn ich länger als einen Monat weg bin, vermiete ich meine Wohnung in Berlin unter. Dann sind die Mietkosten weg und man spart einen großen Batzen Geld. Die Unterkunftskosten gleichen sich so fast komplett aus. Essen muss man eh, und dann sind da eigentlich nur noch Spritkosten und Kosten für Sightseeing. Um ehrlich zu sein unterscheiden sich meine Lebenshaltungskosten vom Vanlife zur Stadt nicht groß. In der Stadt geht man schließlich auch essen, ins Kino oder Feiern.

Also würdest du sagen, braucht man gar nicht zwingend große Rücklagen, um auf diese Art zu reisen?

Diesen Punkt finde ich eigentlich am faszinierendsten an meiner ganzen Reise. Die Menschen glauben immer man braucht 3.000 Euro Rücklagen zum Reisen, aber ich bin eigentlich ganz preisgünstig unterwegs. Klar, man muss in ein paar teurere Gadgets investieren wie eine Portable Powerstation und Holz sowie Baumatrialien für den Umbau.

Was hat der Ausbau deines Autos ungefähr gekostet?

Der ganze Ausbau hat, ausgenommen von der Elektronik, in Summe 400 bis 500 Euro gekostet. Es ist also nicht damit zu vergleichen, wenn man sich einen Bus für 8.000 Euro kauft und dann nochmal tausende Euro in den Umbau stecken muss. Das teuerste war bei mir wahrscheinlich die Matratze und die Holzkonstruktionen.

Welche finanziellen Strategien oder Tipps würdest du anderen geben, die davon träumen, ähnliche Abenteuer zu erleben, aber nicht über viel Geld verfügen?

Man sollte sich bei der Planung nicht zu sehr verzetteln. Am besten einfach mal ins Auto setzen und gucken: Was brauche ich? Was kann raus? Wenn man sich bei gewissen Dingen nicht sicher ist, sollte man immer erst eine*n Mechaniker*in fragen. Vor allem bei neueren Autos kann man zum Beispiel die Sitze aufgrund der Airbags nicht einfach so ausbauen.

Probieren geht im Endeffekt über alles. Ich musste vieles zweimal anpassen, aber das hat mir Spaß gemacht. Der Weg ist hier tatsächlich das Ziel. Großes handwerkliches Können und Equipment sind nicht zwingend eine Voraussetzung. Ich habe fast nur eine Stichsäge und einen Akkubohrer benutzt. Im Baumarkt kann man fast alles zusägen lassen. Es ist weniger Hexenwerk als es aussieht! Wenn man ein bisschen Bock auf Handwerken hat und bereit ist, mal seine Perfektion abzulegen, kann das wirklich jede*r schaffen.

Ich bin ein Freiheitskind. Ich brauche vor allem die Berge und komme auch mit mir selbst gut alleine klar.

Hattest du Sorge, allein unterwegs zu sein?

Ich bin nie von mir selbst „genervt“ und mit meinem Hund bin ich nie wirklich ganz allein. Das sind optimale Voraussetzungen für diese Art zu reisen! Ich bin ein Freiheitskind. Ich brauche vor allem die Berge und komme auch mit mir selbst gut alleine klar.

Anfang des Jahres waren wir vier Monate in den skandinavischen Ländern Dänemark, Norwegen und Schweden. Da haben wir allerdings eher selten im Auto übernachtet, sondern eher in Hütten im Wald oder am Waldrand gewohnt. Jobtechnisch brauche ich glücklicherweise nur Strom und Internet.

Ich kann heute entscheiden, wo ich morgen sein möchte. Das ist das Coolste an der ganzen Reise.

Wie organisierst du deine Remote Arbeit?

Ich arbeite für mein eigenes Unternehmen Vollzeit. Eine Selbstständigkeit bedeutet natürlich immer Druck und ein Risiko, aber für mich ist das der faire Preis für die Freiheit, die ich habe. Ich kann heute entscheiden, wo ich morgen sein möchte. Und das ist eigentlich das Coolste an der ganzen Reise. Organisation ist hier beim Remote Arbeiten einfach das A und O.

Reisen mit einem Hund kann eine ganz besondere Erfahrung sein. Wie hat dein Hund auf die Umstellung reagiert?

Autofahren kannte er. Es ist natürlich sehr eng und daher ist auch unsere Bindung eng. Er vertraut mir bis aufs Blut. Nach dieser Testnacht in der Sächsischen Schweiz sind wir ein paar Wochen später in die Alpen aufgebrochen. In der ersten Nacht war er noch etwas verwirrt, aber schon am zweiten Abend hatte er seinen Platz im Auto auf der Matratze gefunden. Wenn er keinen Bock mehr hat, dann legt er sich meistens einfach schlafen. Ich glaube, er findet das ziemlich cool. Tatsächlich verbringt er die meiste Zeit draußen in der Natur und ohne Leine. Ich glaube, viel besser geht es für einen Hund gar nicht.

Ich fand es damals faszinierend zu sehen, dass er so schnell gemerkt hat, dass das jetzt sein Zuhause für eine bestimmte Zeit ist. Und ich bin sehr dankbar, dass er nicht so viel bellt und rumgrummelt, wenn Füchse oder andere Tiere ums Auto herumschleichen.

Fabienne Höppner: „Ich fahre manchmal eine Straße entlang und denke mir: ‚Hey! Das ist ein cooler Ort.‘
Und dann bleibe ich halt stehen.“

Hast du Lieblingsorte, die ihr bereits bereist habt?

Zum Beispiel Ramsau bei Berchtesgaden. Das ist ein unfassbar schönes Fleckchen Erde. Eine Mischung aus Bergen und wunderschönen Wäldern. In den Alpen ist eigentlich alles schön, aber Berchtesgaden ist wirklich toll. Und ich bin ein großer Fan vom Walchensee. Da gibt es auch tolle Aktionen für Camper, sodass man relativ autark stehen kann, ohne die Natur oder die Umgebung zu stören. Ich bin auch gerne mal etwas höher unterwegs. Zum Beispiel zwischen Zugspitz und dem Karwendel Gebirge. Da kann man gute Strecken ohne Leine oder großes Klettern wandern.

Zu der Skandinavienreise kann ich sagen: Ich war selten so geflasht von einem Land wie von Norwegen. Das hat mich vollkommen überrumpelt. Da gibt es so viel Natur, das ist einfach ein anderes Level. Da kann man zehn Tage laufen und nicht einen Menschen treffen. Selbst wenn man es drauf anlegt. Das ist so faszinierend!

Letztes Jahr waren wir in der Nähe von Seefeld in Tirol, da haben wir eine Nacht ganz oben auf einem Gipfel übernachtet und sind morgens über der Wolkendecke aufgewacht. Das war ein verrücktes Gefühl!

Ich hätte es allerdings sehr bereut, wenn ich es nicht gemacht hätte.

Welche Herausforderungen hast du bisher beim Vanlife und auf deinen Reisen gemeistert? Gibt es Momente, in denen du dir gewünscht hättest, etwas anders gemacht zu haben?

Ich habe es noch nie bereut. Nur als wir einmal zwei Tage nass und klamm gemeinsam im Auto geschlafen haben, dachte ich mir: Ach Mann, warum hast du HEUTE nicht einfach mal ein „Airbnb“ genommen? Warum musste ich so stur sein? Aber die Reise an sich habe ich bisher nie angezweifelt.

Ich hätte es allerdings sehr bereut, wenn ich es nicht gemacht hätte.

Gibt es ein Erlebnis oder eine Begegnung, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist und die du gerne mit uns teilen möchtest?

Ich treffe oft Camper*innen, die in diesen riesigen Wohnmobilen unterwegs sind und mich sehen. Die kommen irgendwann rüber und fragen “Schläfst du da drin?“ und dann sind sie immer sehr aufgeschlossen und begeistert und bestärken mich darin, die Zeit jetzt zu nutzen, in der ich noch so reisen kann.

In Norwegen habe ich viele hilfsbereite Menschen kennengelernt. Sie haben mir einmal aus einer Futterkrise geholfen. Ich konnte mir leider kein Futter für Porthos nach Norwegen schicken lassen und dann haben sich die Jäger*innen aus dem Dorf zusammen getan und uns einfach ihr selbst geschossenes Hirschfleisch geschenkt.

Gibt es gewisse Kosten, die du rückblickend hättest sparen können?

Ich habe mir am Anfang eine richtig teure und viel zu große elektrische Kühlbox gekauft, die man im Zigarettenanzünder laden kann. Im Endeffekt habe ich die kaum benutzt, weil ich mich hauptsächlich pflanzlich ernähre und viel Obst und Gemüse esse, was nicht wirklich gekühlt werden muss. Die habe ich wieder verkauft. Jetzt nutze ich eine Kühlbox, die von alleine mehrere Stunden kalt hält und die man falten kann, wenn sie leer ist. Das reicht für mich vollkommen aus.

Was ich hingegen immer kaufen würde, wäre eine portable Power Station. Damit nimmt man sich selbst enormen Druck und die Angst, irgendwann ohne Handy und Navi irgendwo zu stehen.

Was sind deine zukünftigen Reisepläne? Gibt es bestimmte Orte, die du unbedingt noch besuchen möchtest, oder Abenteuer, von denen du träumst?

Ja! Ich würde super gerne den Nordpolarkreis überschreiten. Ich glaube, das ist eine richtig coole Erfahrung. Das hatte ich mir eigentlich letztes Jahr schon überlegt, mich dann aber aufgrund der Strecke dagegen entschieden. Da bräuchte man vielleicht doch ein anderes Auto als meinen „VW Polo“. Ich bin in Schweden drei Mal im Schnee stecken geblieben. Der Polarkreis ist nochmal eine andere Nummer. Und natürlich möchte ich Porthos mitnehmen.

Langfristig möchte ich diese Art zu leben und zu reisen nicht aufgeben. Diesen Winter würde ich gerne mal in den Süden in die Wärme fahren. Letztes Jahr hatte ich ein „Winter Wonderland“, dieses Jahr möchte ich in die Sonne um auszuprobieren, wo ich den Winter lieber verbringe. Vielleicht fahre ich nach Italien oder Portugal.

Ich komme in mir selbst komplett zur Ruhe, sowohl mental als auch körperlich.

Wie hat diese Reise deinen Blick auf die Welt verändert? Welche wichtigen Erkenntnisse hast du auf deinen Reisen gewonnen?

Ich komme in mir selbst komplett zur Ruhe, sowohl mental als auch körperlich. Das Reisen macht mich richtig, richtig glücklich.

Vielen Dank für das Interview, liebe Fabienne und alles Gute für deine Reisen!


Hier findet ihr Fabienne Höppner:


Fotos: Fabienne Höppner

Ein Kommentar

  • Detlef Moose sagt:

    Hallo Fabienne,
    habe eben zufällig über einen Link mit Begeisterung deine Reisestory gelesen.
    Da kann man richtig neidisch werden !
    Bin mit meinem ersten Auto übrigens auch so ähnlich wie du in Südeuropa unterwegs gewesen.
    Hatte auch nur eine Matratze ( die gleichzeitig tagsüber als Polsterung für das ganze Auto funktionierte ), eine kleine provisorische Küche sowie 5 Holzschubladen als Schrank eingebaut.
    Das Auto war kaum größer wie dein Polo.
    Wünsche dir weiterhin einen pannenfreien „Dauerurlaub“ !

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