Toxische Beziehung: Was steckt dahinter, wenn Menschen in Beziehungen sich toxisch verhalten
01. Februar 2021
geschrieben von Anna Weilberg

Was genau steckt dahinter, wenn sich Menschen in Beziehungen toxisch verhalten? Und warum fällt es Betroffenen oft so schwer, die toxische Beziehung zu beenden, obwohl sie unglücklich sind? Lässt sich eine toxische Beziehung – und toxische Menschen – heilen? Und wie verarbeitet man das Erlebnis einer toxischen Beziehung? Diese Fragen haben wir Dipl.-Psych. Sonia Kessler-Scheil gestellt. Die 37-Jährige praktiziert seit 2012 als Psychotherapeutin und führt seit Anfang 2018 zusammen mit zwei Kolleginnen ihre eigene Praxis in Berlin, in der ihre Arbeit einen verhaltenstherapeutischen Schwerpunkt hat.
femtastics: Der Begriff “toxisch” in Bezug auf Beziehungen ist in letzter Zeit – u.a. dadurch, dass das Thema mentale Gesundheit in den Medien und sozialen Netzwerken präsenter geworden ist – fast schon zum Trendbegriff geworden. Was genau meint er aus der fachlichen Perspektive?
Dipl.-Psych. Sonia Kessler-Scheil: Erstmal stimme ich dir da zu. Das ist tatsächlich ein bisschen ein „Modebegriff“ geworden und es gibt die Tendenz, dass jede Beziehung, die einen unglücklich macht, als „toxisch“ abgestempelt wird. Das Wort eignet sich besonders gut dafür, weil es so unscharf ist. Es meint keine genaue Diagnose und kann sich auf ganz verschiedene Dinge beziehen: auf einen Menschen, eine Beziehung, eine Struktur oder ein System. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.
Meiner Erfahrung nach gibt es Beziehungen, die einseitig toxisch sind, in denen das toxische Verhalten klar von einer Person ausgeht. Das sind tatsächlich in der Mehrzahl Männer – deshalb kann es passieren, dass ich mich verstärkt auf Männer beziehe, wenn ich über diesen Fall spreche. Sehr viel häufiger in der Allgemeinbevölkerung anzutreffen ist aber eine toxische Beziehung, in der die Toxizität von beiden Seiten kommt, sodass sozusagen beide Partner die schlechtesten Seiten an einander zum Vorschein bringen, in einem negativen Paartanz gefangen sind und beide zur Aufrechterhaltung dieser Giftigkeit beitragen.
Menschen schildern oft, dass diese toxische Beziehung supertoll beginnt. Am Anfang ist es der Himmel auf Erden und es ist superintensiv.
Das kann sich auf Liebes- oder Paarbeziehungen genauso beziehen wie auf freundschaftliche oder familiäre Beziehungen, richtig?
Ja, ganz klar. Wie gesagt ist der Begriff so unscharf, dass er alle diese Fälle einbezieht. Zwischen Eltern und Kindern ist es natürlich besonders fatal, weil da keine Augenhöhe gegeben ist.
Woran erkenne ich eine toxische Beziehung? Was machen sie mit mir?
Menschen schildern oft, dass diese Beziehungen supertoll beginnen. Am Anfang ist es der Himmel auf Erden und es ist superintensiv. Dabei entsteht etwas, das man mit einer Sucht vergleichen könnte. Intensives Erleben, der andere holt einem die Sterne vom Himmel … Und dann kippt das Ganze. Der toxische Partner beginnt, den anderen kleinzureden, subtil herunterzuputzen, zu entwerten. Oft werden Gefühle oder Gesagtes umgedeutet – „Das habe ich doch nie gesagt. Das ist dein Problem, wenn du das so verstanden hast!“. Das untergräbt seitens der Person in der Opferrolle natürlich das Vertrauen in die eigene Person. Wenn solche Aussagen nur oft genug wiederholt werden, fängt man an, sie zu glauben und an sich selbst zu zweifeln. Das Opfer denkt: „Das muss an mir liegen. Das muss meine Schuld sein!“. So schleicht sich das ein.
Toxische Menschen jagen einen sozusagen einmal in die Hölle und zurück – aber zwischendrin wird man plötzlich überschüttet mit Liebe oder Komplimenten.
Warum fällt es oft schwer, eine toxische Beziehung zu beenden?
Diese Suchtstruktur ist deshalb so stark, weil das Prinzip der „Intermittierenden Verstärkung“ wirkt. Das ist immer dann der Fall, wenn man für ein bestimmtes Verhalten unregelmäßig belohnt wird – mal jedes siebte Mal, dann jedes zehnte Mal, dann vielleicht jedes dritte Mal. Das ist genau das, was toxische Menschen machen. Sie jagen einen sozusagen einmal in die Hölle und zurück – aber zwischendrin wird man plötzlich überschüttet mit Liebe oder Komplimenten oder einem tollen Überraschungsurlaub, für den wahnsinnig viel Geld ausgegeben wurde. Man wird sprichwörtlich um den Finger gewickelt, weil man plötzlich wieder im Fokus der Aufmerksamkeit steht, aber nur ganz isoliert und ganz kurz, bevor es wieder abreißt.
Das lässt häufig Frauen so lange bei ihren toxischen Partnern ausharren und lässt sie immer wieder Hoffnung schöpfen. „Im Kern ist das ein Guter. Der hat nur gerade superviel Stress auf der Arbeit und verhält sich deshalb so. Wenn ich ihn nur gut genug behandle, dann wird er sich ändern und dann wird das Negative alles aufhören!“.
Übrigens ist es häufig so wie bei suchtkranken Partnern, dass derjenige in der Opferrolle das Verhalten seines Partners nach außen gerne vertuscht. So geraten sie immer mehr in eine Isolation und eine Co-Abhängigkeit.
Sind es Menschen mit bestimmten psychischen Voraussetzungen, die besonders anfällig dafür sind, in eine toxische Beziehung zu geraten?
Ja. Es gibt ein Prinzip aus der Paartherapie, das sich „Differenzierung“ nennt. Das wurde erfunden von David Schnarch – no pun intended – und besagt, dass Beziehungen dann besonders stabil sind, wenn beide Parteien einen hohen Differenzierungsgrad haben. Mit „Differenzierung“ meint er im Grunde die Fähigkeit, seine eigenen Emotionen regulieren zu können und nicht hundertprozentig abhängig zu sein von einer anderen Person, die das für einen übernimmt. Also zum Beispiel in einer Stresssituation oder in einer traurigen Situation nicht zu hundert Prozent darauf angewiesen zu sein, dass der Partner oder die Partnerin mit dieser negativen Emotion irgendetwas macht und das Gewicht für einen trägt.
Das bedeutet nicht, dass solche Menschen einen besonders hohen Differenzierungsgrad haben, die komplett autonom sind, die sagen, dass sie niemanden brauchen und glauben, völlig unabhängig von den Belangen ihrer Mitmenschen zu sein. Das gar nicht. Es sind vielmehr Menschen, die in der Lage sind, die Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen und die auch das Vertrauen in sich haben: „Ich werde damit umgehen können. Es fühlt sich im Augenblick schrecklich an, aber ich weiß, ich kann das schaffen. Ich werde das überleben. Gerne mit meinem Partner, aber ich bin nicht existentiell darauf angewiesen.“ Solche Menschen können den Mittelweg gehen zwischen „Ich bin für mich da“ und „Ich kann trotzdem in einem bedeutsamen Kontakt mit anderen Menschen sein und Nähe zulassen.“
Menschen mit einem niedrigen Differenzierungsgrad dagegen sind das Gegenteil davon: Sie sind in emotionalen Krisen vollkommen angewiesen auf, vollkommen abhängig von einer anderen Person, die hilft, die Last zu tragen und zu mindern. Solche Menschen neigen dementsprechend dazu, in Liebesbeziehungen mit dem Partner oder der Partnerin völlig zu verschmelzen und sich selbst aufzugeben und zu vergessen. Sie spüren ihre Grenzen nicht gut – und wer seine Grenzen nicht gut spürt, der kann sie auch nicht gut verteidigen. Er oder sie bekommt es vielleicht gar nicht mit, wenn sie eingerannt werden.
Das ist aus Gründen über die wir tagelang sprechen könnten – unter anderem ganz stark kulturell überlagert – besonders bei Frauen und vor allem jüngeren Frauen oft gegeben. Sie haben nicht gelernt, sich selbst und vor allem die eigenen Grenzen ausreichend wahrzunehmen. Solche Menschen sind besonders anfällig dafür, Opfer toxischer Beziehungen zu werden. … Und in einem solchen Fall ist „toxisch“ ja fast synonym bedeutend für „narzisstisch“: narzisstische Menschen, die andere zu ihren eigenen Zwecken missbrauchen und manipulieren – und andere kleiner machen müssen, damit sie sich selbst größer und besser fühlen.
Wer seine Grenzen nicht gut spürt, der kann sie auch nicht gut verteidigen. Das ist aus Gründen über die wir tagelang sprechen könnten besonders bei Frauen oft gegeben.

Dipl.-Psych. Sonia Kessler-Scheil führt zusammen mit zwei Kolleginnen die „Praxis am Markgrafenkarrée“ in Berlin. Ihr Weg dorthin verlief nicht ganz geradlinig: Sie zog nach dem Abitur aus dem Südschwarzwald ohne Plan nach Berlin, begann zunächst, Geschichte und Islamwissenschaften zu studieren, bevor ihr bewusst wurde, dass sie „viel mehr interessiert, warum sich Menschen so verhalten wie sie es tun. So stand irgendwann die Psychologie im Raum.“. An ihr Psychologiestudium schloss sie die Zusatzausbildung zur Psychotherapeutin an. Mit ihrem Beruf ist sie heute sehr glücklich: „Ich finde, mit unserem Beruf gehen unfassbare Privilegien einher: In die Welten anderer Menschen eintauchen und sogar mitwirken zu dürfen, das ist der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann. Das wird auch nie langweilig, weil jeder Mensch ein eigenes Universum mitbringt.“.
Warum verhalten sich Menschen toxisch, was steckt dahinter? Wenn das häufig narzisstische Personen betrifft, sprechen wir hier ja von einer Persönlichkeitsstörung.
Persönlichkeitsstörungen existieren aus einer großen inneren Not heraus. Da gibt es einen großen inneren Mangel. Jemand kann sich selbst etwas nicht geben, was er deshalb unbedingt von außen braucht und alle Kraft einsetzt, das zu bekommen und die Welt so zu gestalten, dass sie ihn stabilisiert.
Bei Narzissmus geht es um Anerkennung um Wichtigkeit. Ich vertraue der Sache nicht, dass ich wirklich wichtig oder liebenswert bin und Anerkennung verdient habe. Und weil ich dieser Sache nicht vertraue, muss ich umso mehr Aufwand betreiben, um das bei meiner Umwelt einzufordern und um das schreckliche Gefühl des Mangels zu kompensieren oder sogar überzukompensieren. Das ist meiner Meinung nach stark kulturell überlagert, denn es gibt viel mehr männliche Narzissten als weibliche Narzissten. Man sagt in der Psychologie, das Äquivalent zum Narzissmus auf der Seite der Männer ist die Histrionische Persönlichkeitsstörung auf der Seite der Frauen.
Histrionische Persönlichkeiten sind extrem schillernd und achten extrem darauf, dass sie bemerkt und bewundert werden. Das funktioniert nur ein bisschen anders als Narzissmus, weil weniger versucht wird, die Bewunderung über Abwertung von anderen Personen zu erreichen, sondern mehr durch Selbstdarstellung. Zum Beispiel sind völlig banale Geschichten bei diesen Personen immer höchst dramatisch und aufgebauscht. Das Motiv, das dahintersteht, ist ähnlich wie beim Narzissmus, nur die Mittel unterscheiden sich. Und das bewegt sich häufig entlang der Geschlechtergrenzen.
… weil Frauen tendenziell gesellschaftlich eher Gefallsucht oder Anpassungszwang vermittelt werden?
Ja, genau. Bei Frauen wird es häufig bestraft, wenn sie sich sehr selbstbewusst durchsetzen. Frauen müssen das indirekt machen, nur dann wird es belohnt.
Bei Narzissmus geht es um Anerkennung um Wichtigkeit. Ich vertraue der Sache nicht, dass ich wirklich wichtig oder liebenswert bin und Anerkennung verdient habe. Deshalb muss ich umso mehr Aufwand betreiben, um das bei meiner Umwelt einzufordern und um das schreckliche Gefühl des Mangels zu kompensieren.
Um zurück zu toxischen Beziehungen zu kommen: Lässt sich eine toxische Beziehung heilen oder reparieren?
Dabei kommt es darauf an, ob es sich um eine Beziehung handelt, in der die Toxizität von beiden Seiten kommt, oder um eine missbräuchliche Beziehung, in der es relativ klar einen Täter und ein Opfer gibt, und in der einer persönlichkeitsgestört ist und der andere nicht. Dann ist es schwierig, denn wie der Begriff schon suggeriert sind Persönlichkeitsstörungen recht robust und ich-synton. Das ist der Unterschied zwischen Persönlichkeitsstörungen und allen anderen Störungen: Bei allen anderen Störungen ist es in der Regel so, dass die/der Betroffene, sie gerne loshätte – egal, ob Angststörung, Depression oder Anderes. Persönlichkeitsstörungen dagegen sind Teil der Persönlichkeit, das bedeutet, die/der Betroffene erkennt über lange Zeit nicht, dass etwas mit ihr/ihm nicht stimmt, sondern denkt, mit der Welt würde etwas nicht stimmen.
Erst wenn die Probleme so groß werden, wenn sich die dritte Frau mit derselben Begründung getrennt hat, die fünfte Stelle verloren wurde oder zum xten Mal eine exzessive Trinkphase eskaliert ist, dann kann das ein indirekter Weg sein, der die Betroffenen doch in eine Therapie treibt – häufig über die Hausärzt*in. Solche narzisstisch geprägten Menschen kommen oft in die Therapie und fragen: „Bieten Sie auch Coaching an?“. Sie suchen ein Coaching oder eine Fehleranalyse und meinen, sie bräuchten keine Therapie. Als geschulte Therapeut*in lässt man sich darauf ein und so ist letztlich dann eine Therapie möglich, aber das dauert häufig sehr lange.
Aber der- oder diejenige in der Opferrolle hat keine Möglichkeit, die Beziehung von innen zu heilen?
Davon würde ich intensiv abraten. Ausnahmen mag es geben, aber die Wahrscheinlichkeit, dass das gelingt, ist äußerst gering, weil man selbst viel zu involviert ist, weil viel zu viele Verletzungen passiert sind. Das ist wie der Versuch, sich mit einer bereits verletzten Hand die eigene Hand zu amputieren. Das ist sauschwer bis unmöglich.
Und das will der toxische Partner ja auch nicht zulassen, denn es würde schließlich ein Machtgefälle bedeuten, wenn der andere ihm/ihr hilft. Das macht es zusätzlich sehr unwahrscheinlich.
Wie oder wann schaffen Betroffene es trotzdem, eine toxische Beziehung zu beenden? Erst, wenn alles komplett eskaliert?
Häufig das, ja. Sie können einfach nicht mehr. Oft steht das übrigens in Verbindung mit körperlichen Phänomenen. Die Betroffenen bekommen einen Bandscheibenvorfall oder es passiert ein Unfall, weil sie auf der Autobahn eingeschlafen sind. Und während sie im Krankenhaus aus dem Beziehungskontext herausgerissen sind, wird ihnen ihre Situation bewusst
Manche haben aber auch ein funktionierendes, stabiles soziales Netz – Familie oder Freunde – und schaffen es, sich noch ein Stück weit für Gespräche mit Menschen zu öffnen, die Warnungen aussprechen oder kritische Fragen äußern, die zu den Betroffenen durchdringen. Dazu muss ich noch sagen, dass das natürlich aktuell durch Kontaktbeschränkungen besonders schwer ist.
Nach einer toxischen Beziehung ist das Vertrauen in sich selbst massiv verletzt und muss wieder in mühseliger Kleinarbeit aufgebaut werden.
Welche psychischen Spuren oder Narben kann eine toxische Beziehung hinterlassen?
Das Vertrauen in sich selbst ist massiv verletzt und muss wieder in mühseliger Kleinarbeit aufgebaut werden. Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen wieder herstellen, sich wieder selbst spüren zu können. Nicht jedes Bauchgefühl sofort zu hinterfragen und nur noch im Kopf zu sein und alles anzuzweifeln, was man spürt. Die Glaubenssätze, die einem jahrelang eingetrichtert wurden, wieder loszuwerden und ein gesundes Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Das geht natürlich einfacher mit therapeutischer Hilfe. Ich kann empfehlen, sich da Hilfe zu holen und das professionell begleiten zu lassen. Zum Teil ist Traumatherapie notwendig.
Das lässt sich mit einem chaotischen, überfüllten Kleiderschrank vergleichen, in den man immer mehr hineinstopft. Wenn man sich nicht die Mühe macht, alles einzeln herauszunehmen und sorgfältig auszusortieren und zusammenzufalten, dann muss man sich immer mit dem ganzen Körpergewicht mit voller Kraft dagegen lehnen, damit nicht ständig alles herausplatzt und über einem zusammenbricht.
Was kann ich tun, wenn ich toxische Verhaltensweisen an Menschen in meinem Umfeld bemerke und helfen möchte?
Am besten ist es, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen, weil Menschen einander immer sehr genau beobachten. Dass man zum Beispiel selbst Grenzen setzt, wenn man toxisches Verhalten bemerkt.
Zudem kann man die betroffene Person, die vermeintlich unter einer toxischen Beziehung leidet, ganz niedrigschwellig fragen, wie es ihr mit der toxischen Person geht. Wenn man allzu schnell Zuschreibungen macht und mit etwas herausplatzt wie „Das ist doch eine toxische Beziehung, was ihr habt! Ich habe darüber gelesen.“ Und eine ganz klare Täter-Opfer-Zuschreibung macht, dann ist Widerstand leider programmiert, dann gehen sofort die Schotten dicht. Das ist ein ganz normaler Reflex. Dann sagen selbst die Opfer: „Du hast uns das gar nicht zu sagen!“.
Am besten stellt man keine Suggestivfragen – „Der manipuliert dich doch, oder?“ – sondern stattdessen offene Fragen, die wirklich Interesse zeigen, wie „Wie fühlst du dich mit ihm/ihr?“ oder „Wie fühlst du dich nach Treffen mit ihr/ihm?“. So trivial es klingt: Da sein. Einfach zeigen, dass man aufmerksam ist und sich interessiert. Nicht im Sinne, dass man Buch führt, wer sich wie ungesund verhält, oder dass man andere Menschen bewertet. Sondern einfach signalisieren, dass man da ist und für Gespräche zur Verfügung steht. Das kann Türen öffnen.
Aber leider müssen Betroffene – egal auf welcher Seite – oft viele Runden drehen, bis sich die Situation bessert. In der Regel muss der Preis, den man dafür zahlt, dass alles so bleibt wie es ist, sich höher anfühlen als der Preis, den man für eine Veränderung zahlen muss. Das ist auch für das Umfeld manchmal nicht leicht zu ertragen.
Vielen Dank für das Gespräch, Sonia.
Hier findet ihr Sonia Kessler-Scheil:
Betroffene von toxischen Beziehungen, die Hilfe suchen, finden hier erste Ansprechpartner*innen:
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016
Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP e.V.): 0800 777 22 44
Fotos: Tolgahan Kaftan