Kolumne „Wir renovieren eine Villa!“ #4: Energetische Sanierung Schritt für Schritt

Du bist gerade auf Haussuche, möchtest dieses Jahr ein Haus renovieren oder hast einfach ein großes Faible für Vorher/Nachher-Interior-Stories? Dann bist du bei unserer femtastics-Kolumne „Wir renovieren eine Villa!“ genau richtig. Büsra Qadir, Gründerin von „Nindyaa“ und Marketingexpertin bei Twitter, und ihr Mann haben eine Altbauvilla in Niedersachsen gekauft, bei der sie energetische Sanierung durchführen. Büşra, die Mutter einer dreijährigen Tochter ist, nimmt uns ab sofort monatlich mit auf ihre Reise als neue Hausbesitzerin – im letzten Teil folgt dann die große femtastics-Homestory!
Partner dieser Kolumnenfolge ist baudino.de. Informativ, unterhaltsam und vor allem inspirierend – auf der neuen „BAUDINO“-Plattform gibt es alle Infos rund um die Themen Bauen, Planen und Modernisieren, garniert mit spannenden Tipps, Empfehlungen der Redaktion, Insights aus der Branche und vielem mehr. „BAUDINO“ richtet sich gleichermaßen an Bauherr*innen, Hausbesitzer*innen und alle, die sich für die Themen Bauen, Planen und Modernisieren interessieren. „Unsere Hauptaufgabe sehen wir darin, komplexe Themen einfach und verständlich aufzubereiten – mit Expertise, Humor und Charme“, sagt Jana Schumacher, Redaktionsleitung bei der Plattform.
Eine schmerzhafte Erkenntnis ist, dass man sehr viel Zeit einplanen sollte für eine Sanierung. Mindestens 30 Prozent mehr als gedacht.
Was bisher geschah: Wir haben ein Haus gesucht. Wir haben ein Haus gefunden. Wir haben das gefundene Haus mit Hilfe eines Kredits gekauft und die Sanierung geplant. Aber was ist mit der energetischen Sanierung? Und was genau bedeutet „energetisch“ eigentlich bzw. wie läuft die energetische Sanierung ab? Darauf gehe ich in dieser Kolumne im Detail ein.
Als nach unserem Hauskauf der Begriff „Sanierung“ das allererste Mal fiel, war mein Kopfkino voller farbenfroher Bilder von tollen Inneneinrichtungen, einzigartigen Wohnräumen und wunderschöner Architektur. Wow, dachte ich, dann können wir ja alles ganz neu erfinden und uns kreativ austoben! Besser geht es nicht.

Büsra Qadir hat zusammen mit ihrem Mann eine 200 Jahre alte Villa gekauft, die sie nun Schritt für Schritt sanieren.
Dass eine tatsächliche Sanierung wenig mit Interior-Einrichtung (zumindest in der Anfangsphase), sondern mit der Kunst die richtigen Entscheidungen in Bezug auf nachhaltige Energieversorgung, Handwerker*innen oder Gewerke zu finden, zu tun hat, das lernen wir jetzt. Ein bisschen schmerzhaft ist diese Erkenntnis, Aua, aber so ist das nun mal. Und die nächste schmerzhafte Erkenntnis ist, dass man seeeeehr viel Zeit einplanen sollte für eine Sanierung. Mindestens 30 Prozent mehr als gedacht.
Zeit ist Energie. Zeit ist Geld. Daher sind wir von Anfang an sehr ambitioniert an unsere Sanierung herangetreten, aber so langsam löse ich mich von dem Gedanken, dass wir im September dieses Jahres einziehen werden können. Nicht alle Dienstleister*innen, Gewerke und Baumaterialien stehen einfach mal so ready für uns. Holz ist momentan knapp und teuer. Und auch andere Ressourcen sind aufgrund der derzeitigen Weltpolitik begrenzt oder können erst spät geliefert werden. Selbst ein einfaches Preisangebot für Fenster beispielsweise zu erhalten dauert im Schnitt drei Wochen. Und wenn man sich dann für ein Angebot entscheidet und es in Auftrag gibt, dauert die Produktionszeit acht bis zwölf Wochen. Mindestens. Und dann muss man Glück haben und einen schnellstmöglichen Montagetermin finden. Crazy, I know.












Aber ich möchte nicht demotivieren, denn eine Kernsanierung ist immer noch spannend und bereitet viel Freude, vor allem wenn man Fortschritte macht und neue Dinge dazulernt.
Ich möchte hier mal einige Mini-Erfolge der letzten sechs Monaten seit dem Hauskauf zusammenzufassen:
– Wir haben es innerhalb eines Monats geschafft unsere Mieterin im Erdgeschoss zum Auszug zu motivieren und haben diesen Teil der Wohnung wieder in das Haus integriert, indem wir zwei Wände eingerissen haben.
– Wir haben mit unserem Architekten neue Grundrisse und Zeichnungen finalisiert und entschieden, wie wir die neue Raumaufteilung haben wollen.
– Das Haus wurde komplett entrümpelt. Außerdem wurden einige Wände, Tapeten, Böden und Decken abgerissen und das Haus an vielen Stellen entkernt.
– Wir haben eine 27 Meter hohe Eiche, die vor unserem Haus stand, fällen lassen, weil sie leider nicht mehr zu retten war und sehr gefährlich zum Haus geneigt war (während der stürmischen Februar-Tage haben wir gezittert und hatten Angst, dass der Baum auf unser Haus einstürzt).
– Wir sind jetzt Besitzer von unheimlich viel Holz und freuen uns schon auf das viele Feuerholz für unseren zukünftigen Kamin, aber möchten auch Outdoormöbel aus den guten Stücken schreinern lassen (wenn jemand eine(n) gute(n) Tischler*in kennt, dann her mit dem Kontakt!).
– Wir haben eine tolle Landschaftsarchitektin über eine Freundin gefunden, die das Thema Gartengestaltung für uns in die Hand nimmt. Dazu schreibe ich in einer gesonderten Kolumne mehr!
– Wir haben inzwischen einige Angebote eingeholt von Tischler*innen, Treppenbauer*innen, Fensterbauer*innen und einigen weiteren Gewerken. Nun müssen wir Entscheidungen treffen wie wir fortfahren wollen.

Bevor die energetische Sanierung unseres Altbaus richtig losgehen kann, müssen wir wichtige Entscheidungen zur Gebäudehülle unseres Hauses treffen: ob und wie wir unser Dach richtig dämmen, wie unsere Innendämmung aussehen soll (außen wollen wir nicht dämmen, denn sonst wäre unsere schöne Fassade hin). Außerdem mega wichtig: Wie soll unser Haus energieeffizient beheizt werden? Die Themen klingen nicht so sexy, aber sie sind erheblich wichtig für unsere weitere Vorgehensweise.
Wir haben gelernt, dass wir für energetische Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle unseres Hauses bis zu 20 Prozent Zuschüsse vom Staat erhalten können, vorausgesetzt gewisse Effizienzwerte werden erreicht.
Ein*e Energieberater*in ist in dieser Phase der Antwortfindung sehr wichtig. Uns war nur nicht klar, dass Energieberater*innen momentan (auch) ziemlich ausgelastet sind und wir haben zugegebenermaßen etwas getrödelt. Nach vielen Telefonaten und E-Mails haben wir aber einen gefunden, super kompetent und nett. Wir haben uns mit ihm am Haus getroffen und sind die Themen der energetischen Sanierung im Detail mit ihm durchgegangen. Wir haben gelernt, dass wir für energetische Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle unseres Hauses bis zu 20 Prozent Zuschüsse vom Staat erhalten können (zum Beispiel für unsere neuen Fenster oder die Dachdämmung), vorausgesetzt gewisse Effizienzwerte werden erreicht. Bei einem Neubau ist der Spielraum Zuschüsse zu erhalten höher, weil man von Anfang ein Effizienzhaus bauen kann.

Im Innenbereich wurden schon diverse Abrissarbeiten ausgeführt.
Eine wichtige Voraussetzung für die Wärmepumpe ist, dass die Gebäudehülle gut gedämmt ist und dadurch wenig Energie an die Umwelt verloren geht.

Neben der Optimierung der Gebäudehülle gibt es noch höhere Zuschüsse (bis zu 45 Prozent) für die Heizungsoptimierung oder für den Einbau von effizienten Wärmeerzeugern, wie zum Beispiel einer Solartherme oder Wärmepumpe. Unser Haus wird derzeit über Gas beheizt und da Gas (und auch Öl) nicht die umweltfreundlichsten und günstigsten Heizsysteme sind, sollten Hausbesitzer*innen sich Gedanken darüber machen wie sie umstellen könnten. Über die Vorteile und Effizienz einer Wärmepumpe hatten wir bisher schon einiges gehört und haben uns dazu beraten lassen. Wir sind momentan sehr scharf darauf, auf eine Wärmepumpe umzustellen. Eine wichtige Voraussetzung für die Wärmepumpe ist, dass die Gebäudehülle gut gedämmt ist und dadurch wenig Energie an die Umwelt verloren geht. Außerdem empfiehlt sich eine Fußbodenheizung für alle Räume, weil sie niedrigere Vorlauftemperaturen benötigt um die Räume gleichmäßig zu heißen. Das sind alles Dinge, die wir angehen möchten.
Bei der Suche nach der richtigen Wärmepumpe bin ich auf die Plattform „Baudino“ gestoßen, die über ihre Webseite einen coolen Konfigurator für Wärmepumpen anbietet. Anhand eines einfachen Fragebogens kann man in wenigen Minuten herausfinden, welche Art einer Wärmepumpe zum eigenen Haus passt und wie viel die unterschiedlichen Wärmepumpenmodelle kosten.
Mein Mann und ich finden die Luft-Wasser-Wärmepumpe großartig. Unser Energieberater erstellt derzeit eine Heizlastberechnung, um zu ermitteln, ob so eine Wärmepumpe allein unseren Heizbedarf unseres Hauses abdecken kann oder ob eine Hybridlösung mit unserer vorhandenen Gas-Heizung nicht besser wäre. Es bleibt also spannend, wofür wir uns letztlich entscheiden werden!

Die richtige Reihenfolge einer Sanierung ist noch immer ein Mysterium für mich, aber bisher gelernt habe ich:
- Das Haus kaufen – dazu gehört: Finanzierung klären, Papierkrams mit Banken und Notar*innen erledigen. Das Ganze freudig auf Instagram announcen!
- Ein gutes Bestandsprotokoll und Gutachten vom Haus fertigen lassen – oft muss dies für die Bank sowieso vorher erstellt werden.
- Eine*n Architekt*in und am besten eine*n Bauleiter*in finden, sofern man nicht selbst diese Aufgabe übernehmen möchte/kann (so wie in unserem Fall).
- Pläne für das Haus erstellen, Grundrisse überarbeiten und entscheiden wie man die Räume aufteilen will (in dieser Phase dürft ihr auch mal auf Pinterest und Instagram Moodboards erstellen).
- Eventuell muss jetzt ganz schnell eine Baugenehmigung beantragt werden, wenn ihr zum Beispiel einen Anbau oder andere größere Änderungen plant. Denn es kann drei bis vier Monate dauern, bis so ein Antrag genehmigt wird und man darf in dieser Phase nicht mit der Sanierung beginnen.
- Eine*n Energieberater*in involvieren und die grundlegenden Fragen der energetischen Sanierung festlegen. Dazu gehört zum einen die Gebäudehülle (Fenster, Dach, Innen/Außendämmung) aber auch das Optimieren des Heizungssystems. Hier unbedingt schauen, ob es Möglichkeiten gibt Zuschüsse für Einzelmaßnahmen zu bekommen.
- Gewerke wie Trockenbauer*in, Maler*in, Elektrik*in, Klempner*in kontaktieren und Angebote einholen (das macht in der Regel euer/eure Bauleiter*in).
- Parallel: Angebote für Baumaterialien einfordern, wie zum Beispiel Fenster, Parkett, Treppe, Fliesen, Bad etc .)
Die Liste geht sicherlich weiter, aber ich mache hier mal eine Pause. Denn sehr viel mehr weiß ich selbst noch nicht. Wir befinden uns noch inmitten unserer Reise. Ich bin gespannt wie es weitergeht. Noch müssen viele Entscheidungen getroffen werden, bevor die Baustelle so richtig beginnen kann.
An alle Leser*innen, die selbst Häuser saniert haben: Was sind eure größten Learnings bei der Herangehensweise und Reihenfolge? Teilt es gern in den Kommentaren!
Hier findet ihr Büşra Qadir:
Hier findet ihr alle Folgen der Kolumne.
Fotos: privat
– Werbung: In Zusammenarbeit mit „BAUDINO“ –
