Gutshof meets modern Design: Zu Besuch bei Eva Kaiser von "Lumikello"

Der alte Gutshof "Torhaus Warnau" liegt idyllisch in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein. Zwischen Scheunen, Pferdekoppeln, und Bäumen vermutet man im Inneren des historischen Wohngebäudes eher nicht das moderne, vielfarbige Interior Design, das einen gedanklich in ein Stadthaus nach Kopenhagen versetzt. Verantwortlich für diese wundervolle visuelle Überraschung ist Eva Kaiser, die hier mit ihrer Familie lebt.
Sie ist Gründerin von "Lumikello", einem Label für handgemachte Wohnaccessoires und Mode, züchtet Islandpferde, kreiert eigene Textilkunst und teilt ihre Leidenschaft für Gestaltung auf @lumikello__ bei "Instagram". Wir haben Eva besucht und mit ihr über ihre Produkte sowie ihren Alltag zwischen Kunst und Chaos gesprochen.

Willkommen bei Eva Kaiser!












Eva trägt einen Kimono aus Nigeria – fair produziert für "Lumikello".
Das Haus, in dem Eva mit ihrer Familie lebt, ist Teil des alten Gutshofs "Torhaus Warnau". Hier leben auch der Familienhund, Pferde und Hühner.
Links im Bild: Der Arbeitsplatz, an dem Evas Textilkunst entsteht.
Die Küche hat Eva gerade umdekoriert.
Auch ein Showroom von "Lumikello" gehört zum Hof.
Alle Produkte von "Lumikello" werden handgemacht – in Norddeutschland, Griechenland und Nigeria.
Eva trägt einen Kimono aus Nigeria – fair produziert für "Lumikello".
Das Haus, in dem Eva mit ihrer Familie lebt, ist Teil des alten Gutshofs "Torhaus Warnau". Hier leben auch der Familienhund, Pferde und Hühner.
Links im Bild: Der Arbeitsplatz, an dem Evas Textilkunst entsteht.
Die Küche hat Eva gerade umdekoriert.
Auch ein Showroom von "Lumikello" gehört zum Hof.
Alle Produkte von "Lumikello" werden handgemacht – in Norddeutschland, Griechenland und Nigeria.
femtastics: Du sagst selbst, dass du erst über “Umwege über eine Ausbildung zur Hotelfachfrau, ein BWL-Studium und Tätigkeiten in PR und Marketing” zu deiner Selbstständigkeit und deinem Unternehmen fandest. Was war rückblickend ausschlaggebend, dass es zur Gründung von “Lumikello” kam?
Eva Kaiser: Mein ältester Sohn ist heute 22 und ich bin damals, als er auf die Welt kam, bewusst zu Hause geblieben. Wir hatten zu der Zeit keine Möglichkeiten der externen Kinderbetreuung und ich habe mich gerne um unsere Kinder gekümmert. Ich bin über einen Volkshochschulkurs zum Häkeln und Stricken gekommen und daraus ist "Lumikello" entstanden. Jahrelang war es aber eher ein Hobby als ein Unternehmen.
Vor drei Jahren kam dann das soziale Projekt aus Griechenland auf mich zu, mit dem ich seitdem zusammenarbeite. Das war die Geburtsstunde für "Lumikello", wie es heute ist.
Das heißt, deine Produzent*innen haben dich gefunden, nicht du sie?
Ja. Erst war ich skeptisch, weil ich mir nicht vorstellen konnte, meine Produkte extern fertigen zu lassen, aber dann habe ich mir das Projekt genauer angesehen. Die zwanzig Frauen*, die daran beteiligt sind, kommen aus den muslimisch geprägten Bergdörfern im Norden Griechenlands und ihre Handarbeit bietet ihnen ein eigenes Einkommen. Ich bin nach Griechenland gereist und habe sie persönlich kennengelernt – das hat mich überzeugt.
Neben den gehäkelten Produkten, die nun in Griechenland gefertigt werden, gehören zu meinem Shop auch Produkte von "Mumutane", das sind gemusterte Wachsstoffe aus Nigeria, aus denen Kissen, Kimonos und andere schöne Dinge genäht werden.
"Ich bin durch alles, was ich gemacht habe, zu dem geworden, was ich jetzt bin. Ich habe so viele verschiedene Dinge gemacht, von denen ich auch immer wieder profitiere."

Der Esstisch mit Stühlen begleitet die Familie schon lange. Die Sitzkissen lässt Eva gerade mit nigerianischen Stoffen von "Lumikello" neu bespannen.












Kunst spielt für Eva und ihren Mann eine bedeutende Rolle und ist in jedem Raum zu finden.
Der rosa Hocker vor dem Sofa ist Evas eigenes Design.
Kunst spielt für Eva und ihren Mann eine bedeutende Rolle und ist in jedem Raum zu finden.
Der rosa Hocker vor dem Sofa ist Evas eigenes Design.
Wie entscheidest du, welche Produkte du in deinem Shop aufnehmen möchtest, woher kommen die Designs?
Dadurch, dass wir mit Resten aus der Textilindustrie arbeiten, müssen wir immer schauen, welche Farben oder Stoffe gerade verfügbar sind. Wir haben gemeinsam aber mögliche Farbkombination und natürlich unser Produktportfolio, unsere Teppiche, Körbe und Taschen, definiert.
Apropos Handarbeit: Du lässt nicht nur Produkte für "Lumikello" produzieren, sondern machst auch eigene Textilkunst. Sind diese Wandobjekte etwas Neues für dich?
Obwohl ich schon seit vielen Jahren gerne selbst kreativ und künstlerisch arbeite, habe ich hier lange nicht die Zeit dafür gefunden – außer für gelegentliche Prototypen für "Lumikello". In einer Phase, in der es mir persönlich nicht gut ging, habe ich dann dazu zurückgefunden und meine Wandobjekte sind sozusagen aus mir heraus geflossen. Bei ihnen lebe ich mich ganz frei aus, sie herzustellen, ist eine Art Heilung für mich.
Hier in deinem Zuhause wird deine Leidenschaft für Einrichtung und Dekoration deutlich. Wie ist diese entstanden?
Die hatte ich schon immer. Ich hätte auch gerne schon früher beruflich etwas in dieser Richtung gemacht. Aber ich bin durch alles, was ich gemacht habe, zu dem geworden, was ich jetzt bin. Ich habe so viele verschiedene Dinge gemacht, von denen ich auch immer wieder profitiere.

Kochen ist eine Leidenschaft von Eva, deshalb findet in der schönen Küche immer viel Leben statt.












Auch in der Küche hängt ein Wandobjekt von Eva.
Eva trägt Armbänder von "Lumikello".
Die "Lumikello"-Teppiche und -Körbe entstehen aus Recyclinggarnen.
Auch in der Küche hängt ein Wandobjekt von Eva.
Eva trägt Armbänder von "Lumikello".
Die "Lumikello"-Teppiche und -Körbe entstehen aus Recyclinggarnen.
Du musst uns bitte noch erzählen wie es dazu kam, dass du an diesem sehr besonderen Ort lebst.
Vor acht Jahren haben mein Mann und ich uns gefragt, ob wir in unserer alten Heimat Karlsruhe alt werden wollen. Wir konnten diese Frage recht schnell mit Nein beantworten. Zuvor waren wir mit unseren Pferden schon bis in die Bretagne im Urlaub und in dem Jahr, in dem unsere Entscheidung fiel, in der Nähe von Eckernförde. Wir haben ins in Schleswig-Holstein verliebt und keine Sekunde bereut in diese schöne Gegend gezogen zu sein.
Der Umzug passierte dann schnell, innerhalb eines Jahres ab dem Zeitpunkt unserer Entscheidung.
Mit wem lebst du hier im Haus und auf dem Hof?
Ich lebe hier mit meiner Familie – ein Sohn ist noch in der Schule, einer lebt mit seinem Partner hier im Haushalt und der dritte hat eine WG im Haus gegründet. Die drei Etagen des Hauses lassen sich als jeweils eigene Wohnbereiche nutzen, was das Gebäude sehr variabel macht. Mein Traum: Mehr-Generationen-Wohnen!
Dann wohnen hier auf dem Gelände noch zwei feste Mieter und ein Gebäudeteil ist an eine Tischlerei vermietet. Und ab und zu freuen wir uns über Gäst*innen in unserer Ferienwohnung, dem "Torhaus Apartment". Auf den Koppeln und im Stall leben außerdem zwanzig Islandpferde, weil wir auch eine Pferdezucht betreiben, und einige Hühner haben wir auch.
"Mein Traum: Mehr-Generationen-Wohnen!"












Farben spielen eine wichtige Rolle, für deine Kunst und Produkte, aber auch in deinem Zuhause. Wie entscheidest du dich für Farben?
Meist intuitiv, aber für unser Zuhause diskutieren wir Farben auch in der Familie. Ich finde, meine Söhne haben ein gutes Farbgefühl – auch dadurch, dass sie immer von Kunst umgeben sind – und ich frage sie immer nach ihrer Meinung.
Änderst du eure Einrichtung und vielleicht auch Farben oft?
Wir räumen immer dann um, wenn sich Bedürfnisse ändern. Wenn ich einen Punkt erreicht habe, an dem ich denke: Das sieht schön aus und ich fühle mich wohl – warum soll ich das dann ständig ändern? Lieb gewonnene Dinge dürfen gerne bleiben, mit umziehen und im Haus von einem Ort an einen anderen wandern.
Wo findest du oder findet ihr Dinge für euer Zuhause?
Früher habe ich viel online geshoppt, mittlerweile shoppe ich nur noch, wenn es sein muss. Ich schaue mich gerne auf Flohmärkten, Basaren, lokalen Märkten oder auch auf "eBay" nach besonderen Stücken um.

"Mein Alltag? Totales Chaos! Immer am Rand der Überforderung, das kann ich nicht anders sagen."












Islandpferde sind eine große Leidenschaft von Eva und ihrer Familie.
"Ich habe es aufgegeben, den großen Garten perfekt in Form halten zu wollen", sagt Eva.
Kirschen aus dem Garten hat Eva uns nach der Homestory-Produktion zum Mitnehmen eingepackt.
Islandpferde sind eine große Leidenschaft von Eva und ihrer Familie.
"Ich habe es aufgegeben, den großen Garten perfekt in Form halten zu wollen", sagt Eva.
Kirschen aus dem Garten hat Eva uns nach der Homestory-Produktion zum Mitnehmen eingepackt.
Du wohnst hier mit deiner Familie sehr ländlich und historisch, aber deine Einrichtung ist sehr modern und urban. Ist das ein bewusst gewählter Kontrast?
Nein, das war eher intuitiv und auch viel Improvisation. Zum Teil haben wir Dinge aus unserem alten Zuhause mitgenommen, zum Teil nach passenden Lösungen für das Gebäude hier gesucht. Es ist nicht so, dass ich im Vorfeld ein Konzept für Haus und Garten gemacht habe, es hat sich entwickelt.
Wie sieht dein Alltag hier aus, zwischen Torhaus Warnau – ihr habt hier zwanzig Pferde, vermietet Ferienwohnungen – "Lumikello", Familie, "Instagram", Events bei euch und allem anderen?
Totales Chaos! Immer am Rand der Überforderung, das kann ich nicht anders sagen. Aber auch Freiheit. Mir ist bewusst, dass ich mit meinem Tun sehr privilegiert bin, da ich viele Dinge tun kann, die mir wahnsinnig viel Freude bereiten.
In Bezug auf mein Unternehmen ist es aber so: Dem geschuldet, dass ich hier eine One-Woman-Show bin, fühle ich mich andauernd unzulänglich. Ich sehe immer Potentiale, aber ich kann einfach nicht alles davon umsetzen. Und dann läuft man schnell in eine Erschöpfung. Ich habe mit der Zeit gelernt, mir Räume zu schaffen, Nein zu sagen, zu priorisieren und mir einzugestehen, was ich leisten kann und was nicht. Dabei hat mir auch meine Kunst geholfen. Und mich motiviert es immer wieder, mit meiner Arbeit Netzwerke zu bauen und, gemeinsam mit den Frauenprojekten, mit denen ich zusammenarbeite, auch in schwierigen Zeiten Schönes mit Sinn zu erschaffen.