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Haus & Garten

Kaddie Rothe und ihr "Hexenhaus": "Mein ganzes Leben ist ein Plot-Twist!"

05. Januar 2026

geschrieben von Lisa van Houtem

fotografiert von Nassim Ohadi

Kaddie Rothe Hexenhaus Homestory

Ein schnuckeliges Fachwerkhaus mit Reetdach mitten im norddeutschen Nirgendwo an einem Teich gelegen mit Blick auf verträumte Wiesenlandschaft - das ist das neue Zuhause von "Goalgirls*"-Gründerin Kaddie Rothe. Kaddie konnten wir zuvor knapp vier Jahre lang via "Instagram" rund um den Globus folgen.

Während der Pandemie startete sie das "Unsettling Project", gab ihre Wohnung auf und arbeitete fortan remote von Miami, Bangkok oder Barcelona aus. Dann lernte sie ihren Freund Johannes kennen, sah die Chance in das "Hexenhaus" ihrer Kindheit zu ziehen und wurde schwanger. Wie und warum ihr Leben eine komplette Wendung genommen hat und wie sie ihrer Elternschaft entgegenblickt, erzählt Kaddie Rothe im Interview.

Hexenhaus Kaddie Rothe

Das Reetdachhaus war das Wochenendhaus ihrer Großeltern in den Sechzigerjahren

"Ich wollte immer Single bleiben und die Welt erkunden. Ich hatte keinen Familienwunsch."
Goalgirls-Gründerin Kaddie Rothe
Front Hexenhaus
Kaddie und Johannes
Goalgirls-Gründerin Kaddie Rothe
Front Hexenhaus
Kaddie und Johannes
Goalgirls-Gründerin Kaddie Rothe
Front Hexenhaus
Kaddie und Johannes
Goalgirls-Gründerin Kaddie Rothe
Front Hexenhaus
Kaddie und Johannes

01/03

femtastics: Du hast lange in Berlin gelebt und warst vier Jahre lang allein auf Weltreise, um remote zu arbeiten. Warum hast du dich damals dazu entschlossen?

Kaddie Rothe: Das Modell, nirgendwo zu wohnen und stattdessen zu reisen und von unterwegs aus zu arbeiten, hat mir richtig gut gefallen. Mit 28, mitten in der Pandemie, als alles langsamer wurde, wurde mir klar: Außer „Girlboss“ hatte ich mir kaum Raum für eine eigene Persönlichkeit gelassen. Mit 30 wird von Frauen oft erwartet, dass sie ankommen, sich settlen, in ein vorgezeichnetes Leben passen.

Ich habe beschlossen, mich zu unsettlen – mich bewusst zu entwurzeln, um herauszufinden, wer ich bin, wenn niemand etwas von mir erwartet. Ich wollte immer Single bleiben und die Welt erkunden. Ich hatte keinen Familienwunsch. Unser Business mit "Goalgirls*" lief komplett remote und wir haben das Unternehmen zu einem Kollektiv umgebaut.

Wie ist dieses Haus hier zu dir gekommen?

Das Haus hat in den Sechzigerjahren meinen Großeltern gehört und war als Wochenendhaus der Rückzugsort für die Familie und später für uns Kinder. Als ich von einer meiner Reisen zurückkehrte, habe ich die Chance ergriffen es zurückzuholen. Ich wusste: Wenn ich mal ein Zuhause haben würde, dann würde es dieses sein.

Dopamin Decor

Kaddie liebt Dopamin Decor. Die hellblaue Couch ist von "Micadoni", der Glastisch von "The Masie".

"Ich liebe eigentlich Stadtleben und Trubel, aber den Alltag möchte ich nicht in der Stadt verbringen."
Dopamin Decor
Wohnen Dopamin Decor
Kaddie Rothe Esstisch
Dopamin Decor
Wohnen Dopamin Decor
Kaddie Rothe Esstisch
Dopamin Decor
Wohnen Dopamin Decor
Kaddie Rothe Esstisch
Dopamin Decor
Wohnen Dopamin Decor
Kaddie Rothe Esstisch

Ein Hoch auf Statement Lampen! Die hellgelbe Stehlampe ist von "Sklum".

Oh, wie das schillert! Den Gute-Laune-Esstisch hat Kaddie bei "The Masie" gefunden.

Ein Hoch auf Statement Lampen! Die hellgelbe Stehlampe ist von "Sklum".

Oh, wie das schillert! Den Gute-Laune-Esstisch hat Kaddie bei "The Masie" gefunden.

Ein Hoch auf Statement Lampen! Die hellgelbe Stehlampe ist von "Sklum".

Oh, wie das schillert! Den Gute-Laune-Esstisch hat Kaddie bei "The Masie" gefunden.

Ein Hoch auf Statement Lampen! Die hellgelbe Stehlampe ist von "Sklum".

Oh, wie das schillert! Den Gute-Laune-Esstisch hat Kaddie bei "The Masie" gefunden.

01/03

Hast du eine Sehnsucht nach dem Land, Ruhe und Natur verspürt? Du hättest ja auch wieder nach Berlin oder Hamburg gehen können.

Ich wollte unbedingt in der Nähe meiner Familie sein. Ich liebe eigentlich Stadtleben und Trubel, aber den Alltag möchte ich nicht in der Stadt verbringen. Ein Wochenendhäuschen bräuchte ich daher gar nicht, das Wochenende darf ruhig trubelig sein.

Konntest du direkt in das Haus einziehen?

Erst nach neun Monaten, aber das war auch gar nicht der Plan. Ich wollte weiterreisen und habe mir keinen Druck gemacht. Dann kam alles anders: Ich habe Johannes kennengelernt, mich Hals über Kopf verliebt und wollte auf einmal so viel Zeit wie möglich bei ihm sein. Wir haben zusammen alles renoviert und während der Zeit bei meiner Mutter in meinem alten Kinderzimmer gewohnt. Da ich durch die Weltreise nichts mehr an Möbeln hatte, haben wir bei Null gestartet.

Kamin Reetdachhaus
"Ich möchte nur Objekte um mich herum haben, die mir wirklich Freude bereiten."
Rosa Fliesen Küche
Küche rosa
Kamin
Rosa Details
Rainbow Table
Kaddie Rothe
Küche rosa
Kamin
Rosa Details
Rainbow Table
Kaddie Rothe

01/05

Du liebst Dopamin Decor. Was verstehst du darunter und wo findest du deine Einrichtung?

Dopamin Decor ist eigentlich maximalistisch, aber ich verfolge einen minimalistischen Ansatz: Ich möchte nur Objekte um mich herum haben, die mir wirklich Freude bereiten. Es gibt in diesem Haus keinen einzigen Gegenstand, den ich nicht mag. Selbst unsere Kochtöpfe sind rosafarben. Ich suche stundenlang im Internet nach passenden Stücken. Es ist eine Art magischer Realismus. Wenn mein Esstisch einen Regenbogen an die Wand schmeißt, ist das immer ein überraschender Moment, der mir gute Laune macht. Ich arbeite immer gern mit zwei bis drei Farben, Hellrosa und Hellblau sind meine absoluten Lieblingsfarben!

Wie gestaltet ihr eure Arbeit von Helvesiek aus?

Johannes ist in Berlin festangestellt und pendelt zweimal die Woche. Ich habe ebenfalls öfters Projekte in Berlin.

Erzähl mal: Was machst du eigentlich alles gerade beruflich?

Ich leite eine disruptive Kreativkollektive - "The Coolective" - und "Goalgirls*". Wie ein Vogelschwarm kollaborieren wir hier super agil an Brand Stories, Social Media Kampagnen, Content Creation und klassischer Werbung. Ich bin Kreativdirektorin und bin generell in allen Projekten von Anfang bis Ende mit drin. Und ich habe im Sommer meinen Podcast “Hot Mess Mama” gestartet, in dem ich emotional und feministisch as fuck über Schwanger- und Elternschaft spreche.

Kaddie und Johannes
"Kinderkriegen war für mich nie ein Thema. Ich wollte stets verantwortungslos bleiben. Jetzt freue ich mich auf diesen neuen Plot Twist."
Sofa hellblau

Apropos: In einer Podcastfolge erzählst du, dass ein Kind eigentlich nie geplant war. Plot Twist: Jetzt bist du schwanger. Wie war das am Anfang für dich/euch, als ihr von deiner Schwangerschaft erfahren habt? 

Kinderkriegen war für mich nie ein Thema. Ich wollte stets verantwortungslos bleiben. Als Paar war Familie gründen nicht unsere Prio. Uns war beiden klar: Wir legen es nicht drauf an, aber wenn es passiert, passiert es. Und wenn nicht, dann ist das super. Jetzt freue ich mich auf diesen neuen Plot Twist!

Während eines London Trips habe ich mich über Veränderungen an meinem Körper gewundert und habe dann vorsichtshalber einen Schwangerschaftstest gemacht. Ich hatte bereits sechs Wochen vorher einen Test gemacht, der war aber negativ. Wir waren uns also ziemlich sicher, dass der zweite Test auch negativ sein würde. Er war dann aber sehr deutlich positiv. 

Meine Reaktion war kurz “oh nein”, aber Johannes hat sich sofort total gefreut und hat mich emotional voll aufgefangen. Zwischendurch war es kurz mal schwer, die Freiheit, die ich vorher hatte, loszulassen, aber mittlerweile hat es sich komplett gedreht. Ich mag gar nicht mehr so oft unter Menschen sein und bin einfach super gern hier in unserem Haus.

Rosa Terrassenmöbel

Rosa Gartenmöbel gegen den grauen Winter: Diese hier sind von "Jotex".

"Wir wollen uns ein cooles Leben zu dritt machen, auf Reisen gehen und viel erleben. Wir lassen es auf uns zukommen!"

Wie schaust du deiner Elternschaft entgegen?

Es ist total aufregend, Mutter zu werden! Generell sind wir eher unvorbereitet - und zelebrieren das total. Statt mit einem Kinderwagen sind wir zuletzt mit einer Playstation nach Hause gekommen. (Lacht.) Der Kinderwunsch ist ziemlich plötzlich zu mir gekommen und ich werde mein Leben jetzt erstmal so weiterleben und es nicht komplett nach dem Kind ausrichten. Wir wollen uns ein cooles Leben zu dritt machen, auf Reisen gehen und viel erleben. Wir lassen es auf uns zukommen!

Kannst du sagen, warum Kinderkriegen lange kein Thema für dich war?

Ich hatte es eigentlich für mich ausgeschlossen und hatte überhaupt keinen Familienwunsch. Die Vorstellung, als Familie in einem Haus auf dem Land zu leben, hat mir Angst gemacht. Ich habe immer gedacht, falls ich doch mal ein Kind möchte, soll es in einer Regenbogenfamilie aufwachsen. 

Bett rosa

Die Geburtenrate in Deutschland sinkt aktuell, die Gründe dafür sind vielfältig. Wie ist es in deinem Umfeld? Kannst du verstehen, dass die Entscheidung für Kinder eine schwierige ist - insbesondere für Frauen*?

Die Welt fühlt sich gerade sehr schwer an, deswegen kann ich das total nachvollziehen. Es ist nicht leicht, sich in dieser Welt ein Familienglück vorzustellen. Meine engsten Freundinnen sind Single und Familie ist da kein Thema. Im Freundeskreis von Johannes haben inzwischen eigentlich alle Kinder.

"Ich habe große Angst, nicht mehr arbeiten zu können und dass meine Karriere darunter leiden könnte"

Habt ihr schon eure Elternzeit geplant? Verrätst du uns, wie ihr Familie und Job vereinbaren wollt?

Ich habe große Angst, nicht mehr arbeiten zu können und dass meine Karriere darunter leiden könnte. Bis kurz vor der Geburt habe ich noch Pitches zugesagt, ich bin schließlich selbständig. Vieles kann ich am Laptop bearbeiten. Johannes wird nach der Geburt Elternzeit nehmen und mehr zu Hause mit der Kleinen sein als ich.

Außerdem gründen wir zusammen nächstes Jahr eine Firma, bei der es um Babyprodukte gehen wird, dazu bald mehr! Die Einnahmen der Firma sollen auf ein Familienkonto gehen, von dem wir irgendwann Ausbildungskosten und Co für unsere Tochter bezahlen können.

Kleines Reetdachhaus

Als Feministin: Mutterschaft geht heute immer noch mit der Gefahr einher, schneller in alte Rollenbilder und -Muster zu verfallen als man gucken kann. Wie wappnet ihr euch davor?

Im beruflichen Kontext haben wir unsere Rollen schon ziemlich geswitcht. Ich liebe es aber total, den Haushalt zu machen, zu backen, zu putzen und zu kochen. Jetzt nicht Trad Wife-mäßig, aber ich freue mich einfach auf diese Aspekte meiner Mutterschaft.

Hier findet ihr Kaddie Rothe: