Was tun gegen Einsamkeit auf dem Land? Fünf Ideen für einen aktiven Anti-Langeweile-Lifestyle
22. April 2026
geschrieben von Elena Berchermeier

Nach elf Jahren in der Großstadt wohnt unsere Autorin Elena Berchermeier wieder in ihrem Heimatdorf. Sie genießt ihre Ruhe und Routine, aber fühlt sich manchmal ganz schön allein mit sich und ihrer Zeit. Was tun gegen Einsamkeit und Langeweile auf dem Land? Elena hat sich Gedanken gemacht und einen Anti-Langeweile-Lifestyle etabliert, mit dem sie sich weniger einsam fühlt.
Mehr Main-Character-Energy auf dem Land
Nachdem ich insgesamt elf Jahre in Berlin und München gelebt habe, wohne ich seit mittlerweile vier Jahren wieder auf dem Land. In meinem Heimatdorf (etwa eine Stunde von München entfernt), in der Wohnung meiner Großeltern in meinem Elternhaus, die wir nach ihrem Tod komplett saniert und renoviert haben.
Seit letztem Sommer bin ich Mama. Ich war also gerade in der Anfangszeit super gerne zu Hause, hatte am liebsten meine Ruhe und hab mich mit dem neuen Takt meines Alltags angefreundet. Trotzdem war mir irgendwann langweilig. Mein Sozialleben fand für meinen Geschmack zu wenig irgendwo draußen statt, ich war ein bisschen einsam, und mir fehlten genau dieser Input und die neuen Eindrücke von außen, die ich am Stadtleben so geliebt habe. Auch wenn sie mich aufgrund des Überangebots manchmal überfordert haben.
"Obwohl ich Schulfreund*innen habe und ein paar Mamas treffe, habe ich mich lange keiner Gruppe so richtig zugehörig gefühlt."Elena Berchermeier
Echter Lifestyle statt Eskapismus
Erst habe ich gedacht, ich müsse mein Leben einfach romantisieren, um dieses Defizit zu kompensieren. Das war mir allerdings zu kitschig und realitätsfern. Ich wollte ja keinen Eskapismus, sondern einen echten Lifestyle, der mich mit anderen verbindet. Also habe ich mir Gedanken gemacht, wie meine Tage hier aussehen sollen. Womit möchte ich meine Freizeit verbringen? Wie lerne ich neue Leute kennen? Welche Alltagsdinge kann ich in einen Lifestyle umwandeln, den ich fühle? Für mich. Für mein Wohlbefinden und die Momente, in denen ich selbst auch mal darüber lache, wie das alles klingt.
Dafür habe ich mir die nicht ganz kleine Frage gestellt: Wie sollen mein Leben, mein Lifestyle und auch mein Social Life aussehen? Das ist dabei rausgekommen.
1. Eine Bring-a-Friend-Gruppe gründen
In Berlin war es so leicht, an coolen Events teilzunehmen, neue Menschen kennenzulernen und einfach draußen unterwegs zu sein. Ich glaube, das fehlt mir hier mit am meisten. Obwohl ich tolle Freund*innen habe, die ich seit der Realschule oder noch länger kenne, und mich immer wieder mit ein paar Mamas treffe, habe ich mich lange keiner Gruppe so richtig zugehörig gefühlt. Und einsam.
Deshalb habe ich Anfang des Jahres all meinen Mut zusammengenommen und eine Inner-Circle-WhatsApp-Gruppe gegründet. Die Idee: Jeden Monat gibt es ein Treffen, zu dem ich tolle Frauen* aus meinem Umfeld einlade. Wer Zeit hat, kommt. Das Motto: Bring a Friend. Jede*r darf ein Plus 1 zu den Treffen mitbringen. So komme ich mit neuen Menschen in den Austausch und kreiere eine Frauen*-Gruppe, die sich gegenseitig inspiriert. Wer weiß, vielleicht wird daraus irgendwann sogar eine Eventreihe.
2. Kein Spaziergang ohne Spaßgetränk
Vielleicht ist es cringe, das zu teilen, aber ich verfolge die Instagram-Stories von vielen coolen Mamas und überlege, was ich mir von ihnen abgucken kann. Es inspiriert mich, welche Alltagsmomente sie teilen und zelebrieren. Und ich kann mir genau überlegen, worauf ich Bock habe und was ich adaptieren will. Hören sie Podcasts, wenn sie mit dem Kinderwagen unterwegs sind? Ich habe draußen lieber meine Ruhe. Was trinken sie währenddessen? Ich mag weder Kaffee noch Matcha und nehme lieber eine zuckerfreie Cola. Welches Outfit tragen sie beim Spaziergang?
Wenn ich dann mit meiner pinken Sportleggings und koffeinhaltigem Spaßgetränk (aus der Flasche!) durchs Dorf oder den Wald laufe, fühle ich mich super wohl. Und cool. Meistens filme ich mich ganz kurz dabei, um mich selbst darin zu bestätigen, dass ich gerade der Main Character meines Lebens bin. Das poste ich gar nicht immer, aber darum geht es mir auch gar nicht.












Kein Spaziergang ohne Spaßgetränk.
Eine Bring-a-Friend-Gruppe gründen und regelmäßige Treffen organisieren.
Dauerhobby: das Zuhause verschönern und eigenes Gemüse anbauen.
Sport-Routine mit cuten Outfits und neuen Leuten etablieren.
Kein Spaziergang ohne Spaßgetränk.
Eine Bring-a-Friend-Gruppe gründen und regelmäßige Treffen organisieren.
Dauerhobby: das Zuhause verschönern und eigenes Gemüse anbauen.
Sport-Routine mit cuten Outfits und neuen Leuten etablieren.
Kein Spaziergang ohne Spaßgetränk.
Eine Bring-a-Friend-Gruppe gründen und regelmäßige Treffen organisieren.
Dauerhobby: das Zuhause verschönern und eigenes Gemüse anbauen.
Sport-Routine mit cuten Outfits und neuen Leuten etablieren.
3. Dauerhobby: das Zuhause verschönern
Bisher habe ich in jeder meiner Wohnungen gestrichen und hatte trotzdem immer im Hinterkopf, dass ich irgendwann wieder ausziehen würde. Weil das hier erstmal für sehr lange Zeit unser Zuhause sein wird, will ich mich DIY-mäßig richtig austoben. Wir haben bereits jede (!) Wand und Decke gestrichen, tapeziert und unsere Möbel mit viel Liebe zum Detail ausgesucht. Bei Anschaffungen wie Bildern überlegen wir deutlich länger, was perfekt passt. Ich habe damit also ein Projekt, das fortlaufend viel Zeit auf Pinterest, neue Ideen und Samstage im Baumarkt mit sich bringt. It´s a Hobby! Als Nächstes sind die Terrasse und der Garten dran.
4. Sport-Routine mit cuten Outfits und neuen Leuten
Halleluja, bei uns in der Nähe hat endlich ein Studio sein Angebot um Reformer-Classes erweitert. Und natürlich bin ich seit Stunde eins dabei und freue mich, nun jede Woche Pilates und Yoga zu machen. Tatsächlich habe ich mir extra dafür ein cooles Oberteil gekauft, in dem ich mich jedes Mal besonders fühle. Ich bin stolz auf mich, dass ich endlich eine Sportroutine habe, was ich übrigens weder in Berlin noch München richtig geschafft habe. Weil mich das Angebot oft überfordert hat und mir das Miteinander gefehlt hat, das hier im Dorfstudio entsteht: Man sieht sich, man kennt sich irgendwann und hat wieder ein Gefühl der Zugehörigkeit.
5. Gemüse anbauen und mich richtig reinfuchsen
Was habe ich den Wochenmarkt auf dem Boxhagener Platz in Berlin geliebt. Er war quasi bei mir um die Ecke und ich bin jeden Samstag dort einkaufen gegangen. Obst, Gemüse, Käse, Wurst und meistens zu viel von allem, weil es so verführerisch ist. Paradoxerweise ist genau das, was in der Großstadt so etwas Besonderes war, hier so ein Basic. Weil es auf dem Land noch einfacher isst, regional und saisonal einzukaufen. Und: Jetzt habe ich sogar selbst einen großen Gemüse- und Obstgarten, wo ich mich dieses Jahr so richtig reinfuchsen will in Sachen Saat, Erde und Ernte.
"Ich will mich nicht irgendwann fragen, was ich hier eigentlich mache. Und nur so vor mich hin dümpeln."Elena Berchermeier
Schluss mit Einsamkeit und Langeweile auf dem Land
Ziel meiner neuen Anti-Langeweile-Routine ist übrigens nicht, dass Langeweile keinen Platz mehr hat. Als Kreative weiß ich um die Momente, in denen man einfach nichts machen sollte und dem Gehirn damit den nötigen Freiraum zu geben, Ideen zu spinnen. Vielmehr will ich mich nicht irgendwann fragen, was ich hier eigentlich mache. Und nur so vor mich hin dümpeln.
Mich hat besonders dieses Zitat von Annie Dillard motiviert: "How you spend your day is how you spend your life." Also habe ich ein paar Dinge geändert und bleibe dran, sie laufend anzupassen, wenn mir doch wieder zu langweilig ist.
Stadt, Land, Frust?
Natürlich kann ich Berlin oder München nicht ersetzen, das will ich doch auch gar nicht. Sonst hätte ich ja dort wohnen bleiben können. Ich liebe unser Leben hier sehr mit all seinen Vorzügen und den Momenten, die das Landleben wiederum ausmachen.
Vielmehr erinnere ich mich gerne daran, wie aktiv ich mein Leben gestaltet habe und wie sehr mich genau das geformt hat. Und wenn die Sehnsucht zu groß wird, stille ich sie eben regelmäßig in München und alle paar Monate für ein paar Tage in Berlin, um dann mit vollem Herzen und großem Heimweh wieder nach Hause zu kommen.
Fotos: Marlena Kretzer (Porträt), Elena Berchermeier