Von 0 auf 100 – Henrike und Anni starten mit ihrem Concept-Store „Hello Love“ durch

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Bei einem Kaffee geben sich die Freundinnen Anne-Sophie Glahn (27) und Henrike Broede (28) im Dezember letztes Jahres den Handschlag darauf einen eigenen Laden zu eröffnen. Nur kurze drei Monate danach öffnen sie bereits die Türen von ihrem Concept-Store „Hello Love“ in Hamburg-Eppendorf und ein lang gehegter Traum wird Wirklichkeit. Trifft man das Duo, wird man sofort von der guten Laune der beiden angesteckt. Wir haben die gebürtigen Niedersachsenerinnen in Henrikes Wohnung in Groß Borstel getroffen und gemeinsam einen Abstecher zum hübschen Laden gemacht, der ab sofort auch unsere „Girl Gang“-Shirts verkauft!

hellolovehamburg_075femtastics: Wie seid ihr auf die Idee gekommen einen eigenen Store zu eröffnen?

Anni: Bevor wir uns kannten, war das schon immer Henrikes und mein Traum. Als wir uns kennengelernt haben, haben wir sofort gemerkt: Das passt richtig gut mit uns beiden!

Henrike: … und trotzdem sind wir auch sehr unterschiedlich.

Anni: Ja, optisch und auch was unsere Geschmäcker für Klamotten und die Freizeitgestaltung angeht. Aber irgendwie passt das unfassbar gut zusammen, weil wir uns so gut ergänzen. Was Einrichtung betrifft, haben wir ziemlich den gleichen Geschmack. Wir müssen uns auch gar nicht oft absprechen weil wir wissen, was die andere auch am schönsten findet. Wir haben uns bei der Arbeit kennengelernt, sind gute Freundinnen geworden und dann spukte die Idee eines Ladens immer in unseren Köpfen herum. Unsere Familien haben immer gesagt: „Jetzt macht das doch mal, jetzt redet nicht immer drüber. Es wird laufen!“

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Room with a view! Henrike wohnt mit ihrem Mann in einer Wohnung mit Garten in Groß Borstel.

Henrike: … und dann fingen sie irgendwann an zu sagen: „Ihr macht es sowieso nicht, ihr sagt es nur immer.“ Wir beide saßen letztes Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr im Elbgold und haben Kaffee getrunken und es drehte sich schon wieder alles um einen eigenen Laden. Dann haben wir gesagt: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt und wir haben uns die Hand darauf gegeben. Eine Woche später haben wir unsere Jobs gekündigt, sind nach Paris zur Messe gefahren und haben den Mietvertrag unterschrieben.

Anni: Das waren direkt hohe Beträge mit denen wir zu tun hatten – wir waren uns aber so sicher, dass es funktionieren wird.

Vor allem, wenn so viel Leidenschaft dahinter steckt.

Anni: Ja, genau.

Henrike: Wir dachten am Anfang auch, dass viele unser Vorhaben in Frage stellen würden aber im Gegenteil, alle fanden es total super, dass wir den Schritt endlich gemacht haben.

Nach unserer Arbeit sind wir dann immer in den Laden gegangen, haben Tapete abgekratzt oder unseren Businessplan fertig geschrieben.

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Und wie habt ihr die Ladenfläche gefunden?

Henrike: Wir haben natürlich überlegt in welchen Stadtteil wir gehen. Wir haben uns in Winterhunde an den Hofweg gesetzt und ein bisschen geguckt – aber es passte nicht wirklich.

Anni: Uns war dann schnell klar: auf nach Eppendorf. Wir sind da schon jahrelang unterwegs und ich habe da in mehreren Geschäften und einer Modeagentur gearbeitet.

Henrike: Insgesamt haben wir uns drei Läden angeguckt. Bei unserem Laden stand damals groß „Zu Vermieten“ dran und dann bin ich einfach reingegangen. Zufällig war die Verwaltung gerade da und hat gerade eine andere Besichtigung gemacht. Ab da ging alles ganz schnell. Wir hatten gute Handwerker, die gesagt haben: Mädels, wir helfen euch!

Anni: Bis Ende Februar waren wir noch festangestellt. Nach unserer Arbeit sind wir dann immer in den Laden gegangen, haben Tapete abgekratzt oder unseren Businessplan fertig geschrieben. Ende März haben wir dann den Laden eröffnet.

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Henrike (links) und Anni (rechts) im Gespräch.

Was habt ihr beide vorher gemacht?

Henrike: Ich habe Mode- und Textilmanagement in Hamburg an der JAK studiert und habe währenddessen Praktika bei Tina Schönbach und bei Peek & Cloppenburg gemacht – also eher klassische Unternehmen. Nach meinem Studium habe ich auch meinen Trainee bei P&C begonnen. Ich wollte immer in ein großes Unternehmen, habe dann aber gemerkt, dass es doch nicht so meins ist. Ich habe dann Kaschmirtücher selbst designt und produzieren lassen. Dann habe ich bei Cashmere Products angefangen, die machen Private Label Kaschmir, also große Firmen, die für die Eigenmarkte Kaschmir brauchen, haben bei uns bestellt. Dort habe ich die Eigenmarke betreut von der Bestellung bis zur Produktion.

Anni: Ich komme aus Göttingen, dort habe ich schon nach dem Abi angefangen in zwei Geschäften von Friederike Lohrengel zu arbeiten. Dort habe ich alles gemacht, von Deko über Einkauf bis zur Modenschau, für beide Läden, ganz alleine. Außerdem habe ich die eigene Kollektion mit Friederike zusammen designt  – das mache ich schon seitdem ich 18 bin. Danach habe ich eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel angefangen, bin dann aber während der Ausbildung nach Hamburg gezogen und habe sie hier beendet. Bis heute mache ich immer noch den Einkauf für die beiden Läden. Außerdem habe ich in einer Modeagentur gearbeitet, für die ich jetzt auch nebenbei immer noch etwas mache – da mache ich den Vertrieb für mehrere Labels. Ich mache außerdem Schmuck selber und betreue Instagram-Seiten für Läden.

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Das klingt nach einem ganz schön hohen Arbeitspensum.

Anni: Auf jeden Fall, aber mein Herz schlägt natürlich für den Laden.

Henrike: Auch für „Hello Love“ wollen wir langfristig eigene Produkte designen. Wir sitzen gerade an unserem Ballon-Projekt „Hello Love Balloons“. Es wird Schmuck und eine Kaschmirkollektion mit drei Styles und einer Mütze geben. Wir wollen nebenbei etwas Kreatives machen. Wir lieben die Kunden, aber lieben es auch kreativ zu sein.

Gibt es bei euch ein bestimmte Arbeitsteilung?

Henrike: Im Moment macht jeder alles. Es gibt ja auch nicht nur das Schöne, den Kunden zu bedienen, sondern auch die Buchhaltung. Jeder kann alles und macht alles.

Anni: Im Moment sind wir beide ja auch noch jeden Tag im Laden – irgendwann haben wir sicherlich auch mal einen Tag frei oder nehmen uns einen Kreativtag zu Hause.

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Henrike liebt es zu kochen – die offene Küche ist perfekt dafür!

Wir haben Früchte an der Wand und verkaufen Glitzerhaargummis – es ist ein Gute-Laune-Laden.

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Und wie ist es jetzt wirklich einen eigenen Laden zu haben?

Anni: Wir sind total happy! Die Kunden, die reinkommen, sind toll – genau die wollten wir. Alle sind so nett und kommen teilweise fast täglich. Auch ganz viele Bloggerinnen und alle posten irgendwas, viele Designerinnen kommen vorbei und zeigen uns ihre Produkte – das ist alles ganz toll.

Henrike: Wir mussten uns neulich mal kneifen. Wir können ja machen und tun, was wir wollen, weil es uns gehört – das ist total verrückt.

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Schafft ihr es denn auch euch selbst mal zu feiern?

Anni: Bis jetzt noch nicht wirklich. Aber wir zelebrieren unsere Samstage im Laden. Da ist die Tür offen, wir haben Kuchen oder Zimtschnecken da und um 15 Uhr wird ein Crémant aufgemacht. Unser Funday!

Henrike: Samstag ist unser Spaßtag – wir haben dann keine Laptops dabei. Samstag wird weder Buchhaltung gemacht, noch Lieferantenmails geschrieben, noch irgendwas anderes. Wir sind da und, wenn kein Kunde da ist, dann atmen wir mal durch.

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„Hello Love Balloons“ – das nächste Projekt der Mädels!

Wir würdet ihr euer Store-Konzept beschreiben? Was hat euch in Hamburg noch gefehlt?

Anni: Wir verkaufen alles, was wir selbst auch kaufen würden. Und wir wollten keinen Laden haben, wo nur Klamotten hängen. Mit 20 habe ich schon gesagt: Ich möchte einen Laden haben, wo ein Café drin ist, wo man Blumen und Geschenke kaufen – wo man einfach alles kaufen kann. Ein Café haben wir zwar nicht – aber direkt nebenan eröffnen bald zwei Dänen ein Café und an Samstagsblumen sind wir gerade dran.

Henrike: Außerdem wollten wir nicht ganz so skandinavisch sein. Ohne Rosa kann ich zum Beispiel nicht arbeiten und ein bisschen Glitzer muss auch immer sein. Das heißt ja nicht, dass wir so „girly Girls“ sind. Und gute Laune ist uns wichtig. Manchmal kommt man in einen Laden und es fühlt sich so erdrückend an …

Ich weiß, was ihr meint.

Anni: … wir stehen da und strahlen, haben Früchte an der Wand und verkaufen Glitzerhaargummis – es ist ein Gute-Laune-Laden. Wir wollten einfach frischen Wind nach Eppendorf bringen.

Henrike: Das größte Kompliment von den Kunden ist bis jetzt der Satz gewesen: „Es ist endlich mal etwas anderes.“ Es gibt ja generell jedes Label schon in Hamburg und es ist schwierig etwas zu finden, was noch nicht der Laden hundert Meter rechts und hundert Meter links hat. Das war uns ganz wichtig: Wir wollten nicht sein wie der Laden x oder Laden y – wir wollten was anderes machen.

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Wie wählt ihr die Labels aus?

Anni: Wir waren in Paris und haben uns inspirieren lassen – den ersten Tag sind wir nur über die Messe gegangen und haben uns alles angeschaut, viele Labels kannten wir natürlich auch schon. Abends sind wir dann ins Hotelzimmer gegangen und saßen da mit den ganzen Karten und Lookbooks. Du hast diesen leeren Laden, der befüllt werden muss und irgendwie muss ja auch alles zueinander passen.

Henrike: Das war sehr schwierig und wir saßen in einem Hotelzimmer ohne Fenster, mit Plastikkissen und hatten die schönsten Kataloge vor uns liegen (lacht).

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Anni: In Paris haben wir viel gefunden, aber auch über Instagram und Pinterest. Wir wollten ja schon immer einen Laden aufmachen und haben uns immer mal Labels aufgeschrieben. Ich war im Dezember in New York und Henrike im Januar – da haben wir uns auch nochmal inspirieren lassen. Außerdem entdecken wir fast jeden Tag ein neues Label.

Henrike: Man muss sich natürlich auch bremsen, man kann nicht alles einkaufen. Und man muss Geld verdienen. Natürlich haben wir am Anfang auch Fehler bei der Order gemacht, aber daraus lernt man auch. Unsere Firmen sind bunt gemischt, wir haben Silken Favours, von der auch die Früchtetapete stammt, Broschen und Bügelbilder aus Frankreich, Meri Meri aus London, Rika und AYTM aus Kopenhagen und Custommade kommt im Juni. Aus New York bekommen wir jetzt Tracey Tanner – Ledertaschen mit Glitzer, die wir auf Instagram gefunden haben.

War es denn einfach die Labels von eurem Konzept vor der Eröffnung zu überzeugen?

Henrike: Ja, das hat gut geklappt – vor allem als wir dann die Fotos vom Laden hatten.

Hello-Love-Store-Hamburg-eppendorfEuer Store-Name ist auch super. Simpel und schön. Musstet ihr lange brainstormen und diskutieren?

Anni: Nee, gar nicht. Wir saßen auch hier in diesem Raum und haben einfach runtergeschrieben. Wir wollten was mit „Hello“ haben weil uns eine direkte Ansprache wichtig war und „Love“ klingt einfach gut.

Henrike: Unseren ersten Spruch gibt es auch schon: „Come and get your luck!“.

Wir haben auch immer zu uns gesagt: Wir wollen nie jemand sein, der gelangweilt am Tresen steht und die Zeit absitzt.

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Hattet ihr denn auch Respekt oder Angst vor dem Einzelhandel?

Anni: Da wir das davor auch schon so lange gemacht haben, hatten wir keine Angst.

Henrike: Wir haben auch immer zu uns gesagt: Wir wollen nie jemand sein, der gelangweilt am Tresen steht und die Zeit absitzt. Es hat sich auch schnell herauskristallisiert, dass es nie so sein wird weil wir immer nebenbei 1.000 Sachen machen. Klar, wir haben jetzt erst seit zwei Wochen geöffnet, es gibt sicherlich mal eine Phase, in der wir sagen: Heute ist es ein bisschen schwierig. Aber wir haben immer etwas zu tun, weil wir auch unsere eigenen Produkte machen.

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Der  hübsche „Hello Love“-Store befindet sich im Eppendorfer Weg 283 in Hamburg.

Anni: Wichtig ist, dass man mit der Zeit geht und zum Beispiel jeden Tag etwas bei Instagram postet und Facebook richtig einsetzt.

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Das „A Tiny Bit Of Luck“-Konfetti haben Anni und Henrike selbst entworfen.

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Das sind heutzutage auch wichtige Verkaufskanäle.

Anni: Das ist das A du O und wir müssen einen Onlineshop machen. Wir merken es jetzt schon, wir bekommen Mails aus ganz Deutschland. Ein Onlineshop war natürlich sowieso geplant, jetzt wollen wir es aber noch schneller umsetzen. Angst hatte ich gar nicht. Ich bin so positiv und ruhig. Wir haben so viele Freunde und Familie um uns herum, die uns stärken.

Wie finanziert ihr das Ganze?

Henrike: Wir haben einen Businessplan geschrieben und haben jemanden, der uns unterstützt. Außerdem haben wir alles sehr knapp kalkuliert. Im Nachhinein denken wir: ein bisschen mehr wäre gut gewesen (lacht).

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Wir mussten natürlich auch gleich etwas shoppen.

Anni: … aber es klappt ja! Wir zahlen uns ein winziges Gehalt aus, das gerade für die Miete reicht. Aber so ist das eben am Anfang. Das Geld muss erstmal wieder reinkommen und das dauert gut ein paar Jährchen.

Henrike: Wir haben auch einfach viel selbstgemacht, haben geguckt, dass wir bei der Renovierung sparen und selbst anpacken. Und haben auch geschaut: Was muss sein und was erstmal nicht?

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Jetzt hängen hier auch unsere „Girl Gang“-Shirts.

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Ihr arbeitet sechs Tage die Woche, nur sonntags habt ihr frei. Wie schaltet ihr ab?

Anni: Ich kann das total gut, weil ich zwei Freundinnen habe, mit denen ich jeden Sonntag das Gleiche mache. Wir treffen uns bei „Damn Good Yoga“ im Grindel, dann gehen wir bei Hej Papa frühstücken, danach fahren wir mit dem Rad an die Elbe. Das ist ganz gut, dass die mich da rausholen – ich kann dann echt gut abschalten, das ist auch ganz wichtig, damit man neue Kraft bekommt.

Henrike: Ich bin keine Yoga-Maus (lacht). Ich mache schöne Sachen, fahre ans Meer, koche etwas Leckeres, unternehme etwas mit meinem Mann. Ich kann auch ganz gut abschalten – ich möchte das im Moment aber noch gar nicht – ich gucke immer auf allen Kanälen, ich bin da noch zu sehr drin.

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Verständlich! Vielen Dank für das Interview!

Anni: Unser erstes!

Yeah – das freut uns!

Hier findet ihr den Hello Love Store:

Store: Eppendorfer Weg 283, Hamburg

Unsere „Girl Gang“-Shirts kann man hier auch kaufen!

Fotos: Linda David

 

 

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