Danilo Dürler ist selbständiger Interior Designer und Gründer von Ett la Benn, Co-Gründer von Ernst Dry Gin und hat zusammen mit Mummy Mag-Gründerin Camilla Rando zwei Kinder: Helene, 5 Jahre, und Oskar, 1 Jahr. Auch beim Mummy Mag unterstützt Danilo tatkräftig, als nächstes steht die Kita-Eingewöhnung von Sohn Oskar an sowie die Umsetzung eines neuen Gastronomie-Projektes. Ein echter Dadpreneur also! Wir haben Danilo und Oskar in ihrer Altbauwohnung in Berlin besucht und mit Danilo über das Leben als Blogger-Husband, die Preussische Spirituosen Manufaktur und die Kunst, Familienkonflikte zu lösen, gesprochen. Mit dabei sind ein paar Lieblingsteile aus der Kinderkollektion von C&A, die Oskar trotz Sommerhitze gern für uns angezogen hat. Ob das an den Mode-Genen von Mama Camilla liegt?
Nur abends und am Wochenende Zeit mit den Kindern zu verbringen, ist viel zu wenig.
Danilo Dürler: Ich muss schon Abstriche machen, im Beruf und bei der Familie. Meine Frau ist auch selbstständig, wir müssen uns arrangieren. Der Tag muss gut geplant sein, damit alles funktioniert. Aber es läuft und macht Spaß, ich möchte nichts missen. Als unsere erste Tochter Helene auf die Welt kam, habe ich noch mehr gearbeitet und Camilla übernahm die Kinderbetreuung. Sie macht zwar immer noch mehr als ich, aber ich genieße es sehr, die Zeit mit den Kindern zu verbringen.
Sehr wichtig und es ist schade, dass ich bei Helene verpasst habe, zu sehen wie das Kind groß wird. Nur abends und am Wochenende Zeit mit den Kindern zu verbringen, ist viel zu wenig. Gerade, weil tagsüber so wahnsinnig viel passiert. Kleinigkeiten, die total bereichernd sind und uns als Familie noch enger zusammenbringen. Wir haben zuletzt ein paar längere Familienurlaube zusammen verbracht. Drei Wochen lang 24 Stunden am Stück zusammen sein, das schweißt zusammen.
Es ist natürlich nett, wenn man schöne Kleider für die Kinder findet, die kindgerecht sind. Wir haben ein paar Sachen im Schrank, die wir von meiner Cousine geschenkt bekommen haben, die bei Gucci arbeitet. Das sind total nette Sachen, aber wir haben sie noch nicht angezogen, weil sie einfach nicht zu uns passen. Kinder sind Kinder, die sollen spielen und sich einsauen. Gerade, wenn sie so klein sind, will man nicht andauernd darauf achten, ob die Klamotten noch sauber sind. Aber dadurch, dass Camilla aus dem Modebereich kommt und dabei auch Spaß hat, vergeht eigentlich keine Woche, in der sie nicht mit neuen Teilen ankommt. Es gibt ja auch wahnsinnig süße Kindersachen.
Das hat sie auf jeden Fall schon an unsere Tochter weitergegeben. Sie ist Meisterin im umziehen. Wenn sie mittags aus der Kita kommt, geht sie als erstes in ihr Zimmer und zieht sich etwas Neues an. Das geht dann den restlichen Tag so und sie zieht schnell mal so acht Outfits aus dem Schrank, was zur Folge hat, dass ihr Zimmer abends aussieht wie ein umgekippter Kleiderschrank und der Wäscheberg im Bad wird auch nicht kleiner. Aber was soll’s. Ihr macht es Spaß. Auch wenn ich versuche, sie dazu zu kriegen, wenigstens nur einen Berg auf nur einem Stuhl zu machen. Aber es fruchtet noch nicht ganz. Hat bei Camilla auch nicht funktioniert (lacht).
Ich habe mich vor 12 Jahren mit meinem Partner zusammengetan. Damals noch als Büro für Produktdesign. Relativ schnell hat sich der erste Gastronomie-Job aufgetan. Das war ein biologisches Food-Konzept, wo es vor allem darum ging, ein regionales und vegetarisches Sortiment anzubieten. Wir waren fester Bestandteil eines Teams aus Architekten, Marketing-Leuten und Gastro-Planern. Dort haben wir viel gelernt und den Fuß in die Tür gesetzt. Parallel haben wir unser Möbeldesign gemacht, Produkte entworfen und in Mailand auf der Möbelmesse ausgestellt. Das war unsere Vision: Möbel zu bauen.
Das war unsere Vision: Möbel zu bauen.
Nach circa vier Jahren haben wir gemerkt, dass dieser Markt kaputt ist. Der ist total eingeschlafen. Wenn du einen großen Namen hast, kommst du leicht an Aufträge, aber als Newcomer bist du ein Spielball. Auf Messen wirst du immer dazugestellt, aber seriöse Aufträge, mit denen man Geld verdienen kann, gibt es nicht. Deswegen gibt es auch wenig deutsche Industriedesigner. Über eine Freundin kam ein zweiter Gastronom auf uns zu und so kamen wir von einem Job zum nächsten und haben immer mehr Gefallen daran gefunden. Wir haben uns dann dazu entschieden, nur noch Gastronomie zu machen und das Produktdesign an den Nagel zu hängen.
Vor zwei Jahren haben wir uns noch einmal auf Kunden spezialisiert, die das Ganze als System sehen, also als Franchise. Wir kriegen wahnsinnig viele Anfragen und wenn schöne Aufträge dabei sind, machen wir die auch, aber eigentlich wünschen wir uns Kunden, die weiterdenken. Die die Vision haben, dass sie mit ihrem Unternehmen wachsen können. Wir haben ein Coaching gemacht, was in die Richtung ging und das hat relativ gut gefruchtet. Wir betrachten unser Business ganzheitlich, sodass wir von der Ideenfindung bis hin zur schlüsselfertigen Übergabe das Restaurant fertigmachen können.
Mein Partner hat ein Restaurant aufgemacht [die Dessert Bar CODA in Berlin; Anm. d. Red.], dadurch hat er einen ganz anderen Blick auf die Sache und kann das natürlich auch an unsere Kunden weitergeben.
Absolut! Das ist das Gute, er hat schon vor längerer Zeit mit der Planung für seinen eigenen Laden begonnen. Das ist also sein Baby. Deswegen ist absolutes Verständnis da. Wir tracken unsere Zeit intern, um zu sehen, wieviel wir für welche Projekte investieren. Von der Arbeitszeit ist es relativ ausgeglichen bei uns beiden. Wenn er mal Stress im Restaurant hat und nicht ins Büro kommt, finde ich das auch okay. Es gibt wenige Unternehmen, bei denen die Partner so lange zusammengeblieben sind. Wir kannten uns vorher gar nicht, haben uns damals über eine Mitbewohnerin von mir kennengelernt. Aber irgendwie passte es. Klar hat man auch mal Differenzen, aber das gehört dazu. Wir wissen, was wir aneinander haben und das schätzen wir beide sehr.
Das war irgendwie Zufall. Wenn man nachmittags zusammen mit anderen Eltern auf dem Spielplatz rumhängt – vor allem bei so einem schönen Wetter – wünscht man sich etwas Kühles in die Hand. Ein Freund und ich dachten, es müsse dort eine kleine Aperitivo-Bar geben. So wie es in Italien Gang und Gebe ist: Was trinken und was Kleines dazu essen, man unterhält sich nett und die Kinder spielen. Das gab es nicht und das gibt es immer noch zu wenig. Mein Freund ist selbst Vater von zwei Kindern und berufstätig. Eine eigene Bar zu machen, wäre uns doch zu viel neben Beruf und Kindern gewesen. Aber er kannte jemanden von der Destille in Berlin, der ihn schon mehrfach gefragt hatte, ob er nicht Lust hätte, einen Gin zu machen. Also haben wir es einfach probiert!
Wir haben zunächst in der Preussischen Spirituosen Manufaktur gestöbert. Das ist ein uriger Ort: Eine Destille von 1874, die im Krieg die Produktion eingestellt und erst in den 50er Jahren wieder angefangen hat, eigene Produkte zu entwickeln, unter anderem auch viele Liköre. Berlin war wohl mal Likör-Hauptstadt. Es gibt mindestens zehn Liköre, die sie selbst herstellen. Auf unserer Suche haben wir von Ernst Dobislaw, der die Manufaktur wieder aufgebaut hat und als Destillateurmeister tätig war, ein Rezeptbuch mit diversen Rezepten, die es nie in die Flasche geschafft haben, gefunden. Eins hat uns gefallen, weil es sehr puristisch und Wachholder-lastig, also wirklich ein klassischer Gin ist. Den haben wir hergestellt. Er ging durch ein paar Phasen der Produktion und irgendwann stimmte er. Als nächstes haben wir eine Flasche gesucht und das Label designt.
In Zeiten des Gin-Hypes ist eine eigene Gin-Produktion eigentlich irrsinnig und fast schon überflüssig, aber es hat uns trotzdem gereizt. Wir grenzen uns durch die Qualität ab. Unser Gin wird in kleinen Mengen durch ein Vakuum-Destillationsverfahren hergestellt. Das wird selten angewendet, weil die Apparaturen einfach nicht mehr existieren. Es gibt zwar viel Gin, aber so einen noch nicht – zumindest unserer Meinung nach. Unsere Kunden bestätigen uns, das Richtige getan zu haben.
Wir lassen das Projekt nebenher laufen. Gerade sind wir mit größeren Vertrieblern im Gespräch, mal schauen wohin uns das führt. Gewinne wirft Ernst Dry Gin noch nicht groß ab. Was wir erwirtschaften, stecken wir in neue Ideen und neue Produkte. Zum Beispiel haben wir einen zweiten Gin herausgebracht, der noch stärker ist. Momentan liegt ein weiterer in einem Chardonnay-Fass von einem bekannten Pfälzer-Weingut. Der wird wahrscheinlich in zwei Monaten soweit sein, dass man ihn abfüllen kann. Es gibt also ein paar Ideen, die uns im Kopf herumschwirren.
Ich empfehle jedem, vor dem Studium ein Handwerk zu lernen.
Ich war auf einer Werkschule mit viel handwerklichem Unterricht, ich war also schon immer kreativ unterwegs. Dort gab es eine Schreinerei, eine Goldschmiede, eine Textilwirtschaft und vieles mehr. Das war unglaublich bereichernd, es hat mir total Spaß gemacht. Daher war relativ klar, dass ich nach der Schule etwas mache, was in die Richtung geht. Damals wollte ich nicht ins Handwerk, heute hätte ich es gern gemacht. Es ist nie schlecht, das als Basis zu haben. Ich empfehle jedem, vor dem Studium ein Handwerk zu lernen. Ich habe mich nach der Schule umgeschaut und Produktdesign schien mir ein interessantes Betätigungsfeld.
Ich würde erst ein Handwerk lernen! Es gibt wirklich spannende Handwerksberufe, die teilweise leider aussterben. Glasbläserei zum Beispiel.
Momentan ist Oskar noch nicht in der Kita, mit ihm verbringe ich also viel Zeit. Als Familie versuchen wir am Wochenende etwas zusammen zu machen, entweder fahren wir raus in den Garten, machen einen Ausflug oder treffen Freunde. Mittlerweile hat fast jeder im Freundeskreis Kinder und auch wenn man sich nicht oft sieht, sind alle doch sehr vertraut. So gesehen glaube ich nicht, dass die Familie zu kurz kommt.
Ganz ehrlich: Die Zeit, die ich im Büro bin und arbeite, ist die entspannteste. Kinder zu beaufsichtigen, ist anstrengender und der wahre Knochenjob. Aber so wirklich Zeit für sich alleine müsste man sich nehmen. Das mache ich definitiv zu wenig. Mal schauen, wie es ist, wenn Oskar in der Kita ist. Dann ist er von 9 bis 16 Uhr beschäftigt und ich kann mal morgens zum Sport gehen.
Ich würde nicht davor flüchten und es ist durchaus denkbar. Wenn uns eine Selbständigkeit finanziert, und sei es die von Camilla, dann hätte ich kein Problem damit, den Hausmann zu machen. Ich würde versuchen, nebenbei noch eigene Sachen zu machen. So ganz aufhören, wäre vermutlich auch nichts.
Kinder sind unheimlich bereichernd und machen Spaß, auch wenn es manchmal schwierige Phasen gibt.
Wir haben es neulich gemerkt, als beide Kinder bei den Großeltern waren. Dieses ungezwungene in den Tag rein leben, abends weggehen, ohne sich Gedanken zu machen, wann man zuhause sein muss. Vor allem morgens ausschlafen, Kaffee trinken gehen und seinen eigenen Rhythmus zu leben und sich den nicht vom Kind vorgeben zu lassen … das sind natürlich schon Unterschiede.
Ohne Kinder war es eintöniger. Kinder sind unheimlich bereichernd und machen Spaß, auch wenn es manchmal schwierige Phasen gibt. Aber die wird es immer geben, bis sie ausziehen. Hätte ich eher gewusst, wie toll es ist, Kinder zu haben, hätte ich mir früher Kinder gewünscht. Ich war damals wahrscheinlich nicht reif genug, aber wenn ich überlege, dass der Abstand zwischen den Kindern und mir fast 40 Jahre beträgt, ist das schon wahnsinnig viel. Ich glaube, dass man mit 25 beispielsweise eine andere Verbindung zu den Kindern hat.
Hätte ich eher gewusst, wie toll es ist, Kinder zu haben, hätte ich mir früher Kinder gewünscht.
Schön. Es gehört irgendwie dazu und ich kenne Camilla ja auch nicht anders. Es ist ein Teil von uns. Durch sie habe ich angefangen, meinen Instagram-Account mehr zu benutzen. Es ist eine schöne Art, sein Leben zu teilen.
Wir haben uns lange überlegt, ob wir sie zeigen oder nicht. Es ist wichtig, den Kindern zu erklären, worum es geht und sie so zu erziehen, dass sie später Acht geben, wenn sie das Internet selbst nutzen. Man sollte natürlich vorsichtig sein, was man zeigt. Die Kinder gar nicht zu zeigen, ist eine Entscheidung von vielen Eltern, die man akzeptieren muss. Aber für uns war es keine Option und ich glaube, dass man einfach nicht zu weit denken darf.
Eigentlich nicht. Ich muss aber auch ehrlich gestehen, dass ich mir nicht jeden Beitrag von Camilla durchlese. Bisher gab es noch nichts, was mich im Nachhinein gestört hätte. Da ist Camilla auch feinfühlig und kennt mich gut genug, um zu wissen, was sie erzählen kann und was nicht.
Man erwartet von seinem Partner einen gewissen Raum, sich zu entfalten. Diesen Raum muss man ihm gleichermaßen zugestehen.
Man erwartet von seinem Partner ja einen gewissen Raum, sich zu entfalten. Diesen Raum muss man ihm gleichermaßen zugestehen. Wenn Bloggen das Betätigungsfeld des einen ist, sollte man das akzeptieren und fördern. Man hat sich die Person ja als Partner ausgesucht. Deswegen habe ich mir auch nie die Frage gestellt, ob es mich stört oder nicht.
Kinder sind Kinder, die sollen spielen und sich einsauen.
Wir haben gerade so einen kleinen Konkurrenzkampf zwischen den beiden Kindern, wer hat was und wieviel. Alles, was seine große Schwester hat, muss Oskar auch haben. Ein Streitpunkt zwischen Camilla und mir ist, und da muss ich ihr auch Recht geben, dass sie mehr Zeit mit den Kindern verbringt als ich. Obwohl wir eigentlich alles 50:50 machen – bis auf die Kinder. Das führt immer wieder zu Diskussionen. Aber ansonsten sind wir uns in den meisten Sachen einig und ziehen an einem Strang. Wir haben ähnliche Ansätze bei der Kindererziehung und in der Führung unseres Lebens.
Da fliegen schon mal die Fetzen, aber ich bin niemand, der nachtragend ist und Camilla auch nicht. Alles löst sich wieder von allein. Man muss sich natürlich entschuldigen und anstrengen, das Ganze wieder in die richtige Bahn zu lenken. Wir sind beide Menschen mit Humor. Da wirft man sich mal Sachen an den Kopf und danach ist es wieder gegessen, sonst hätten wir es auch nicht bis hierher geschafft. Und wir lassen uns den Freiraum, den jeder braucht.
Gesundheit natürlich! Da kriegt man leider viel zu viel mit, was anderen Familien widerfährt. Wir können wirklich glücklich sein, dass wir zwei gesunde Kinder haben und wir hoffen, dass das so bleibt. Ich wünsche mir, dass sie ihren Weg gehen und etwas finden, was ihnen Spaß macht. Da haben sie von unserer Seite die beste Unterstützung, die sie sich wünschen können. Aber erstmal wünsche ich ihnen, dass sie unbeschwert ihre Kindheit genießen können und sich nicht zu viele Gedanken machen müssen.
Fotos: Sophia Lukasch
Interview: Lea Braskamp
Layout: Carolina Moscato
– Werbung: in Zusammenarbeit mit C&A –