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Familie

Kein Bock auf "Mom-Shaming": Wofür ich mich als Mutter nicht rechtfertige – und was ich stattdessen sage

13. Oktober 2026

geschrieben von Elena Berchermeier

femtastics-Autorin Elena Berchermeier kontert ungefragte Kommentare über ihr Muttersein mit Sarkasmus.

Rabenmutter, weil ich trotz Baby arbeite? Egoistisch, weil ich nicht stille? Seit ich Mama bin, werde ich ziemlich oft ungefragt verurteilt. Das hat einen Namen: "Mom-Shaming". Warum ich mich nicht rechtfertige, sondern kontere. Am liebsten mit Sarkasmus.

“Mom-Shaming” beginnt dort, wo aus einer Frage ein Urteil wird.

Ach, und wo ist dein Kind, wenn du arbeitest? Es sitzt mit einer Tüte Chips vor dem Fernseher und schaut "Netflix". Danke für die Nachfrage.

Mit meiner Schwangerschaft begann ziemlich unfreiwillig eine Ära, in der ich gefühlt nichts mehr richtig machen konnte. Betreuung, Job, Ernährung, Familienplanung, Schlafsituation: Plötzlich hatte jede*r eine Meinung dazu, wie ich mein Leben als Mama zu organisieren und führen habe. Und auch zu Dingen, auf die ich selbst (noch) keine richtige Antwort habe. Selten blieb es aber bei Meinungen.

Was ist Mom-Shaming?

Klar, nicht jede Frage oder jeder Kommentar ist "Mom-Shaming". Wer ehrlich wissen will, wie wir Job und Kind organisieren, bekommt von mir gern eine ausführliche Antwort. "Mom-Shaming" beginnt dort, wo Interesse geheuchelt und aus einer Frage ein Urteil wird. Es sind Kommentare, Blicke und "gut gemeinte" Ratschläge, die Müttern signalisieren: Du machst es falsch. Manchmal reicht dafür schon ein Augenrollen auf dem Spielplatz.

Das Perfide daran: "Mom-Shaming" kommt selten von Fremden, die es böse meinen. Es kommt von Kolleg*innen, aus der Familie, auch von anderen Müttern – also aus unserem eigenen Umfeld. Väter bekommen davon übrigens erstaunlich wenig ab.

"Es braucht wenig, um ein guter Vater zu sein – und noch weniger, um eine schlechte Mutter zu sein."

Rabenmutter vs. engagierter Papa: Warum "Mom-Shaming" ein feministisches Thema ist

Ein Vater, der nach zwei Monaten Elternzeit wieder arbeitet, gilt als engagiert. Eine Mutter, die nach ein paar Wochen zurück in den Job geht, wird Rabenmutter geschimpft. Väter werden fürs Windelnwechseln gelobt, Mütter fürs Nicht-Stillen kritisiert. Es braucht wenig, um ein guter Vater zu sein – und noch weniger, um eine schlechte Mutter zu sein.

Dahinter steckt ein Ideal, das uns das Patriarchat seit Generationen verkauft und aufdrängt: die perfekte, selbstlose Mutter, die ihre eigenen Bedürfnisse immer hinten anstellt. Alle sollen gleich sein und bloß keinen Anspruch auf individuelle Lebensentwürfe erheben. Ich sage: Zum Teufel mit diesem Perfektionismus. Es gibt nicht die eine, "richtige" Art, Mutter zu sein.

Ich weiß, dass ich eine gute Mutter bin – andere wissen es trotzdem besser

Unsere Tochter ist ein absolutes Wunschkind. Und ich hatte von Anfang an das Selbstbewusstsein, zu wissen: Ich bin eine gute Mutter, und zwar nach meinen eigenen Maßstäben. Gleichzeitig liebe ich meinen Job, also den bezahlten. Denn Arbeit ist das Muttersein ja auch (und ja, das geht beides). Deshalb war für mich klar, dass meine Elternzeit kurz ausfallen würde. Also habe ich vier Wochen nach der Geburt wieder angefangen, zu arbeiten.

Allein das hat für erstaunlich viel Unverständnis gesorgt, ein schlechtes Gewissen hatte ich trotzdem nie. Ich habe auf mein Bauchgefühl gehört und stets die für mich richtigen Entscheidungen getroffen. Ich bin glücklich, mein Freund und ich gestalten unser Leben so, wie es für uns passt. Wir sprechen regelmäßig darüber, ob wir etwas anders aufteilen wollen und was wir gerade brauchen. Aber eben nach unseren Regeln. Über unsere gleichberechtigte Elternschaft habe ich hier bereits geschrieben.

Es ist meine bewusste Entscheidung, zu arbeiten. Es ist unsere Aufteilung, die für uns funktionieren muss. Und es ist unser Leben in unserem Mehrgenerationenhaus, das auf Miteinander, Rücksicht und Fürsorge basiert.

“'Mom-Shaming' ist ein patriarchaler Mechanismus, um uns Mütter kleinzumachen und uns das Gefühl zu geben, nie gut genug zu sein."

Mein Umgang mit "Mom-Shaming": Erklären ja, rechtfertigen nie

Stillschweigend hinnehmen wollte ich das "Mom-Shaming" aber nicht. Wer schweigt, lässt das Urteil stehen. Wie ich antworte, hängt davon ab, wie man mir begegnet. Bei echtem Interesse erkläre ich gerne, wie wir uns aufteilen, wer uns unterstützt und wie wir planen. Von Transparenz und Offenheit profitieren alle, und man kann sich immer mal etwas von anderen anschauen. Kommt mir jemand doof, werde ich sarkastisch oder, wenn mir die Geduld fehlt, sehr direkt. Aber, und das ist mir wichtig: Ich rechtfertige mich nie.

Als Millennial ist Sarkasmus für mich schon immer die Antwort der Wahl, wenn´s mal weniger diplomatisch sein soll. Er hält dem Gegenüber den Spiegel vor und zeigt, wie überflüssig oder übergriffig manche Aussagen und Fragen eigentlich sind.

Mom-Shaming kontern: Mein persönliches Best-of

  • Ach, und wo ist dein Kind, wenn du arbeitest?
    Bei ihrem Papa / bei Oma und Opa. Fragst du meinen Freund eigentlich auch, wo sein Kind ist, wenn er arbeitet?
  • Also ich könnte das ja nicht.
    Musst du ja auch nicht.
  • Das könnt ihr doch jetzt noch gar nicht wissen, ob ihr nicht doch ein zweites Kind wollt.
    Und wieso solltest ausgerechnet du das besser wissen als wir?
    Oder: Für ein zweites Kind kann sich mein Freund gerne eine neue Partnerin suchen. Ich bekomme keins mehr.
  • Oh, du stillst nicht? Das ist doch das Beste für dein Kind.
    Das Beste für mein Kind ist eine Mutter, der es gut geht.
  • Du wirst deine Schwangerschaft noch vermissen.
    Ich hatte zehn Monate extreme Übelkeit, war im Krankenhaus und in Therapie – ich vermisse gar nichts daran.
  • Schläft sie etwa immer noch bei euch im Bett? Wie lange denn noch?
    Ich denke, bis sie ihre*n erste*n Partner*in mit nach Hause bringt. Dann wird´s eng.
  • Also ich gebe ja keine Gläschen, sondern koche alles selbst.
    Ich nicht. Es ist trotzdem Essen für Kinder. Ich gebe ihr ja kein Hundefutter.

Du schuldest niemandem eine Erklärung

"Mom-Shaming" ist ein patriarchaler Mechanismus, um uns Mütter kleinzumachen und uns das Gefühl zu geben, nie gut genug zu sein. Lasst uns das durchbrechen. Ihr müsst euch nicht rechtfertigen. Ganz egal, ob ihr stillt oder nicht, ob ihr arbeitet oder Elternzeit macht, Gläschen gebt oder den Brei selbst kocht: Ihr seid gute Mütter. Das müsst ihr niemandem beweisen. Tut einfach das, was für euch und euer Kind das Richtige ist.

Und an alle mit einer Meinung zu unserem Mamasein: Hört auf damit. Zeigt lieber echtes Interesse oder fragt, ob und wie ihr helfen könnt.

Foto:  Marlena Kretzer (Porträt), Collage: "Canva"