Katrin ten Eikelder – ja, wirklich, sie ist Teppichhändlerin

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Hört man den Begriff „Teppichhändler“ erscheint direkt ein Bild vorm inneren Auge. Wahrscheinlich das eines Mannes, vielleicht mit Bart, der auf einem Souk oder in einem Laden zwischen hohen Teppichstapeln seine Ware anpreist. Bestimmt denkt man nicht an Katrin ten Eikelder, die in Skinnyjeans, Sneakers und Bluse eher aussieht wie eine Studentin, die sich vielleicht einen Teppich für ihre Altbauwohnung kaufen will, aber nicht Teppiche aus Anatolien nach Deutschland importiert, um sie hier weiter zu verkaufen. Aber genau das macht die 1984 geborene Wahlberlinerin unter ihrem Label „The Knots“. Katrin stammt aus Köln und hat dort sowie in Mailand studiert, bevor sie für einen Job zunächst nach Stuttgart, dann nach New York zog. Im Juli 2014 kam sie nach Berlin, um „The Knots“ zu gründen, und arbeitet seitdem an ihrem eigenen Teppichlabel. Teppiche von „The Knots“ sind online und über ausgewählte Geschäfte in Berlin und Köln erhältlich – und waren sogar schon auf der Berlin Fashion Week zu sehen und mit den Mighty Oaks auf Tour. Der Showroom liegt in der Torstraße 98 und lässt sich nach Terminabsprache besuchen.

 

Femtastics: Wie kamst Du darauf, ins Teppich-Business einzusteigen? Das ist ja eine ungewöhnliche Berufswahl für eine junge Frau.

Katrin ten Eikelder: Das ist meistens die erste Frage, die ich zu hören bekomme. Zum Zeitpunkt, als die Idee entstand, war ich in New York. Da habe ich ein Jahr für ein deutsches Modeunternehmen gearbeitet. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass der Job nicht das Richtige für mich ist und ich mich dort in der Zukunft nicht sehe. Da bin ich auf Inspirationssuche gegangen, war viel in Brooklyn unterwegs, in Galerien, auf Flohmärkten, und habe mich in der Interior-Szene von New York umgesehen. Und da bin ich wieder auf den Teppich gestoßen. Ich sage „wieder“, weil ich zum Ende meines Studiums schon einmal darüber nachgedachte hatte, beruflich etwas mit Teppichen zu machen.

Warum?

Weil ich mit dem Produkt groß geworden bin. Mein Vater hat von seinem Vater ein Heimtextilgeschäft übernommen und hat sich damit auf Teppiche spezialisiert. Das heißt, er ist sehr bewandert auf dem Gebiet und er hat viele Länder bereist, in denen Teppiche produziert werden. Dadurch hatte ich schon immer einen Bezug zu Teppichen.

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Katrin ten Eikelder in ihrer Wohnung in Berlin Mitte

 

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Was hast Du studiert und wieso hast Du bei einem Modeunternehmen gearbeitet?

Ich habe Betriebswirtschaft studiert in Köln. In der Modebranche bin ich durch Zufall gelandet, das war nie geplant. Bei diesem Modeunternehmen habe ich mich auf eine Position beworben, die mich gereizt hat – mehr als das Unternehmen. Beim Vorstellungsgespräch habe ich mich wohl gefühlt und dann hat sich ergeben, dass ich insgesamt vier Jahre im Business Development für dieses Modeunternehmen gearbeitet habe. Unter anderem in Vertriebsprojekten und in New York dann mit Fokus auf Lagerbedarfsplanung und Supply Chain Management.

Haben Dir diese Erfahrungen dabei geholfen, als Du Dein eigenes Unternehmen gegründet hast?

Es hat mir mit Sicherheit geholfen, ein unternehmerisches Grundverständnis zu haben. Auch, dass ich in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet habe.

Wie hast Du angefangen als Du wusstest, dass Du etwas mit Teppichen machen willst?

Erst mal habe ich recherchiert und nachgedacht. In New York bin ich auf einen Teppich gestoßen, der mir sehr gut gefallen hat und dann habe ich überlegt, wie ich mein Unternehmen angehe, ob ich selbst produziere, ob ich mir Designer oder Händler suche. Und als die Idee stand, habe ich gekündigt, bin nach Berlin gezogen und dann ging’s los.

Seit wann lebst Du in Berlin?

Ich bin im Juli 2014 nach Berlin gekommen und habe vorher noch nie hier gelebt. Ich habe in Köln studiert, bin dann nach Stuttgart gezogen, war ein Jahr in New York und bin dann nach Berlin gekommen. Berlin war die einzige Option in Deutschland für mich, nachdem ich in New York gelebt hatte. Ich konnte mir keine andere Stadt vorstellen.

Dein Vater findet es bestimmt toll, dass Du den Weg ins Teppichgeschäft gewählt hast, oder?

Mein Vater ist ganz begeistert. Er unterstützt mich auch mit seinem Wissen und seiner Expertise beim Einkauf. Es ist gut, jemanden an der Seite zu haben, der einen Teppich beurteilen kann.

Wie läuft das denn generell bei The Knots: Woher beziehst Du die Teppiche und wo werden sie verarbeitet?

Die Teppiche stammen aus Anatolien und dem Iran. Dort werden sie auch verarbeitet. Es sind Vintage-Teppiche, die zwischen 40 bis 80 Jahren alt sind. Sie werden aufgekauft, dann gewaschen, neu gekettelt, teilweise geschoren, damit sie flacher werden und teilweise auch neu eingefärbt. Das ist ein relativ aufwändiger Prozess.

Also sind es nachhaltige Produkte?

Ja, man könnte sagen, Upcycling-Produkte.

Bestimmst Du auch das Design der Teppiche im Bearbeitungsprozess mit?

Das ursprüngliche Design und Muster der Teppiche bleibt zumindest teilweise erhalten. Die Bearbeitung der Teppiche kann ich mitbestimmen. Wenn die Teppiche gewaschen werden, verschwinden die schwachen Farben und die starken Farben bleiben erhalten. So bekommen die Teppiche einen neuen, modernen Look. Man könnte sagen: Das klassische Kunsthandwerk wird in die Gegenwart geholt. Den Gedanken finde ich schön.

Und wie findest Du die Produzenten, bei denen Du die Teppiche kaufst?
Am Anfang habe ich Kontakte von meinem Vater genutzt und jetzt entwickle ich mein Netzwerk Schritt für Schritt weiter.

Reist Du regelmäßig in die Produktionsländer der Teppiche, um Teppiche einzukaufen?

Ja, genau. Ich war seit der Gründung von „The Knots“ schon vier oder fünf mal unterwegs – und ich verkaufe ja erst seit Oktober 2014.

Ist die Branche so männerdominiert, wie man sie sich vorstellt?

Ich habe tatsächlich nur mit Männern zu tun, wenn ich in die Herkunftsländer der Teppiche reise. Aber ich war positiv überrascht: Sie sind immer sehr umgänglich und zuvorkommend.

Feilschst Du auch um die Preise der Teppiche?

Die Männer lassen auf jeden Fall mit sich reden. Gerade, wenn ich ihnen erkläre, dass ich eine junge Unternehmerin bin, sind sie kulant. Das funktioniert ganz gut.

Wie kann man sich das vorstellen, findet der Handel in Hinterzimmern statt?

Ehrlich gesagt schon. Es sind wirklich Räumlichkeiten, von denen man wissen muss, dass sie existieren. Man findet sie nicht beiläufig. Als ich das erste Mal dort war, habe ich ein Selfie mit den ganzen Männern gemacht, weil ich es selber so lustig fand.

 

Der Teppich kommt zurück, weil der Trend wieder zu mehr Gemütlichkeit geht – und zu alten Werten.

 

Der Teppich allgemein erlebt ein Revival. Vor ein paar Jahren hatte der Teppich noch ein angestaubtes Image, aber jetzt ist gerade der Orientteppich wieder sehr in Mode, oder?

Ja, das stimmt. Ich glaube, es war in den 50er und 60er Jahren als der Orientteppich ein Investitions- und Statussymbol war. Damals haben die Menschen richtig viel Geld für den Orientteppich ausgegeben. Dann kam eine neue Generation und der Orientteppich galt lange als altbacken. Aber jetzt kommt er wieder zurück. Das ist wahrscheinlich ein normaler Zyklus, wie man ihn in der Mode auch erleben kann. Lange Zeit waren puristische, cleane Wohnungen angesagt, mit möglichst viel freiem Fußboden. Und jetzt geht der Trend wieder zu mehr Gemütlichkeit – und zu alten Werten.

Merkst Du diesen Trend auch an der Nachfrage?

Ja, es gibt extrem viele Menschen in meinem Umfeld, auch aus meiner Generation, die wieder nach Teppichen suchen.

Und wer sind die Kunden von The Knots?

Das ist ganz unterschiedlich. Das sind zum Teil Berufseinsteiger, die in ihre erste eigene Wohnung ziehen, junge Paare, aber auch Menschen, die schon gesettleter sind und einfach Spaß an dem Produkt haben.

Wie teuer sind Deine Teppiche?

Der Einstiegspreis liegt bei 500 Euro und der teuerste Teppich, den ich gerade habe, liegt bei circa 2.500 Euro. Das Pricing hängt immer von der jeweiligen Qualität und dem Zustand des Teppichs ab, und natürlich von seiner Größe.

Wie viele Teppiche hast Du denn immer vorrätig?

Das ist schwer zu sagen. Ich kann nicht losgehen und zwanzig Teppiche kaufen. Ich muss sie wirklich suchen und auswählen. Wenn ich nur drei finde, die mir gefallen, dann kaufe ich nur drei, obwohl ich vielleicht zwanzig bräuchte. Das ist sehr schwer vorherzusehen. Aktuell habe ich dreißig bis vierzig Teppiche in meinem Showroom.

Und in den kommt man nur nach Terminabsprache?

Ja, er ist noch ganz frisch. Nächste Woche wird er eröffnet. Das ist sehr spannend! Und er liegt nur zehn Minuten von meiner Wohnung entfernt. Vorher habe ich Leute hierhin in mein Wohnzimmer eingeladen und Teppiche hier verkauft.

Deine Teppiche waren ja auch auf der Berliner Fashion Week zu sehen, bei der Show von Isabell de Hillerin. Das hat Deinem Business doch sicher auch geholfen, oder?

Ja, das war super. Ich bin wirklich glücklich, dass das geklappt hat. Allein die Fotos sehen schon so toll aus.

Wie hat sich das ergeben?

Eine Bekannte von mir macht PR für Isabell de Hillerin. Und sie haben überlegt, dass sie gerne etwas mit Teppichen machen wollen und haben mich dann angesprochen. Das Schöne ist, dass Isabell de Hillerin auch klassische Kunsthandwerkselemente in ihre Mode integriert. In ihrer aktuellen Kollektion hat sie sogar rumänische Teppichteile verarbeitet.

Das passt ja perfekt! Und da sieht man auch wieder den Trend zum Handwerk. Und das Handwerk muss ja auch erhalten werden.

Ja, absolut. Es gibt Prognosen, dass in fünfzehn Jahren kein Mensch mehr weiß, wie ein Teppich per Hand geknüpft wird.

Warum sollte man denn lieber einen handgeknüpften als einen maschinell produzierten Teppich kaufen?

Der Grund ist eben das Kunsthandwerk. Das ist eine Qualitätsfrage. Ein handgeknüpfter Teppich ist viel hochwertiger und noch dazu ist er ein Einzelstück, wirklich Schmuck für den Boden.

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Das Femtastics-Team unterwegs zum Showroom von The Knots

 

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Büro und Showroom von The Knots liegen auf der Torstraße.

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An der Wand im Showroom hängen Fotos der Fashion Show von Isabell de Hillerin, bei der Teppiche von The Knots zum Einsatz kamen.

Hier findet ihr Katrin:

   

 

Fotos: Janna Tode

 

 

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