Female Finance: Corona – Auswirkungen für mich als Investorin, Selbständige und Konsumentin

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3. Juli 2020

Das Corona-Virus hält uns immer noch in Atem und die Bundesregierung hat vor einigen Wochen ein großes Konjunkturpaket verabschiedet. Was kommt in der nächsten Zeit auf uns zu?

Ich als Investorin: Corona und die Börse

Wenn du die Börsenkurse verfolgt hast, dann sind dir bestimmt die erstaunlichen Entwicklungen der letzten Wochen aufgefallen. Nach einem dramatischen Kurseinbruch kam eine fast ebenso rasche Erholung, die sich in den letzten Wochen in eine Seitwärtsbewegung entwickelt hat (s. Abb. 1).

 

Abbildung 1: Entwicklung des weltweiten Aktienindex MSCI AC World, Juli 2019 – Juni 2020. Quelle: www.onvista.de, abgerufen am 30.06.2020

Was kann ich als Investorin aus dieser Entwicklung lernen?

  1. Verkaufe niemals in Panik. In Panik zu verkaufen, ist fast immer eine Fehlentscheidung. Zumindest, wenn du deine Investitionen breit gestreut hast, z.B. in einen ETF. Wenn du bei einem niedrigen Börsenkurs verkauft hättest, hättest du den Verlust realisiert, also in die Realität geholt. Wenn du abgewartet hast, hast du die Erholung mitgenommen und dein Depot dürfte schon wieder akzeptabel aussehen. Ein Sparplan, der regelmäßig investiert, war hier vermutlich die beste Investitionsform, denn damit hast du auch bei den günstigen Kursen eingekauft.
  2. An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Die Börsenkurse haben sich schnell erholt; die Wirtschaft hinkt hinterher. Das liegt daran, dass der Börsenkurs die Zukunftserwartungen der Investor*innen für dieses Unternehmen widerspiegelt, nicht den aktuellen Stand. Die Börse ist der Wirtschaft um zwei bis drei Jahre voraus. Steigende Börsenkurse heißen, dass die Investor*innen davon ausgehen, dass es den Unternehmen in einigen Jahren besser gehen wird als heute. Das ist doch eine schöne Aussicht!
  3. Das Konjunkturpaket wirkt. Ein weiterer Grund für die steigenden Börsenkurse sind die staatlichen Maßnahmen und die Pakete der Zentralbanken, bei uns der Europäischen Zentralbank. Diese führen zum einen dazu, dass Investor*innen optimistisch in die Zukunft blicken, also Punkt 2 dieser Liste. Außerdem steigern diese Maßnahmen die Nachfrage nach Investitionsmöglichkeiten, was auch die Kurse in die Höhe treibt. Ein Börsenkurs ist nichts anderes als ein Verkaufspreis, der sich aus Angebot und Nachfrage ergibt. Je höher die Nachfrage, umso höher der Preis. Zentralbanken kaufen sichere Anlagen und treiben dort die Preise in die Höhe; daher gehen viele Investor*innen an die Börse, was dort auch die Börse in die Höhe treibt.

Niemand weiß, ob oder wann die Börse das nächste Mal einbricht. Irgendwann werden wir sicher einen neuen Börsencrash bekommen; zumindest lehrt uns das die Vergangenheit. Ob der aber in drei Wochen, drei Jahren oder zehn Jahren kommt, das kann niemand vorhersagen. Daher ist es so wichtig, deine Investitionen breit zu streuen und deinen Notgroschen nicht an der Börse zu investieren.

 

Ich als Selbständige: Corona und die Schutz- und Konjunkturmaßnahmen

Viele Selbständige, insbesondere Kleinst- und Kleinunternehmer*innen, sind hart von den coronabedingten Einschränkungen getroffen. Künstler*innen, Eventmanager*innen, Kosmetiker*innen, wir alle mussten mit der neuen Situation umgehen. Die Soforthilfen für Unternehmen haben dabei zu kurz gegriffen, denn die Miete der Privatwohnung durfte davon nicht bezahlt werden – dabei ist das für viele der höchste Kostenpunkt.

Gleichzeitig gab es viel Offenheit für neue Geschäftsmodelle (Videokonferenzen, Webinare, Online-Shops …) und auch viel Solidarität und Unterstützung. Das war schön zu sehen und sollten wir bei allem Ärger nicht vergessen!

Jetzt hat die Bundesregierung beschlossen, für die nächsten Monate die Mehrwertsteuer zu senken. Was heißt das für mich als Selbständige?

Wenn ich primär mit anderen Unternehmen zusammenarbeite, ist mir die Höhe der Mehrwertsteuer meistens egal, da ein Netto-Preis verhandelt und die Mehrwertsteuer draufgeschlagen wird. Wenn ich aber mit Privatkund*innen arbeite, habe ich zwei Optionen:

  1. Ich behalte meinen Preis bei und steigere meinen Gewinn. Nehmen wir an, mein Angebot kostet 50 €. Dann sind davon bislang 19 % Mehrwertsteuer; das Produkt kostet also ca. 42 € plus 8 € Mehrwertsteuer. Wenn die Mehrwertsteuer jetzt auf 16 % gesenkt wird, muss ich bei einem Grundpreis von 42 € nur 6,74 € Mehrwertsteuer abführen; ich mache also 1,26 € mehr Gewinn.
  2. Ich senke meinen Preis und steigere meinen Umsatz. Ich kann die gesparte Mehrwertsteuer auch meinen Kund*innen „schenken“ und dadurch hoffen, mehr Produkte zu verkaufen. Mein obiges Produkt im Wert von 42 € zuzüglich Mehrwertsteuer kann ich also für 48,73 € anstelle von 50 € verkaufen.

Claudia Müller ist Gründerin des „Female Finance Forum“

Ich als Konsumentin: Corona und die Mehrwertsteuer

Nicht nur für die Selbständigen ist die Mehrwertsteuersenkung relevant, sondern auch für uns als Konsument*innen. Die Schaufenster sind voll mit Rabattaktionen. Jetzt habe ich auch hier mehrere Möglichkeiten:

  1. Ich freue mich über die Schnäppchen und schlage zu. Die gesparte Mehrwertsteuer nehme ich voll mit und shoppe nach Herzenslust. Da spricht nichts gegen – ich empfehle trotzdem, im Budget zu bleiben und den Notgroschen nicht anzugreifen.
  2. Ich freue mich über die Sparmöglichkeit und füttere mein Sparschwein. Du willst deine Sparquote erhöhen? Jetzt ist die Gelegenheit! Die 5€-Challenge kann ein guter Startschuss sein.
  3. Du gehst einen Mittelweg. So kannst du deine Sparquote ein bisschen erhöhen und gleichzeitig die lokalen Geschäfte und Kleinunternehmer*innen unterstützen, die sich nach der Corona-„Pause“ wieder über Kundschaft freuen.

Text: Claudia Müller

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Illustration: Stefanie Berkmann

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