Female Finance: selbständig und dabei finanziell abgesichert!

26. November 2019

Du bist selbständig oder denkst darüber nach, dich selbständig zu machen? Dann ist dir vermutlich schon aufgefallen, dass die meisten Empfehlungen und Ratgeber zum Thema Finanzen sich an Angestellte richten. Jedes Budget beruht darauf, dass es ein regelmäßiges Einkommen gibt; die private Geldanlage geht immer davon aus, dass sie als Ergänzung zur gesetzlichen Rente gedacht ist. Daher kommen in meiner „Female Finance“-Kolumne nun zwei Beiträge extra für Selbständige! Heute geht es um die Finanzplanung im Alltag einer Selbständigen; beim nächsten Mal schauen wir uns Steuern und Altersvorsorge an.

 

Finanzplanung im Alltag einer Selbständigen

Insbesondere am Anfang unserer Selbständigkeit können wir nicht unbedingt auf ein zuverlässiges, regelmäßiges Einkommen zählen. Es gibt daher für unsere Finanzen im Alltag einige Aspekte, auf die wir besonders achten sollten.

Zunächst geht es darum, die Liquidität sicherzustellen – soll heißen, immer genug verfügbares Einkommen zu haben, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Das ist natürlich Sinn und Zweck der Selbständigkeit. Welche Kostenpunkte musst du bedenken?

Lebenshaltungskosten

Am Anfang einer Selbständigkeit stehen wir häufig vor der Frage, wie wir unsere Lebenshaltungskosten decken können. Um herauszufinden, was dein absolutes Minimum ist, mit dem du Leben kannst, hilft dir ein Haushaltsbuch. Wenn du darüber nachdenkst, dich selbständig zu machen, solltet dir bewusst sein, dass es häufig mehrere Jahre dauert, bis man von der Selbständigkeit leben kann. Für diese Anfangszeit brauchst du also wahrscheinlich andere Einkünfte neben deiner Selbständigkeit. Das kann Unterstützung von Familie, Freunden oder deiner Partner*in sein – wenn du z.B. keine Miete zahlen musst, ist das schon eine große Entlastung. Oder hast du vielleicht Geld angespart, also einen sehr gut gefüllten Notgroschen? Damit dieser Notgroschen für mehrere Jahre reicht, muss er allerdings ganz schön groß sein! Vielleicht kannst du dich auch auf ein Stipendium bewerben oder findest eine Investor*in.

Wenn du beides nicht hast, kannst du dich entweder arbeitsuchend melden und den Gründungszuschuss beantragen (der wird allerdings nur sechs Monate lang gezahlt), oder du hast einen (Neben-)Job, der die Grundlagen abdeckt. Der Vorteil von diesen Optionen: Die Krankenversicherung wird bezahlt. Tatsächlich starten die meisten Gründerinnen nebenberuflich.

Unternehmenskosten

Neben deinen Lebenshaltungskosten musst du bedenken, dass du Kosten für dein Unternehmen hast. Hierbei kommt es auf die Art deines Unternehmens an: Wenn du eine Dienstleistung anbietest, hast du normalerweise sehr geringe Kosten. Eine Homepage und ein paar Visitenkarten – und du kannst loslegen. Wenn du ein produzierendes Gewerbe oder eine Ladenfläche hast, musst du natürlich mit ganz anderen Kosten rechnen. Tatsächlich kann es einfacher sein, eine Investor*in zu finden, die deine Maschinen zahlt als deine Lebenshaltungskosten. Ebenso vergibt eine Bank eher einen Kredit für eine Immobilie als für Lebenshaltungskosten. Sollte deine Unternehmung nicht gelingen, bleibt ihnen die Immobilie oder die Maschine als Sicherheit, die sie wieder verkaufen können.

Versuche auch bei diesen Kosten, so klein wie möglich zu starten und so schnell wie möglich erste Umsätze zu generieren. Beispiel: Du kannst dir selbst eine Homepage erstellen und ein Logo entwerfen, ohne dafür eine Designer*in zu bezahlen. Wenn dein Angebot gut ist und Mehrwert bietet, werden die Kund*innen auch dann zu dir kommen, wenn deine Homepage noch nicht top aussieht. Und dann kannst du z.B. einen ersten Workshop anbieten, mit dessen Einnahmen du jemanden bezahlst, der dir dabei hilft, dich einen Schritt weiter zu entwickeln. Je früher du mit deinem Angebot auf den Markt gehst, umso schneller generierst du Einnahmen; außerdem merkst du sehr schnell, ob der Markt überhaupt Interesse an deinem Angebot hat. Wenn das nicht der Fall ist, musst du nur die Arbeit von drei Monaten über Board werfen, nicht die von einem ganzen Jahr.

Claudia Müller ist Gründerin des “Female Finance Forum”.

Liquidität im Alltag

Wenn du dann ein Einkommen generierst, ist das vermutlich am Anfang noch recht unregelmäßig. Vielleicht hast du mal einen Monat, in dem du richtig viele Aufträge hast, und dann eine andere Zeit – vielleicht um Weihnachten oder im Hochsommer – in der du nicht so viel einnimmst. Hier ist es hilfreich, wenn du deine Unternehmenseinnahmen (und Ausgaben) auf einem komplett separaten Konto hast. Von diesem Konto kannst du dir jeden Monat per Dauerauftrag einen festen Betrag auf dein privates Konto überweisen. In den Monaten, in denen du mehr als diesen Betrag verdienst, baust du Rücklagen für die mageren Monate auf.

Im nächsten Beitrag geht es weiter mit Steuern und Altersvorsorge!

 

Text: Claudia Müller

Mehr zum Thema lest ihr auf Claudias Blog

Foto: Julia Novy

Illustration: Stefanie Berkmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.