Zur Startseite
Finanzen

Equal Pay Day: Warum Frauen* in Luxemburg mehr verdienen

27. Februar 2026

geschrieben von Anissa Brinkhoff

Equal Pay Day: Wieso Frauen* in Luxemburg mehr verdienen als Männer

Frauen* verdienen in Deutschland durchschnittlich 16 Prozent weniger als Männer* – der Equal Pay Day macht diese Lohnlücke jedes Jahr sichtbar. 2026 fällt er auf den 27. Februar, die Tage davor haben wir statistisch gesehen unbezahlt gearbeitet. Doch es geht auch anders: In Luxemburg gibt es einen negativen Gender Pay Gap, dort verdienen Frauen* leicht mehr als Männer*. Welche politischen Entscheidungen dahinterstecken und was jetzt passieren muss, damit der Equal Pay Day überflüssig wird, analysiert Finanzjournalistin Anissa Brinkhoff.

"Wieso ist es in Deutschland immer noch akzeptiert, dass Frauen* so viel schlechter verdienen als Männer*?!"

Bis Ende Februar haben Frauen* in Deutschland statistisch gesehen unbezahlt gearbeitet. Erst ab dem Equal Pay Day am 27. Februar 2026 verdienen sie- aufs Jahresgehalt gerechnet- genauso viel wie Männer*. Der Gender Pay Gap liegt hierzulande bei 16 Prozent. Bemessen wird diese geschlechterspezifische Lohnlücke am Stundenlohn. Das heißt konkret: Für die gleiche Arbeit bekommen Frauen* pro Stunde 4,24 Euro weniger als Männer* (22,81 Euro vs. 27,05 Euro). Auf das Jahr gerechnet bedeutet das mehrere tausend Euro weniger Einkommen – Geld, das bei Altersvorsorge, finanzieller Unabhängigkeit sowie Vermögensaufbau fehlt. Und den Gender Wealth Gap beeinflusst.

Deutschland hat damit eine der größten Lohnlücken in Europa, weit entfernt vom EU-Durchschnitt von zwölf Prozent. Doch der Gender Pay Gap ist kein Naturgesetz. Andere europäische Länder zeigen, dass Lohngleichheit politisch möglich ist: Luxemburg hält seit 2023 einen negativen Gender Pay Gap von −0,9 Prozent, Frauen* verdienen dort pro Stunde leicht mehr als Männer*. Belgien, Italien und Rumänien liegen ebenfalls bei unter fünf Prozent.

"Der Gender Pay Gap verschwindet nicht durch individuelle Anstrengungen, sondern durch politische Rahmenbedingungen."

Drei Länder, drei Strategien gegen den Gender Pay Gap

 1. Luxemburg: Klare Gesetze sorgen für gleiche Bezahlung

Luxemburg hat 2015 das Prinzip "gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit" gesetzlich verankert. Unternehmen müssen aktiv nachweisen, dass sie gleiche Bezahlung bieten – nicht Betroffene müssen Diskriminierung beweisen. Bei Verstoß gegen diese Lohngleichheit drohen Strafen von 251 bis 25.000 Euro pro Fall. Passiert das nochmal, kann doppelt so viel pro Wiederholungsfall anfallen (50.000 Euro). Für Beschäftigte bedeutet das: Unternehmen müssen aktiv erklären, warum Gehälter unterschiedlich sind – nicht Arbeitnehmer*innen müssen Ungleichbehandlung beweisen.

Diese Beweislastumkehr ist entscheidend: Arbeitgeber*innen stehen unter Druck, Lohnlücken sofort zu schließen. Aber auch gesellschaftlich gibt es in Luxemburg ein anderes Mindset: Frauen* arbeiten dort viel häufiger in Branchen mit überdurchschnittlichen Löhnen wie in Finanzdienstleistungen, IT und Gesundheitswesen. 

2. Belgien: Lohntransparenz als Gamechanger

Belgien verpflichtet Firmen ab 50 Beschäftigten alle zwei Jahre zu einem detaillierten Gender-Pay-Gap-Report, der öffentlich im "Social Balance Sheet" dargelegt wird. Darin sind auch Löhne, Boni und Vorteile aufgelistet. Liegt die Lücke über einem Schwellenwert, müssen Unternehmen verpflichtende Maßnahmen einleiten.

"Die eigentliche Frage ist nicht, wie Deutschland aufholen kann, sondern wann sich unsere Politik entscheidet, dieses Thema nicht mehr ignorieren."

3. Österreich und Spanien: Öffentlicher Druck wirkt

Österreich verlangt seit 2011 von Unternehmen mit mehr als 150 Beschäftigten, dass sie alle zwei Jahre interne Berichte zum Gender Pay Gap veröffentlichen. Spanien geht noch weiter: Seit 2021 müssen alle Firmen ein Lohnregister führen (nach Beruf und Geschlecht), ab 50 Beschäftigten gibt’s Audits und Gleichstellungspläne – bei Lücken über 25 Prozent mit Begründungspflicht. Diese verbindliche Lohntransparenz schafft sozialen und rechtlichen Druck. Sichtbarkeit schafft hier Verantwortung – und macht Lohngleichheit messbar statt verhandelbar.

Und Deutschland? Warum der Gender Pay Gap hier besonders hartnäckig ist

Ein erstes Licht am Ende des Gender Pay Gap-Tunnels gibt es: Ab Juni 2026 muss die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Das heißt: Firmen müssen Bewerber*innen klare Gehaltsspannen nennen, Beschäftigten Auskunft über Durchschnittsgehälter nach Geschlecht geben und bei größeren Lohnunterschieden (über fünf Prozent) Maßnahmen ergreifen, um den Gender Pay Gap zu schließen. Das ist sowas von überfällig, aber es fehlt der gesellschaftliche Aufschrei. Wieso ist es in Deutschland immer noch akzeptiert, dass Frauen* so viel schlechter verdienen als Männer*?!

Was jetzt passieren muss, damit der Equal Pay Day überflüssig wird

Vor allem drei politische Hebel entscheiden darüber, ob die Lohnlücke wirklich schrumpf:

  1. Frauen*berufe müssen aufgewertet werden mit besserer Bezahlung.
  2. Wir brauchen mehr Kitaplätze, damit Mütter mehr arbeiten können, wenn sie wollen – und einen Rechtsanspruch ab dem ersten Lebensjahr, ohne Wartelisten.
  3. Und: Männer* müssen mehr Care-Arbeit übernehmen, erst recht wenn sie Väter werden. Dafür brauchen wir verpflichtende Vätermonate und den gesellschaftlichen Druck, dass Care-Arbeit kein "Frauen*-Thema" ist, sondern geteilte Verantwortung.

Der Gender Pay Gap verschwindet nicht durch individuelle Anstrengungen, sondern durch politische Rahmenbedingungen. Die eigentliche Frage ist deshalb nicht mehr, wie Deutschland aufholen kann, sondern wann sich unsere Politik entscheidet, dieses Thema nicht mehr ignorieren.

Foto: "Canva"