Female Finance: Warum Finanzen für Frauen?

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Finanzen, Geldanlage, Altersvorsorge, … Vielleicht denkt ihr bei diesen Themen: Ja, damit müsste ich mich mal beschäftigen. Oder ihr denkt: Ich habe gar keine Lust, mir darum Gedanken zu machen – wozu auch?! Claudia Müller, Gründerin des Female Finance Forums, sagt: Es gibt viele sehr gute Gründe, warum sich insbesondere Frauen mit dem Thema Finanzen auseinandersetzen sollten. Und wir freuen uns riesig, dass wir Claudia als Kolumnistin für femtastics gewinnen konnten! Von nun an wird sie uns jeden Monat das Thema Finanzen näher bringen – und Tipps rund um den Umgang mit Geld, Investitionen, Steuer und Altersvorsorge geben. Teil 1: Warum Finanzen für Frauen?

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In letzter Zeit scheint das Thema Finanzen neuen Aufschwung zu bekommen – Wörter wie Niedrigzinsumfeld, Dax-Rekordhoch und Lebensversicherung sind regelmäßig zu lesen. Aber warum braucht es eine spezielle Finanzberatung für Frauen? Leichte Sprache, extra für Frauen? Besondere Finanzprodukte für Frauen? Wohl kaum. Frauen sind weder schwer von Begriff, noch brauchen wir andere Finanzprodukte. Dennoch gibt es eine Schieflage, die uns Frauen strukturell benachteiligt.

Warum Finanzen?

Warum sollten wir uns überhaupt mit unseren Finanzen befassen? Geld alleine macht nicht glücklich. Außerdem brauche ich nicht viel, um glücklich zu sein. Geld alleine macht nicht glücklich, das stimmt. Kein Geld macht aber mit ziemlicher Sicherheit unglücklich. Finanzielle Absicherung ist für die Deutschen der zweitwichtigste Aspekt für Lebensqualität – gleich nach Frieden und Sicherheit. Bei finanzieller Absicherung geht es nicht darum, reich zu sein. Es geht darum, dass es reicht.

Geld alleine macht nicht glücklich, das stimmt. Kein Geld macht aber mit ziemlicher Sicherheit unglücklich.

Da die zu erwartenden Rentenzahlungen beständig sinken, ist nicht mehr garantiert, dass es im Alter reicht: Prognosen sagen, dass 2036 fast 30% aller Frauen im Rentenalter von Altersarmut bedroht sein werden. Das ist fast jede 3. Frau! Diese Zahlen zeigen: Wir müssen privat vorsorgen, um unsere Lebensqualität in allen Lebenssituationen zu sichern.

Warum für Frauen?

Es gibt ein wachsendes Angebot an Finanzdienstleistungen, das sich ausschließlich an Frauen richtet. Warum eigentlich? Finanzprodukte unterscheiden nicht zwischen den Geschlechtern. Warum sollten wir in der Finanzberatung unterscheiden? Es gibt einige Unterschiede zwischen Männern und Frauen, wegen derer wir tatsächlich anders mit Geld umgehen – oder umgehen müssen.

Es gibt einige Unterschiede zwischen Männern und Frauen, wegen derer wir tatsächlich anders mit Geld umgehen – oder umgehen müssen.

Unterschiede in den Lebensrealitäten:

  • Gender Pay Gap: Frauen verdienen im Durchschnitt 21% weniger als Männer. Hierfür gibt es mehrere Gründe: wir arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Branchen, wir arbeiten weniger oft in Führungspositionen, und wir bekommen weniger Gehalt für dieselbe Arbeit. Dies führt dazu, dass wir weniger Geld im Alltag haben und somit weniger für später zurücklegen können. Außerdem ist dadurch unsere Rente niedriger.
  • Lebenserwartung: Frauen werden durchschnittlich fünf Jahre älter als Männer. Das ist ganz wunderbar! Gleichzeitig müssen wir das einplanen und unser niedrigeres Gehalt auf einen längeren Zeitraum verteilen. Wir müssen also ganz anders planen und sparen.
  • Kinder: Meistens sind es Frauen, die länger Elternzeit nehmen und/oder in Teilzeit arbeiten. Dementsprechend bekommen wir weniger Rente und haben zudem weniger Möglichkeiten, Geld beiseite zu legen. Nach einer etwaigen Trennung bleiben die Kinder meistens bei der Mutter. Als Alleinerziehende ist es sehr schwierig, voll zu arbeiten. Wir verdienen dadurch wieder weniger als die Männer (von den Karriereaussichten ganz zu schweigen), während wir gleichzeitig durch die Kinder höhere Kosten haben.
  • Pflege: Häufig wird die Pflege von Angehörigen (auch die des Mannes) von Frauen übernommen. Dies hat ähnliche finanzielle Auswirkungen (Rente, Rücklagen) wie das Kinderkriegen.

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Neben den unterschiedlichen Lebensrealitäten gibt es auch einige psychologische Unterschiede in unserem Verhalten.

Unterschiede im Umgang mit Geld:

  • No risk, no fun? Es wird gerne behauptet, Frauen seien risikoscheu. Dies stimmt nur bedingt. Ja, wer weniger Geld hat, ist mit diesem Geld vorsichtig. Hauptsächlich sind Frauen jedoch risikobewusst. Das heißt, dass wir das Risiko verstehen wollen, bevor wir eine Entscheidung treffen – eine sehr gute Sache, insbesondere im Bereich der Geldanlage! Leider führt das auch dazu, dass wir häufig sehr lange überlegen oder gar keine Entscheidung treffen. Und das bedeutet verpasste Zinseszinsen und weniger Gewinn auf unsere Investitionen.
  • Mädchen können kein Mathe? Das ist natürlich Quatsch. Leider führen Glaubenssätze dieser Art dazu, dass Mädchen bereits in der Schule in naturwissenschaftlichen Fächern zurückhaltender sind. Ein ähnliches Verhalten zeigt sich auch bei Finanzen: Wir Frauen halten uns zurück und überlassen den Männern das Feld.
  • Was sagen andere? Wir Frauen holen gerne Empfehlungen ein, insbesondere von anderen Frauen. Dies gilt für die Suche nach einem neuen Frisör ebenso wie für andere Kaufentscheidungen. Wegen des kulturellen Tabus, über Finanzen zu reden, kann uns leider niemand etwas empfehlen. Und im Bereich Finanzen eine weibliche Beraterin zu finden, ist zusätzlich schwierig.

Diese Aspekte gelten natürlich weder für alle Frauen, noch für alle Männer. Es ist einfach wichtig, dass wir uns dieser Unterschiede bewusst sind. Dadurch können wir unsere Finanzen zielgerichtet und auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten angehen.

Nächsten Monat lest ihr hier mehr zum Thema!

 

Text: Claudia Müller

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Fotos: Julia Novy

Illustration: Stefanie Berkmann

 

 

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