Wie lange sollte ein Menstruationszyklus dauern & wie sollte meine Periode beschaffen sein?

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15. Juni 2021

Fast alle Menstruiernenden leiden in ihrem Leben irgendwann an Zyklusstörungen, Menstruationsproblemen oder zyklusbedingten Beschwerden wie PMS, Stimmungsschwankungen, Lustlosigkeit oder unreiner Haut. Zyklus- und Menstruationsbeschwerden sind nicht normal, sondern deuten auf ein zugrundeliegendes hormonelles Ungleichgewicht hin, das auf einen überlasteten Darm, Stress, Ernährungsfehler, Nährstoffmängel oder andere Ursachen zurückgehen kann, sagt Fruchtbarkeitscoach, Buchautorin und Podcasterin Nicole Jardim. Gerade ist ihr neues Buch „Der natürliche Weg zum harmonischen Zyklus“, mit Fokus auf Hormon- und Menstruationsgesundheit, erschienen. femtastics verrät sie, wie die Periode beschaffen sein sollte, erzählt, warum wir unsere Tage brauchen und räumt mit dem Mythos der perfekten Zykluslänge auf.

Genau wie Fieber Zeichen einer Infektion ist, sind Periodenprobleme ein Zeichen dafür, dass der Körper Aufmerksamkeit braucht.

Eine neue Denkweise 

Jeden Monat versucht unser Körper uns etwas über unsere Gesundheit mit zuteilen. PMS, eine starke Blutung, gar keine Periode – ganz egal, wie Ihre persönliche Erfahrung aussehen mag, sie ist keinesfalls das Ergebnis einer  mutwilligen Meuterei Ihres Körpers. Er will sich vielmehr durch diese Probleme ausdrücken; so kommuniziert er, was los ist. Genau wie Fieber Zeichen einer Infektion ist, sind Periodenprobleme ein Zeichen dafür, dass der Körper Aufmerksamkeit braucht. Ihr Körper arbeitet immer mit Ihnen, nicht gegen Sie. Wie bei Fieber oder Halsschmerzen signalisieren die begleitenden Symptome einer Periode, was im Inneren des Körpers vor sich geht – nur leider spricht unser Körper eine Sprache, die viele nie gelernt haben. Dem englischen Begriff body literacy begegnete ich zum ersten Mal bei der Autorin und Frauengesundheitsexpertin Laura Wershler. Sie entwickelte  das Konzept, das man im Deutschen mit dem Wort »Körperkompetenz« um schreiben kann, nachdem sie einen Roman über Analphabetismus und mangelnde Lesekompetenz gelesen hatte und darüber nachdachte, dass Frauen und  Mädchen auf der ganzen Welt aufgrund mangelnder Bildung benachteiligt sind. So kam ihr der Gedanke, dass Frauen in der westlichen Welt von man gelnder Lesekompetenz einer anderen Art betroffen sind: Uns wird nicht bei gebracht, unseren Körper zu »lesen«. Vielmehr lehrt man uns sogar, ihm zu misstrauen oder ihn sogar zu fürchten. Wie oft haben Sie Ihre Symptome ignoriert, weil es hieß, sie gehörten ganz normal zum Frausein dazu? Ganz besonders gilt das für die Periode. Laut Wershler wird Körperkompetenz »er worben, indem man lernt, wie man Ereignisse des Menstruationszyklus  beobachtet, dokumentiert und interpretiert«. Dadurch eignen wir uns Wissen darüber an, wie Gesundheit und Allgemeinbefinden mit dem Zyklus zusammenhängen. 

Von Wershler inspiriert beschloss ich, in meiner Praxis immer als erstes das Thema »Menstruationskompetenz« anzusprechen. Als zertifizierter Coach für Frauengesundheit, noch dazu spezialisiert auf Hormon- und Menstruationsgesundheit (immerhin bin ich online ja auch als »the Period Girl« bekannt!), wusste ich, dass meine Klientinnen ein Problem haben: Solange sie nicht wissen, wie ihr Körper funktioniert – oder sich vor den eigenen Körperfunktionen sogar fürchten –, können sie nicht die für sie persönlich besten Entscheidungen treffen. 

Nicole Jardim ist zertifizierte Gesundheits- und Ernährungsberaterin für Frauen mit den Spezialgebieten Hormone und Fruchtbarkeit und hat in den USA zahlreiche Ausbildungen und Zertifizierungen in diesen Bereichen abgeschlossen. Sie ist Co-Moderatorin des Podcasts „The Period Party“ und hat bei Instagram über 65.000 Follower*innen.

Wie sollte meine Periode beschaffen sein? 

Im Laufe der Jahre hat mich eine unglaubliche Menge an Fragen von Frauen über die Eigenschaften ihrer Periode erreicht, angefangen von »Wie lange sollte meine Periode dauern?« und »Sind Zwischenblutungen vor oder nach der Periode eigentlich normal?« über »Wie sollte die Blutung  aussehen?« bis hin zu »Gehören Schleimklumpen zu einer Monatsblutung einfach dazu?«. 

Erinnern Sie sich an den Aufklärungsunterricht in der Schule? Oder, wichtiger: Erinnern Sie sich, was Sie in den Stunden gelernt haben? Tja, nein, ich auch nicht! Ich ging auf eine katholische Highschool. Bei uns hieß der Aufklärungsunterricht deshalb »Christliche Familienplanung«. In CF wurde darüber diskutiert, warum wir keinen Sex haben sollten. Aus nachvollziehbaren Gründen war das weder für meine Klassenkameraden noch für mich besonders nützlich. Ich jedenfalls bekam auf keine meiner brennenden Fragen Antworten. Wie war das bei Ihnen? 

Wahrscheinlich wurden mir diese und ähnliche Fragen deshalb so häufig gestellt. Und genau aus diesem Grund beschreibe ich im Folgenden Schritt für Schritt einen idealen Zyklus. Das Wissen um dessen Beschaffenheit hilft Ihnen dabei, Ihren persönlichen Referenzwert in Sachen Menstruation zu finden und ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie der Zyklus aussehen könnte, auf den Sie hinarbeiten werden. 

Brauche ich meine Tage? 

All das bringt uns unweigerlich auf die Frage: »Warum sagen dann so viele Ärzte, dass wir keine Periode brauchen?« Mhm. Vielleicht haben Sie auch schon einmal gehört, dass man eine Periode nicht unbedingt brauche. In den USA gab es einmal Werbeanzeigen für eine Pille, bei der es nur viermal im Jahr zu Blutungen kommt. Ich werde die Bilder nie vergessen und auch nicht das Gefühl, dass damit doch irgendetwas nicht stimmt. Egal, wie weit wir im medizinischen Bereich gekommen sein mögen, der Gedanke, dass es gut sein könnte, die Periode monatelang zu unterdrücken, will einfach nicht in meinen Kopf. 

Wie oft habe ich gehört: »Aber Nicole, mein Arzt sagt, das ist alles kein Problem, und in Artikeln von anderen Medizinern steht das doch auch.« Stimmt. Viele Ärzte und medizinische Fachleute glauben, dass eine Periode für den Körper nicht notwendig sei. Ich bin da anderer Meinung. Ein gesunder Menstruationszyklus ist notwendig. Und dazu gehört eine regelmäßige Periode. 

Heutzutage haben nur wenige Frauen einen gleichbleibenden 28-Tage-Zyklus.

Wie lange sollte ein Menstruationszyklus dauern? 

Die Dauer des Zyklus umfasst die Anzahl der Tage zwischen den Perioden einschließlich des ersten Tages der Blutung und des letzten Tages vor Beginn der nächsten Menstruation. Die durchschnittliche Zykluslänge beträgt  29 Tage. Die Länge wird bestimmt von der Dauer der Follikelphase und dem Tag des Eisprungs. Angenommen, der Eisprung findet am 15. Zyklustag statt. Abhängig vom Befinden des Gelbkörpers ist die Periode etwa 11 bis 17 Tage  danach zu erwarten. 

Es hält sich hartnäckig der Glaube, jeder Menstruationszyklus solle 28  Tage dauern und der Eisprung müsse zuverlässig am 14. Zyklustag statt finden. Eine kurze Internetsuche nach »Wie lange sollte mein Menstruations zyklus dauern?« bringt eine Menge Ergebnisse, die genau das untermauern. 

Dieser Irrglaube hat seinen Grund womöglich darin, dass in Zeiten vor dem Siegeszug des elektrischen Lichts viele Frauen um den Vollmond herum einen Eisprung hatten und bei Neumond menstruierten (der Mondzyklus dauert  29,5 Tage). Aber in der Zwischenzeit hat sich doch eine ganze Menge geändert. Heutzutage haben nur wenige Frauen einen gleichbleibenden 28-Tage-Zyklus. 

Meiner beruflichen Erfahrung nach ist eine Zykluslänge von 25 bis 35 Tagen für die optimale hormonelle Gesundheit und die Fruchtbarkeit ideal.

Auch die sogenannte Rhythmusmethode hat wohl zu diesem Missverständnis beigetragen. Dabei handelt es sich um eine Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte, kalenderbasierte Verhütungsmethode, die auf der Annahme beruht, dass der Menstruationszyklus grundsätzlich 28 Tage lang sei und der Eisprung etwa 14 Tage vor der nächsten Periode stattfinde. Hinzu kommt, dass die weitverbreitete Einnahme der Antibabypille seit den 1960ern die  Daten verfälscht, weil deren Monatsdosis aus 28 säuberlich verpackten Tabletten besteht, die zu einem »perfekten« 28-Tage-Zyklus samt fünf bis sieben Tagen Blutung verhelfen. Egal – der Mythos vom 28-Tage-Zyklus, bei dem der Eisprung pünktlich am 14. Zyklustag eintritt, ist jedenfalls genau das: ein Mythos. 

Entgegen dem gängigen Mythos vom pünktlichen Eisprung am 14. Zyklustag ändert sich der Zeitpunkt von Zyklus zu Zyklus.

In der Medizin gibt es unterschiedliche Ansichten über die normale Dauer eines Menstruationszyklus. Studien zeigen, dass ein gesunder Zyklus Zeitspannen von 21 bis 35 Tagen umfassen kann. Meiner beruflichen Erfahrung  nach ist eine Zykluslänge von 25 bis 35 Tagen für die optimale hormonelle Gesundheit und die Fruchtbarkeit ideal. Frauen, deren Zyklus kürzer als 24 Tage war, neigten zu niedrigeren Progesteron- oder zu hohen Östrogenwerten und zu kurzen Lutealphasen. Das setzte ihre Fähigkeit, schwanger zu werden, herab. Obwohl solche kürzeren Zyklen noch im »gesunden« Bereich  liegen mögen, sollte man nicht vergessen, dass Fruchtbarkeit und hormonelle Gesundheit eng miteinander verflochten sind. Auch wenn Sie vielleicht nicht auf eine Schwangerschaft aus sind, arbeitet der Körper doch immer auf eine hin. Ein wirklich gesunder Zyklus ist daher ein Zyklus, der dem Körper die Chance gibt, dieses Ziel zu erreichen. Meiner Erfahrung nach sind die besten Rahmenbedingungen dafür bei einer Zykluslänge von 25 bis 35 Tagen gegeben. 

Und was ist mit der Ovulation? Entgegen dem gängigen Mythos vom pünktlichen Eisprung am 14. Zyklustag ändert sich der Zeitpunkt von Zyklus zu Zyklus. Diese Schwankung ist von einer ganzen Reihe Faktoren abhängig, die wir uns später näher anschauen. Im Allgemeinen ist es mir am liebsten, wenn sich der Eisprung im Zyklus meiner Patientinnen zwischen Tag 12 und Tag 21 ereignet. 

Zyklen, die regelmäßig außerhalb des 25-bis-35-Tage-Spektrums fallen, weisen normalerweise auf hormonelle Probleme hin.

Zyklen, die regelmäßig außerhalb des 25-bis-35-Tage-Spektrums fallen, weisen normalerweise auf hormonelle Probleme hin. Längere Zyklen sind oft ein Zeichen für ein polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) oder andere  Faktoren, die dazu führen, dass das Östrogen nicht über einen gewissen Wert hinauskommt, was den Eisprung verzögert. Kürzere Zyklen dagegen können auf einen Fehler in der Lutealphase (eine zu kurze Lutealphase) hindeuten, auf eine verfrühte Ovulation oder auf anovulatorische Zyklen. 

Wichtiger als die Länge des individuellen Zyklus jedoch ist dessen Gleichmäßigkeit. Anders gesagt: Die Zyklen sollten sich von Monat zu Monat nicht allzu sehr unterscheiden. Wenn zum Beispiel der Zyklus in einem Monat 25  Tage dauert, im nächsten 35 und im dritten 26 Tage, liegen all diese Werte im Normalbereich. Die Schwankung an sich aber ist ein Zeichen dafür, dass der Eisprung nicht regelmäßig erfolgt. Für eine gute Gesundheit wäre das jedoch nötig. Das Ziel sind Zyklusschwankungen von maximal zwei bis drei Tagen. Mein Zyklus spielt sich beispielsweise im Zeitraum von 27 bis 31 Tagen ab,  dauert aber – abgesehen von ein, zwei atypischen Zyklen im Jahr – in aller Regel etwa 28 bis 30 Tage. Die atypischen Zyklen sind dann vielleicht 26 oder  32 Tage lang. 

Studien haben gezeigt, dass bis zu 46 Prozent aller Frauen Schwankungen der Zykluslänge von über sieben Tagen im Jahr erleben.

Wenn der Tag Ihres Eisprungs von Zyklus zu Zyklus stark variiert, sollten Sie genau auf Ihre Lebensumstände achten. Haben Sie vielleicht eine außerordentliche, belastende Situation erlebt, die den Eisprung durcheinandergebracht haben könnte? Vielleicht sind Sie viel geflogen, waren krank, haben zu viel gefeiert oder  sich ungesund ernährt, weil Sie viel arbeiten mussten? Alle diese Faktoren beeinflussen die ausgeklügelten Pläne des Körpers für die Reifung der Eizelle. Sie kennen solche Unregelmäßigkeiten? Nur die Ruhe – Sie brauchen nun  nicht hektisch durch den Kalender zu blättern, um nach deren Auslöser zu suchen. Studien haben gezeigt, dass bis zu 46 Prozent aller Frauen Schwankungen der Zykluslänge von über sieben Tagen im Jahr erleben. Wichtig ist  dabei allerdings, dass Zyklen dieser Frauen in den Studien kürzer und länger waren als das Ideal der 25 bis 35 Tage. Genau deshalb bevorzuge ich Abweichungen von nicht mehr als zwei bis drei Tagen. Kurz gesagt: Mir geht es nicht um statistische Normen, sondern um Ihre Gesundheit.


Der Artikel ist ein Auszug aus dem neuen Buch „Der natürliche Weg zum harmonischen Zyklus“ von Nicole Jardim.

Fotos: Huaiyi Tsai, Buch-Cover: YES Verlag

Illustration: Helena Ravenne

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