Wie Guya Merkle, Gründerin von „Vieri“, erfolgreich (Gold-)Aktivismus und Unternehmertum verbindet

Fotos: 
30. Mai 2022
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Guya Merkles Karriere in der Schmuckbranche begann zunächst widerwillig und ohne Erfolg. Doch sie tauchte tiefer in die Gold und Schmuckproduktion ein – und gründete ihr eigenes Fine-Jewellery-Label „Vieri“, mit dem sie dazu beitragen will, die Branche zu verbessern und Menschen aufzuklären. Guya ist ebenso Aktivistin wie Unternehmerin und immer mit Herzblut bei der Sache. Sie setzt sich für Nachhaltigkeit, Fairness und Female Empowerment ein, ist transparent und steht auch dazu, was sie selbst (noch) nicht perfekt macht.

Wir besuchen die 36-Jährige in ihrem Haus in einem kleinen Ort in Brandenburg, in das sie mit ihrer Familie vor rund einem Jahr aus Berlin gezogen ist, und sprechen über das Hinterfragen von (Wirtschafts-)Systemen, nachhaltiges Gold und warum es wichtig ist, dass Frauen* sich gegenseitig eine Bühne geben.


Partner dieses Beitrags ist „Adobe“ mit den vielseitigen und benutzerfreundlichen Kreativ-Apps „Adobe Express“ für Web und mobile Endgeräte. „Adobe Express“ macht die Kerntechnologie der branchenführenden Produkte wie „Photoshop“, „Illustrator“ und „Premiere Pro“ in nur wenigen Klicks verfügbar – kostenlos, ohne Abo, ohne große Vorkenntnisse. Ganz gleich, ob ihr einen Flyer erstellen, ein Bild bearbeiten oder Marketing-Assets produzieren möchtet: Mit „Adobe Express“ erhaltet ihr Zugriff auf eine große Auswahl an professionell gestalteten Vorlagen, Millionen Bildern aus „Adobe Stock“, Tausenden Schriftarten und viele weitere Assets, die ihr individuell anpassen könnt, um eure Geschichte zu erzählen. Hier findet ihr die kostenlose App im App Store, und hier die Desktop-Version. Guya Merkle nutzt die App zum Beispiel, um Postings für Social Media zu gestalten.


Guya Merkle vor ihrem Haus in Brandenburg

femtastics: 2007 hast du das Schmuckunternehmen deiner Familie übernommen, 2012 die „Earthbeat Foundation“ und 2015 „Vieri“ gegründet. Wie kam es dazu und wie haben sich die Entwicklungen gegenseitig bedingt?

Guya Merkle: Ich habe die Schmuckfirma meines Vaters 2007 nicht ganz freiwillig übernommen. Mein Vater war plötzlich verstorben und ich damit konfrontiert, die Firma zu übernehmen. Damals habe ich studiert, nebenbei gearbeitet und war richtig happy mit meinem Leben. Die Vorstellung, die Firma zu übernehmen, hat mich total überfordert, weil ich keine Ahnung davon hatte. Obwohl ich mit Schmuck großgeworden bin, hatte ich wenig Bezug dazu, es hat mich einfach nicht interessiert.

Es kam, wie es kommen musste und das Unternehmen meines Vaters wurde von mir gegen die Wand gefahren.

Es kam, wie es kommen musste und das Unternehmen wurde von mir gegen die Wand gefahren. Ich hatte wahnsinnige Schuldgefühle, schließlich war die Firma das Lebenswerk meines Vaters. Also wollte ich verstehen, was Schmuck eigentlich ist und warum Menschen einen Bezug dazu haben, und bin nach London zum Studieren gegangen. Dort habe ich ein Foto von einer Goldmine gesehen und obwohl es kein dramatisches Foto war, hat es mich aufgerüttelt. Ich wollte mehr darüber erfahren, bin nach Peru gereist, habe eine Goldmine besucht und dort den Glauben an die Menschheit verloren. Das, was ich dort gesehen habe, war heftig. Diese Erfahrungen und vor allem diesen Schockmoment habe ich mit zurückgenommen und relativ blauäugig beschlossen, eine Stiftung zu gründen. Ich wollte Sprachrohr sein und auf die Thematik aufmerksam machen. Das war ein schwieriger Weg, weil es niemanden so richtig interessiert hat.

Und aus diesem Antrieb, die Goldindustrie zu verändern, habe ich 2015 beschlossen, mein Label zu gründen. Ich musste zeigen, dass es möglich ist, es besser zu machen. „Vieri“ ist also aus der Passion, Dinge zu verändern, entstanden. Die Passion für Schmuck kam erst später dazu.

Foto rechts: Ringe von „Vieri“
Das Interview führt femtastics-Autorin Kira Rosenkranz (rechts)

Seitdem bist du Goldaktivistin und als solche gerade für den „New Work Award 2022“ nominiert worden. Herzlichen Glückwunsch! Was umfasst die Arbeit als Goldaktivistin genau?

Das Wichtigste ist das Hinterfragen. Ich tauche tief in die Themen ein, wie Nachhaltigkeit oder Recycling. Konsument*innen möchten mit gutem Gewissen kaufen. Deshalb springen viele Unternehmen auf diesen Zug auf. Das zu hinterfragen und auch in den Wunden zu bohren, ist die Aufgabe von Aktivist*innen. Gleichzeitig ist es wichtig, nicht mit dem Finger auf Andere zu zeigen, sondern Lösungen und Alternativen anzubieten.

Ich mache auch schönen Schmuck. Das ist wichtig, denn die Leute müssen Lust auf das Thema haben. Aber in erster Linie umfasst meine Arbeit, darüber zu sprechen. Ich habe einen Partner in Uganda, mit dem ich viel in Kontakt bin. Ich treibe Dinge voran, wie das Gold-Recycling aus Telefonen. Oder auch Interviews wie dieses hier. Über Themen zu sprechen, so funktioniert Aktivismus. Wir müssen die Menschen immer wieder daran erinnern, wo Missstände herrschen. Manchmal nervt es, aber ich versuche, es mit dem Schönen zu verbinden. Ich habe mein Leben lang gehört, dass Aktivismus und Luxus nicht zusammengehen und dass ich mich entscheiden müsse. Am Anfang habe ich das geglaubt, aber wir leben in Zeiten, in denen es kein „entweder oder“ gibt, sondern „sowohl als auch“. Meine Vision ist es, dass alle zusammen etwas erreichen. Ich will kein Ellbogen-Unternehmen aufbauen. Der Kuchen ist groß genug. Allein schafft es keine*r.

Ich habe mein Leben lang gehört, dass Aktivismus und Luxus nicht zusammengehen und dass ich mich entscheiden müsse. Am Anfang habe ich das geglaubt, aber wir leben in Zeiten, in denen es kein „entweder oder“ gibt, sondern „sowohl als auch“.

Du hast auch den „World Gold Day“ ins Leben gerufen. Was kann man sich darunter vorstellen?

Gold ist ein Luxusprodukt. Viele Leute haben wenig Zugang dazu. Ich saß mit meinem lieben Freund Micha Fritz von „Viva con Agua“ zusammen und er hatte die Idee. Dann habe ich einen Artikel über Gold in alten Handys gelesen. Das hat mich total erstaunt und ich dachte, es könnte eine Verbindung sein, um Menschen zu erreichen. Unsere Mobiltelefone sind schließlich die Epizentren unseres Lebens. In deutschen Haushalten liegen durchschnittlich jeweils fünf alte Telefone in Schubladen. Kreislaufwirtschaft funktioniert nur dann, wenn wir die Dinge aktiv in den Kreislauf zurückgeben. Also rufen wir dazu auf, die alten Handys zurückzugeben – bestenfalls über die „Telekom“, weil wir durch sie als Kooperationspartner pro Handy eine Spende bekommen für die „Earthbeat Foundation“. Wir investieren in Kleingoldbergbaugebiete, um die Abhängigkeit vom Goldabbau langfristig aufzuheben. Die Menschen vor Ort sollen Alternativen zum Goldschürfen haben, sodass sie mit nachhaltigen Tätigkeiten, wie zum Beispiel der Imkerei, ein unabhängiges Leben führen können. Der „World Gold Day“ ist ein Einstieg in ein sehr komplexes Thema. Es ist immer schwierig, mit Menschen über Rohstoffe zu sprechen. Es ist unsere Challenge, das Thema cool zu machen.

Wie verknüpfst du die Werte, für die du als Aktivistin einstehst, mit deinem Schmucklabel?

Wir sind ein aktivistisches Unternehmen. 50 Prozent unserer Gewinne fließen in die Stiftung, die allerdings unabhängig von „Vieri“ ist. Außerdem investieren wir in unseren Partner „Closing the Loop“, die wiederum dafür verantwortlich sind, das Gold aus den alten Telefonen zu holen. „Vieri“ ist ein Schmucklabel und soll auch als solches wahrgenommen werden. Deshalb sind die Kollektionen wichtig, der Schmuck muss zeitlos und ästhetisch sein. Mein Anspruch ist, Schmuckstücke zu schaffen, die für sich selbst stehen. Ein Schmuckstück muss eine Geschichte erzählen und zu dir sprechen. Darin steckt viel Herzblut. Wir lancieren auch nicht jedes Jahr ein neues Schmuckstück. „Vieri“ soll ein Nischenlabel bleiben.

Ringe von „Vieri“

Female Empowerment ist ein weiteres Thema, das dir am Herzen liegt. Wie lebst du das Thema?

Ich habe nur Frauen in meiner Familie, die selbstständig sind oder waren und für sich selbst einstehen mussten. Ich bin sehr natürlich damit groß geworden. Meine Großmutter ist ein Role Model für mich. Sie ist mit 50 Jahren Witwe geworden, hat dann erst ihr Business aufgebaut und bis 75 sehr erfolgreich gearbeitet. Natürlich muss man dabei stark sein, wodurch wir immer noch sehr angreifbar sind, denn das Patriarchat möchte nicht, dass wir stark sind. Aber ich bin der Meinung, dass wir Frauen* uns gegenseitig den Rücken stärken können. Für uns haben auch schon viele Frauen* gekämpft. Dafür, dass wir tun können, was wir jetzt machen und auch für einander stark sein können. In anderen Ländern ist der Feminismus noch nicht so weit entwickelt. Das schmerzt. Wir müssen uns manchmal bewusst werden, wie dankbar wir für die Frauen* vor uns sein können.

Ich möchte Frauen* eine Bühne geben, die aktivistisch sind, weil ich weiß, wie schwer es sein kann für eine Haltung einzustehen, wenn man eine Frau* ist. Die Frauen*, die ich zu meiner Videoserie „Pasta & Jewels“ einlade, sind viel krasser als ich. Ich hatte kürzlich Kristina Lunz und Düzen Tekkal zu Gast. Nachdem ich die Folge mit Kristina Lunz veröffentlich hatte, habe ich zum ersten Mal schlimme, sexistische Nachrichten bekommen. Ich finde es krass, dass ich zum Hassobjekt geworden bin, nur weil ich ihr diese Bühne gegeben habe, und welche Angst die Stärkung von Frauen* hervorruft. Deswegen ist es so wichtig, dass wir nicht aufhören, uns gegenseitig diese Bühnen zu bieten und zu zeigen: Wir hören nicht auf! Und auch unsere Kraft einzusetzen für die, die es manchmal nicht können.

Guya nutzt die App „Adobe Express“, um Social Media Posts für ihr Label und ihre aktivistischen Beiträge zu gestalten.

Ich möchte Frauen* eine Bühne geben, die aktivistisch sind, weil ich weiß, wie schwer es sein kann für eine Haltung einzustehen, wenn man eine Frau* ist.

In „Adobe Express“ finden sich zahlreiche Gestaltungsvorlagen, die das Design erleichtern.
„Die App ist super einfach anwendbar. Durch das Baukastensystem und die vielen Designvorlagen schaffe ich es – obwohl ich kein Profi bin – relativ einfach in meinem Tagesgeschehen Content zu kreieren, der visuell so ansprechend ist, dass Leute Lust haben, sich damit zu beschäftigen“, sagt Guya über „Adobe Express“.
Schriften, Layouts, Grafiken – mit „Adobe Express“ lassen sich eigene Fotos und Texte, wie beispielsweise für Social Media Postings, ganz leicht schön in Szene setzen.

Was macht für dich eine*n gute*n Unternehmer*in aus?

Verantwortung tragen. Wenn man Unternehmer*in ist, hat man das Glück, sich dahin gekämpft zu haben. Und dann geht es darum, dass man etwas Positives zu unserer Welt oder Gesellschaft beiträgt. In der aktuellen Zeit haben wir so viele brennenden Themen, die sichtbar werden. Als Unternehmer*in hat man die Verantwortung, daran zu arbeiten und einen Impact zu schaffen. Mit dem, was man tut, eine positive Wirkung auf dieser Welt schaffen. Als Unternehmen hat man die Reichweite und die Mittel. Wenn jedes Unternehmen in seinem Kern Impact schaffen würde, also positive Wirkung, dann müssten wir nie wieder spenden. Dann könnten wir mit Unternehmen die Themen unserer Zeit so angehen, dass man Wirtschaftlichkeit und Veränderung ganz einfach in Einklang bringen könnte. Das ist allerdings sehr visionär.

Familien- oder Inhabergeführte Unternehmen können ganz anders handeln als große Unternehmen. Die sind oft im alten System gefangen, in dem die Investor*innen die Macht haben. Und die Investor*innen möchten, dass Gewinnmaximierung betrieben wird, weil sie so viel Geld wie möglich rausbekommen wollen. Das ist das eigentliche Problem. Wir sind noch in einem System, das es nicht ermöglicht, diesen Impact zu kreieren. Jedes Unternehmen, das sich jetzt neu gründet, sollte eigentlich nur noch neu gründen dürfen, wenn ein Impact dahinter steht. Mehr Ausbeutung brauchen wir nicht.

Foto rechts: Ringe von „Vieri“

Wenn jedes Unternehmen in seinem Kern Impact schaffen würde, also positive Wirkung, dann müssten wir nie wieder spenden. Dann könnten wir mit Unternehmen die Themen unserer Zeit so angehen, dass man Wirtschaftlichkeit und Veränderung ganz einfach in Einklang bringen könnte.

Die Schmuckstücke von „Vieri“ werden zu 100 Prozent aus recyceltem Gold hergestellt. Wo kommt das Gold her?

Am Anfang haben wir mit zertifiziertem Gold gearbeitet. Das war mir aber zu wenig zukunftsorientiert. Dann habe ich das erste Mal von Recycling-Gold gehört. Das hat mir erstmal gut gefallen. Aber wie immer, wenn man tiefer in etwas eintaucht, merkt man, dass es nicht so gut ist wie es dargestellt wird. So ist es auch bei Recycling-Gold. Es gibt dabei wenig Transparenz. Ein Ring aus Minen-Gold, der einmal eingeschmolzen wird, bekommt schon den Recycling-Stempel. Trotzdem halte ich Recycling nach wie vor für das Beste, weil dabei Kreislaufwirtschaft stattfindet.

Aber wenn wir wirklich Kreislaufwirtschaft schaffen wollen, können wir versuchen, mehrere Probleme in einem zu lösen. Kaputte Handys werden oft illegal in den globalen Süden verkauft. Das führt dazu, dass diese Telefone dort auf inoffiziellen Mülldeponien landen, wo Kinder und Frauen sie verbrennen und nur die Sachen rausholen, für die sie Geld bekommen. Das Gold, das Kupfer und das Plastik werden einfach verbrannt. Das ist hoch toxisch und wird alles eingeatmet. Und so kam es, dass wir uns mit dem holländischen Start-up „Closing the Loop“ zusammengetan haben: Wir kaufen das Gold aus den Handys, die sie sammeln. Damit finanzieren wir das Start-up. Alles, was wir bei „Vieri“ selbst machen – die Fassungen, die Ringe und die Ringschienen – ist zu 100 Prozent recyceltes „Handygold“. Was wir nicht selbst machen können, weil wir zu klein sind, müssen wir ankaufen. Die Ketten und die Ohrstecker bestehen zum Beispiel aus herkömmlichen Recycling-Gold.

Alles, was wir bei „Vieri“ selbst machen – die Fassungen, die Ringe und die Ringschienen – ist zu 100 Prozent recyceltes „Handygold“.

Und woher bekommt ihr die Edelsteine?

Die Edelsteine sind ein größeres Problem. Es gibt mehrere Wege für uns. Zum einen nutzen wir Vintage-Steine, die aus alten Schmuckstücken stammen. Das ist allerdings immer schwierig, um damit in Produktion zu gehen. Diese Steine werden in unserer „Candy“-Kollektion verarbeitet, es sind alles Einzelstücke. Wenn wir für Schmuckstücke viele gleich große Steine brauchen, funktioniert das mit Vintage-Steinen nicht. Dann müssen wir auf Abbau zurückgreifen. Unsere Diamanten kommen aus Kanada. Dort gibt es viel Diamanten-Abbau nach kanadischem Recht. Das gewährleistet uns, dass keiner ausgebeutet und die Natur renaturiert wird. Für mich ist das aktuell eine der saubersten Quellen für Diamanten. Unsere Farbsteine kommen aus einer Mine in Sri Lanka und werden unter denselben Bedingungen ethisch abgebaut. Eine Familie aus München betreibt diese Mine zusammen mit einer Familie aus Sri Lanka. Die Steine werden vor Ort geschürft und geschliffen und kommen von der Mine direkt zu uns. Es gibt keine Zwischenhändler. Das führt aber auch dazu, dass nicht alles möglich ist – diese Steine sind nie kleiner als zwei Millimeter. Deshalb passen wir unsere Produkte den nachhaltigen Bedingungen an.

Wir haben aber nach wie vor noch Edelsteine, die nicht fair oder nachhaltig gestempelt sind. Die kommen natürlich aus verantwortungsvollen Quellen. Wir können von jedem Stein genau sagen, aus welcher Mine er kommt. Trotzdem sind die Bedingungen dort nicht so wie ich sie mir wünschen würde. 12 Prozent unserer Steine sind nicht in dem Sinne ethisch wie ich sie selbst als ethisch bezeichnen würde. Andere Labels würden das trotzdem behaupten. Das liegt daran, dass wir wirtschaftlich sein müssen, um die Veränderung zu bringen. Es ist manchmal schwierig, eine Aktivistin zu sein, denn du wirst oft auf einen Thron gesetzt und es wird gefordert, dass du perfekt sein musst. Perfekt gibt es aber nicht. Hätte ich darauf gewartet, dass es perfekt wird, hätte ich noch nicht mal angefangen. Und hätte ich nicht angefangen, hätte ich gar nicht so viel lostreten und verändern können. Das Wichtigste ist, dass du es auf der Reise angehst. Aber wir verschleiern nichts: 12 Prozent unserer Edelsteine sind nicht ethisch und nicht fair, aber wir sind auf dem Weg dahin.

Worauf sollte man beim Schmuckkauf achten? Auch wenn man sich keinen Echtschmuck leisten kann?

Echtschmuck wollen sich viele nicht leisten. Das ist immer eine Frage von Priorität. Ich finde es total okay, wenn man sich das nicht leisten will. Zunächst würde ich immer zu Hause fragen, ob es Familienschmuck gibt. Vieles davon ist nicht mehr zeitgemäß und liegt nur herum – was schade ist, weil es Ressourcen bindet, statt sie in den Kreislauf zu geben. Diese Stücke kann man entweder umarbeiten lassen oder verkaufen, um sich von dem Geld etwas Neues zu kaufen.

Es gibt auch viele coole Labels, die Modeschmuck machen. Da würde ich nur immer darauf achten, was deren Impact ist. „Folkdays“ hat zum Beispiel tollen Modeschmuck. Es gibt auch Semi-Fine-Jewellery-Brands, die mit 14 statt mit 18 Karat arbeiten. Dadurch wird das Schmuckstück günstiger. Man kann auch Vintage-Schmuck shoppen – offline wie online. Das Nachhaltigste ist immer das, was schon da ist.

Wie wichtig sind für dich digitale Kanäle, um dein Label und deine Botschaft bekannt zu machen?

Als kleine Brand haben wir nicht die Marketing-Mittel, die große Brands haben. Deshalb machen wir sehr viel über Instagram und Newsletter. Es ist total wichtig, dass dabei unsere Ästhetik widergespiegelt wird und der Content trotzdem überrascht. Einfach nur ein Foto von einem Ring zu posten, funktioniert nicht. Natürlich steht das Schmuckstück immer im Mittelpunkt, aber man muss eine Welt darum herum kreieren. Die Tools von „Adobe Express“ helfen uns dabei.

Hätte ich darauf gewartet, dass es perfekt wird, hätte ich noch nicht mal angefangen. Und hätte ich nicht angefangen, hätte ich gar nicht so viel lostreten und verändern können.

In welchen Bereichen bei „Vieri“ unterstützt dich „Adobe Express„?

Mein Team nutzt die Tools professionell, aber ich habe die App auch privat für mich entdeckt – gerade beim Thema Aktivismus. Auf Instagram schreibe und rede ich viel über das Thema Gold. Dabei hilft es natürlich, wenn das Ganze visuell schön aufbereitet wird. Wir leben in einer Überflut an Informationen. Wenn man einen Text durch visuelle Gestaltung unterstützt, sodass Menschen auf ihn aufmerksam werden, dann hilft es mir, die Informationen zu vermitteln.

Welche Vorteile siehst du in der App?

Ich habe wenig Zeit und viele Dinge im Kopf. Die App ist super einfach anwendbar. Durch das Baukastensystem und die vielen Designvorlagen schaffe ich es – obwohl ich kein Profi bin – relativ einfach in meinem Tagesgeschehen Content zu kreieren, der visuell so ansprechend ist, dass Leute Lust haben, sich damit zu beschäftigen. Der große Vorteil ist, dass die App total intuitiv ist. Ich würde niemals eine App nutzen, für die man eine lange Einführung braucht. Bei „Adobe Express“ kann man sich einfach durchscrollen, bekommt viel angeboten und kann die Vorlagen trotzdem noch verändern. Das ist ein enormer Vorteil. Es macht Spaß, sich auszuprobieren.

Lass uns noch über dein Zuhause sprechen! Wann hast du beschlossen, mit deiner Familie aufs Land nach Brandenburg zu ziehen – trotz deines Business-Standorts in Berlin?

Die Sehnsucht nach der Ruhe, der Natur und der Weite ist gekommen, als ich Mutter wurde. Nicht direkt im ersten Jahr, aber langsam. Ich hatte immer dieses sehr altertümliche Bild im Kopf, dass ich in der Küche stehe, koche und mein Kind draußen im Garten spielt. Aber auch die Idee von mehr Kreativität war ein Argument. Diese Ruhe und das Rauskommen helfen mir, kreativ zu sein. Auch das Wegkommen von der Berliner Bubble. Die Idee kam vor drei Jahren. Und dann begann die Suche.

Wie habt ihr das Haus gefunden? Und habt ihr viel renoviert?

Mein Mann und ich sind losgezogen und haben uns Häuser angeguckt in Brandenburg. Alle waren mindestens eine Stunde von Berlin entfernt, das war mir eigentlich zu weit weg. Mein Mann war ganz begeistert. Ich sah nur die heruntergekommenen Vierseitenhöfe und hatte ziemliche Vorurteile gegenüber den Nachbar*innen. Es war das Gegenteil von dem, was ich gesucht habe. Ich habe meiner Therapeutin damals erzählt, dass mein Mann und ich uns trennen werden, weil wir nicht übereinkommen, welches Haus wir wollen. Daraufhin meinte sie, dass ihre beste Freundin Maklerin sei und dass sie mir ihre Nummer geben würde. Ich habe sie angerufen und gebeten, sich zu melden, wenn sie in den nächsten zwei bis drei Jahren ein Haus nach meinen Vorstellungen finden sollte. Und sie sagte, sie hätte jetzt was!

Am nächsten Tag sind wir hierher gekommen und für mich war klar, dass ich genau das haben will. Vielleicht war es Vorbestimmung, vielleicht war es Glück. Das Haus war eigentlich schon fast perfekt. Wir haben nicht renoviert. Wir haben Lampen verlegt und gestrichen. Und so haben wir uns unser farbenfrohes Häuslein geschaffen. Ich bin so dankbar, jedes Mal, wenn ich hier rausfahre.

Ich habe meiner Therapeutin damals erzählt, dass mein Mann und ich uns trennen werden, weil wir nicht übereinkommen, welches Haus wir wollen.

Wie war die Umstellung für dich – und auch für deine Familie – von der Stadt aufs Land zu ziehen?

Mein Sohn fand es cool, mein Mann hat ein bisschen gebraucht, um hier anzukommen. Ich war von Tag eins an super happy. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich einsam auf dem Land ende, habe aber schnell gemerkt, dass alle meine Freund*innen gern am Wochenende zu uns rauskommen. Es ist schön zu merken, dass wir hier einen Ort geschaffen haben, an dem wir Leute beherbergen können. Unser Haus ist auch Zuflucht für Freund*innen und Familie. Ich möchte diesen Sommer noch mehr Feste und Grillabende veranstalten.

Wie organisierst du das mit deinem Office in der Stadt?

Ich habe ein Büro und einen Showroom, die „Cucina“, in Berlin. Dort finden unsere Events statt. Es gehört zu New Work dazu, dass wir viel remote arbeiten. Es gibt einen Tag in der Woche, an dem wir alle im Büro sind, ansonsten darf das Team frei entscheiden, wie und wo es arbeiten will. Ich wollte einen Ort schaffen, wo Leute gerne hingehen. Ich gehe auch gerne ins Büro. Es gibt dort eine Schlafcouch. Und es passiert, dass ich manchmal darauf übernachte, wenn ich lange im Büro war oder abends in Berlin bin. Dadurch habe ich mir ein bisschen Best of Both Worlds geschaffen.

Auf was könntest du am Landleben nicht mehr verzichten?

Diese Ruhe. Ich kann gar nicht beschreiben, was das hier ist. Viele haben gesagt, ich solle den Winter abwarten. Aber auch im Winter herrscht hier durch die Natur und die Weite ein Frieden. Es ist ein Frieden, der dir das Gefühl gibt, wieder mehr zu dir zu kommen.

Vielen Dank für das inspirierende Gespräch, liebe Guya!

Hier findet ihr Guya Merkle und „Vieri“:


Layout: Kaja Paradiek

– Werbung: In Kooperation mit „Adobe“ –

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