Hej Susan! Das Haus von Susan Smollich ist eine Oase mitten in der Stadt

Fotos: 
23. Mai 2022

Acht Jahre haben die Wissenschaftlerin Susan Smollich, 43, und ihr Mann Steffen – mal mehr, mal weniger intensiv – in Hamburg nach einem Haus mit Garten gesucht, bis sie in begehrter Lage im Westen der Stadt fündig wurden. Die Renovierung des Hauses haben die beiden teilweise in Eigenleistung gestemmt – was mit ihren Kindern (11 und 8 Jahre) im Homeschooling während des Lockdowns nicht immer einfach war. Doch die Mühe hat sich gelohnt: Die Familie hat sich eine Oase mitten in der Stadt geschaffen – inklusive modern-gemütlicher Wohnküche, einem verwunschenen Garten und Möbeln mit Geschichte. Wir haben Susan getroffen und mit ihr über absurde Momente bei der Haussuche, nachhaltiges Einrichten, ihre Arbeit als Wissenschaftlerin und ein Projekt gesprochen, zu dem sie sich nach langem Zögern endlich durchgerungen hat.

femtastics: Ihr wohnt seit fast zwei Jahren in eurem Haus. Wolltet ihr in den Hamburger Westen oder habt ihr euch zusätzlich in anderen Gegenden umgesehen?

Susan Smollich: Zuerst haben wir in der ganzen Stadt geschaut. Dann haben wir uns auf diese Siedlung und eine weitere in der Nähe unserer alten Wohnung in Eimsbüttel konzentriert.

Eure Doppelhaushälfte steht in einer ehemaligen Arbeitersiedlung und stammt aus den Zwanziger-Jahren. Wäre ein Neubau auch in Frage gekommen?

Nein, das ist gar nicht unseres. Das heißt nicht, dass ich einen Neubau schlecht finde. Aber ein altes Haus mit Geschichte, das wir Schritt für Schritt zu unserem machen können – das passt einfach besser zu uns.

Die Küche ist das Herzstück des Hauses. Durch den Anbau (hier rechts von der Küche) konnte die Insel samt Herd besonders tief gestaltet werden.
Das Foto über dem grünen Tritt stammt von Susan – ihre Prints verkauft sie auf ihrer Website „wjuu.de„.

Wie lange hat es gedauert, bis ihr das Haus gefunden habt?

Insgesamt haben wir über acht Jahre gesucht – aber nicht stetig. Das Ganze verlief eher in Wellen. In unserer Wohnung haben wir uns eigentlich total wohlgefühlt. Es war eher die Lust auf etwas Neues und wir haben uns einen Garten vor der Tür, auch für die Kinder, gewünscht. Also haben wir uns irgendwann bei ein paar Makler*innen registriert und auf bekannten Plattformen gesucht, leider wenig erfolgreich. Das Haus hier zu finden, war letztlich ein glücklicher Zufall.

Das musst du genauer erklären!

Ursprünglich hatten wir an einem Besichtigungstermin für die Versteigerung eines anderen Hauses teilgenommen. Als wir dort rausgekommen sind, hat uns eine Frau aus der Nachbarschaft angesprochen und gefragt, wie denn so eine Versteigerung ablaufen würde. Im Gespräch sagte sie plötzlich, dass ihre Schwester ihr Haus im kommenden Jahr verkaufen möchte. Ich hätte in dem Moment glaube ich gar nichts gesagt, weil ich mich nicht getraut hätte. Aber mein Mann meinte sofort: „Dann geben Sie Ihrer Schwester doch unsere Nummer!“. Ein paar Monate später rief sie uns tatsächlich an – und wir haben einen Besichtigungstermin ausgemacht.

Wenn wir das jetzt nicht machen, dann können wir unsere Suche auch eigentlich beenden.

Gab es weitere Bewerber?

Nein, wir hatten Glück. Die Vorbesitzer*innen fanden den unbürokratischen Ablauf mit uns gut und haben sich außerdem gewünscht, dass eine Familie einzieht. Bei der Besichtigung meinten sie nach dem ersten Gespräch direkt zu uns: „Wenn Sie möchten, können Sie das Haus haben“. Mit so einer spontanen Aussagen hatten wir nicht gerechnet.

Habt ihr sofort zugesagt?

Wir haben erstmal überlegt und alles durchgerechnet. Einerseits wollten wir unsere Vorstellungen und Pläne umsetzen und das Haus zu unserem machen. Es sollte finanziell aber nicht so eng werden, dass wir uns keinen Urlaub mehr leisten können. Letztlich hat alles gepasst und wir haben gedacht: „Wenn wir das jetzt nicht machen, dann können wir unsere Suche auch eigentlich beenden“.

Verrätst du den Preis des Hauses?

Lieber nicht. Als wir mit der Suche angefangen haben, hätte ich mir sicher nie vorstellen können, so viel zu zahlen. Aber der Markt hat sich eben anders entwickelt. Nun haben wir für das Haus einen für diese Lage und die Größe ganz durchschnittlichen Preis gezahlt. Allein im letzten Jahr sind die Preise hier allerdings um 20 Prozent gestiegen. Jetzt könnten wir das Gesamtprojekt aus Hauskauf, Anbau und Renovierung wahrscheinlich so nicht mehr finanzieren.

Einigen Leuten ist es egal, ob sie 600.000 Euro oder eine Million für ein Haus bieten.

Ihr habt so lange nach eurem Haus gesucht – da sind euch doch sicher einige kuriose Dinge passiert?

Zumindest war es ganz erstaunlich zu beobachten, was manche Menschen bereit sind zu tun, um ein Haus zu bekommen. Einigen Leuten scheint es schlicht keine Rolle zu spielen, ob sie 600.000 Euro oder eine Million für ein Haus bieten – wenn sie es haben wollen, bezahlen sie einfach so absurd viel, selbst wenn der Gegenwert der Immobilie dann weit überschritten ist. Mit einer Finanzierung hat man da keine Chance mitzuhalten. So reiche Menschen gibt es anscheinend ganz schön viele, das hätte ich vorher nicht gedacht!

Hattet ihr die Finanzierung bereits abgesichert, als ihr das Haus angeschaut habt?

Bis zu einem gewissen Budget war alles geklärt, weil wir ja schon länger auf der Suche waren. Als klar war, dass wir das Haus gern kaufen wollten, mussten wir aber ganz regulär noch mal einen Kreditantrag für den Kauf stellen. Wir konnten uns für den ganzen bürokratischen Teil relativ viel Zeit nehmen, da die Vorbesitzer*innen selbst noch dabei waren ihr neues Haus umzubauen. Wirklich gekauft haben wir das Haus deshalb erst circa ein halbes Jahr später.

Wie lange ging die Renovierungsphase?

Wir haben Ende November, Anfang Dezember 2019 angefangen. Als Erstes haben wir mit Freund*innen die Terrasse abgerissen, sodass die Arbeiten für den Anbau direkt losgehen konnten. Ein Dreiviertel Jahr später, also im Juli 2020, sind wir eingezogen. Die Arbeiten liefen während des ersten Corona-Lockdowns. Was zugegeben mit zwei Kids im Homeschooling und selbst beide berufstätig schon sehr herausfordernd war.

Den circa 100 Jahre alten Esstisch haben Susan und ihr Mann auf dem Hamburger Schanzenflohmarkt gefunden. Er stand schon in ihrer Wohnung in Eimsbüttel.
Die Teppiche in der Küche und im Wohnbereich sind von „On the Rugs“.
Das „schwebende“ Regal haben Susan und ihr Mann selbst gebaut.

Ihr habt einiges selbst gemacht, oder?

Genau – alles, was wir konnten, haben wir selbst übernommen. Wir haben zum Beispiel viele Schichten Tapete abgekratzt. Ansonsten haben wir den Boden und die Treppe abgeschliffen bzw. „abgeföhnt“, Wände eingerissen, neue Wände gebaut oder Fliesen rausgehauen. Die Heizungsverkleidung, die Garderobe und ein „schwebendes“ Regal haben wir ebenfalls selbst gebaut. Und wir haben früh angefangen, hier im Garten zu arbeiten. Wir haben die Hochbeete gebaut und die Staudenbeete neu angelegt. Das war eine tolle Ablenkung während des Lockdowns. Am Ende haben wir einen guten Weg zwischen Selbermachen – weil wir es gerne wollten und um Geld zu sparen – und Abgeben der Aufgaben gefunden.

Apropos Garten – ihr habt einen tollen Weg zwischen „gepflegt und doch naturnah“ gefunden!

Finde ich auch. Die Gänseblümchen auf dem Rasen würde ich zum Beispiel nie wegmähen – sie gehören dazu. Dadurch, dass hier alles ein wenig wilder und weniger akkurat ist, haben wir auch viele Insekten und Vögel. Das war uns wichtig.

An der Feuerschale genießen Susan und ihr Mann gern die abendlichen Sonnenstrahlen im Sommer.
Den hübschen Apfelbaum vor der Feuerschale (rechts) haben sich Susan und ihr Mann zum zehnten Hochzeitstag geschenkt.

Was war der aufreibendste Part der Renovierung?

Eigentlich war es eher das Kisten packen und Aussortieren in der alten Wohnung! Der Abschied aus Eimsbüttel, unserem alten Viertel, war tränenreich. Nach dem Umzug habe ich anfangs sogar unsere Straße gemieden, wenn ich in der Gegend war. Nicht, weil ich hier im Haus nicht glücklich bin. Sondern weil an unserem alten Viertel so viele Erinnerungen hängen. Mein Mann und ich sind als Paar eingezogen, haben zwei Kinder bekommen, geheiratet und sind in Hamburg angekommen. Wir hatten dort eine superschöne Zeit. Aber gleichzeitig war der Neustart im Haus auch unglaublich toll.

Susan hat nach dem Umzug ins Haus nur wenige Stücke neu gekauft. Eine Ausnahme bilden die Lampen im Eingangsbereich des Erdgeschosses (links) und des ersten Stocks (rechts).

Die Küche ist der Mittelpunkt eures Hauses. Wusstet ihr von Anfang an, wie ihr sie gestalten wolltet – oder musstet ihr euch erst einig werden?

Das war ziemlich schnell klar. Wichtig war im Vorfeld bloß, dass der Anbau genehmigt wird. Wäre das nämlich nicht der Fall gewesen, hätten wir anders denken müssen und der Küchenblock hätte beispielsweise nicht ganz so tief werden können. Denn wir hätten ja mehr Platz für den Essbereich auf der anderen Seite gebraucht. Ich muss gestehen, dass ich vorher gar kein Freund von offenen Küchen war. Aber es ist ein toller Mittelpunkt, bei Feiern oder auch einfach beim Zusammensein mit der Familie. Die Kinder sitzen total gerne auf den Barhockern – noch etwas, was ich vorher eigentlich doof fand. Sie machen dort manchmal ihre Hausaufgaben, während mein Mann oder ich kochen – so kann jeder sein Ding machen und wir sind doch zusammen. Das ist schön.

Viele statten sich komplett neu aus, wenn sie umziehen. Was sagst du dazu?

Ich bin manchmal regelrecht erschrocken darüber. Ich finde das nicht besonders wertschätzend. Alles neu kaufen wäre überhaupt nicht meins, dem stehe ich wirklich kritisch gegenüber. Leider sieht man das auf Instagram häufiger. Wir haben auch ein paar Möbel gehen lassen müssen – klar. In der vorigen Wohnung hatten wir sehr hohe Decken, hier nicht – da hat manches schlicht nicht funktioniert. Wir haben aber nichts einfach „weggeschmissen“, sondern alles verkauft oder abgegeben. Selbst die alte Küche der Vorbesitzer*innen ist nicht auf dem Sperrmüll gelandet. Stattdessen haben wir sie sehr günstig an eine alleinerziehende Mutter weitergegeben. Unsere Möbel sollten möglichst lange weiterleben.

Das Schlafzimmer befindet sich im Dachgeschoss des Hauses.

Wo schaust du nach Möbeln?

Meistens weiß ich genau was ich möchte und gucke gezielt. Die Spots in der Küche zum Beispiel sind von „Louis Poulsen“, die ich nach längerer Recherche auf „eBay“ gefunden habe. Insgesamt suche ich gern nach gebrauchten Sachen und Vintage-Stücken. Ich würde aber nicht sagen, dass ich immun gegen Neukäufe bin. Zu viel Vintage kann ja schnell mal umkippen.

Das Interview hat femtastics-Autorin Andrea Zernial geführt.

Wann bist du mit Instagram gestartet?

Ich habe schon vor dem Umzug ins Haus viele Interior-Bilder gepostet, unsere Wohnung war richtig fotogen. Ich habe das aber nie forciert. Letztlich bin ich da eher reingerutscht, es fing mit der „Instagram Interior Challenge“ an, bei der ich auch jetzt noch sehr gerne mitmache. Wobei ich den Begriff Challenge in diesem Fall nicht als Herausforderung oder Wettbewerb verstehe. Es soll ja viel eher Inspiration und gegenseitige Förderung sein. Mit dem Umzug ins Haus sind es dann mehr Follower*innen geworden, was mich sehr freut. Manchmal bringt mich Instagram wieder auf den Teppich zurück.

Wie meinst du das?

Ab und zu poste ich Vorher/Nachher-Fotos des Hauses. Das macht mir dann klar, was wir alles schon geschafft haben – und das hilft mir gerade in Momenten, in denen ich mich doch mal ärgere dass Kleinigkeiten nicht fertig sind.

In Bezug auf meinen Beruf gibt es noch ein krasses Schubladendenken.

Von Beruf bist du Wissenschaftlerin – was genau machst du?

In meinem Berufsleben mache ich etwas ganz anderes als Insta vermuten lässt. Ich bin promovierte Naturwissenschaftlerin. Studiert habe ich Geographie und arbeite heute in einer Firma, die wissenschaftliche Expertise, angewandte Software-Lösungen und Umwelt-Informationsprodukte im Bereich der Erdbeobachtung – alles rund um Satellitendaten – anbietet. Im weitesten Sinne und recht vereinfacht gesagt, arbeite ich im Bereich Umweltmonitoring und Klimawandel. Outreach und Wissenschaftskommunikation gehören ebenfalls zu meinem Job.

Das klingt spannend!

Das ist es auch! Die meisten Menschen wundern sich allerdings, wenn ich ihnen erzähle was ich mache. Da kamen schon Sätze wie: „Das hätte ich ja nicht gedacht, von deinen Klamotten her wirkst du ganz anders.“ Da gibt es noch ein krasses Schubladendenken – als ob ich als Geowissenschaftlerin nur mit Outdoor-Kleidung rumlaufen müsste! Auch die Frauenquote ist bei uns hoch – anders, als das viele vermuten.

Neben deiner Arbeit als Wissenschaftlerin und deinem Interior-Account auf Instagram hast du vor einiger Zeit ein neues, kreatives Projekt gestartet. Worum gehts?

Nach langem Überlegen und sich nicht trauen, habe ich im Februar dieses Jahres meine eigene kleine Fine-Art-Print-Plattform „wjuu“ gegründet. Lange hatte ich das immer wieder zur Seite geschoben, weil ich mich nicht getraut habe. Jetzt verkaufe ich über meinen Onlineshop eine limitierte Auswahl meiner Fotografien. Das macht mir enorm viel Freude und ich bin froh, meine Selbstzweifel überwunden zu haben.

Wie schön! Wie kam es zu dem Sinneswandel?

Ich weiß nicht genau warum, aber eines Morgens bin ich aufgewacht und habe mir gesagt: „Jetzt mache ich das!“ Dieses Gefühl, es nicht ausprobiert zu haben und mich immer wieder zu fragen, wie es wohl wäre – das fand ich schlimmer als das Risiko vielleicht zu scheitern. Dafür, dass ich gerade erst angefangen habe, läuft es schon ziemlich gut und ich freue mich über jede Anfrage. Zudem ist es eine wirklich schöne Ergänzung zu meinem „normalen“ Beruf.

Das klingt gut. Vielen Dank für das Gespräch, liebe Susan!


Hier findet ihr Susan

Layout: Kaja Paradiek

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