Laura Letschert: Wie ich die Entscheidung traf, keine eigenen Kinder zu bekommen

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14. Februar 2022

Sie ist 33 Jahre alt, lebt in einer glücklichen und stabilen Beziehung: „Höchste Zeit für das erste Kind – oder?“ Wie viele Frauen* spürte Laura Letschert diesen Druck und diese Frage von vielen Seiten, doch sie fühlte tief im Innern, dass sie keine Mutter werden möchte. Warum sie es trotzdem versucht hat, wie eine Kollegin ihr mit nur einem Satz die Augen öffnete und wie die Reaktionen auf ihre Entscheidung für ein Leben ohne eigene Kinder waren: Das erzählt Laura, die als systemischer Coach in Barcelona arbeitet, in diesem sehr persönlichen Interview.

Es ist nicht vorgegeben, dass ich als Frau*, die in einer Partnerschaft lebt, Kinder bekommen muss.

femtastics: Laura, du hast entschieden, dass du keine Kinder bekommen möchtest – und offen darüber reden willst. Warum ist dir das so wichtig?

Laura: Weil ich glaube, dass sich viele Frauen* in den Dreißigern mit der Frage beschäftigen, ob sie Kinder möchten und sich oft Gedanken machen, falls sie keine Sehnsucht danach verspüren. Sie fühlen sich womöglich ähnlich verunsichert in ihrer persönlichen Entscheidungsfindung. Obwohl es in unserer heutigen Zeit selbstverständlich sein sollte, musste ich mir auf meinem Weg immer wieder klar machen: Es ist nicht vorgegeben, dass ich als Frau*, die in einer Partnerschaft lebt, Kinder bekommen muss. Und wenn es ein oder zwei Frauen* gibt, die sich durch meine ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Thema bestärkt fühlen, dann fände ich das toll.

Wir sollten dieses veraltete Frauenbild und die damit einhergehenden Erwartungen endlich aufbrechen.

Erlebst du bei dem Thema großen gesellschaftlichen Druck, der auf Frauen ausgeübt wird? Der auch auf dich ausgeübt wurde?

Ich kann wirklich nur für mich sprechen, aber ich erlebe es so, ja. Zum Beispiel von meiner Familie: Nicht, dass sie mich permanent gedrängt hätte, aber es gab immer Aussagen wie: „Ich freue mich so darauf, wenn wir mal mit unseren Enkeln spielen.“ Allein diese implizite Erwartungshaltung übt Druck aus. Es stand nie zur Debatte, ob ich Kinder bekomme.

Auch bei Mädelsabenden wurde nie die Frage gestellt, ob wir eigentlich Kinder möchten, sondern immer nur: „Wann ist es denn bei euch soweit?“ Und ich glaube, das ist ein Spiegel der Gesellschaft. Ob im Büro oder im gesamten Gesellschaftlichen Diskurs immer noch: Als Frau der Norm zu entsprechen, bedeutet Mutter zu sein. Ansonsten steckt man meistens in der Schublade, „herzlose Karrierefrau“ oder in der Schublade „es hat nicht funktioniert“. Beim zweiten Fall leiden die Betroffenen, in der ohnehin schwierigen Situation, häufig sehr an der Unsensibilität von außen. Wir sollten dieses veraltete Frauenbild und die damit einhergehenden Erwartungen endlich aufbrechen.

Wie bist du trotz all dieser Erwartungen zu deiner Entscheidung gelangt?

Es war eine längere Reise und eine Achterbahnfahrt – von meinen Gefühlen und meinen Entscheidungen her. Bei mir war es nicht so, dass ich schon mit 15 wusste, dass ich in Zukunft keine Kinder haben möchte. Ich sollte in der Schule mal ein Bild malen, wie ich mich später sehe, da hatte ich das ganz klassische Szenario vor Augen: Ich in meinem Haus, mit einem Partner und Kindern. Im Laufe der Jahre rückte das Thema in den Hintergrund, es war nie der richtige Zeitpunkt dafür. Zwischendurch habe ich immer wieder gecheckt, ob ich mich bereit fühle – es war nie so. Irgendwann drängte sich die Frage aber natürlich immer mehr auf.

Ich habe mich gefragt, was mit mir nicht stimmt.

Laura Letschert arbeitet als systemischer Coach und lebt aktuell in Barcelona.

Und was passierte dann?

Vor etwa sechs Jahren war ich auf einem Workshop zu den „Big Five for Life“ von John Strelecky, da haben wir uns in einer Art Meditation immer wieder gefragt, wer wir sind und wonach wir uns sehnen. Ich habe mich da zum ersten Mal mit Kindern gesehen – aber es waren nicht meine eigenen. Ich fand dieses Bild ganz befremdlich, es hat ein Störgefühl in mir ausgelöst, ich habe mich irgendwie schlecht gefühlt.

Wenn ich mit Menschen darüber gesprochen habe, sagten sie meistens: „Du machst dir zu viele Gedanken, dein Herz will Kinder, aber dein Kopf hält dich zurück.“ Oder: „Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt, das kommt noch.“ Ich habe mich immer schlechter gefühlt und mich gefragt: Warum ist das so? Warum spüre ich nicht diese Sehnsucht? Dann wäre alles viel normaler und einfacher. Ich habe nicht nur an der Entscheidung gezweifelt, sondern an mir selbst. Ich habe mich gefragt, was mit mir nicht stimmt. Trotzdem habe ich mit meinem Partner irgendwann beschlossen, dass wir es einfach mal versuchen.

Wie kam das, wenn du weiterhin dieses schlechte Gefühl hattest?

Ich hatte dieses Gefühl nicht durchgehend. Es war eher eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Ich liebe meinen Partner aus vollem Herzen und fand es grundsätzlich eine schöne Vorstellung mit ihm gemeinsam eine Familie zu gründen. Wenn ich die Babies von meinen Freundinnen gesehen oder gehalten habe, war ich ganz berührt von den kleinen Wundern. Bei der Vorstellung eigene Kinder zu haben, spürte ich aber immer wieder ein Gefühl von Enge und Belastung, die für mich mit dieser Verantwortung einhergehen. Für mich war vor allem präsent, was ich aufgeben musste, anstatt das, was ich durch die Rolle gewinnen würde. Das hat mich sehr traurig gemacht und innerlich zerrissen. Im Nachhinein kann ich sagen: Ich habe häufig an mir selbst gezweifelt. Ich habe es mir selbst so argumentiert, dass es nur mein Kopf ist, der mir Zweifel einredet. Jede*r sagte mir, ich sei so ein Familienmensch und so herzlich, ich würde so eine gute Mutter sein. Und ich dachte: Klar, jeder gute und liebende Mensch, der viel zu geben hat, der bekommt Kinder. Das muss so sein. Wir hören ja immer, Kinder seien das schönste Geschenk überhaupt. An all diesen Dingen habe ich mich festgeklammert und war auch erst einmal froh, dass die Last der Entscheidung von mir gefallen war. Dass ich diesen innerlichen Kampf nicht mehr führen musste.

Fühlte es sich auch richtig für dich selbst an?

Da war erst Mal Freude in mir, die von der Reaktion aus meinem nahen Umfeld verstärkt wurde, als ich erzählte, dass wir es jetzt „versuchen würden“. Gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, dass mein Körper, dass mein Körper rebellierte. Zum Beispiel hatte ich vor der Periode noch mehr Schmerzen als sonst, ich hatte oft ein Unwohlsein im Bereich der Gebärmutter. Abends nahm ich schon Folsäure zur Vorbereitung auf die Schwangerschaft ein – aber immer etwas widerwillig und abfällig. Im Nachhinein sehe ich, dass etwas nicht stimmte, damals habe ich es unterdrückt. Wir haben es also ein paar Monate probiert und es klappte nicht. Dann hatte ich eine Workshop-Vorbereitung mit einer Trainer-Kollegin, die ich schon länger kannte, und dieses Gespräch hat alles verändert.

Dann sagte sie: „Ich glaube, du bist nicht auf der Welt, um eigene Kinder zu bekommen und ich glaube, dass dein Herz das auch weiß.“

Jetzt bin ich neugierig…

Wir hatten schon ein paar Mal zusammen gearbeitet und dabei auch schon mal über die Kinderfrage gesprochen. Sie ist 15 Jahre älter als ich, hat selbst Kinder und liebt es, Mutter zu sein. Wir haben das Thema in dem Gespräch nur kurz berührt, ich habe erwähnt, dass wir es jetzt angehen und dann sagte sie: „Laura, darf ich dir mal kurz was sagen und ich hoffe, das ist nicht übergriffig.“ Sie sagte, sie erlebe mich total angespannt, als ich über die Kinderplanung sprach und ich sollte nochmal in mich hineinhorchen. Dann fragte ich nach, was sie damit meinte und dachte, dass jetzt wieder der Satz kommt, den ich schon viele Mal zuvor gehört hatte: „Mach dich frei im Kopf, der will dir einen Streich spielen. Hör auf dein Herz, dass sich Kinder wünscht.“ Doch dann sagte sie: „Ich glaube, du bist nicht auf der Welt, um eigene Kinder zu bekommen und ich glaube, dass dein Herz das auch weiß.“

Eine ziemlich krasse Aussage für eine Außenstehende. Wie hast du reagiert?

Es war für mich so ein Bäm-Satz, der Mitten ins Herz ging und mich einmal durchgewirbelt hat. Ich war überwältigt von der Klarheit und Wucht dieses Satzes und was er in mir auslöste. Es ist in diesem Moment eine Last von mir gefallen und ich war zu total aufgebracht und aufgeregt. Ich wollte wissen, woran sie das festmachte. 

Wie hat sie ihre Einschätzung begründet?

Sie sagte, dass ich auf sie immer so frei, unbeschwert und glücklich wirke, wenn ich von meinem jetzigen Leben, mit meinem Partner und meinen beruflichen Projekten erzählte. Mein Gesicht würde strahlen und meine Stimme anfangen zu sprudeln – ganz anders, als jetzt wenn ich übers Kinderkriegen sprach, wo sie eine Anspannung und Schwere bei mir wahrnimmt. Da habe ich sehr kopflastig und erwachsen gewirkt, gar nicht gelöst. Sie hatte den Eindruck, ich hätte mir im positiven Sinne ganz viel Kindliches und ganz viel Freude bewahrt und bräuchte keine Kinder, um erfüllt zu sein. Sie sagte einen klugen Satz nach dem anderen und ich bin ihr sehr dankbar, dass sie den Mut hatte, so offen zu sein.

Sie hat all das sehr wertschätzend ausgedrückt und ich finde, das ist eine schöne Botschaft an uns alle: Wenn wir so etwas an Anderen spüren, dann sollten wir uns trauen, das auszusprechen. Es kommt immer darauf an, wie man etwas sagt – aber es kann sehr wertvoll sein, so eine Einschätzung zu spiegeln. Was der oder die Andere damit macht, ist ja seine oder ihre eigene Wahl.

Das stimmt. War dann sofort die Entscheidung bei dir gefallen, dass du doch keine Kinder möchtest?

Ich habe mich nach langer Zeit bei diesem Thema endlich so gesehen und so verstanden gefühlt und zugleich merkte ich, wie aufgewühlt ich war. Ich musste das erst einmal sacken lassen und habe nach diesem Gespräch mit der Kollegin mit meinem Partner gesprochen. Mit jeder weiteren Nacht hat sich mehr innere Ruhe und Klarheit eingestellt.

Wie hat dein Partner darauf reagiert? Es ist ja schließlich euer gemeinsames Leben und ihr hattet gerade entschieden, dass ihr Kinder bekommen möchtet.  

Es war ja von Anfang an unser gemeinsamer Entscheidungsweg. Er hat selbst zwei Kinder aus seiner vorherigen Beziehung, ist also schon glücklicher Papa. Dadurch haben wir natürlich eine andere Ausgangssituation und es waren gleiche und auch unterschiedliche Gefühle, Gedanken und auch Sorgen, die uns im Laufe der letzten sechs Jahre beschäftigten – die wir immer ehrlich miteinander besprochen haben.

Als ich nach dem Video Call ziemlich durch den Wind war, umarmte er mich erstmal, hörte mir zu und war für mich da. Ein paar Tage später hatten wir dann mit etwas Abstand nochmal ein ganz wertvolles Gespräch, was mir die langersehnte Klarheit und den inneren Frieden geschenkt hat. Ich weiß noch, dass wir am Strand waren und wir uns gegenseitig nochmal deutlich gemacht haben, wie glücklich wir zwei miteinander sind, dass wir nichts vermissen in unserem Leben und dankbar dafür sind, wie schön es ist.

Wir haben auch über die Situation gesprochen, falls ich mir in fünf Jahren doch aus tiefstem Herzen ein Kind wünsche. Wir haben über die Möglichkeit einer Adoption gesprochen. Wir wissen nicht, was die Zeit bringt und ob es überhaupt für uns möglich wäre, aber allein der Raum für solche Gedanken und unser Blick in dieselbe Richtung machte uns klar: Egal was es ist, wir gehen das gemeinsam an.

Wenn eine Frau* sagt, sie möchte Kinder, dann fragt auch niemand, warum. Genauso sollte es andersherum sein.

Waren die Reaktionen in deinem weiteren Umfeld auch so positiv? Wir sprachen ja bereits über den impliziten Druck aus der Familie.

Ich war sehr angespannt, als ich mit ihnen sprach. Zuerst habe ich mit meiner Schwester geredet, da flossen einige Tränen. Sie ist fünf Jahre jünger als ich und hat sehr cool reagiert und mir so viele liebe Dinge gesagt. Sie hat mich bestärkt, war für mich da, auch das war ein wirklich wertvolles Gespräch. Auch meine Eltern haben natürlich gut reagiert – wie es dann ja fast immer ist, wenn man vorher Angst vor so einem Gespräch hat. Sie haben beide gesagt, es sei für sie persönlich natürlich etwas traurig, da sie sich darauf gefreut haben Großeltern zu werden, aber es sei mein Leben und meine Entscheidung.

Es hat mir sehr den Druck genommen, dass sie mich verstanden haben, als ich ihnen von meinem langen Weg bis zu diesem Punkt erzählt habe. Mir war im Kopf immer klar, dass ich mich dafür nicht rechtfertigen muss, aber irgendwie hat man dann doch das Gefühl.

Sich rechtfertigen zu müssen, wenn man sich als Frau keine Kinder wünscht?

Ja, total. Dabei ist „Ich möchte keine Kinder“ ein vollständiger Satz. Da muss nicht noch eine Erklärung folgen. Wenn eine Frau sagt, sie möchte Kinder, dann fragt auch niemand, warum. Genauso sollte es andersherum sein: Ich möchte keine Kinder. Punkt. Weitere Erläuterungen unnötig. Aber natürlich hatte ich bei meinen Eltern das Bedürfnis, es ihnen zu erklären. Genau wie bei meiner Oma, die megacool reagiert hat.

Was hat sie gesagt?

Sie hat mich einfach bestärkt und gesagt: „Mach das Beste aus deinem Leben und genieße es so, wie es für dich schön ist.“ Sie hat sich von Herzen für mich gefreut und sagte, ich solle mein Leben selbst gestalten und alles mitnehmen. Ich fand es total schön, das von einer Frau zu hören, die auf die 90 zugeht und selbst viel erlebt und Kinder bekommen hat.

Und die Freund*innen, die auf Mädelsabenden immer darauf setzten, dass du bald schwanger bist?

Auch von ihnen bekam ich nur liebe Reaktionen und noch viele Nachrichten.

Ich fände es schön, wenn vor allem wir Frauen*, ganz offen miteinander sprechen und uns den Rücken stärken, anstatt uns zu verurteilen – egal, für welches Lebensmodell wir uns entschieden haben oder nie entscheiden konnten.

Glaubst du, dass du auch mal Ablehnung deshalb erleben wirst?

Ich bin gespannt, wie es wird, wenn ich älter werde. Gerade denken vielleicht alle Außenstehende, dass ich noch Kinder bekomme. Aber wenn ich in zehn Jahren mal antworte: „Nein, ich habe keine Kinder“ – ob dann aus Verlegenheit noch Fragen oder Kommentare hinterherkommen. Vielleicht ergeben sich auch interessante Gespräche daraus. Ich könnte mir vorstellen, dass es viele Vorurteile gibt: Vielleicht, weil mein Partner älter ist als ich und schon Kinder hat. Oder man denkt, es hat nicht geklappt. Wir kennen ja alle diesen Tratsch. Da fände ich es schön, wenn vor allem wir Frauen*, ganz offen miteinander sprechen und uns den Rücken stärken, anstatt uns zu verurteilen – egal, für welches Lebensmodell wir uns entschieden haben oder nie entscheiden konnten, weil eine Schwangerschaft zum Beispiel nicht möglich ist. Und ich wünsche mir, dass mich niemand abschreibt, weil ich keine Kinder habe.

Wie meinst du das?

Ich möchte nicht, dass jemand denkt: „Laura hat selbst keine Kinder, dann kann ich auch nicht mit ihr über meine sprechen.“ Oder dass man den Eindruck hat, ich mag keine Kinder. Ich habe meinen Freundinnen gesagt, dass ich total glücklich für sie und über ihre Familien bin, gerne auf die Kinder aufpasse. Ich möchte natürlich teilhaben und für die kleinen Wesen und ihre Familien da sein.

Du sagtest vorhin, dass du früher auch dachtest, als herzlicher und liebevoller Mensch müsste man Kinder bekommen wollen. Wie siehst du das jetzt?

Ich glaube, dass ich mich immer wieder selbst daran erinnern darf, dass ich auch ohne Kinder sehr viel geben kann. Ich werde auch täglich von meinem Umfeld daran erinnert und möchte das bewusster wahrnehmen: Wenn Menschen mir sagen, sie hatten ein total schönes Gespräch mit mir oder sie sind gerne mit mir zusammen. Auch in meiner Arbeit bekomme ich oft das Feedback, dass ich Wertvolles geleistet habe. Da denke ich auch an künftige Projekte, in denen ich Menschen zusammenbringen möchte, ich will Begegnungsorte für Andere schaffen. Da kann ich ganz viel Liebe geben – und das möchte ich mir immer wieder klar sagen. Es ist ja schließlich nicht so, dass ich gar keine Zweifel habe, ich bin ja auch ein Mensch mit Gefühlen und Auf und Abs.

Aber es war ähnlich, nachdem ich mein Lehramts-Studium abgebrochen habe: Da haben mir auch viele gesagt: „Du wärst so eine tolle Lehrerin, wir brauchen dich.“ Aber ich habe mich bewusst dagegen entschieden, genau wie ich mich jetzt dagegen entscheide, eine Mama zu werden. Trotzdem kann ich ganz viel Liebe und Herzlichkeit in die Welt bringen.

Auch wenn es abgedroschen klingen mag: Für mich ist es am wichtigsten, dass wir mit uns im Reinen sind. Ich fühle mich jetzt frei und wie ich selbst.

Vielleicht kannst du auch gerade deshalb so viel geben, weil du diese Entscheidung getroffen hast und jetzt frei deinen Weg gehst?

Klar, vielleicht hätte ich mit eigenen Kindern gar nicht die Kraft, so viele andere Projekte umzusetzen und das zu erschaffen, was ich erschaffen möchte. Vor allem, wenn ich unglücklich mit der Rolle geworden wäre. Auch wenn es abgedroschen klingen mag: Für mich ist es am wichtigsten, dass wir mit uns im Reinen sind. Ich fühle mich jetzt frei und wie ich selbst. Ich bin gut, wie ich bin, und dieses Gefühl kann ich mir nur selbst geben. Es können noch so viele Menschen aus meinem Umfeld die Entscheidung beklatschen oder nicht für gut befinden. Ich muss mit mir selbst fein sein, dann ist es richtig für mich – das habe ich durch diesen Prozess gelernt.

Dann wünschen wir dir auf deinem weiteren Weg alles Gute und danken dir für dieses offene Gespräch.


Fotos: Esther Raudszus (PR)

6 Kommentare

  • Katha sagt:

    Vielen Dank für dieses tolle Interview und die ehrlichen Worte. Es ist vollkommen richtig: wenn man sich keine eigenen Kinder wünscht, obwohl mal einen Partner hat und Kinder mag, wird ständig die Frage: ‚Wieso denn nicht?‘ gestellt oder es wird einem die Entscheidungsfähigkeit abgesprochen à la ‚Du wirst deine Meinung schon noch ändern.‘
    Mag sein, aber dann ist es meine Entscheidung, und aktuell kann ich mir überhaupt nich vorstellen, eigene Kinder zu haben oder zu wollen (ich bin 30).

    Also DANKE. Das Thema wird immer präsenter, aber es wird noch lange nicht oft genug besprochen oder vor allem einfach akzeptiert. Dieser Artikel hilft, mit der eigenen Entscheidung einfacher zurechtzukommen. Anfangs hat mich mein Umfeld nämlich sehr verunsichert, deshalb hilft das Interview bestimmt vielen.

  • Katrin sagt:

    Sehr schönes Interview. Ich bin mittlerweile fast 46, seit 8 Jahren in einer sehr glücklichen Beziehung (seit 5 Jahren auch mit Ehering ;-)) und sehr glückliche Nicht-Mama. Ich weiss noch, dass meine Freunde und ich uns 1995, als ich Abi gemacht habe, gefragt haben, wie wir uns wohl im Jahr 2000 sehen. Für mich war irgendwie logisch, dass ich wohl verheiratet mit zwei Kindern sein würde. Aber nicht, weil ich das wollte – sondern, weil es von der Gesellschaft erwartet wurde und ich das Ganze überhaupt nicht hinterfragt habe.
    Ich habe dann jahrelang gesagt „vielleicht in zwei Jahren“, wenn ich gefragt wurde – verspürte aber nie wirklich das Bedürfnis, Mutter zu werden. Im Gegenteil: Ich hatte jeden Monat, wenn ich einen Freund hatte, Angst davor, schwanger zu sein – weil sich in mir alles dagegen gesträubt hat.
    Mein Freund und seit fünf Jahren auch Mann unterstützt mich in meiner Entscheidung voll und ganz – trotzdem hatte ich erst mit etwa 40 Jahren den Mut und auch die erlösende Klarheit, dass ich weder Kinder toll finde noch selber welche möchte. Ich fühlte mich schon immer eher zu Hunden und Katzen hingezogen als zu Babies. Es ist schrecklich, dass man sich als Frau dafür immer noch rechtfertigen muss. Auch im Freundeskreis geht es mehreren Frauen so. Erst durch vorsichtiges Herantasten haben wir voneinander erfahren, dass wir alle überhaupt nicht auf Kinderkriegen stehen und es war so eine Befreiung, dann völlig losgelöst über diese Gefühle sprechen zu können. Ich glaube, es geht so vielen Frauen so – wir trauen es uns nur nicht, es laut auszusprechen. Und ich kenne so viele Frauen, die Mutter sind und sagen, sie würden sich heute gegen ein Kind entscheiden.
    Danke für dieses Interview.
    Auf die Freiheit!

  • Maria sagt:

    Danke für den ausführlichen Artikel.

    An die Redaktion: es wäre wirklich interessant wie die Situation in 10 Jahren ist.

    Kenne aus dem persönlichen Umkreis mehrere Frauen bei denen sich das Ende 30 noch geändert hat…

  • Denise sagt:

    Sie spiegelt genau meine Gedanken und Gefühle wieder. Ich bin 34 und dazu arbeite ich als Erzieherin. Da darf man sich manchmal anhören, dass man ja eh keine Ahnung hat und den anderen aber was erzählen will. Ich bin seit zwölf Jahren glücklich mit meinem Partner. Und ehrlich gesagt kriegen wir von allen Eltern um uns herum zu hören, wie stressig ja alles mit Kindern ist. Manchmal merken die Leute gar nicht, dass sie den ganzen Tag nur jammern, seitdem sie Kinder haben. Da denke ich mir: wieso sollten wir uns auch diesem „ach so dollem Stress“ aussetzen?
    Manchmal denke ich auch, dass wir doch ein Kind kriegen sollten, aus Angst etwas zu verpassen. Aber eigentlich sollte das kein Grund sein ein Leben in die Welt zu setzen.
    Danke für den ehrlichen, tollen Bericht!

  • Daniel sagt:

    Sehr gutes Interview, auch dank der Fragen!

    Auch wenn ich ein Mann bin, kann ich nachvollziehen, wie sich Laura gefühlt haben muss. Mir erging es ähnlich mit dem Wechsel vom Angestelltenverhältnis zur Selbstständigkeit. Ich fühlte, dass der Wechsel genau richtig wäre, doch um mich herum rieten mir alle davon ab und redeten mir was anderes ein. Zum Glück habe ich auf mein Bauchgefühl gehört, denn heute bin ich dadurch beruflich glücklicher denn je. Und so stelle ich mir das auch bei Nicht-Mamas vor, die aus dem Herzen heraus Nicht-Mama sein wollen.

    Wichtig für diese Frauen ist meines Erachtens, dass sie auf ihre eigene Stimme hören – auch wenn ich mir vorstellen kann, wie groß der Druck von Freundinnen, Familie & Co. sein muss. Meine Frau und ich (1 Kind übrigens) sind sehr gut mit einem kinderlosen Pärchen befreundet, das wir allerdings nie gefragt haben, ob sie noch Kinder wollen. Da wüsste ich jetzt nicht: Ist es respektvoller, gar nicht zu fragen oder zu fragen, ob sie noch Kinder haben möchten (und es dabei zu belassen, wenn sie nein sagen)? Wichtiges Thema in jedem Fall1

  • Ich sagt:

    Sehr tolles Interview. Auch ich, 34 Jahre, weiblich, seit 12 Jahren in einer glücklichen Beziehung, möchte keine Kinder und mein Partner auch nicht. Was mich traurig und wütend macht ist, dass meine Mutter besessen davon ist. Sie will Enkel und stichelt immer wieder aufs Neue. Ich hasse sie dafür. Ich werde nicht ihre Erfüllungssklavin spielen damit sie sich nach dem Tod meiner Oma um noch einen Menschen kümmern kann und abgelenkt ist von sich selbst. Sie kann mich aber eh. Hauptsache mein Partner und ich sind uns einig und ich habe einige Frauen in meinem Umfeld, die dasselbe empfinden wie ich. Eine gute Freundin von mir ist selber Mutter, findet es aber total okay und durchaus auch verständlich wenn jemand keine Kinder möchte. Meine Mutter wird das nie begreifen. Aber muss sie auch nicht. Ich lasse sie regelmäßig stehen wenn sie mich nervt und rede lange nicht mehr mit ihr. Jedes Mal aufs Neue.

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