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Ein Besuch im Landhaus von Laura Muthesius und Nora Eisermann von „Our Food Stories“ in Brandenburg

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26. August 2019

Laura Muthesius und Nora Eisermann, die beiden kreativen Köpfe hinter dem Projekt „Our Food Stories“, haben wir vor drei Jahren bereits in ihrem Berliner Zuhause besucht. Mittlerweile trifft man die beiden Foodies jedoch immer häufiger in ihrem Landhaus, in einem kleinen Örtchen in Brandenburg. Hier haben sie sich, mitten im Grünen, eine Wohnung samt Studio für ihre Food-Stylings und Foto-Shootings renoviert und eingerichtet. Wir sprechen mit der studierten Fotografin Laura und der studierten Modedesignerin Nora darüber, wie sie dieses besondere Fleckchen gefunden haben und wieso sie so gerne in der Natur arbeiten.

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femtastics-Autorin Marie Freise (links) spricht mit Nora (Mitte) und Laura (rechts).

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femtastics: Wie seid ihr an diesem schönen Ort gelandet?

Laura Muthesius: Unsere Nachbarn hier sind Freunde von uns. Wir sind zusammen aufgewachsen. Als wir uns auf die Suche nach Häusern auf dem Land machten, fiel uns ein, dass unsere Freunde nur einen Teil eines alten Hauses bewohnten und der kleinere Teil leer stand. Zehn Jahre lang lebte hier niemand und es gab weder Elektrik noch Heizung. Wir beschlossen, die Wohnung zu renovieren. Eine optimale Lösung, für uns und unsere Freunde.

Nora Eisermann: Es wäre total schade, das alles verfallen zu lassen! Für uns ist es perfekt, weil wir uns mit unseren Freunden den Garten teilen.

Wann seid ihr eingezogen?

Laura: Vor drei Jahren haben wir beschlossen, hier zu renovieren.

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Zehn Jahre lang lebte hier niemand und es gab weder Elektrik noch Heizung. Wir beschlossen, die Wohnung zu renovieren.

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Wie war der Zustand der Wohnung, abgesehen von fehlender Elektrik?

Laura: Alles war im Rohzustand. Die Wände haben wir so roh belassen. Der Boden war komplett in dem typischen dunklen Rot, was man oft in Altbauten hat. Das sah nicht gut aus und war uns zu dunkel. Der Ofen im Schlafzimmer war bereits drin.

Nora: Aber der hatte auch noch eine andere Farbe, ein komisches Gelb, auch nicht schön. Wir haben ihn mit einer speziellen Ofenfarbe angemalt.

Laura: Wir haben versucht, alles erst einmal so basic wie möglich zu renovieren. Das Haus ist nicht unser Eigentum, wir haben nicht gekauft, deshalb wollten wir auch nicht zu viel Arbeit reinstecken. Wir haben es fast schon zu perfekt gemacht, dafür, dass es uns nicht gehört, aber es ist uns eben wichtig, es richtig schön zu haben!

Wie lange dauerten die Renovierungsarbeiten?

Nora: Rund zwei Monate.

Ach, wirklich, nur?

Laura: Ja, wir haben allerdings auch ein bisschen Druck gemacht. Ich bin leider sehr ungeduldig und frage zehnmal nach, wann etwas fertig wird oder ob sie nicht früher anfangen können. (lacht)

Nora: Die alte Struktur des Hauses und die Materialien waren ja schon da: die alten schönen Türen, die breiten Dielen, …

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Wir haben es fast schon zu perfekt gemacht, dafür, dass es uns nicht gehört, aber es ist uns eben wichtig, es richtig schön zu haben!

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Was ist euer Lieblingsort im Haus?

Nora: Im Sommer pendeln wir zwischen Küche und Garten, und im Winter machen wir es uns am liebsten auf dem Sofa gemütlich. 

Wo und wie könnt ihr am besten konzentriert arbeiten ?

Nora: Da sind wir ganz flexibel: Wir können eigentlich überall gut arbeiten. Eine Kamera und einen Laptop kann man gut mitnehmen.

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Wir können eigentlich überall gut arbeiten. Eine Kamera und einen Laptop kann man gut mitnehmen.

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Hat Interior euch schon immer interessiert?

Laura: Schon am Anfang unserer Beziehung hatten wir beide Freunde aus Dänemark, weshalb wir sehr oft nach Kopenhagen gereist sind. Damit fing die große Interior-Leidenschaft an.

Nora: Wir haben dort Keramik für unsere Fotos gekauft und es gibt dort ja so viele schöne Einrichtung-Shops – man wird automatisch inspiriert. Die Dänen haben einen guten Stil und das richtige Gespür für die Zusammenstellung von Altem und Neuem.

Laura: Als wir hier renoviert haben, kam uns die Idee, einen zweiten Instagram-Account rund um Interior Design zu machen: @_designtales_. Wir sind keine Fans davon, die unterschiedlichen Inhalte zu mischen, deshalb ein zweiter Account. Wir heißen schließlich „Food Stories“ und wollen uns auf unserem ersten Instagram-Account, @_foodstories_, nicht zu weit vom Thema Food weg bewegen.  

Wo findet ihr eure schönen Möbel, Accessoires und Kochutensilien?

Laura: Fast nur in Skandinavien. Wir kaufen viel Vintage in Schweden und Dänemark.

Nora: Da gibt es viele tolle Shops und Trödelmärkte, auf denen man zum Beispiel gut altes Besteck finden kann. Es ist nicht so teuer wie in Deutschland. Wir kaufen dort auch Utensilien für unsere Fotos wie alte Teigrollen, Backformen und Pizzarädchen.

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Gehört das Grundstück hinter eurem Garten auch zu eurem Haus? Es ist wunderschön hier, alles so wild belassen.

Nora: Das gehört alles dazu. Wir teilen das alles mit unseren Nachbarn. Wir haben hier super viele unterschiedliche Orte für unsere Foto-Shoots, das ist sehr praktisch! (lacht)

Baut ihr im Garten Gemüse und Kräuter an?

Laura: Wir haben das Glück, dass unsere Nachbarn ganz aktiv sind und wir uns quasi um nichts kümmern müssen. Aber wir haben Zucchinis und Tomaten. Dieses Jahr liegt der Fokus offenbar mehr auf Blumen. Das ist natürlich auch toll für unsere Fotos.

Was gibt es hier in der Gegend zu entdecken?

Laura: Wir fahren immer viel herum und schauen einfach, was uns inspiriert. Mal sind es Mohnfelder, mal Weizen, mal Kirschbäume – immer abhängig von der Jahreszeit. Wenn wir hier sind, arbeiten wir meistens nur. Richtig Freizeit verbringen wir hier nicht.

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Wir haben seit diesem Jahr auch eine neue Regelung eingeführt: Wir machen jeden Sonntag frei. Nachdem wir vier Jahre lang komplett durchgearbeitet haben, musste eine bessere Balance her.

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Seid ihr mehr hier auf dem Land oder in eurer Wohnung in Berlin? 

Nora: Mittlerweile sind wir an beiden Orten gleich viel. Im Sommer natürlich am liebsten hier auf dem Land und im Winter etwas mehr in Berlin. Da wir nur mit Tageslicht shooten, brauchen wir im Winter unser Studio in Berlin, das hat große Fenster, das ist unabdingbar. Hier draußen wird es Winter sehr schnell zu dunkel, und Outdoor–Shootings sind im Winter eh nicht drin. Allerdings haben wir Weihnachten hier verbracht – das war sehr schön und gemütlich.

Wie schafft ihr es abzuschalten?

Laura: Das geht hier draußen ganz gut. Wir haben seit diesem Jahr auch eine neue Regelung eingeführt: Wir machen jeden Sonntag frei. Nachdem wir vier Jahre lang komplett durchgearbeitet haben, musste eine bessere Balance her. Wir lieben was wir tun, deshalb haben wir erst nicht bemerkt, dass es zu viel geworden ist. Jetzt haben wir für sonntags ein komplettes Handy- und Laptop-Verbot eingeführt. Das funktioniert richtig gut – so ist man einen Tag einfach komplett raus.

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Was waren Herausforderungen beim Start von „Our Food Stories“?

Nora: Es hat sich am Anfang alles sehr organisch entwickelt, weil wir klein begonnen haben. Wir hatten anfangs nur ein kleines Repertoire: ein paar Teller, einen alten Topf, ein schönes, altes Holzbrett. Aus unseren Skandinavien-Urlauben haben wir dann immer schöne Dinge mitgebracht, wie zum Beispiel Leinen.

Laura: Die Idee, Essen zu fotografieren, ist ja nicht gerade exotisch (lacht). Aber es hat uns von Anfang an so viel Spaß gemacht, deshalb haben wir uns gesagt: Wir versuchen es jetzt ein Jahr lang mit unserer Idee und schauen mal, ob es funktioniert. Damit haben wir uns den Druck genommen.

Nora: Ich habe das erste Jahr nebenher noch gejobbt, das hat geholfen. Allerdings war die Zeit ziemlich stressig, weil wir dadurch nur eine halbe Woche und abends zum Shooten hatten. Nachdem es gut lief, haben wir gesagt: Ok jetzt versuchen wir es, ganz oder gar nicht.

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Was wäre euer Rat an andere Gründerinnen?

Nora: Auf jeden Fall erstmal auszuprobieren, ob es dein Ding ist, zum Beispiel ein Jahr lang. Und wenn es dir Spaß macht und möglich ist, schnell komplett einzusteigen. Wir haben uns gut vernetzt in den letzten Jahren. Es hat uns sehr geholfen, uns mit anderen Unternehmern und Unternehmerinnen der Branche auszutauschen. Bei Dingen, die wir nicht mögen und nicht gut können, wie zum Beispiel Bürokratie, holen wir uns Unterstützung von auswärts. Wir geben unsere Büroarbeit einem Steuerberater. Das hat uns vorher zu viel Energie geraubt. So können wir uns auf die Sachen konzentrieren, die uns Spaß machen.

Laura: Ich finde auch sehr wichtig, dass man gleich zu Beginn ein starkes Selbstvertrauen entwickelt, sich beispielsweise nie unter Wert verkauft, weil man meint, man sei noch ein Anfänger. Klar, irgendwo muss man anfangen, das geht nicht von Null auf Hundert.

Und womit verdient ihr euer Geld?

Laura: Einen Großteil verdienen wir mit Produktionen und Content, den wir für andere machen. Dann kommen Magazine hinzu, die beispielsweise schon vorhandene Fotos kaufen und natürlich auch Blog- und Instagram-Kooperationen. 

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Zum Team von „Our Food Stories“ gehören auch zwei niedliche Vierbeiner.

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Wir versuchen mehr im Moment zu leben und machen wenig Pläne für die Zukunft. Meistens ergibt sich alles von selbst.

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Was wären Projekte in der Zukunft, die euch interessieren würden?

Nora: Wir versuchen mehr im Moment zu leben und machen wenig Pläne für die Zukunft. Meistens ergibt sich alles von selbst.

Habt ihr einen Traum – gemeinsam oder jede für sich?

Laura: Unseren Traum haben wir uns gerade erfüllt: Im August haben wir die Schlüssel zu unserem eigenen Haus in Schweden bekommen.

Vielleicht dürfen wir euch eines Tages ja auch dort besuchen. Vielen Dank für das Gespräch!

Hier findet ihr „Our Food Stories“:

Fotos: Sophia Lukasch

Interview: Marie Freise

Layout: Kaja Paradiek

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