Wie Penelope Kemekenidou die Tamponsteuer abschaffen will

Wir müssen gestehen: Wir hätten uns vermutlich nie Gedanken darüber gemacht, wie viel Steuern wir auf unsere Tampons zahlen, wenn es die Münchner Aktivistin Penelope Kemekenidou nicht gäbe. Sie startete letztes Jahr die Petition zur Senkung der Tamponsteuer und machte uns so darauf aufmerksam, dass wir 19 Prozent Steuern auf Tampons zahlen, obwohl in Deutschland auf für den täglichen Gebrauch notwendige Produkte, wie merkwürdigerweise Schnittblumen oder Trüffel, der verminderte Steuersatz von 7 Prozent gilt. Da Frauen laut einer britischen Studie im Durchschnitt 38 Tage in ihrem Leben für Tampons und ähnliche Hygieneartikel arbeiten und bekannterweise europaweit im Durchschnitt weniger als ihr männlichen Kollegen verdienen, stellen sich bei uns prompt die Nackenhaare auf. Wir verabreden uns also mit Penelope, die seit einem Jahr bei StopBildSexism aktiv ist, bei Skype und sprechen über das Tabuthema Menstruation und darüber, warum wir alle öfters öffentlich angepisst sein sollten.

femtastics: Wie bist du zu der Kampagne StopBildSexism gekommen?

Ich habe Gender Studies studiert und gemerkt, dass ich viel weiß – auch von Dingen, die schief laufen – aber nichts passiert. Ich fühlte mich wie gelähmt und habe hier und da versucht, was zu tun. Kristina Lunz suchte damals Unterstützung und ich wusste sofort, dass ich mitmachen will. Gerade sind wir dabei, eine NGO zu werden, was sehr spannend ist. Für mich spricht StopBildSexism eins der essentiellsten Probleme Deutschlands an, eben diese Verharmlosung der Rape Culture durch die Medien und Werbung. Ich sehe hier eine riesen Möglichkeit, etwas zu ändern.

Warum hast du die Petition zur Senkung der Tamponsteuer gestartet?

Penelope Kemekenidou: Es war Zufall. Change.org informierte uns, dass die Tampontax-Geschichte eine europaweite Kampagne werden soll und da mich das Thema interessiert, sagte ich zu.

In der Kampagne adressierst du neben der Tampontax auch die sogenannte Pink Tax – was ist darunter zu verstehen?

Die Pink Tax ist keine Steuer in dem Sinne, sondern ein Aufpreis, den wir für gegenderte Produkte zahlen. Ein Rasierer für Männer kostet weniger, als der pink designte Rasierer für Frauen. Dazu gehören auch Dienstleistungen. In einer Reinigung zahlen Frauen zum Beispiel bis zu 40 Prozent mehr für die Reinigung eines Hemdes. Dabei könnte man sexistisch sagen, dass ein Frauenhemd ja sogar noch kleiner ist.

tamponsteuer

Foto: bloodties.org

Wir wollen die Menstruation enttabuisieren.

Zu der Kampagne habt ihr die Plattform Bloodties.org gegründet. Was passiert hier?

Bloodties.org ist eine Art Informationsplattform. Hier sieht man, dass die Tamponsteuer nicht unser einziges Anliegen ist, sondern dass es um das ganze Thema herum überall auf der Erde Brandherde gibt. Das sind zum Beispiel brisante Statistiken, die zeigen, dass Mädchen nicht in die Schule dürfen, wenn sie ihre Tage haben oder das Frauen generell als beschmutzt betrachtet werden, wenn sie menstruieren. Es machen auch Künstlerinnen mit, die sich mit dem Thema beschäftigen. Wir wollen die Menstruation enttabuisieren.

In Frankreich wurde das Ziel erreicht, dort wurde die Mehrwertsteuer gesenkt. Das ist auch dein Ziel für Deutschland?

Es wäre wunderbar, wenn wir erreichen würden, dass die Tamponsteuer auch in Deutschland gesenkt werden könnte. Das wichtigere Ziel dabei ist, und das würde mit der Akzeptanz der Relevanz der Sache mit einhergehen, dass sich der Standpunkt gegenüber feministischen Anliegen in Deutschland ändert. Im Endeffekt ist die Kampagne eine sehr emotionslose Geschichte im Gegensatz zu den anderen Themen, die wir gerade bearbeiten. Sie ist aber dennoch sinnvoll und vom Gesetz her richtig. Die Frage ist, warum erreicht dieselbe Kampagne in UK aus dem Stand heraus eine Viertelmillion Leute, die sie sofort unterschreiben, während wir in Deutschland nur knapp zehntausend Leute erreichen?

Woran liegt das?

Es wäre blauäugig zu sagen, dass in UK Frauen mehr Rechte genießen oder dass die Situation dort für Frauen besser ist. Tatsächlich ist das Bewusstsein für feministische Themen unter Frauen so weit, dass man sich nicht schämt, über diese Themen zu reden. Das sieht man zum Beispiel an Laura Bates und ihrer Hashtag-Kampagne #everydaysexism. Die Szene ist einfach offener und die Masse ist offener gegenüber diesen Themen.

Warum ist das Thema Menstruation in Deutschland noch so tabuisiert?

Auf der einen Seite wurde die Frau total sexualisiert und objektifiziert, aber eben nicht von einem menschlichen Standpunkt aus. Weibliche Körperteile und Sexualität sind überall, aber irgendwie eben doch nicht. Das ist aber kein rein deutsches Problem, in Amerika zum Beispiel sind selbst Menstruationsflecken auf Instagram ein riesen Problem und werden sofort gelöscht.

Umso besser ist es, dass die Diskussion gestartet wurde. SPIEGEL Online rief Ende des Jahres sogar die Menstruationsrevolution aus. Sind wir wirklich schon so weit?

Was jetzt kommt, ist gar nicht so wichtig. Was gerade passiert, ist spannend. Wir haben mit der #ausnahmslos-Kampagne eine sehr aktive feministische Szene. Social Media ist ein Kernelement des neuen Feminismus. Viele Themen können hier neu dargelegt und besprochen werden. Ich hoffe, dass das so weitergeht. Ob das nun eine Menstruationsrevolution ergibt, sei mal dahingestellt.

Man sollte einfach offener angepisster sein.

Was kann denn noch getan werden? Wie können wir noch aktiver werden?

Man sollte einfach offener angepisster sein. Es muss nicht jeder eine Petition starten, in meinem Umfeld bringt es schon viel, wenn man seine Meinung sagt und andere Frauen merken, dass sie nicht alleine sind. Viele meiner Freundinnen wussten das mit der Tamponsteuer nicht und haben die Petition sofort unterzeichnet. Und auch die #ausnahmslos-Kampagen zeigt gerade, dass Männer beispielsweise oft gar nicht wissen, was es für eine Frau bedeutet, abends alleine nach Hause zu gehen. Es fehlt ein gesunder Egoismus der Frauen, zu sagen, was sie wollen und was sie nicht wollen.

Recht hast du, vielen Dank für das Gespräch!

Die Kampagne zur Senkung der Tamponsteuer könnt ihr hier unterstützen.

Hier findet ihr Penelope und StopBildSexism:

Foto: femtastics

 

 

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