HPV-Impfung und Vorsorge: "Gebärmutterhalskrebs ist heute in vielen Fällen vermeidbar."
21. Januar 2026
geschrieben von Team

Der Januar ist Gebärmutterhalskrebs-Awareness-Monat. Was viele noch nicht wissen: Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die vierthäufigste Krebserkrankung bei Frauen und nahe zu 100 % die Folge einer HPV-Infektion. Das bedeutet auch: Gebärmutterhalskrebs lässt sich durch die frühzeitige HPV-Impfung vermeiden. Dennoch sterben in Deutschland täglich rund vier Frauen an Gebärmutterhalskrebs.
Für alle Ungeimpften ist die Vorsorge elementar: Zwischen Ansteckung und Erkrankung können viele Jahre vergehen, in denen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wie der Pap-Abstrich entscheidend sind. Dr. Cornelia Hösemann, 2. Vorsitzende des "Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V.", beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Gebärmutterhalskrebs – und wie er sich vermeiden lässt.
femtastics: Wie ist der Zusammenhang zwischen Gebärmutterhalskrebs und HPV-Infektion?
Dr. Cornelia Hösemann: Gebärmutterhalskrebs entsteht nahezu vollständig durch eine anhaltende Infektion mit Hochrisiko-Typen des Humanen Papillomvirus (HPV). HPV ist sehr verbreitet und wird hauptsächlich durch sexuelle Kontakte übertragen. Rund 85 bis 90 Prozent aller Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal damit.
In den meisten Fällen heilt eine HPV-Infektion zwar von selbst aus. Bleibt sie jedoch über Jahre bestehen, können sich Zellveränderungen am Gebärmutterhals entwickeln, aus denen unbehandelt Krebs entstehen kann. HPV ist damit die zentrale, vermeidbare Ursache von Gebärmutterhalskrebs.
Wie kann man Gebärmutterhalskrebs vorbeugen?
In der Prävention und Vorsorge von Gebärmutterhalskrebs haben wir heute zwei zentrale Säulen: Die HPV-Impfung, die vor den häufigsten krebsauslösenden Virustypen schützt, sowie die regelmäßige Teilnahme an der organisierten Krebsfrüherkennung (oKFE). Die Kombination aus Impfung und Vorsorge bietet den bestmöglichen Schutz.
"Rund 85 bis 90 Prozent aller Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit HPV."
Für wen ist die Impfung geeignet und wann wird sie empfohlen? Können sich auch noch Erwachsene impfen lassen?
Die HPV-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen, weil das Immunsystem in diesem Alter besonders gut auf die Impfung anspricht und der Schutz am wirksamsten ist, wenn er vor dem ersten Kontakt mit HPV aufgebaut wird. Versäumte Impfungen sollen spätestens bis zum Ende des 17. Lebensjahrs nachgeholt werden.
Wichtig ist: Auch nach dem 18. Geburtstag ist es nicht zu spät. Eine HPV-Impfung kann weiterhin sinnvoll sein und sollte individuell ärztlich beraten werden. Zwar kann die HPV-Impfung bestehende Infektionen nicht heilen, sie schützt jedoch vor neuen HPV-Typen und kann somit weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Prävention leisten. Viele gesetzliche und auch private Krankenkassen übernehmen bis zum 26. Lebensjahr die Kosten für die Impfung oder sogar darüber hinaus.
Die HPV-Impfung kann bei niedergelassenen Frauenärzt*innen, Kinder- und Jugendärzt*innen sowie in vielen Hausarztpraxen durchgeführt werden. Eine Beratung wird in jedem Fall empfohlen, um abzuklären, ob und in welchem Umfang eine Impfung sinnvoll – diese Beratung können alle Ärzt*innen vornehmen.
"Wichtig ist: Auch nach dem 18. Geburtstag ist es nicht zu spät. Eine HPV-Impfung kann weiterhin sinnvoll sein."
Wie wichtig ist die regelmäßige Vorsorge für Frauen – auch ohne Symptome – und wie regelmäßig sollte man zur Vorsorge gehen?
Eine regelmäßige Vorsorge ist entscheidend, da Gebärmutterhalskrebs und seine Vorstufen lange keine Beschwerden verursachen. Wie häufig eine Vorsorgeuntersuchung sinnvoll ist, hängt vom Alter und individuellen Befund ab und sollte mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt besprochen werden. Klar ist: Vorsorge rettet Leben – trotzdem sterben in Deutschland täglich etwa vier Frauen an Gebärmutterhalskrebs.
Warum ist noch viel mehr Aufklärung rund um das Thema wichtig, was kann sie bewirken?
HPV-Infektionen sind Teil der Lebensrealität vieler Menschen. In diesem Rahmen ist Aufklärung der Schlüssel, um Impfquoten zu erhöhen, Vorsorge zu stärken und Ängste oder Mythen abzubauen. Obwohl Gebärmutterhalskrebs in vielen Fällen vermeidbar ist, liegen die Impfquoten in Deutschland deutlich unter den Zielen der WHO. Mehr Wissen führt zu mehr Schutz – und kann konkret Leben retten.
"Eine regelmäßige Vorsorge ist entscheidend, da Gebärmutterhalskrebs und seine Vorstufen lange keine Beschwerden verursachen."
Warum betrifft Gebärmutterhalskrebs jede Frau, unabhängig von Alter oder Lebensstil?
Gebärmutterhalskrebs steht fast immer im Zusammenhang mit einer HPV-Infektion. HPV ist sehr weit verbreitet. Da sich die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens mit HPV infizieren, kann grundsätzlich jede Frau und jeder Mann betroffen sein. Die HPV-assoziierten Krebserkrankungen bei Männern nehmen in den letzten Jahren zu. Und natürlich können HPV-infizierte Männer wiederum auch andere anstecken. Entscheidend sind deshalb Wissen, Vorsorge und Schutz – auf beiden Seiten der Geschlechter.
Welche Mythen oder Missverständnisse rund um HPV und die Impfung begegnen Ihnen besonders häufig?
Häufige Missverständnisse sind, dass HPV nur junge Frauen betrifft, dass Vorsorge nur bei Beschwerden nötig ist oder dass die Impfung nur im Kindesalter sinnvoll sei. Diese Annahmen führen dazu, dass Präventionsmöglichkeiten nicht genutzt werden, obwohl sie verfügbar und wirksam sind.
"Häufige Missverständnisse sind, dass HPV nur junge Frauen betrifft, dass Vorsorge nur bei Beschwerden nötig ist oder dass die Impfung nur im Kindesalter sinnvoll sei."
Warum wird über HPV und Gebärmutterhalskrebs noch immer zu wenig offen gesprochen?
Weil es um Sexualität und Krebs geht. Das sind Themen, die immer noch häufig mit Scham belegt sind. Offenheit ist jedoch entscheidend, um Aufklärung zu ermöglichen und Hemmschwellen abzubauen. Je normaler wir darüber sprechen, desto selbstverständlicher werden Vorsorge und Impfung.
Welche zentrale Botschaft möchten Sie Frauen zum Gebärmutterhalskrebs-Awareness-Monat mitgeben?
Gebärmutterhalskrebs ist heute in vielen Fällen vermeidbar. Aufklärung, Vorsorge und die HPV-Impfung ermöglichen es, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen und für die der nächsten Generation.
Mehr zum Thema erfahrt ihr bei "ENTSCHIEDEN. Gegen Krebs."
Collage: "Canva"; Foto: "ENTSCHIEDEN. Gegen Krebs."