Perimenopause-Mythen im Check: Was wir wirklich über die Perimenopause wissen sollten!
18. Oktober 2026
geschrieben von Anna Weilberg

Es wird aktuell viel über die Perimenopause geschrieben und gesprochen. Gut so! – denn dadurch entsteht Aufklärung und ein größeres Bewusstsein für diese relativ lange und wichtige Lebensphase von Frauen* (in Deutschland befinden sich aktuell rund 9 Millionen Frauen* in der Perimenopause oder der Menopause). Aber immer noch kursieren viele Mythen rund um die Perimenopause, die sich vielleicht irgendwann mal etabliert haben, aber heute gar nicht mehr stimmen oder nie gestimmt haben.
Zusammen mit Gynäkologin und "o.b.®"-Expertin Dr. Stephanie Eder sind wir gängigen Aussagen zur Perimenopause auf den Grund gegangen und haben sie auf Richtigkeit geprüft.
"Die Perimenopause trifft in der Regel die Frauen* in ihren 40ern."
femtastics: Perimenopause, Menopause, Postmenopause – die Begriffe werden oft synonym verwendet. Können Sie kurz einordnen, was genau die Perimenopause ist und wann sie beginnt?
Dr. Stephanie Eder: Die Menopause lässt sich am einfachsten definieren, denn unter dem Begriff versteht man die letzte Regelblutung. In der Perimenopause beginnt der Zyklus zu schwanken, aber erst wenn eine Frau*, die über 50 Jahre alt ist, ein Jahr lang keine Regelblutung mehr hatte, dann wird rückblickend die letzte Blutung als Menopause definiert.
Die Perimenopause zieht sich durchschnittlich über sieben Jahre vor der Menopause. Und die Postmenopause ist die Zeit nach der letzten Regelblutung.
Über die Perimenopause wird gerade viel gesprochen und geschrieben. Was halten Sie davon?
Das Interesse an der Thematik hat zugenommen, das beobachte ich auch. Das begrüße ich einerseits sehr, denn je aufgeklärter ein Mensch ist und je mehr Wissen er hat, desto besser kommt er mit Themen zurecht. Andererseits muss man aufpassen, dass nicht jedes Symptom und jede Befindlichkeit, die eine Frau* über 40 hat, gleich der Perimenopause zugeschrieben wird und dass dabei möglicherweise andere Erkrankungen oder Risiken übersehen werden.
Lassen Sie uns über ein paar gängige "Mythen" rund um die Perimenopause sprechen. Früher hieß es: "Wer in der Perimenopause oder in den Wechseljahren ist, ist alt." Was sagen Sie dazu?
Die Perimenopause trifft in der Regel die Frauen* in ihren 40ern. Durchschnittlich fällt die Perimenopause bei vielen Frauen* ins Alter zwischen 45 bis 55, aber Symptome können auch schon früher beginnen.
Aber es ist ja auch ein Prozess. Vielleicht treten Zyklusveränderungen auf, aber noch keine weiteren Symptome, die auf die Perimenopause hinweisen. Dann heißt das nicht zwingend, dass die betreffende Frau* schon in der Perimenopause ist.
Apropos Symptome – stimmt es, dass Hitzewallungen das häufigste Symptom der Perimenopause sind?
Grob gesagt geht ein Drittel der Betroffenen durch die Perimenopause ohne nennenswerte Beschwerden. Ein Drittel ist zeitweilig betroffen und braucht vielleicht Unterstützung. Und ein Drittel der Frauen* kriecht sinngemäß bei mir in die Praxis und sagt: "So geht es nicht mehr weiter!". Es gibt also viele Frauen*, die keine oder kaum Symptome haben, die ihnen einen Leidensdruck verursachen.
Hinzu kommt, dass es unfassbar viele Symptome der Perimenopause gibt. Hitzewallungen und Nachtschweiß sind sehr gängig, aber ich habe Patient*innen, die haben noch nie eine einzige Hitzewallung gehabt, haben aber dennoch heftige Wechseljahresbeschwerden, weil sie zum Beispiel sehr schlecht schlafen oder Muskel- und Gelenkschmerzen haben. Nicht jede Frau* hat jedes der möglichen Symptome – sie kann aber trotzdem mitten in der Perimenopause sein.
Umgekehrt gibt es viele Symptome, die Frauen* gar nicht in Verbindung mit der Perimenopause bringen – zum Beispiel die Muskel- und Gelenkbeschwerden. Bevor sie zu mir kamen, waren sie bei der Orthopädie, Physiotherapie, Rheumatologie, Osteopathie – und niemand kam darauf, dass es ein perimenopausales Problem ist. Es ist oft nicht leicht, die Symptome korrekt zuzuordnen.
Umgekehrt muss man wirklich aufpassen, dass man nicht jedes Symptom auf die Perimenopause schiebt und Anderes vergisst. Manche Frauen* haben zum Beispiel in der Perimenopause "Herzstolpern" oder Herzrasen, es kann aber auch mal ein kardiologisches Problem dahinterstecken. Deswegen muss man einen sorgfältigen Blick haben.
"Grob gesagt geht ein Drittel der Frauen* durch die Perimenopause ohne nennenswerte Beschwerden. Ein Drittel ist zeitweilig betroffen und braucht vielleicht Unterstützung. Und ein Drittel der Frauen* kriecht sinngemäß bei mir in die Praxis."
Kann ein Hormontest zeigen, ob sich eine Frau* in der Perimenopause befindet?
Es kommen viele Patient*innen zu mir und sagen: "Ich möchte mal einen Hormonstatus, damit ich sehe, wo ich hormonell stehe!". Aber ganz so unkompliziert ist das nicht. Das, was vielen Frauen* in der Perimenopause zusetzt, sind die Hormonschwankungen.
Wenn wir einen Hormonstatus ermitteln, kann dieser wunderbar aussehen, obwohl die Person Symptome hat. Der Hormonstatus ist immer nur eine Momentaufnahme. Er kann heute ganz anders aussehen als in zwei Wochen. In den allermeisten Fällen brauchen wir keinen Hormontest, sondern eine vernünftige Anamnese. Prinzipiell erkennen wir die Perimenopause nämlich nicht an Hormonwerten und wir therapieren auch nicht die Hormonwerte, sondern das Befinden.
Apropos Hormonbehandlung: Stimmt es, dass Hormonersatztherapie Krebs verursachen kann?
Auch wenn wir heute bioidentische Hormone nutzen und oft über die Haut behandeln – und damit viele Risiken weniger im Vergleich zu früher haben – haben wir dennoch ein etwas erhöhtes Brustkrebsrisiko und in manchen Fällen auch ein erhöhtes Risiko für sogenannte Thromboembolische Komplikationen. Diese Risiken sollte man bei einer möglichen Hormonersatztherapie in die Waagschale werfen.
Es ist unbestritten, dass Hormone auch protektive Effekte haben, vor allem für die Knochen. Die Hormone haben keine Zulassung zur Behandlung von Osteoporose, aber man weiß, dass sie dafür 1A funktionieren. Sie schützen zum Teil auch vor Demenz und vermutlich vor Darmkrebs. Und eine Hormonersatztherapie kann Symptome der Perimenopause senken. Aber dem gegenüber muss man auch ihre Risiken stellen. Deshalb sage ich, dass man den individuellen Fall betrachten muss.
Wie steht es mit der Aussage: Man kann nichts gegen die Symptome tun und muss da halt durch?
Das sehe ich überhaupt nicht so. Wir haben in Deutschland eine recht große Skepsis gegenüber der Hormonersatztherapie. Das hat viel zu tun mit der so genannten "WHI"-Studie von 2002, die Risiken der Hormonersatztherapie sehr in den Fokus gestellt hat. Dadurch ist eine große "Hormonangst" entstanden. Aber mittlerweile hat sich das etwas reguliert und wir haben heute auch deutlich bessere Optionen als damals. In der Studie ging es primär um orale Hormone, die wir heute nicht mehr so häufig verschreiben.
Wir werden durchschnittlich immer älter. Und ich denke nicht, dass "die Natur es so vorgesehen hat", dass Frauen* vielleicht dreißig Jahre ohne die Hormone leben, die vorher ihre Eierstöcke produziert haben. Vor Jahrhunderten haben Frauen* die Perimenopause gar nicht erlebt. Wenn heute ein*e Patient*n in der Perimenopause Leidensdruck hat, dann ist es vielleicht eine gute Option, eine Hormonersatztherapie zu machen.
Was auch wichtig zu wissen ist: Dadurch, dass sich die Perimenopause so lange hinzieht, kann es nötig sein, die Therapie anzupassen. Die Eierstöcke arbeiten mal mehr, mal weniger. Vielleicht helfen mal Hormone, mal pflanzliche Präparate besser. Es ist wichtig, den eigenen Körper genau zu beobachten und dann auch wieder mit dem*der eigenen Frauenärzt*in zu sprechen.
"Man muss Symptome der Perimenopause nicht ertragen. Es gibt Behandlungsmöglichkeiten – und es gibt auch andere Behandlungsmöglichkeiten als Hormone.
Ein weiterer "Mythos": In der Perimenopause kann ich nicht schwanger werden und brauche keine Verhütung. Was sagen Sie dazu?
Gefährlich! Natürlich: Wenn die Hormone zu schwanken beginnen, hüpft nicht jeden Monat unbedingt eine Eizelle. Aber als Faustregel sage ich: Erst wenn eine über 50-jährige Person ein Jahr lang nicht mehr geblutet hat, kann man davon ausgehen, dass das Thema Verhütung durch ist.
Wir wissen ja, dass auch die Qualität der Eizellen mit dem Alter abnimmt, aber solange noch eine Monatsblutung stattfindet, wenn auch unregelmäßig, können auch Eisprünge stattfinden. Und wenn eine Eizelle hüpft und genau dann das passende Spermium kommt, dann kann eine Frau* ggf. auch mit 50 noch schwanger werden.
Umgekehrt gefragt: Welche Fakten über die Perimenopause sollten bekannter sein?
Erstens: Die Perimenopause beginnt früher als viele denken. Sie kann auch schon beginnen, wenn der Zyklus noch unauffällig ist. Deshalb muss man bei Symptomen eine mögliche Perimenopause in Betracht ziehen.
Zweitens: Man muss Symptome der Perimenopause nicht ertragen. Es gibt Behandlungsmöglichkeiten – und es gibt auch andere Behandlungsmöglichkeiten als Hormone. Wenn ein*e Patient*in zum Beispiel Angst vor Hormonen oder vielleicht eh schon ein erhöhtes Brustkrebsrisiko hat, dann gibt es auch viele Möglichkeiten durch Lifestyle-Veränderung und pflanzliche Präparate.
Welchen Rat haben Sie als Gynäkologin für Frauen*, um gut durch die Perimenopause zu kommen?
Man sollte sich informieren. Wir Frauenärzt*innen wissen viel, aber wir können dieses Wissen nicht immer verständlich transportieren – manchmal auch dem Zeitdruck in Praxen geschuldet. Deshalb sollten Patient*innen sich auch selbst informieren.
Außerdem ist es wichtig, eine*n Frauenärzt*in zu haben, die*der sich mit dem Thema Perimenopause auskennt und auch Lust darauf hat. Unser Fachgebiet ist so groß, nicht jede*r hat denselben Fokus. Ich biete zum Beispiel eine Menopausensprechstunde an, in der man zusätzliche Beratung finden kann. Solche Angebote kann man nutzen, wenn der*die eigene Frauenärzt*in nicht genug Expertise zur Perimenopause hat.
Was mir sehr wichtig ist, zu sagen: Frauen* sollen vor der Perimenpause keine Angst haben. Sie sollen sie weder überbewerten noch bagatellisieren. Falls man zum einen Drittel der Frauen* gehört, das schwere Beschwerden hat, dann kann man etwas dagegen tun. Und die Menopause bringt auch Vorteile und Freiheiten mit sich.

Dr. Stephanie Eder ist Gynäkologin und Mitglied der "Deutschen Menopause Gesellschaft". Für die Marke "o.b.®" klärt sie u.a. auf "TikTok" über die Periode und Frauen*gesundheit auf. Mehr über sie erfahrt ihr auf der Website ihrer Gemeinschaftspraxis.
Foto: Frauenärztliche Gemeinschaftspraxis Dr. Jörg Nill und Dr. Stephanie Eder
Collage: "Canva"