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Wellbeing

Wann ist eine Hormonersatztherapie in der Perimenopause wirklich sinnvoll, Dr. Mandy Mangler?

30. September 2026

geschrieben von Maike Knorre

Ein Frau nimmt Tabletten ein – Symbolbild für die Hormonersatztherapie in der Perimenopause.

Schlafstörungen, Hitzewallungen und ein Zyklus, der plötzlich verrücktspielt: Die Perimenopause bringt den Hormonhaushalt gehörig durcheinander. Und mit ihm oft auch die Frage, ob eine Hormonersatztherapie (HRT) helfen kann, durch diese Lebensphase Richtung Wechseljahre zu navigieren. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, sagt Prof. Dr. Mandy Mangler, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin.

Im Interview klärt sie über Nutzen und Risiken auf und beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Hormone in der Perimenopause: Warum Hormontests meist wenig aussagekräftig sind, wann eine Hormonersatztherapie wirklich Sinn ergibt und welche Risiken damit verbunden sein können.

"Die Perimenopause ist nicht von einem stetigen, langsamen Abfall der Hormone geprägt, sondern von einem ständigen Auf und Ab."

femtastics: Was passiert in der Perimenopause mit unseren Hormonen?

Mandy Mangler: Es ist ja so, dass wir Frauen* einen Teil unseres Lebens einen Zyklus haben. In dieser sogenannten reproduktiven Lebensphase arbeiten Gehirn und Eierstöcke in einem fein abgestimmten Regelkreislauf zusammen: Das Gehirn schüttet Hormone aus, die Eierstöcke reagieren darauf und produzieren Östrogen und Progesteron – also die weiblichen Geschlechtshormone – sowie in geringen, eher zu vernachlässigenden Mengen auch Testosteron.

Irgendwann, meist mit zunehmendem Alter, geht diese Phase der regelmäßigen Zyklen dem Ende zu. Das Gehirn versucht dann, die Eierstöcke weiter zu "animieren" und schüttet immer mehr Hormone aus, doch die Eierstöcke reagieren darauf unterschiedlich: mal mit sehr viel, mal mit sehr wenig Hormonausschüttung. Die Lebensphase der Perimenopause, die sich über mehrere Jahre erstrecken kann, ist deshalb nicht von einem stetigen, langsamen Abfall der Hormone geprägt, sondern von einem ständigen Auf und Ab. Genau das kann von vielen Frauen* als sehr belastend erlebt werden.

Ist es sinnvoll, in den Wechseljahren einen Hormontest machen zu lassen?

Ein Hormontest kann im Einzelfall sinnvoll sein. Als generelle Screening-Methode, die jede Frau* zur Bestimmung der Wechseljahre nutzen sollte, taugt er aber nicht. Wichtig ist der Hormontest zum Beispiel bei Frauen*, die vor dem 40. Lebensjahr keine Menstruation mehr haben, teils auch bei sehr jungen Frauen*, weil dahinter eine vorzeitige Menopause stecken kann.

Weil die Hormone in der Perimenopause aber so doll schwanken, pendeln auch die Hormonwerte zwischen hoch und niedrig. Wird der Hormonspiegel nur einmal bestimmt, erwischt man womöglich gerade eine besonders niedrige oder besonders hohe Phase. Das sagt aber nichts darüber aus, wie die Werte am nächsten Tag aussehen. Deshalb ist ein einzelner Hormontest in aller Regel wenig sinnvoll.

Wo und wie läuft ein Hormontest ab, und wie aussagekräftig sind die Ergebnisse?

Ein Hormontest ist eine ganz normale Blutuntersuchung, die am einfachsten bei dem*der Gynäkolog*in gemacht wird – er*sie hilft dann auch direkt bei der Interpretation der Werte. Trotzdem: Besonders aussagekräftig sind die Ergebnisse meist nicht, weil sie immer nur eine Momentaufnahme des schwankenden Hormonspiegels in der Perimenopause darstellen.

“Wer mit Longevity argumentiert: Dass eine Hormonersatztherapie das Leben verlängert, ist durch keine einzige Studie bewiesen.”

Braucht jede Frau* eine Hormonersatztherapie – und wie kann sie helfen?

Nein, nicht jede Frau* braucht Hormone, auch wenn das manchmal so vermittelt wird. Der erste Schritt sollte immer sein, am eigenen Lebensstil zu arbeiten: Bewegung, Schlaf und Ernährung zu optimieren. Die Menopause ist auch eine Gelegenheit, gesund ins Alter zu starten. Danach lohnt sich der Blick auf die eigenen Symptome, nicht jede Frau hat überhaupt welche.

Die häufigsten Symptome der Perimenopause sind Schlafstörungen, Hitzewallungen, Antriebsstörungen und Veränderungen der Libido. Wer davon betroffen ist, kann mit dem*der Gynäkolog*in besprechen, was hilft. Bei einer symptomatischen Therapie geht es darum, etwa die Schlafstörungen in den Griff zu kriegen oder etwas gegen Hitzewallungen zu tun. Da gibt auch ganz tolle nicht-hormonelle Medikamente.

Eine pauschale Empfehlung "alle sollten Hormone nehmen" oder "niemand sollte Hormone nehmen" gibt es nicht. Entscheidend ist der individuelle Blick auf jeden Frau*: Was sind meine Bedürfnisse, welche Vorerkrankungen und familiären Erkrankungen liegen vor? Wie möchte ich mein Älterwerden gestalten?

Wie kann eine solche Hormonersatztherapie aussehen? Welche unterschiedlichen Formen gibt es?

Bei der Hormonersatztherapie unterscheidet man zunächst zwischen körperidentischen und nicht-körperidentischen Hormonen. Körperidentisch heißt: Auch wenn die Hormone künstlich hergestellt werden, ist ihre Molekülstruktur fast identisch mit der von körpereigenen Hormonen. Man gibt Östrogen und Gestagen, das ist ein Hormon, das zusätzlich zum Östrogen gegeben wird, meist zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut.

Dann bestehen unterschiedliche Möglichkeiten, die Hormone zu verabreichen. Das kann zum Beispiel sowohl als Tablette eingenommen als auch über die Haut gegeben werden – unabhängig davon, ob das Hormon körperidentisch ist oder nicht. Wird Östrogen über die Haut gegeben, sind die Nebenwirkungen geringer als bei der Einnahme als Tablette. Beim Brustkrebsrisiko ist es komplizierter: Hier kommt es vor allem darauf an, welches Gestagen zusätzlich verwendet wird.

Eine Einschränkung gibt es allerdings: Schütten die Eierstöcke selbst noch unregelmäßig Hormone aus, schaffen es körperidentische Hormone nicht, diese Eigenproduktion "stillzulegen". Wer unter dieser Hormonachterbahn besonders leidet, wählt deshalb möglicherweise besser eine nicht-körperidentische Hormonersatztherapie, weil sie die Eierstöcke beruhigt und das Schwanken der Werte beendet.

„Es gibt keinen Grund, ohne Symptome eine Hormonersatztherapie zu beginnen."

Wie teuer ist eine Hormonersatztherapie und (was) zahlt die Krankenkasse?

Die Kosten liegen bei etwa 60 Euro im Monat. Ob die Krankenkasse die Therapie übernimmt, hängt davon ab, aus welchem Grund sie verschrieben wird. Liegt ein medizinischer Grund vor, kann die Kasse die Kosten übernehmen.

Wie lange dauert eine Hormonersatztherapie?

Das kommt darauf an, warum sie eingenommen wird. Früher hat man Hormone teils über Jahrzehnte durchgehend gegeben, das würde man heute nicht mehr so machen. Besser alle paar Jahre fragen und neu prüfen, ob die Therapie noch gebraucht wird. Nimmt jemand die Hormone zum Beispiel wegen Schlafstörungen, kann man nach etwa zwei bis vier Jahren ausprobieren, ob sich die Schlafstörungen gebessert haben und die Therapie eventuell nicht mehr nötig ist.

Für wen ist eine Hormonersatztherapie riskant oder nicht geeignet?

Wer hormonproduzierende Tumore hat, sollte keine Hormonersatztherapie machen. Auch Menschen mit einem hohen Thrombose- oder Herzinfarktrisiko sollten vorsichtig sein. Ebenso bei einer Lebererkrankung, da die Hormone über die Leber abgebaut werden.

Was können Nebenwirkungen einer Hormonersatztherapie sein?

Eine mögliche Nebenwirkung ist eine Veränderung des Krebsrisikos: Manche Krebsarten kommen unter Hormonersatztherapie seltener vor, andere etwas häufiger. Es besteht ein leicht erhöhtes Brustkrebsrisiko, allerdings deutlich geringer als bei der Hormonersatztherapie von früher. Wer eine Hormonersatztherapie macht, sollte möglichst nicht rauchen, weil das Thromboserisiko dadurch zusätzlich steigt.

"Hormone selber im Internet bestellen ist keine gute Idee. Wer etwa unkontrolliert Östrogen einnimmt, geht ein viel zu hohes Risiko für Komplikationen ein."

Muss ich überhaupt Symptome haben, um eine Hormonersatztherapie in Erwägung zu ziehen?

Nicht unbedingt, aber es gibt ja auch keinen Grund, ohne Symptome eine Hormonersatztherapie zu beginnen. Manche argumentieren mit Longevity – dass eine Hormonersatztherapie das Leben verlängert, ist jedoch durch keine einzige Studie bewiesen. Es ist zwar bekannt, dass Frauen*, die länger menstruieren, im Schnitt auch länger leben. Das heißt aber nicht, dass sich dieser Effekt künstlich durch eine Hormonersatztherapie herbeiführen lässt. So funktioniert Wissenschaft nicht. Wer es trotzdem möchte, kann sicher eine*n Ärzt*in finden, die*der eine Therapie verschreibt, wenn die Gründe dafür dargelegt werden.

Kann man eine Hormonersatztherapie auch ohne ärztliche Begleitung durchführen, etwa mit im Internet bestellten Präparaten?

Hormone selber im Internet bestellen, davon würde ich grundsätzlich abraten. Es handelt sich um rezeptpflichtige Präparate, die man auch im europäischen Ausland nicht ohne Rezept bekommt. Wer zum Beispiel unkontrolliert Östrogen einnimmt, ohne dazu Progesteron zu nehmen, geht ein viel zu hohes Risiko für Komplikationen ein. Besser ist es, sich als Team gemeinsam mit einem*einer Ärzt*in begleiten zu lassen. So tut man wirklich etwas für die eigene Gesundheit, statt sich zu schaden.

Was sind Alternativen zur Hormonersatztherapie?

Es gibt verschiedene Alternativen, zum Beispiel lokale Therapien: Tropfen für gereizte Augen oder Östrogen-Cremes, wenn die Schleimhäute an Vagina und Vulva trocken sind. Noch eine gute Option: Das Mikrobiom mit Probiotika oder Laktobazillen stärken, das nutzen wir bisher viel zu wenig. Wenn man dann noch durch Krafttraining die Knochen stärkt und darauf achtet, ausreichend Proteine einzunehmen, hat man schon sehr viel für die eigene Gesundheit getan.

Auch pflanzliche Mittel sind mögliche Game Changer, etwa Sojaprodukte. Weil sich das über die Ernährung meist schwer dosieren lässt, sind pflanzliche Präparate oft die bessere Wahl. Dabei sollte man sich unbedingt ärztlich oder in der Apotheke beraten lassen.


Portraet von Dr. Mandy Mangler, Fachaerztin für Gynekologie und Expertin für Hormonersatztherapie in der Perimenopause.

Foto: Mandy Mangler

Prof. Dr. med. Mandy Mangler ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin sowie Chefärztin am "Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum" in Berlin. Sie lehrt Hebammenwissenschaft an der "Evangelischen Hochschule" Berlin, macht den "Tagesspiegel"-Podcast "Gyncast" und hat den Bestseller "Don´t miss the Clitoris" sowie "Das große Gynbuch" geschrieben.

Hier findet ihr Mandy Mangler:

Foto: "Canva"