Sind das Symptome der Perimenopause? So findest du es heraus!
09. September 2026
geschrieben von Anna Weilberg

Mitten im Satz das Wort verlieren, nachts um drei hellwach liegen, sich plötzlich fremd im eigenen Körper fühlen? Was Frauen* in den 30ern und 40ern oft für Stress halten, kann der Beginn der Perimenopause sein. Die beginnt häufig schon Jahre vor der eigentlichen Menopause.
Weil wir immer noch zu wenig über die Übergangsphase zu den Wechseljahren wissen, hat Camilla Rando "AEYA" mitgegründet: Eine App, die Frauen* über Symptome der Perimenopause informieren und sie durch diese Zeit begleiten kann. Im Interview erklärt Camilla Rando, warum typische Symptome oft übersehen werden und was wir unbedingt über die Perimenopause wissen sollten.
femtastics: Was passiert in der Perimenopause in unserem Körper?
Camilla Rando: Die Perimenopause ist die Übergangsphase vor der Menopause, und sie beginnt oft viel früher, als die meisten Frauen* denken. In der Perimenopause verändert sich unser hormonelles System Schritt für Schritt. Meist sinkt zunächst das Progesteron, später beginnt auch der Östrogenspiegel stärker zu schwanken und langfristig abzufallen. Diese hormonellen Veränderungen betreffen längst nicht nur unseren Zyklus, sondern auch unseren Schlaf, unseren Stoffwechsel, unser Gehirn, unsere Stimmung, unsere Muskeln, unsere Knochen und unser Herz-Kreislauf-System.
Wann beginnt die Perimenopause?
Medizinisch beginnt sie häufig Anfang bis Mitte 40. In der Praxis sehen wir aber immer häufiger Frauen*, die bereits mit Mitte oder Ende 30 erste hormonelle Veränderungen bemerken. Das ist sehr individuell. Aber es gibt Faktoren, die den Zeitpunkt beeinflussen können. Frauen* mit Endometriose oder PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) berichten zum Beispiel häufiger von früheren Beschwerden. Auch viele neurodivergente Frauen* beschreiben, dass sie hormonelle Veränderungen besonders früh oder intensiver wahrnehmen. Deshalb ist es so wichtig, nicht nur auf das Alter zu schauen, sondern auf den eigenen Körper.
Es ist ein Irrglaube, dass die Wechseljahre irgendwann mit Anfang oder Mitte 50 beginnen. Tatsächlich verändert sich unser hormonelles System oft schon zehn bis fünfzehn Jahre früher. Und dann beginnen bei vielen die ersten Beschwerden.
"Bei vielen Frauen* beginnen die ersten Veränderungen schleichend. Ich höre oft den Satz: 'Ich fühle mich einfach nicht mehr wie ich selbst'."
Was können erste Anzeichen sein?
Ganz wichtig: Um in der Perimenopause zu sein, muss sich der Zyklus noch gar nicht verändert haben. Genau deshalb wird diese Lebensphase so häufig übersehen. Bei vielen Frauen* beginnen die ersten Veränderungen ganz schleichend. Ich höre oft den Satz: "Ich fühle mich einfach nicht mehr wie ich selbst."
Die meisten Frauen* bringen diese Veränderungen gar nicht mit ihren Hormonen in Verbindung. Sie denken, sie seien einfach gestresst, hätten zu viel um die Ohren oder müssten sich nur besser organisieren. Das habe ich auch gedacht. Ich wünsche mir, dass Frauen* früher verstehen, was in ihrem Körper passiert. Um vorbereitet zu sein und besser mit den Veränderungen umgehen zu können.
Was sind die häufigsten Symptome der Perimenopause?
Mittlerweile werden über 30 verschiedene Symptome mit der Perimenopause in Verbindung gebracht. Expertinnen wie die Gynäkologin Dr. Sheila de Liz sprechen sogar von bis zu 120 möglichen Beschwerden – weit mehr als die klassischen Hitzewallungen, an die viele beim Thema Wechseljahre zuerst denken. Dabei gehören vor allem Schlafstörungen zu den häufigsten Beschwerden, gefolgt von Erschöpfung, Stimmungsschwankungen, Brain Fog, einer geringeren Stressresistenz, Zyklusveränderungen, Hitzewallungen, Gewichtszunahme sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden.
Die Symptome sehen bei jeder Frau* anders aus, es gibt keinen typischen Verlauf. Manche haben fast ausschließlich körperliche Beschwerden, andere erleben vor allem emotionale oder mentale Veränderungen. Je besser wir unsere individuellen Muster kennen, desto gezielter können wir gemeinsam mit unseren Ärzt*innen entscheiden, welche Unterstützung sinnvoll ist.
Und welche Symptome werden oft übersehen?
Das ist das Spannende und gleichzeitig Herausfordernde: Viele der typischen Symptome werden oft nicht mit der Perimenopause in Verbindung gebracht. Dazu gehören zum Beispiel Herzrasen, Schwindel, trockene Augen, trockene Haut, unerklärlicher Juckreiz, Tinnitus, wiederkehrende Harnwegsinfekte, Wortfindungsstörungen, Brain Fog, Frozen Shoulder oder auch ein Brennen im Mund, das sogenannte Burning Mouth Syndrome.
Viele Frauen* gehen deshalb zu verschiedenen Fachärzt*innen und suchen für jedes einzelne Symptom eine neue Ursache. Dabei können all diese Beschwerden mit den hormonellen Veränderungen der Perimenopause zusammenhängen. Trotzdem ist nicht jedes Symptom automatisch hormonell bedingt. Neue oder anhaltende Beschwerden sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Ich wünsche mir, dass die Perimenopause dabei viel häufiger mitgedacht wird.
Mögliche Symptome der Perimenopause
- Schlafstörungen
- Erschöpfung
- Stimmungsschwankungen
- Brain Fog und Wortfindungsstörungen
- geringere Stressresistenz
- Zyklusveränderungen
- Hitzewallungen
- Gewichtszunahme
- Muskel- und Gelenkbeschwerden
- Herzrasen
- Schwindel
- trockene Augen
- trockene Haut
- unerklärlicher Juckreiz
- Tinnitus
- wiederkehrende Harnwegsinfekte
- Frozen Shoulder
- Brennen im Mund (Burning Mouth Syndrome)
"Viele Frauen* berichten, dass sie in der Perimenopause selbstbewusster werden, ihre eigenen Bedürfnisse ernster nehmen und sich weniger verbiegen."
Und wie lange dauert die Perimenopause?
Die Perimenopause selbst dauert meist mehrere Jahre, häufig etwa vier bis acht Jahre. Betrachtet man die gesamte hormonelle Umbruchphase von den ersten Veränderungen bis über die Menopause hinaus, kann sie uns allerdings deutlich länger begleiten.
Die Menopause selbst ist übrigens nur der Zeitpunkt, an dem eine Frau* zwölf Monate lang keine Menstruation mehr hatte. Alles davor ist Perimenopause, alles danach Postmenopause.
Das klingt im ersten Moment vielleicht beängstigend. Für mich gehört aber auch eine andere Perspektive dazu: Viele Frauen* berichten, dass sie in dieser Lebensphase selbstbewusster werden, ihre eigenen Bedürfnisse ernster nehmen und sich weniger verbiegen. Ich finde, darüber sollten wir genauso viel sprechen wie über die Beschwerden.
Was können betroffene Frauen* tun, um gut durch die Perimenopause zu kommen oder Symptome zu lindern?
Ich werde oft gefragt, ob Hormone die einzige Lösung sind. Die Antwort ist ganz klar: Nein. Gerade zu Beginn der Perimenopause können Ernährung, regelmäßige Bewegung und Sport – insbesondere Krafttraining –, guter Schlaf und Stressmanagement einen enormen Unterschied machen. Auch bestimmte Nahrungsergänzungsmittel können sinnvoll sein. Für manche Frauen* reicht das völlig aus. Andere benötigen zusätzlich eine Hormonersatztherapie. Auch hier hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Bioidentische Hormone können für viele Frauen* in der Perimenopause eine sichere und wirksame Unterstützung sein – vorausgesetzt, sie werden individuell und ärztlich begleitet.
Das größte Problem ist aus meiner Sicht aber oft gar nicht die Behandlung selbst, sondern der Weg dorthin. Noch immer finden viele Frauen* nur schwer Ärzt*innen, die sich intensiv mit der Perimenopause beschäftigen. Niemand muss diese Beschwerden einfach aushalten. Es gibt heute viele Möglichkeiten, die Perimenopause aktiv zu gestalten.
Wann sollte man sich ärztliche Hilfe holen?
Frauen* haben oft ein gutes Gespür dafür, wenn sich etwas verändert. Das Problem ist eher, dass viele ihre Beschwerden kleinreden oder denken: "Das gehört wahrscheinlich einfach zum Älterwerden." Mein Rat ist deshalb: Nimm deinen Körper ernst. Wenn Beschwerden neu auftreten, dich im Alltag einschränken oder über längere Zeit bestehen bleiben, solltest du sie ärztlich abklären lassen.
Dabei kann auch unsere App unterstützen. Wer Symptome über einen längeren Zeitraum dokumentiert und die Zusammenhänge besser versteht, kann auch viel konkreter beschreiben, was sich verändert hat, wann die Beschwerden begonnen haben und welche Muster sie beobachten. Das schafft nicht nur eine bessere Gesprächsgrundlage mit Ärzt*innen, sondern gibt vielen Frauen* auch mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein.

Die Gründerinnen von "AEYA" sind (von links nach rechts): Doreen Schwanck, Camilla Rando und Dr. Julia Binder. Foto: Sebastian Donath
"Rund 40 Prozent der Frauen* mit Perimenopause-Symptomen fühlen sich zunächst fehldiagnostiziert oder mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen."
Wie kam es zu eurem Unternehmen "AEYA" – von der Erkenntnis, dass Frauen* rund um die Perimenopause Unterstützung brauchen bis zu eurer App?
Ich hätte mir gewünscht, dass mich vor zehn Jahren jemand zur Seite nimmt und sagt: "Camilla, irgendwann wird sich dein hormonelles System verändern. Und wenn das passiert, bist du nicht verrückt, nicht schwach und auch nicht einfach nur gestresst." Das ist aber nicht passiert.
Ich habe schlechter geschlafen, war emotionaler, weniger belastbar und hatte das Gefühl, mich selbst Stück für Stück zu verlieren. Heute weiß ich: Es war nicht nur mein Körper, der sich verändert hat. Mein hormonelles System begann, sich umzustellen. Und das beeinflusst eben nicht nur unseren Zyklus.
Was hat das mit dir gemacht?
Ich habe an mir gezweifelt und dachte, ich hätte einfach zu viel gearbeitet. Irgendwann bekam ich sogar die Diagnose Burnout. Rückblickend weiß ich, dass vieles mit der beginnenden Perimenopause zusammenhing. Genau das erleben viele Frauen*. Studien zeigen, dass sich rund 40 Prozent der Frauen* mit Perimenopause-Symptomen zunächst fehldiagnostiziert fühlen oder das Gefühl haben, mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen zu werden.
Als ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigt habe, wurde mir klar: Ich bin damit nicht allein. Auch bei meinen Mitgründerinnen Julia und Doreen zeigten sich die ersten Veränderungen. Irgendwann haben wir gesagt: Das kann doch nicht sein. Warum müssen Frauen* jahrelang nach Antworten suchen, obwohl es längst wissenschaftliche Erkenntnisse gibt? Aus diesem Gedanken heraus ist "AEYA" entstanden.
Was ist "AEYA"?
"AEYA" ist die App, die ich selbst gebraucht hätte. Als bei mir die ersten Beschwerden anfingen, wollte ich vor allem Antworten: Warum schlafe ich plötzlich so schlecht? Warum fühle ich mich nicht mehr wie ich selbst? Und warum erklärt mir niemand, was gerade in meinem Körper passiert?
Uns war wichtig, dass der Zugang zu fundiertem Wissen über die Perimenopause kostenlos ist. Frauengesundheit* darf keine Frage des Geldbeutels sein. Aktuell können Frauen* in unserer App einen Perimenopause-Check-in machen und täglich Symptome, Zyklus, Schlaf, Energie oder Stimmung dokumentieren. Oft erkennt man erst über mehrere Wochen oder Monate Muster und Zusammenhänge, die im Alltag völlig untergehen.
Unsere KI hilft dabei, diese Muster sichtbar zu machen und stellt passende wissenschaftlich fundierte Inhalte bereit. So lernen Frauen* Schritt für Schritt, ihren Körper besser zu verstehen und können ihre Ärzt*innengespräche viel gezielter vorbereiten. Und wir stehen noch ganz am Anfang. Unsere Vision ist eine digitale Begleiterin, die Frauen* durch die gesamte Perimenopause unterstützt.
Wie viel medizinische Expertise steckt in "AEYA"?
Unser Medical Board besteht aktuell aus einer Gynäkologin, einer Psychologin sowie einer Heilpraktikerin und zertifizierten Wechseljahresberaterin. Dieses Netzwerk bauen wir kontinuierlich weiter aus. Gleichzeitig müssen wir ehrlich sein: In der Frauengesundheit* gibt es noch immer viel zu wenig Forschung. Frauen* wurden über Jahrzehnte in medizinischen Studien unterrepräsentiert, und gerade zur Perimenopause gibt es noch viele offene Fragen.
Wichtig ist uns dabei: "AEYA" stellt keine Diagnosen und ersetzt keine ärztliche Behandlung. Wir möchten Frauen* befähigen, gut informiert in Gespräche mit ihren Ärzt*innen zu gehen und gemeinsam die für sie passenden Entscheidungen zu treffen.
Hier findet ihr "AEYA":
Foto oben: "Canva"