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Wellbeing

Reizarme Hautpflege ohne Medizin-Vibes: "Wohlfühlen ist kein Luxus, auch nicht mit Krebs."

21. September 2026

geschrieben von Maike Knorre

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Julia Kiener im Portrait: Die Krebspatientin hat ihre eigene Skincare-Marke "belong. cosmetics" gegruendet, nachdem sie selbst keine passende Hauptpflege für ihre therapiegeschaedigte Haut gefunden hat.

Während ihrer Krebstherapie hat Julia Kiener viele Skincare-Produkte nicht mehr vertragen. Die Alternativen aus der Apotheke? Haben sich so gar nicht nach Selbstfürsorge angefühlt. Also hat sie "belong. cosmetics" mitgegründet. Die Skincare-Brand aus Hamburg macht reizarme Hautpflege für empfindliche Haut, die auch noch schick im Badezimmer aussieht.

Im Interview erzählt Julia Kiener, wie Skincare für sie zum Stigma im eigenen Badezimmer wurde und auf welche Inhaltsstoffe man bei empfindlicher oder therapiebedingt veränderter Haut achten sollte.

femtastics: Als wir das letzte Mal miteinander gesprochen haben, hast du gerade deine Krebsdiagnose mit 32 bekommen. Wie ist es dir seitdem ergangen?

Julia Kiener: Der Zungenkrebs hat mein Leben komplett verändert. Ich musste operiert werden, zur Bestrahlung gehen sowie zur Logopädie- und Physiotherapie. Was krass war: Mein Weg von der Diagnose bis zum letzten Behandlungstermin hat keine drei Monate gedauert. Ich hatte kaum Zeit, mental hinterherzukommen. Und habe danach neue Prioritäten gesetzt: Bin als Geschäftsführerin meiner Kommunikationsagentur und Beratung "Pommes al dente" ausgestiegen und habe eine eigene Skincare-Marke gegründet.

Die Idee für "belong. cosmetics" ist dir während der Krebsbehandlung gekommen. Wie kam es dazu?

Während der Therapie hat sich meine Haut so stark verändert, dass ich kaum ein Pflegeprodukt vertragen oder überhaupt gefunden habe. Wusste ich vorher auch nicht: Während der Bestrahlung darf man sich nicht mit Pflege oder Sonnencreme schützen, um die Wirkung nicht zu mindern. Ich wurde fünf Wochen lang sechsmal die Woche bestrahlt, von der Nasenspitze bis zum Schlüsselbein, weil auch die Lymphknoten am Hals betroffen waren.

Danach waren meine Haut und die Schleimhäute komplett verbrannt und trocken, ich sah aus wie ein Brathähnchen. Das war nicht nur sehr schmerzhaft, sondern auch mental super belastend. Auch weil ich keine passenden Pflegeprodukte für meine therapiegeschädigte Haut in der Drogerie gefunden habe.

Was hat das mit dir gemacht?

Alltägliche Dinge wie eine Gesichtscreme nur noch in der Apotheke zu kaufen, hat sich angefühlt, als würde mir ein weiteres Stück meines normalen Lebens genommen. Als wäre ich nur noch Patientin und gar nicht mehr ich selbst, auch weil alles nach Medizin ausgesehen und nach Krankenhaus gerochen hat. Einfach zu hübsch verpackter Skincare greifen, die im Badezimmer cute aussieht, war nicht mehr. Ich habe in den Spiegel geschaut und mich gefragt: Wer bist du, ein Alien? Komplette Identitätskrise.

"Wohlfühlen ist kein Luxus, auch nicht mit Krebs. Ich hätte mich in meiner Therapiezeit total über unsere Produkte gefreut."

Wie lange hat es gedauert, bis sich deine Haut nach der Bestrahlung einigermaßen regeneriert hat?

Nach zwei Monaten war es einigermaßen okay, aber ganz verschwunden sind die Schäden bis heute nicht. Im ersten Sommer nach der Bestrahlung war meine untere Gesichtshälfte deutlich dunkler als der Rest meines Körpers, egal wie viel Sonnenschutz ich benutzt habe. Das liegt daran, dass die Zellen dauerhaft geschädigt werden – das ist ja das Ziel einer Strahlentherapie. Dabei gehen aber leider nicht nur Krebszellen drauf, sondern auch gesunde. Das ist der Kollateralschaden, mit dem ich einfach leben muss.

Aber es hat auch sein Gutes: Aus dieser Erfahrung ist die Idee für "belong. cosmetics" entstanden: Hautpflege für die allersensibelste und belastete Haut, die gut verträglich ist und süß im Badezimmer aussieht. Die man nicht im Schrank verstecken will. Wohlfühlen ist kein Luxus, auch nicht mit Krebs. Ich hätte mich in meiner Therapiezeit total über unsere Produkte gefreut, auch als Geschenk von Freund*innen als eine Aufmerksamkeit, die wirklich sinnvoll und hilfreich ist, statt nur gut gemeint.

Und wie ist aus der Idee dann ein Business geworden?

Nach der Bestrahlung bin ich oft zu meiner guten Freundin und Co-Gründerin Joa Bürger gefahren und habe mich auf ihrem Sofa ausgeruht. Sie wohnt direkt neben dem Krankenhaus und war während meiner akuten Behandlungszeit in Elternzeit, hatte also tagsüber Zeit. Sie hat den kompletten Verlauf miterlebt und gesehen, wie sehr ich darunter gelitten habe.

Als ich ihr verganenes Jahr meine Idee gepitcht habe, war sie zuerst skeptisch. Ihre größte Sorge war, ob ich mir damit nicht zu viel zumute. Wir haben trotzdem recherchiert, den Markt analysiert, Umfragen gemacht. Irgendwann sind Joa die Gegenargumente ausgegangen und sie hat gesagt: Okay, let's do it.

"Die drei wichtigsten Inhaltsstoffe für die Pflege von empfindlicher oder therapiebedingt veränderter Haut sind Aloe Vera, Panthenol und Hyaluronsäure."
Joa Buerger und Julia Kiener haben zusammen die Hamburger Skincare-Marke "belong. cosmetics" gegruendet – aus eigenem Need für anspruchsvolle, sensible Haut.
Besonders geeignet für therapiegeschaedigte und hochsensible Haut: Die Clean Skincare von belong. comsetics aus Hamburg.
Das OMG-Hyaloronserium mit Aloe Vera und Panthenol für trockene und empfindliche Haut.
Joa Buerger und Julia Kiener haben zusammen die Hamburger Skincare-Marke "belong. cosmetics" gegruendet – aus eigenem Need für anspruchsvolle, sensible Haut.
Besonders geeignet für therapiegeschaedigte und hochsensible Haut: Die Clean Skincare von belong. comsetics aus Hamburg.
Das OMG-Hyaloronserium mit Aloe Vera und Panthenol für trockene und empfindliche Haut.
Joa Buerger und Julia Kiener haben zusammen die Hamburger Skincare-Marke "belong. cosmetics" gegruendet – aus eigenem Need für anspruchsvolle, sensible Haut.
Besonders geeignet für therapiegeschaedigte und hochsensible Haut: Die Clean Skincare von belong. comsetics aus Hamburg.
Das OMG-Hyaloronserium mit Aloe Vera und Panthenol für trockene und empfindliche Haut.
Joa Buerger und Julia Kiener haben zusammen die Hamburger Skincare-Marke "belong. cosmetics" gegruendet – aus eigenem Need für anspruchsvolle, sensible Haut.
Besonders geeignet für therapiegeschaedigte und hochsensible Haut: Die Clean Skincare von belong. comsetics aus Hamburg.
Das OMG-Hyaloronserium mit Aloe Vera und Panthenol für trockene und empfindliche Haut.

Freundinnen und Co-Gründerinnen: Joa Bürger und Julia Kiener. Seit Mai 2026 verkauft die Hamburger Indie-Brand ihre Clean Skincare.

Für die allersensibelste Haut entwickelt: Cleanser, Serum und Gesichtsfluid.

"Oh my Glow": Aloe Vera, Hyaluron und Panthenol pflegen gestresste Haut.

Freundinnen und Co-Gründerinnen: Joa Bürger und Julia Kiener. Seit Mai 2026 verkauft die Hamburger Indie-Brand ihre Clean Skincare.

Für die allersensibelste Haut entwickelt: Cleanser, Serum und Gesichtsfluid.

"Oh my Glow": Aloe Vera, Hyaluron und Panthenol pflegen gestresste Haut.

Freundinnen und Co-Gründerinnen: Joa Bürger und Julia Kiener. Seit Mai 2026 verkauft die Hamburger Indie-Brand ihre Clean Skincare.

Für die allersensibelste Haut entwickelt: Cleanser, Serum und Gesichtsfluid.

"Oh my Glow": Aloe Vera, Hyaluron und Panthenol pflegen gestresste Haut.

Freundinnen und Co-Gründerinnen: Joa Bürger und Julia Kiener. Seit Mai 2026 verkauft die Hamburger Indie-Brand ihre Clean Skincare.

Für die allersensibelste Haut entwickelt: Cleanser, Serum und Gesichtsfluid.

"Oh my Glow": Aloe Vera, Hyaluron und Panthenol pflegen gestresste Haut.

01/03

Was macht eine gute Pflege für hochsensible und belastete Haut aus?

Egal ob durch Strahlen- oder Chemotherapie, wegen Akne oder während der Schwangerschaft: Gereizte Haut braucht eine milde Pflege, die Feuchtigkeit spendet, ohne okklusiv zu sein. Das heißt: Sie soll keinen Schutzfilm bilden, unter dem sich Hitze staut. Sondern die geschädigten Barrieren der Haut unterstützen, ohne sie zu beschweren. Dafür eignen sich besonders gut leichte, reichhaltige Fluids.

Auf welche Inhaltsstoffe kommt es bei reizarmer Skincare an?

Die drei wichtigsten Inhaltsstoffe für die Pflege von empfindlicher oder therapiebedingt veränderter Haut sind Aloe Vera, Panthenol und Hyaluronsäure. Aloe Vera wirkt kühlend und entzündungshemmend. Panthenol ist unverzichtbar für die Regeneration der Haut, weil es Feuchtigkeit bindet und die Hautbarriere stärkt. Und auch Hyaluronsäure kann der Haut ganz viel Feuchtigkeit zurückgeben. Gerade in einer Phase, in der die Haut kaum eigene Feuchtigkeit hat, ist das enorm hilfreich.

Und welche Inhaltsstoffe sind eine Red Flag?

Aktive Wirkstoffe wie Vitamin C, Retinol oder Retinal, die sonst als "gut für die Haut" gelten. Sie sind quasi der Sport unter den Inhaltsstoffen und regen die Haut an, etwas zu tun, statt sie zu beruhigen. Das ist grundsätzlich super, aber zu viel, wenn die Haut bereits gereizt ist.

Duftstoffe sind auch eine Red Flag bei reizarmer Hautpflege. Klingt banal, aber Geruchsempfindlichkeit ist eine häufige Nebenwirkung von Strahlen- oder Chemotherapien. Ich konnte teilweise mein eigenes Parfüm nicht mehr ertragen und fand viele Gerüche eklig, die ich eigentlich mochte. Außerdem reizen Duftstoffe die Haut oft, ohne dass wir es merken. Wir verzichten auch auf harsche Tenside, also starke Seifen. Und aus ökologischer Sicht ein No-Go: kein Palmöl, keine erdölbasierten Stoffe.

"Der Wunsch, sich im eigenen Körper wohlzufühlen, endet nicht mit einer Diagnose. Auch wenn gängige Bilder oft etwas anderes suggerieren."

Du bist gelernte Hair- und Make-up-Artist, keine Chemikerin oder Dermatologin. Wie seid ihr als Quereinsteigerinnen an die Produktentwicklung herangegangen?

Wir haben uns viel Wissen angelesen und Expertise von Profis eingeholt. Wir arbeiten eng mit unserem Hersteller mit Sitz in Hamburg zusammen und mit einer Chemikerin, die die Rezepturen noch einmal auf Herz und Nieren geprüft hat. Weil wir alles komplett privat finanziert haben, waren am Anfang erstmal nur drei Produkte drin, mehr hätten wir uns nicht leisten können.

Was muss sich noch ändern, damit sich Skincare während der Therapie mehr nach Selbstfürsorge anfühlt und nicht nach Krankenhaus?

Gute, reizarme Skincare soll sich nicht wie Mitleid anfühlen. Wer therapiebedingt veränderte oder empfindliche Haut hat, braucht eine Pflege, die sicher ist und trotzdem nicht nach Krankenhaus aussieht. Das gilt auch für Schwangere, Stillende, Menschen mit Neurodermitis oder Rosazea.

Neben den richtigen Produkten ist aber auch die Wahrnehmung der Situation essenziell. Wenn ich denke, es darf gerade nichts Wichtigeres geben als meine Krankheit und was sie mit meinem Aussehen anstellt, stigmatisiere ich mich selbst. Aber das Bedürfnis nach Normalität und danach, ich selbst zu sein, verschwindet ja nicht einfach, nur weil ich krank bin. Wir müssen wegkommen von der Vorstellung, dass es die eine Art gibt, krank zu sein oder auszusehen. Der Wunsch, sich im eigenen Körper wohlzufühlen, endet nicht mit einer Diagnose. Auch wenn gängige Bilder oft etwas anderes suggerieren.

Jede zweite Person in Deutschland erkrankt statistisch an Krebs – trotzdem sprechen wir kaum darüber, wie unterschiedlich die Gesichter dahinter aussehen. Was wünschst du dir von der Gesellschaft und der Beauty-Branche?

Wir sind eine riesige Gruppe, aber repräsentiert wird meistens nur das eine Bild: leichenblass, ohne Haare, im Krankenbett liegend. Dabei gibt es so viele Phasen dazwischen, in denen es trotz der Krankheit Glücksmomente gibt. Die sind aber kaum sichtbar. Als mir gesagt wurde, dass mir Lymphknoten am Hals entfernt werden müssen, habe ich im Netz nach Bildern von den Narben gesucht, die dabei entstehen, und praktisch keine realistischen gefunden. Genau da hätte ich gern mehr Sichtbarkeit gehabt. Um zu wissen, was auf mich zukommt.

Für Social Media bin ich sehr dankbar, weil es dort die Möglichkeit gibt, sich selbst eine Plattform zu schaffen und zu zeigen: Du bist nicht allein. Aber generell dürfen wir noch viel mehr lernen, dass wir als Gesellschaft ein sehr diverser Haufen sind. Das gilt nicht nur für Krebserkrankungen, sondern für viele Lebensphasen, die kaum sichtbar sind. Die Perimenopause zum Beispiel. Das Wort habe ich selbst erst letztes Jahr zum ersten Mal gehört. Nicht weil ich nicht im entsprechenden Alter war, sondern weil es einfach kaum Repräsentanz dafür gibt.

Hier findet ihr Julia Kiener:

Fotos: Nathalie Podena für "belong. cosmetics"