Ein Leben mit Pflanzen – Jin Ahn von Conservatory Archives

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Jin Ahn zog nach Großbritannien, um ihr Englisch zu verbessern – und um eine Pause von ihrer Karriere als Modedesignerin in ihrer Heimat Seoul, Südkorea, zu machen. In Essex verliebte sie sich so sehr in die englische Natur und Pflanzenwelt, dass sie beschloss, von jetzt an mit Pflanzen zu arbeiten. Erst schwebte ihr eine Karriere als Gärtnerin vor, doch das englische Wetter führte sie zu Zimmerpflanzen. Heute betreibt die 36-Jährige, zusammen mit ihrem Partner Giacomo, erfolgreich den Pflanzen-Store „Conservatory Archives“ in Hackney, im Osten Londons. Ihr Laden ist ein Mekka für Pflanzenfreunde aus ganz London geworden – und ein sehr beliebtes Fotomotiv für Instagram. Wir besuchen Jin in ihrem außergewöhnlichen, wundervollen Zuhause in einem ehemaligen Lagerhaus und in ihrem Store auf der Hackney Road.

 

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femtastics: Du bist 2010 nach Großbritannien gekommen. Warum?

Jin Ahn: Wenn du 30 wirst, beginnst du, besonders als Frau, über deine Zukunft nachzudenken. Will ich heiraten? Eine Familie gründen? Will ich mich auf meine Karriere konzentrieren? Ich hatte genug davon, in der Modebranche zu arbeiten und wollte etwas Neues. Ich mochte meine Arbeit, aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, mein Leben lang in der Mode zu arbeiten.

Warum bist du nach London gekommen?

Tatsächlich bin ich zuerst nach Edinborough gezogen, um Englisch zu lernen. Einfach, um eine Pause zu machen. Da blieb ich für etwa ein Jahr und zog dann nach Essex, aufs Land. In Essex habe ich Gartenbau am Writtle University College studiert.

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In diesem ehemaligen Fabrikgebäude liegt unten das Studio von Conservatory Archives und oben der Wohnbereich von Jin und ihrem Freund.

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Ich denke, wenn du in Großbritannien lebst, muss die Natur dich einfach inspirieren!

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Alles auf einer Fläche: die obere Etage des Fabrikgebäudes haben Jin und ihr Freund in eine Wohnung umgebaut. Die Küche und ein kleines Schlafzimmer mussten sie selbst einbauen.

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Wolltest du einen Neuanfang?

Ja, ich wollte eine zweite Karriere starten. Und mein Englisch nebenbei verbessern.

Wie ist dein Interesse an Pflanzen und Indoor Gardening entstanden?

Das ist passiert als ich in Edinborough gelebt habe. Ich bin oft in den Botanischen Garten in Edinborough gegangen und das hat mich sehr inspiriert. Ich denke, wenn du in Großbritannien lebst, muss die Natur dich einfach inspirieren! Ich komme aus einer Metropole, die zu großen Teilen aus Beton und Asphalt besteht. Und ich dachte: Wenn ich mit der Natur arbeiten kann, dann kann ich glücklich bis ans Ende meiner Tage leben (lacht).

Also ist deine Liebe zu Pflanzen in Großbritannien entstanden?

Nicht ganz. Meine Mutter hat immer schon Pflanzen geliebt und wir hatten immer viele Pflanzen zu Hause. Ich dachte nur nie, dass ich meine Arbeit rund um Pflanzen gestalten kann. Ich habe nie daran gedacht, ein Gärtner zu werden.

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Ich war immer ein City-Girl und ich fand es sehr schwierig, im Regen und bei jedem Wetter draußen zu sein. Also kam ich auf die Idee mit den Zimmerpflanzen und dem Indoor-Gardening.

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Wie bist du auf die Idee gekommen, „Conservatory Archives“ zu eröffnen?

Nach meinem Abschluss dachte ich erst überhaupt nicht daran, einen Laden zu eröffnen. Mein Plan war es, in einem Botanischen Garten oder einem Gartencenter zu arbeiten, oder vielleicht als Gärtnerin für Privatpersonen. Aber ich musste feststellen, dass es mir schwer fiel, draußen zu arbeiten. Ich war immer ein City-Girl und ich fand es sehr schwierig, im Regen und bei jedem Wetter draußen zu sein. Also kam ich auf die Idee mit den Zimmerpflanzen und dem Indoor-Gardening. Und da ich Vintage-Möbel und Design so liebe, dachte ich: Wieso eröffne ich nicht einen Laden mit Pflanzen, Möbeln und einem Café? Ich war sehr ambitioniert (lacht). Jetzt konzentrieren wir uns nur auf die Pflanzen, weil das so gut läuft.

Mit wem arbeitest du jetzt zusammen? Wie groß ist dein Team?

Wir sind zu zweit gestartet: mein Partner und ich. Jetzt haben wir noch zwei weitere Team-Mitglieder: einen Mitarbeiter unten im Studio und eine Mitarbeiterin im Laden.

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Dass Jin ein großer Fan von Vintage-Möbeln ist, sieht man in ihrer Wohnung direkt – überall finden sich Unikate mit Patina.

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Wie habt ihr die Eröffnung des Ladens finanziert?

Das war gar nicht einfach, weil die Mietpreise in London einfach verrückt sind. Ich hatte großes Glück, dass ich diesen Laden gefunden habe! Mein Vermieter ist supertoll und verlangt eine vernünftige, bezahlbare Miete. Am Anfang hatten wir trotzdem ein paar Schwierigkeiten, aber jetzt haben wir uns stabilisiert, weil wir mehrere langfristige Aufträge für Pflanzenpflege und somit ein regelmäßiges Einkommen haben.

Wolltest du deinen Laden eigentlich ausgerechnet im Osten Londons eröffnen?

Ich habe überall in London gesucht, aber habe mich letztlich für Ost-London entschieden, weil die Mieten hier wesentlich günstiger sind als in vielen anderen Teilen der Stadt. Und ich wollte auch nicht zu weit außerhalb gehen. Außerdem sind die Leute im Osten Londons sehr verschieden, gemischt und kreativ – das finde ich großartig!

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In Südkorea ist es sehr wichtig, wie du aussiehst und wie du dich anziehst. Die Leute sind besessen von Kosmetik und Schönheitsoperationen! Es geht immer nur darum, noch schöner zu sein – besonders als Frau.

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Was gefällt dir daran, hier zu leben und arbeiten?

Ich habe einen total anderen Hintergrund. Hier musst du dir als Frau nicht die ganze Zeit Gedanken um dein Aussehen machen. In Südkorea ist es sehr wichtig, wie du aussiehst und wie du dich anziehst. Die Leute sind besessen von Kosmetik und Schönheitsoperationen! Es geht immer nur darum, noch schöner zu sein – besonders als Frau. Hier habe ich das Gefühl, dass die Menschen mich mehr als Person mit einem Charakter wahrnehmen. Das ist gut.

Fühlt sich das befreiend für dich an?

Ja, absolut. Hier bin ich viel entspannter als in Korea. Ich gehe auch ohne Make-up oder in meiner Arbeitskleidung vor die Tür. Ich meine, wir sind Gärtner, wir arbeiten mit unseren Händen und müssen nicht perfekt aussehen.

Wo findest du eigentlich all die Pflanzen?

Zum Großteil kommen sie aus Holland, Dänemark und Belgien. Wir waren schon mehrmals in Holland und Belgien bei den Pflanzenzüchtern, mit denen wir arbeiten. Aber um die Pflanzen jede Woche hier her zu bekommen, brauchen wir einen Agenten, der den Transport für uns regelt.

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Jins Schreibtisch ist geradezu versteckt hinter Pflanzen.

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„Wir haben in unserem Laden schon tausende Pileas verkauft“, sagt Jin. Offenbar ist das eine echte Trend-Pflanze.

Wie oft bekommt ihr neue Lieferungen?

Zweimal pro Woche. Eine Lieferung hier, eine im Laden. Zurzeit haben wir auch einen Pop-Up-Shop bei Liberty, also brauchen wir noch mehr Pflanzen als sonst.

Nach welcher Art von Pflanzen suchst du, wenn du eine neue Bestellung aufgibst?

Wir haben Bestelllisten, auf denen alle Pflanzen mit ihren lateinischen Namen, ihren Größen und anderen Infos aufgelistet sind. Wenn ich eine Bestellung mache, denke ich immer an den Shop und wie ich die Pflanzen präsentieren möchte. Ich brauche kleine Pflanzen für die Regale, mittelgroße Pflanzen für den Boden und so weiter. Unser Shop ist eine Art Instagram-Location geworden, deshalb bin ich immer unter Druck, dass der Laden auch gut aussieht (lacht). Ich versuche, jede Woche andere Pflanzen zu bestellen, sodass es für unsere Kunden immer etwas Neues zu entdecken gibt und es sich lohnt, regelmäßig vorbei zu schauen.

Gibt es Pflanzen-Trends, die dir aufgefallen sind? Was kommt als Nächstes nach Kakteen, Sukkulenten und Monsteras?

Pileas, auch „Chinesischer Geldbaum“ genannt, sind zurzeit sehr angesagt. Ich weiß gar nicht, wie viele wir letzte Woche bei uns im Laden verkauft haben. Aber es ist komisch … Pflanzen werden über Instagram und Pinterest sehr populär – und dann wollen alle das Gleiche. Und manchmal frage ich meine Kunden: Warum willst du dir nicht ein paar andere Pflanzen ansehen? Es gibt doch so viele verschiedene Pflanzen!

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Jin hat nie gezählt, wie viele Pflanzen sie besitzt – die Anzahl ändert sich ja auch andauernd.

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Welche Pflanzen magst du persönlich?

Ich mag Pflanzen mit vielen Ästen, die fast aussehen wie Skulpturen.

Wie hast du so viel über Pflanzen und wie man sie richtig pflegt gelernt?

Als ich noch in Essex gewohnt habe, habe ich viele Pflanzen gekauft und viele Bücher über Pflanzen gelesen. Aber ich lerne immer noch. Ich hatte noch nie so viele Pflanzen wie jetzt – wer hat das schon? Und da die Geschäfte gut laufen, bekomme ich immer mehr Pflanzen und ich lerne schneller.

Ist es nicht schwierig, sich um so viele Pflanzen zu kümmern?

Es ist Teil meines Jobs und ich habe Spaß daran. Außerdem verkaufen sich die Pflanzen im Laden ziemlich schnell, also muss ich mich nie lange um sie kümmern.

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„Conservatory Archives“ auf der Hackney Road in London.

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Unser Shop ist eine Art Instagram-Location geworden, deshalb bin ich immer unter Druck, dass der Laden auch gut aussieht.

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Ein Paradies für Pflanzen-Fans!

Welche Art von Kunden kommen zu euch?

Alle möglichen. London ist ja so gemischt und vielfältig – das macht es interessant!

Erzählen dir die Kunden von ihren Wohnungen?

Ich frage sie immer danach! Wenn jemand eine Pflanze kaufen möchte, muss ich ihn fragen, wie er wohnt. Wie viele Fenster hast du? Wieviel Licht kommt in die Wohnung? Wieviel Platz hast du? Ich erkläre den Kunden auch immer, wie sich die Pflanzen entwickeln und wie sie nach einer Weile aussehen werden. Das ist wichtig zu wissen. Sonst denkt vielleicht ein Kunde, er kauft eine niedliche kleine Pflanze und die Pflanze bliebe immer so klein … (lacht)

Wie teilst du dir deine Zeit auf? Bist du jeden Tag im Laden?

Wir sind in dieser Hinsicht sehr flexibel. Aber ich arbeite kaum noch daran, die Pflanzen zu pflegen. In der Regel bin ich mit E-Mails, Angeboten, Rechnungen und Bestellungen beschäftigt. Ich bin nicht mehr jeden Tag im Laden, weil wir an so vielen verschiedenen Projekten arbeiten.

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Jedes Mal, wenn ich einen neuen Auftrag bekomme, gebe ich mein Bestes und versuche, noch beeindruckendere Pflanzen zu verwenden.

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Ihr macht auch viele Indoor Gardening-Projekte.

Wir arbeiten mit vielen Interior Designern und Architekten zusammen. In der Regel sind unsere Kunden Firmen, für die wir Pflanzenkonzepte entwickeln – für Privatpersonen arbeiten wir eigentlich nie. Jedes Mal, wenn ich einen neuen Auftrag bekomme, gebe ich mein Bestes und versuche, noch beeindruckendere Pflanzen zu verwenden. Und das Gute ist: Viele Kunden kommen zu uns zurück und wollen wieder mit uns zusammenarbeiten.

Wo können wir eure Arbeit sehen?

Wir haben zum Beispiel das Pflanzen-Design für das „ACE Hotel“ in Shoreditch gemacht – alle Pflanzen vorm Gebäude, auf der Dachterrasse und überall im Hotel. Zudem haben wir für viele lokale Cafés, Restaurants und Shops gearbeitet.

Gibt es ein Projekt, von dem du träumst?

Ich würde wahnsinnig gerne ein Projekt in meinem Heimatland umsetzen. Vielleicht zusammen mit einer britischen Firma in Südkorea. Ich wäre sehr stolz darauf, mit meiner Arbeit in meine Heimat zurückzukehren.

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Bist du manchmal noch in Südkorea?

Seit meinem Studium in Großbritannien war ich nicht mehr da. Wir hatten bislang keinen Urlaub und wir arbeiten meistens sieben Tage pro Woche. Also nicht unsere Angestellten, aber mein Partner und ich. Der Laden ist ja auch samstags und sonntags geöffnet. Und montags, wenn wir geschlossen haben, kümmern wir uns um Buchhaltung und andere Dinge.

Hast du Pläne für Conservatory Archives?

Wir träumen davon, einen zweiten Laden zu eröffnen – entweder in Großbritannien oder im Ausland, vielleicht in Berlin. Es soll immer einen Fokus auf Pflanzen geben, aber vielleicht könnten wir ja doch noch Vintage-Möbel dazu verkaufen und ein Café in den Laden integrieren. Ich möchte Menschen einfach beweisen, dass es gut ist, mit Pflanzen zu leben. Das war auch meine Idee, als wir dieses Gebäude angemietet haben: Menschen zu inspirieren und ihnen zu zeigen, dass es möglich ist, mit vielen Pflanzen zu leben.

Vielen lieben Dank für das Interview, Jin!

 

Hier findet ihr Jin und Conservatory Archives:

493-495 Hackney Rd, London E2 9ED

Fotos: Evgenia Basyrova

 

 

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