Kaya-Line Knust macht Kosmetik, die Ressourcen sparen will: „Stop The Water While Using Me!“

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Kaya-Line Knust lernte den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen schon während ihrer Kindheit in einer Hippie-Kommune auf dem norddeutschen Land. Heute setzt sie sich als Geschäftsführerin der Kosmetikmarke Stop The Water While Using Me! fürs Wassersparen ein. Die energiegeladene 32-Jährige ist viel unterwegs, hat zwischenzeitlich drei Jahre in New York gelebt, aber weil sie in der Nähe ihrer Familie sein wollte, hat sie sich in Hamburg niedergelassen. Seit Jahren lebt sie im Hamburger Schanzenviertel – „ich mag die Energie hier“, sagt sie. Kürzlich, zwei Wochen bevor wir sie besuchen, hat sie hier mal eben allein eine Wohnung renoviert, hat Tapeten abgerissen, sich eine Küche eingerichtet und den Fußboden neu gemacht. Wir treffen Kaya in ihrem selbst gestalteten Zuhause an einem sonnigen Vormittag zum Gespräch.

 

Femtastics: Die Marke Stop The Water While Using Me! hat Stefan Kolle 2011 ins Leben gerufen, richtig? Stimmt es, dass sie für 25Hours Hotels entwickelt wurde?

Kaya Knust: Nein, das war anders. Die Marke kam zum Weltwassertag 2011 auf die Welt. Es ging darum, Produkte zu entwickeln, die Aufmerksamkeit auf das Problem der Ressourcenverschwendung lenken. Die Idee für die Kosmetikmarke hatte eine Kreativabteilung der Designagentur Korefe entwickelt. Stefan Kolle fand die Idee so gut, dass er sie gerne selbst verwirklichen wollte, unter einer eigenen GmbH. So wurde die Marke zum Weltwassertag geboren. In diesem Prozess kam ein Gespräch mit dem CEO des 25Hours Hotels zustande. Er meinte: Die Marke passt so gut zu uns, weil wir auch sehr nachhaltig sind. Der Wasserverbrauch in Hotels ist enorm hoch, weil die Gäste da nicht auf Ressourcen achten. Deshalb haben die 25Hours Hotels die Marke Stop The Water in ihre Hotels aufgenommen.

Und seit wann bist Du mit im Boot?

Seit Anfang 2012, ein Dreivierteljahr nach Markengründung. Das Team ist immer weiter gewachsen, mittlerweile sind wir fünf Leute, die sich nur im die Marke kümmern. Wir entwickeln sie immer weiter, aktuell arbeiten wir auch an einer komplett neuen Produktlinie.

 

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Kaya hat ihre Wohnung selbst renoviert – und auch den Fußboden selbst gemacht.

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In der Küche und im Bad: „Stop the Water While Using Me!“-Produkte

Worin besteht Deine Aufgabe?

Eigentlich macht bei uns jeder alles, weil wir noch ein kleines Team sind. Ich bin in der Produktentwicklung involviert, ich schaue mir Vertriebsstrategien an, bin in vielen Gesprächen, um die Marke weiterzubringen, stecke auch in der „Good Water Projects“ Initiative drin, …

Du machst also jeden Tag etwas Anderes?

Auf jeden Fall. Das ist das Tolle, es fallen immer neue Dinge, es kommen immer neue Impulse.

Und erzähl mal von den Produkten, sie sind biologisch produziert und vegan?

Die Marke ist eine hundertprozentige Naturkosmetikmarke. Wir arbeiten mit hochwertigen, tollen Inhaltsstoffen. Die Formulierungen, also Zusammensetzung der Produkte, macht ein Labor in Hamburg für uns. Die arbeiten auch für namhafte, große Naturkosmetikmarken. Produziert werden unsere Produkte in Süddeutschland. Die Formulierung ist super hochwertig, jeder einzelne Inhaltsstoff ist Ecocert-zertifiziert. Das Endprodukt haben wir aber nicht zertifizieren lassen. Zum einen, weil es eh so einen „Siegelwald“ da draußen gibt und zum anderen, weil ein Öko-Siegel auch viel Geld kostet. Wir investieren dieses Geld lieber in unsere Good Water Projects-Projekte, anstatt uns Siegel zu kaufen. Die Produkte sind hundertprozentig biologisch abbaubar – du kannst sie ins Wasser schütten und es schadet nicht. Man kann sie zum Beispiel auch gut mit aufs Boot nehmen, wenn man segelt.

 

Wenn du dich maximal nachhaltig verhältst, in deinem Rahmen, so wie es dir möglich ist, dann verändert sich etwas.

 

Wie habt ihr euer Netzwerk der Produzenten gefunden?

Das entwickelt sich. Das Labor, mit dem wir in Hamburg arbeiten, haben wir zum Beispiel über persönliche Kontakte gefunden. Vieles ist learning by doing.

Inwiefern entwickelt ihr die Produkte und Formulierungen mit?

Wir treten mit Ideen an das Labor heran. Wir beobachten viel den Markt an Rohstoffen und Produkten und suchen immer neue Inhaltsstoffe. Zum Beispiel haben wir für unsere neuen Shampoos Weizenproteine verwendet, die das Haar sehr gut pflegen. Das Labor bekommt unsere Briefings, beginnt, Produkte zu entwickeln und sendet uns erste Testprodukte. Wir testen sie und so entwickeln wir Stück für Stück das neue Produkt. Dieser Prozess dauert mindestens ein halbes Jahr.

Wie erklärst Du Dir den Erfolg der Marke? Ihr macht ja keine Werbung.

Wir glauben daran, dass ein gutes Produkt keine Werbung baucht. Die Aussage des Produkts steht bei uns drauf. Ich denke, dass Stop the Water zum richtigen Zeitpunkt kam. Naturkosmetik und nachhaltige Produkte zu verwenden, wird immer natürlicher. Deshalb ist das, ich sage mal, verstaubte Reformhaus-Image nicht mehr angesagt. Unser Produkt sieht cool und nach Design aus und ist dabei ein nachhaltiges Naturprodukt. Wir haben einen Nerv getroffen.

Sind eure Kunden mehr die Endkunden oder mehr Hotels?

Der Hotelmarkt ist wichtig für uns und das finde ich auch sinnvoll. Es ist toll, Hotels dazu zu bewegen, Refill-Systeme zu nutzen und nicht diese kleinen Kosmetikflaschen, die sie jeden Tag wegwerfen. Es ist toll, wenn Hotels hundertprozentig abbaubare Produkte verwenden – wenn du überlegst, was da täglich in unseren Wasserkreislauf geht. Daher sind Hotels unser Fokus. Wobei wir sehr darauf achten, wo unsere Marke gesehen wird, also mit wem wir zusammenarbeiten. Aber wir freuen uns über jeden einzelnen Konsumenten, der unsere Produkte verwendet und unsere Botschaft ernst nimmt und umsetzt.

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„Nach diesem Album von Bob Marley wurde ich benannt“, erzählte Kaya.

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Kreative Bildhängung – unter den Fenstern – in Kayas Schlafzimmer

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Du hast schon erwähnt, dass ihr auch Wasserprojekte unterstützt. Worum geht es da?

Nach den ersten drei Jahren auf dem Markt wollten wir gerne einen Schritt weiter gehen – nicht nur unsere Konsumenten dazu aufrufen, Wasser zu sparen, sondern selbst auch etwas zurückgeben. Wir haben die Initiative „Good Water Projects“ letztes Jahr zum Weltwassertag gegründet. Es geht darum, unsere Gewinne in Projekte zu stecken – und zwar in schlaue, nachhaltige Wasserprojekte.

Was habt ihr bereits umgesetzt?

Das erste Projekt war mit der NGO Ped World zusammen. Wir haben Nebelnetze in Tansania gebaut. Das sind große Netze, die quasi den Nebel „melken“. Wenn der Wind den Nebel durch die Netze bläst, sammeln sich Wassertropfen an den Netzen und durch die Gravitation tropft das Wasser nach unten, in Rinnen und dann in Wassertanks. So ein Netz kann bis zu 1000 Liter Wasser jeden Tag aus dem Nebel melken. Und das ist Trinkwasser! Für mich ist unverständlich, warum es nicht viel mehr dieser Netze gibt. Wir haben die Netze in Tansania im ländlichen Bereich neben eine Schule gebaut und durch das Projekt kann die Schule jetzt mittags die Schüler mit Essen versorgen, weil sie Wasser hat. Das heißt, die Schüler können länger in der Schule bleiben und ihr Bildungsniveau verbessert sich. Die Mädchen müssen nicht jeden Tag Wasser holen gehen, aus Kilometer entfernten Wasserquellen. Das ist eine nachhaltige Veränderung.

Das klingt toll! Und ihr wart dort und habt die Netze mit aufgebaut?

Ja, die Netze werden zusammen mit den Menschen vor Ort aufgebaut. Die NGO schenkt den Menschen nicht einfach die Netze, sondern bindet das ganze Dorf in den Aufbau mit ein, sodass sie das Projekt auch als ihres anerkennen. Dieses Jahr werden wir unterirdische Tanks unter den Netzen bauen, damit noch mehr Wasser gespeichert werden kann. Wir suchen aber auch weitere Organisationen, mit denen wir arbeiten können. Wir sind immer offen für Vorschläge. Am liebsten arbeiten wir mit kleineren NGOs, weil du mit ihnen Projekte direkter umsetzen kannst.

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Also habt ihr euch mit der Marke auch eine Mission auf die Fahnen geschrieben?

Auf jeden Fall. Uns geht es darum, mit Ressourcen nachhaltig umzugehen und Menschen darauf aufmerksam zu machen. Und wir möchten nachhaltige Projekte unterstützen. Mein Traum ist, die Marke so groß zu machen, dass wir eine Markenmacht haben mit der wir etwas bewegen können.

Befolgst Du diese Prinzipien auch privat?

Ich denke, jeder Einzelne kann etwas verändern. Wenn du dich maximal nachhaltig verhältst, in deinem Rahmen, so wie es dir möglich ist, dann verändert sich etwas. Weil die Menschen um dich herum darauf reagieren.

Kommt ihr manchmal nicht in Konflikte mit den Projekten der Werbeagentur Kolle Rebbe oder denen ihrer Designagentur Korefe?

Wir sind als GmbH ganz unabhängig. Mit der Werbeagentur haben wir nichts zu tun – außer, dass die Marke aus einer Designabteilung der Korefe entstanden ist und dass Stefan Kolle der Inhaber von Stop the Water ist. Manchmal buchen wir Designer der Korefe. Uns ist wichtig, nicht immer in Verbindung mit der Werbeagentur gebracht zu werden.

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Kaya fährt mit dem Rennrad zur Arbeit.

Was steht bei euch demnächst an?

Wir bringen neue Produkte, wie eine neue, vegane Seife, heraus und erweitern auch Good Water Projects. Unser Ziel ist auch, irgendwann Produktionsstätten im Ausland zu haben, damit wir unsere Produkte nicht immer in Länder verschiffen müssen, in denen sie sich gut verkaufen.

Dein Job ist bestimmt sehr einnehmend. Brauchst Du in Deiner Freizeit Abstand?

Es geht so. Natürlich bist du immer erreichbar. Gerade dadurch, dass wir mit verschiedenen Zeitzonen arbeiten. Die Menschen, mit denen ich arbeite, arbeiten auch am Wochenende. … Aber dadurch, dass mich der Job wirklich erfüllt und dass ich ihn auch mit Idealen verbinde – ich habe den Wunsch, etwas zu verändern – finde ich das gar nicht so schlimm.

 

Man befüllt sich die ganze Zeit von außen mit Informationen, klickt immer auf den Aktualisierungs-Button des Smartphones – da verliert man seine Mitte.

 

Du brauchst nie eine Pause?

Manchmal brauche ich, wie nennt man das so schön, „Digital Detox“. Man befüllt sich die ganze Zeit von außen mit Informationen, klickt immer auf den Aktualisierungs-Button des Smartphones, da verliert man seine Mitte. Wenn ich im Urlaub bin, dann mache ich mein Handy nur jeden zweiten Tag an. Ich bin dann zwar zu erreichen, aber ich schaue nicht jede Minute aufs Handy. Du verbrennst sonst zu schnell. Ansonsten bin ich ein sehr sozialer Mensch, ich treffe gerne Freunde und bin viel unterwegs, reise wahnsinnig gerne. Zu Hause habe ich keinen Fernseher, ich lese lieber. Und ich mache viel Sport.

Hast Du den Idealismus, den Du in Deinem Job einbringst, von Deiner Familie mitgegeben bekommen?

Ich bin in einer Art „Hippie-Kommune“ aufgewachsen. Also nicht direkt, ich nenne es nur immer so. Meine Mutter hat mich sehr jung bekommen, sie war damals 20. Sie ist in die Nähe von Eckernförde aufs Land gezogen und hat zusammen mit Freunden, mit anderen 20-jährigen Frauen und deren Männern, eine Gruppe von Häusern besetzt. Sie haben keine Miete gezahlt, aber sie wurden geduldet von den Bauern dort. Sie haben alles selbst gebaut und sich zum Großteil selbst versorgt. Im Garten gab es ein Plumpsklo. In diesem Umfeld bin ich aufgewachsen und da habe ich ein Grundverständnis für Ressourcen mitbekommen – dass jede einzelne Ressource kostbar ist.

Hatten die anderen Paare auch Kinder?

Ja und alle Kinder, die geboren wurden, waren Mädchen. Ich bin mit ihnen bis heute befreundet. Das ist wirklich schön. Eine von ihnen arbeitet heute auch mit mir.

 

Ich könnte nicht einfach für irgendeinen „global player“ arbeiten – das funktioniert für mich nicht

 

Und diese Kindheit hat Dich geprägt?

Total. Das hat mir eine Grundeinstellung mitgegeben. Ich kann nicht irgendeinen Job machen. Mir ist wichtig, mit welcher Energie ich arbeite, welche Energie die Menschen um mich herum haben. Ich achte extrem darauf, in meiner Mitte zu sein. Ich könnte nicht einfach für irgendeinen „global player“ arbeiten – das funktioniert für mich nicht. Ich habe den Anspruch, Ideale zu verfolgen. Ich glaube auch daran, dass ich viel zurückgeben kann. Ich weiß, dass ich Menschen mit meiner Energie helfen kann, genauso wie ich von tollen Menschen um mich herum profitiere.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Kaya.

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Schön grün: das Büro von Stop the Water

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Hier findet ihr Kaya:

  

Fotos: Mirjam Klessmann

 

 

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