Themenwoche #10 | Sommerlektüre: Lisa

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Welche Bücher uns den Sommer versüßen? Egal, ob bei Sonne oder Regen? In unserer zehnten Themenwoche verraten wir euch unsere Lieblingsbücher während der warmen Jahreszeit – von alt bis neu. Lisa verbringt den Sommer – unter anderem – mit Simone de Beauvoir.

Was ich gern lese:

Ich bin ja so ein Vintage-Gewächs durch und durch. Alles, was in der Vergangenheit liegt, finde ich in der Regel betörend toll: Musik, Mode, Möbel – und Bücher. Ich könnte Wochen in Antiquariaten verbringen (und tue dies zum Leidwesen meiner Mitmenschen gelegentlich auch) und schleppe ständig alte Schinken in meine Wohnung. Am liebsten lese ich somit alte Romane, gern von weiblichen Autorinnen. Die große Ausnahme heißt Haruki Murakami, ich verschlinge jeden seiner durchgeknallt futuristischen Neo-Romantik-Romane.

Wo ich gern lese:

Mein perfekter Urlaub beinhaltet sechs bis acht Bücher, die ich während der Auszeit lese. Erst dann kann ich von ultimativer Entspannung sprechen. Ansonsten bin ich eine Morgenleserin, abends schlafe ich zu schnell über den Seiten ein. Also Augen auf, Tag begrüßen und erstmal ein paar Seiten verschlingen. Tatsächlich erdet mich kaum etwas so gut, wie ein Buch. In hektischen Lebensphasen schließe ich mich gern ein komplettes Wochenende mit zwei, drei Büchern ein. Die besten Stellen sammele ich auf meinem Tumblr-Blog Dramatische Gesellschaft. Upsi, der muss mal wieder aktualisiert werden!

Meine Sommerfavoriten:

simone-de-beauvoir-femtastics„Das wird also ein Sommer mit Simone de Beauvoir?“, fragt die Verkäuferin des Buchshop der Hamburger Kunsthalle und ich kam mir direkt bissel deppert vor. Nachdem ich durch die grandiose Ausstellung „Feministische Avantgarde der 1970er Jahre“ geschlendert bin, landete ich im Shop und stellte fest, dass ich bisher erst ein einziges Buch von Simone de Beauvoir gelesen hab. Skandal! Also mussten drei weitere her. Ich liebe es, wie die Autorin unvermittelt mitten im Plot anfängt, wie sie ihre Protagonisten skizziert und wie aktuell ihre mit Schärfe und Ironie gewürzten Erzählungen aus den 30er bis 60er Jahren sind. In „Die Welt der schönen Bilder“ geht es um die Heuchelei der Werbeindustrie sowie die von Statussymbolen beherrschte Welt der Neureichen, während in „In den besten Jahren“ eine komplette Epoche der französischen Avantgarde rund um Camus, Picasso und Konsorten zum Leben erweckt wird. „Sie kam und blieb“ wiederum ist die Geschichte einer Ménage á trois im Paris der 30er Jahre – schillernd, betörend und mitreißend.

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Diese beiden Bücher wecken auf zugegeben recht unterschiedliche Weise großes Fernweh nach Lateinamerika. Als großes William-S.-Burroughs-Fangirl stand „The Yage Letter“ lange auf meiner Wunschliste. Es handelt sich hier um den Briefwechsel zwischen Burroughs und Allen Ginsberg, die sich beide im Abstand von sieben Jahren auf Expedition begeben, um die Ayahuasca-ähnliche Droge Yagé zu finden und zu probieren, schließlich wird dem halluzinogen wirkenden Lianenextrakt die Freisetzung telepathischer Kräfte nachgesagt. Burroughs erhofft sich den „final fix“ und dokumentiert seine Reise mit einem großartig vertrippten und gut beobachteten Mix aus Reisereportage, Sartire und psychedelischer Novelle in Briefform.

Ebenso großer Fan bin ich von Frida Kahlo, ich verschlinge jedes Stück Text, Film oder Hörspiel über die Ausnahmekünstlerin und ihr bewegtes Leben. Ein besonders schönes Porträt ist dem Schriftsteller Francisco Haghenbeck mit „Das geheime Buch der Frida Kahlo“ gelungen, der die Biographie mit Fridas mexikanischen Lieblingsrezepten anreichert. Diese sind – wenn man alle Zutaten gefunden hat – nicht nur himmlisch lecker sonder auch relativ einfach nachzukochen. Lesen & Kochen, was für ein Dreamteam!

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Wenn man mich nach dem wichtigsten Buch meines Lebens fragt, dann ist das zweifelsohne der „Steppenwolf“ von Hermann Hesse. In keiner anderen Literatur habe ich mich bisher so wiedergefunden und verstanden gefühlt. Ohne zu tief ins Detail zu gehen: Wer ebenfalls einen ausgeprägten Hang zu Weltschmerz hat, ständig einen imaginären Rucksack voll mit Wut rumschleppt und vielleicht auch latenten Hass auf die Gesellschaft und Politik verspürt, der sollte erst den Steppenwolf lesen und danach sein Leben und von mir aus auch besagte Gesellschaft ändern.

Einen Favoriten aus Haruki Murakamis Werk auszuwählen, ist unmöglich. Im Sommer greife ich aber am liebsten zu „Sputnik Sweetheart“, ein Buch wie ein Traum, mit vielen Geheimnissen und Aussagen über die menschliche Existenz – erzählt anhand eines Mix‘ aus Liebesgeschichte und Krimi.

Happy Reading!

 

 

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