Themenwoche Cradle to Cradle | Interview mit Expertin Kristina Büttner

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Diese Woche dreht sich bei uns alles um Nachhaltigkeit – genauer gesagt, um das Cradle-to-Cradle-Prinzip und wie es unser Konsumverhalten umweltfreundlicher machen kann. Den Launch des ersten Cradle-to-Cradle-T-Shirts bei C&A nehmen wir zum Anlass, Cradle to Cradle genauer unter die Lupe zu nehmen und einen Blick in eine nachhaltigere Modezukunft zu werfen. Nachdem wir das C2C-Prinzip erläutert haben, sprechen wir heute mit Kristina Büttner, Marketing Director bei C&A, darüber, wie das Prinzip bei C&A implementiert und das erste C2C-T-Shirt entwickelt wurde.

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femtastics: Wie kam die C&A Cradle to Cradle zertifizierte T-Shirt-Kollektion zustande?

Kristina Büttner: Die Kollektion ist im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit “Fashion for good”, eine Initiative von der C&A Foundation, entstanden. Mit “Fashion for good” haben wir das Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft zu unserem Anliegen gemacht und wollen die Initiative noch mehr nach vorne treiben. Das Center ist dabei auch offen für andere Unternehmen. Das Ziel war es, zusammen mit indischen Lieferanten zum ersten Mal ein T-Shirt nach Cradle to Cradle Gold Standard zertifizieren zu lassen. William McDonough, der Erfinder von Cradle to Cradle, auch C2C genannt, ist der geistige Vater des Projekts. Er war eng in die Entwicklung des T-Shirts involviert. Nach 20 Jahren Denkarbeit ist sein Lebenstraum mit dem T-Shirt in Erfüllung gegangen. Wir wiederum sehen das nicht als einmalige Aktion, sondern wollen damit einen Grundstein legen und in der Zukunft weitermachen.

Die neue T-Shirt-Kollektion ist C2C zertifiziert, in der Kategorie Gold. Welche Kriterien muss ein Produkt erfüllen, um dieses Zertifikat zu bekommen?

Das T-Shirt muss organisch, also 100 Prozent Biobaumwolle sein, außerdem müssen besondere Arbeitsstandards bei der Produktion eingehalten werden. Dabei ist insbesondere wichtig, dass die Arbeiter gut behandelt werden und adäquat verdienen. Und wir arbeiten nur mit Chemikalien, die für den Menschen und die Natur nicht schädlich sind. Das war bei der sehr farbenfrohen Kollektion eine Herausforderung. Weiterhin wird der Wasser- und Energieverbrauch berücksichtigt. Bei dem Wassermanagement geht es darum, dass wir das benutzte Wasser solange wie möglich im Produktionskreislauf lassen und immer wieder verwenden. Wenn Wasser wieder aus der Produktion entlassen wird, ist es komplett gereinigt und keinerlei Schadstoffe gehen zurück in den natürlichen Wasserkreislauf. “Cotton Blossom”, einer der Hersteller, die das T-Shirt für uns produzieren, arbeitet nur mit erneuerbaren Energien, also Solar- oder Windenergie.

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Der Biologische Kreislauf umfasst Materialien, die gesundheitsverträglich und kompostierfähig sind und dadurch am Ende ihrer Nutzung als biologische Nährstoffgrundlage neues organisches Wachstum ermöglichen. Zum Beispiel Textilien aus Bio-Baumwolle.

Um die C2C-Bedingungen zu erfüllen, müssen viele Produktionsschritte und Zulieferer kontrolliert werden. Wie gewährleistet C&A das? Oftmals wird gerade dieser Faktor – eine lange Produktionskette – als Entschuldigung für Fehler genannt.

Es ist vor allem deswegen möglich, weil wir mit vertikal integrierten Zulieferern arbeiten, die alle Produktionsschritte abdecken. Die beiden Hersteller, mit denen wir das T-Shirt produzieren, kennen wir sehr gut und die Zusammenarbeit ist sehr eng. Sie kamen selber aus der Denke und haben sich auch schon vor der Zusammenarbeit mit Themen wie erneuerbare Energien beschäftigt. Deswegen sind wir bei den C2C-Shirts 100 Prozent sicher, dass die Standards eingehalten werden. Die große Frage ist, wie wir das skalieren und auf weitere Betriebe ausweiten können. Wichtig ist bei diesem Prozess, dass der Retailer, in dem Fall wir, und der Hersteller die gleichen Werte teilen. Keiner hat uns gebeten, das zu machen. Wir machen das, weil wir daran glauben und weil es uns als Marke wichtig ist, nachhaltiger zu produzieren und Nachhaltigkeit zum Thema zu machen.

Nachhaltigkeit ist kein Thema, was nur auf einem kleinen Level funktioniert.

Das heißt, es sind C&A-interne Gremien, die das Einhalten der Standards kontrollieren?

Wir auditieren viele Betriebe. In diesem Fall hat unsere C2C-Kollektion zusätzlich den Stempel “certified”. Hinter dem Zertifikat steckt ein unabhängiges Institut, welches die Kriterien für die Zertifizierung festlegt und überprüft.

Viele Kritiker von Fast-Fashion-Brands denken, dass sich Fast Fashion und Nachhaltigkeit nicht vereinen lassen. Was antwortet ihr darauf?

Nachhaltigkeit ist kein Thema, was nur auf einem kleinen Level funktioniert. C2C steckt in den Kinderschuhen, aber das entwickeln wir weiter und das T-Shirt ist nur der Anfang. Nachhaltigkeit ist ein Grundpfeiler unserer ganzen Marke, in 2016 waren bereits 53 Prozent der Baumwolle, die wir benutzen, nachhaltigere Baumwolle, also Biobaumwolle und BCI Baumwolle. Wir sind natürlich im Massenmarkt unterwegs und da funktioniert die Nachhaltigkeit somit schon. C2C geht da noch einen Schritt weiter. Es geht um das Umdenken, also um die Art und Weise, wie man etwas macht. Vieles ist möglich, es muss aber auch gemacht werden. 46 Prozent unserer Produkte sind schon heute nachhaltiger produziert und wir sind weltweit der Retailer, der am meisten Biobaumwolle in seinen Produkten verarbeitet.

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Der technische Kreislauf bezieht sich auf Materialien wie z.B. Metalle oder Kunststoffe, die als Primärrohstoffe begrenzt zur Verfügung und in Anbetracht der zunehmenden Knappheit sowie steigendem Konsum in technischen Kreisläufen zirkulieren sollten. Produkte sollten so hergestellt werden, dass sich alle verwendeten Materialien wieder voneinander trennen und recyceln lassen.

Ließe sich das C2C-Prinzip auch auf weitere Kleidung wie Jacken oder Mäntel, Schuhe, Taschen, Accessoires – kurz gesagt: sämtliche Modeprodukte – anwenden? Wo sind die Grenzen?

Da sind wir dran. Wir haben mit den Damen-Shirts angefangen und bauen das jetzt aus. Die Besonderheit bei dem C2C-Shirt im Gold-Standard ist, dass es komplett aus Biobaumwolle gefertigt wird, also auch alle Nähte und Labels. Wenn da jetzt ein Druckknopf ins Spiel kommt, wird es mit dem kompletten Recyceln natürlich schon wieder schwierig. Daran arbeiten wir gerade.

Es geht um das Umdenken. Vieles ist möglich, es muss aber auch gemacht werden.

Das C2C T-Shirt kostet pro Stück nur 7 Euro in der klassischen Version und 9 Euro im Oversize-Schnitt. Wie ist dieser günstige Preis möglich?

Das ist möglich, weil wir die Investition nicht an den Kunden weitergeben. Wir sagen nicht, dass der Kunde mehr zahlen muss, weil wir investiert haben. Das machen wir auch bei Produkten aus Bio-Baumwolle nicht. Wir glauben daran, dass es wichtig ist in Nachhaltigkeit zu investieren, aber wir wollen den Leuten nicht unseren Glauben aufzwingen. Dann hängt der Preis natürlich mit der Menge zusammen. Wir können in einer großen Menge einkaufen und dadurch andere Preise ermöglichen.

Wir wollen Meinungsführer sein und ein Zeichen für Sustainability setzen.

Warum ist C&A der erste Mode-Einzelhändler, der das umgesetzt und die Kategorie Gold erreicht hat? Warum machen das nicht noch mehr Produzenten?

Das ganze Thema Sustainability ist auch ein schwieriges Thema, denn Unternehmen wird oft Green Washing vorgeworfen. Also, dass ein Unternehmen das nur macht, weil es sich gut anhört. Bei uns ist das anders, wir sagen als C&A, dass es eine Glaubenssache ist. Es ist eine Überzeugung, denn ehrlicherweise verkauft sich Mode nicht unbedingt besser, nur weil sie nachhaltig ist. Wir wollen tolle Mode in richtig guter Qualität zu tollen Preisen bieten. Wir glauben aber, dass man Fashion auch nachhaltig machen kann und aus dieser Überzeugung heraus machen wir das. C2C kam so zustande, dass William McDonough seine Idee in einem Gremium in einem ganz anderen Kontext vorgestellt hatte, Leute aus der C&A-Familie das gehört und gesagt haben, genau das wollen wir. So wollen wir Mode produzieren! Natürlich sind wir als Unternehmen umsatzorientiert, aber gerade als Marktführer in vielen europäischen Märkten haben wir eine Chance und auch die Verantwortung, die wir wahrnehmen. Beim Thema Nachhaltigkeit wollen wir nicht aus Imagegründen führend sein, sondern weil wir davon zutiefst überzeugt sind und ein Zeichen für Sustainability setzen wollen.

Inwiefern lässt sich das umsetzen, Meinungsführer zu sein und einen Impuls in der ganzen Branche zu setzen?

Wir haben das mit Partnern entwickelt und wollen im nächsten Schritt auch andere Unternehmen teilhaben lassen, die sich “Fashion for good” anschließen. Es geht uns nicht darum, nur unseren Profit zu maximieren, wir sehen das größer und machen aus meiner Sicht etwas ganz Einzigartiges. Wir sagen: Macht das auch und macht mit! Mit “Fashion for good” können Ideen und Entwicklungen geteilt werden, jeder kann etwas einbringen und in der Zusammenarbeit mit den Wettbewerbern kann die Industrie langfristig geändert werden. Das schafft keiner für sich alleine, das schaffen wir nur zusammen.

Ein Novum im hart umkämpften Textilmarkt!

Wir hoffen, dass der Wettbewerb das gut aufnimmt, Partnerschaften entstehen und wir gemeinsam für die gleiche Sache kämpfen, auch, wenn wir im Tagesgeschäft vielleicht gegeneinander kämpfen. Das Thema ist zu wichtig, um es auf dem Rücken des Prinzips auszutragen.

Der Konsument spielt im C2C-Kreislauf auch eine wichtige Rolle – er muss nämlich dafür sorgen, dass Altkleider recycelt werden. Das T-Shirt kann sogar kompostiert werden …

Es kann kompostiert werden, aber natürlich sagen wir den Kunden nicht: Tragt das T-Shirt ein Mal und werft es dann auf den Kompost. Wir wollen nicht zum Massenkonsum mit schneller Entsorgung aufrufen. Wir stellen hochwertige Produkte her, die den üblichen Qualitätsstandards unterliegen. Das heißt, unsere Produkte sind generell langlebig und halten lange.

Wie wird das Recycling organisiert?

Wir haben in allen niederländischen Stores Rücknahmetonnen, in denen alte Produkte abgegeben werden können. Wir arbeiten mit Partnern zusammen, die das Recyceln übernehmen. Erstmal plädieren wir für „Re-use“, also, benutze das Produkt solange wie du kannst. Wenn das nicht mehr geht, dann rufen wir zum Recyceln auf. Wir fordern unsere Kunden auf, ihre C2C Kleider an “Fashion for good” zu schicken, damit sie für die Forschung verwendet werden können. Upcycling ist auch ein großes Thema, also, wie kann ich aus einem alten Produkt ein tolles neues Produkt machen? Wenn gar nichts mehr geht, dann kann man das Shirt auf den Komposthaufen werfen. Dann wird es zersetzt und hat keinen negativen Effekt auf die Natur. Das zeigt, wie gut das T-Shirt ist, ist aber kein Aufruf zum Massenkompostieren (lacht).

Vielen Dank für das spannende Gespräch, liebe Kristina!

 

Foto: C&A

Illustrationen: Stefanie Rittler für femtastics

 – in Zusammenarbeit mit C&A –

 

 

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