„Deutschland braucht mehr Gründerinnen!“ – Christine Margreiter von Wax in the City

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Die Österreicherin Christine Margreiter hat bereits in jungen Jahren einen Unternehmergeist entwickelt und war in ihrem Leben immer selbstständig tätig. Dabei galt ihre Leidenschaft stets neuen Ideen und, diese groß zu machen. So startete sie ihre Karriere zunächst als Kulturmanagerin und Veranstalterin von großen Festivals, sie schnupperte in die Immobilien- und Marketing-Branche rein und verlor ihr Herz schließlich an die Beauty-Branche. Als einer der ersten Anbieter überhaupt erfüllte sie 2005 zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Sibylle Stolberg die Nachfrage nach Haarentfernung mittels Waxing. Was mit einem kleinen Wax in the City Studio in Berlin begann, ist heute ein internationales Franchise-Konzept. Wie sie bei der Gründung vorgegangen ist, was sie jungen Gründerinnen rät und was nicht zuletzt den Erfolg des Waxings ausmacht, das erzählt sie uns in ihrem Studio in Berlin Charlottenburg.

"Wax in the City" gibt es mittlerweile in 24 europäischen Standorten.

„Wax in the City“ gibt es mittlerweile in 24 europäischen Standorten.

femtastics: Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Waxing?

Christine Margreiter: Das war tatsächlich in Brasilien. Meine Business Partnerin Sibylle und ich waren für Recherchezwecke in Rio und haben Waxing Studios getestet. Um möglichst viele Studios zu testen, habe ich gesagt, dass ich nur ein Bein gewaxt haben möchte, das fanden die natürlich komisch. (Lacht) Die bis dahin in Deutschland einzig geläufige Form des Waxings kannte ich schon aus Kosmetikstudios. Damals kannte man nur die Methode, bei der das Wachs mithilfe eines Vliesstreifens abgezogen wird – bis heute gibt es Studios, die nach dieser Methode arbeiten, aber das Ergebnis ist einfach nicht so gut.

Viele Frauen – ich eingeschlossen – denken bei Waxing an fiese Schmerzen, die einem die Tränen in die Augen treiben. Wie nehmen Sie mir die Angst?

Eigentlich denken eher die Männer bei Waxing an Schmerzen. Mittlerweile haben wir über fünf Millionen Waxings gemacht, das sollte für sich sprechen. Unsere Mitarbeiter, die Depiladoras, bilden wir im unternehmenseigenen Schulungszentrum aus. Sie sind echte Experten auf dem Gebiet und diese Professionalität gemischt mit der Wohlfühlatmosphäre im Studio nimmt den Kunden schnell alle Bedenken. Außerdem verwenden wir in der Behandlung ein hautschonendes Wachs, das extra für uns hergestellt wird. Da das Wachs etwas wärmer als die Körpertemperatur ist, wenn es aufgetragen wird, ist es sehr angenehm auf der Haut und öffnet die Poren, was das Entfernen der Haare noch leichter macht.

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Mittlerweile gibt es auch eine eigene Bodycare-Serie mit Pflegeprodukten, die kontinuierlich ausgebaut wird.

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Was genau passiert beim Waxing? Was spricht im Gegensatz zur Nassrasur für das Waxing?

Alles! (lacht) Zunächst einmal hält es länger. Das kommt auf die Haut, die Haarstruktur an und darauf, wie oft man es macht. Ein paar Wochen hat man Ruhe und die Haare werden weniger. Beim Rasieren werden die Haare an der Oberfläche abgeschnitten. Ein Haar ist konisch. Man denkt, dass die Haare dicker nachwachsen, weil sie an der dicksten Stelle abgeschnitten werden und sie dadurch stoppeln. Ein Haar, das wiederum mit der Haarzwiebel ausgerissen wird, wächst auch wieder konisch nach. Das wirkt feiner. Außerdem ist Waxing schonend zur Haut und eignet sich auch für empfindliche Haut. Beim Rasieren besteht Verletzungsgefahr, durch Schnitte zum Beispiel. Wie oft haben wir uns dabei schon in die Beine geschnitten? Das fällt beim professionellen Waxing weg.

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Woher kommt der Waxing Trend eigentlich?

Es ist nicht nur ein Trend. Haarentfernung gab es schon immer. Schon Cleopatra hat sich die Haare entfernt. In Amerika ist professionelle Haarentfernung mit Warmwachs schon lange etwas ganz Selbstverständliches. Brazilian Waxing hat durch die knappen Bikinis mehr Zuwachs bekommen. Bei uns in Deutschland haben wir ein Angebot für eine latente Nachfrage geschaffen. Hier in Deutschland gab es einfach keine reinen Waxing Studios – hier gab es nur Kosmetiksalons, die neben vielen anderen Dienstleistungen Waxings mit anboten. Das machte sich in der Qualität bemerkbar. Es war zum Beispiel nicht möglich, in Deutschland ein professionelles Intimwaxing zu bekommen. Ich war damals bei Kosmetikerinnen, die bei der Bikinizone aufgehört haben. Weiter trauten sie sich nicht. Ich habe so einiges ausprobiert und habe mir dabei auch schon blaue Flecke geholt. Man kann sehr viel falsch machen.

Die Urfunktion von Haaren hat ausgedient.

Der Enthaarungstrend wird auch kritisch betrachtet, Haare haben eine Schutzfunktion und das Schönheitsideal eines haarlosen Intimbereichs wird nicht zuletzt von der Männerwelt den Frauen aufoktroyiert.

Die Haare hatten früher, als wir noch in Höhlen wohnten, die Funktion uns zu wärmen. Mittlerweile brauchen wir keine Haare mehr, die uns wärmen. Früher haben die Haare Duftstoffe abtransportiert, heute haben wir Parfums. Die Urfunktion von Haaren hat ausgedient. Wir kommen inzwischen auch ganz gut ohne Haare zurecht.

Für mich ist das auch weniger eine Frage des Trends, ich sehe das mehr als Frage der Körperhygiene und des Wohlfühlens. Wir sagen ja nicht, dass sich alle einen Brazilian Hollywood Cut machen lassen müssen. Wir haben ein enorm großes Angebot. Von Bikiniline über Figuren oder Herzchenmuster. Wesentlich ist, dass es hygienisch ist. Vor allem finde ich es absolut unästhetisch, eine Frau in einem Bikini zu sehen und überall quellen Haare heraus. Vielen Frauen gefällt das Gefühl von glatter Haut. Es fühlt sich sehr sauber an.

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Das rein natürliche Wachs wird permanent weiterentwickelt und in Deutschland nach strengen Auflagen hergestellt.

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Lisa spielt das Test-Kaninchen!

Teilweise geht der Trend dennoch zu Natural Hair.

Von dem medial gehypten Zurück zur Natur-Trend bekommen wir in den Studios gar nichts mit. Im Gegenteil. Bei Frauen ist nach wie vor der Brazilian Hollywood Cut, bei dem komplett alle Schamhaare entfernt werden, sehr beliebt. Jedes zweite Waxing bei Frauen ist ein Intimwaxing. Bei Männern stehen Rücken und Schultern im Vordergrund, aber auch Intimwaxing spielt bei Männern zunehmend eine wichtigere Rolle. Junge Menschen enthaaren alle.

Wie sind Sie damals auf den Waxing-Trend aufmerksam geworden?

Ich bin dunkelhaarig. Ich habe beziehungsweise hatte viele Haare, von daher war mein Motiv ein persönliches. Meine Business Partnerin und ich haben eine Marktlücke gesehen. Wie beide kommen nicht klassisch aus dem Beautybereich, haben uns aber immer mit Trends beschäftigt. Bei einem Dinner mit meiner jetzigen Geschäftspartnerin entstand die Idee. Wir haben über klassische Frauenthemen gesprochen und das Thema Waxing kam auf. Wir kannten Waxing aus anderen Ländern und fanden komisch, dass es das hier nicht gibt. Anschließend haben wir angefangen zu recherchieren und stellten fest, dass es tatsächlich keine Waxing-Studios gibt. Dafür konnte es nur zwei Möglichkeiten geben: Entweder, es gibt keine Nachfrage oder es hat bisher noch nie jemand daran gedacht.

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Gerade hat Christine Margreiter mit ihrem Team die App Q entwickelt, mit der man von überall online einchecken und Wartezeiten im Studio einsehen kann.

Also haben Sie es selbst in die Hand genommen. Was war Ihnen bei dem Konzept wichtig?

Wir haben uns überlegt, wie Waxing sein muss, damit es einen Mehrwert hat. Für uns als Geschäftsfrauen war klar, dass es ohne Termin funktionieren muss, weil viele Frauen sehr beschäftigt sind. Wir wollten ein Lifestyleprodukt kreieren und dem Ruf von klassischen Kosmetikstudios entgegenwirken. Wir wollten weder wie ein medizinisches Kosmetikstudio noch wie eine Wellnessoase sein. Waxing ist nunmal keine Wellnessbehandlung, es hat eher einen lästigen Beigeschmack. Wir wollten das einfach und problemlos in einem schönen und hygienisch einwandfreiem Umfeld anbieten. Das war unser Anspruch.

Wie haben Sie das geschafft?

Anders als in der Kosmetikbranche üblich, wo in vielen Salons einfach alles angeboten wird, haben wir uns konsequent auf eine Dienstleistung spezialisiert.  Da ein reines Waxing Studio eine Innovation am deutschen Markt war, mussten wir uns alles selbst überlegen – es gab ja kein bestehendes Konzept, an dem wir uns orientieren konnten. Die Fragen waren zum Beispiel: Welche Einrichtung brauchen wir? Wie sollen die Abläufe sein? Welchen Look soll das Studio haben und wie soll es riechen? Welche Preise sind für den lokalen Markt angemessen? Und nicht zuletzt: Wer sind unsere Kunden? Das war eine riesige Herausforderung und ein gewaltiger Lernprozess, den wir hier durchlaufen haben!

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Man muss immer flexibel bleiben.

Wie haben Sie das Problem gelöst?

Man muss immer flexibel bleiben. Und genau beobachten, was am Markt ankommt und wo Potential ist. Ein Beispiel: Wir haben unser erstes Waxing Studio in Berlin als reines Studio für Frauen eröffnet. Das nächste sollte eins für Männer werden. Wir hatten nicht geglaubt, dass es möglich sein würde, männliche und weibliche Kunden unter einem Dach zu behandeln. An dem Eröffnungstag waren wir dann wahnsinnig gespannt, was passiert. Wir saßen gegenüber in einem Café und haben geschaut, wie viele Kunden kommen. Als dann ein Mann, der in demselben Haus wohnte, ins Studio kam, voller Freude, dass er nun endlich seine lästigen Körperhaare bequem loswerden kann, stand die Mitarbeiterin erst einmal ratlos da. Ein männlicher Kunde will in einem reinen Frauenstudio eine Waxingbehandlung? Sie rief uns an und fragte, was zu tun sei. Daraufhin haben wir direkt am ersten Tag unser Konzept geändert und auch männliche Kunden waren uns herzlich willkommen.

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Wie sind Sie bei der Gründung vorgegangen?

Den Markennamen hatten wir schon, bevor das Konzept stand. Ein starker Markenname war uns sehr wichtig. Wir hatten immer die Vision, etwas Großes zu machen. Wir wollten eine Studiokette aufbauen und mit Franchisepartnern expandieren. Vieles haben wir durch Learning-by-Doing erreicht. Es gab keine Benchmark und wir waren Vorreiter auf dem Gebiet. Wir wurden dann auch viel kopiert.

Hat Sie das wütend gemacht?

Total, weil wir uns das so hart erarbeitet haben. Irgendwann haben wir es als Kompliment gesehen.

Wann kam der Schritt, mit dem Unternehmen ins Ausland zu gehen?

Das hat sich durch die Nachfrage relativ schnell ergeben. Es kamen Anfragen von internationalen Franchise-Interessenten – beispielsweise aus der Schweiz, aus Österreich, England, Irland und Ungarn. Wir sind immer offen dafür, neue Standorte zu erobern. Ob in Deutschland oder im Ausland. Wenn jemand ein eigenes Wax in the City Studio eröffnen möchte, tritt er mit uns als Franchisegeber in Kontakt und wir sprechen gemeinsam darüber, wie sich die Idee vor Ort realisieren lässt.

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Letztendlich braucht man eine Mischung aus Leidenschaft, Bauchgefühl und einer guten Strategie.

Wie strategisch sind Sie an den Aufbau Ihres Unternehmen herangegangen?

Generell sind wir sehr opportunistisch an strategische Fragen herangegangen. Pläne sind aber wichtig, um sich selbst eine gewisse Struktur zu geben. Letztendlich braucht man eine Mischung aus Leidenschaft, Bauchgefühl und einer guten Strategie. Aber den ultimativen Plan, den man eins zu eins umsetzen kann, gibt es meiner Meinung nach nicht. Das ist unrealistisch. Dafür ist das Leben viel zu spontan und aufregend. Man muss flexibel bleiben können.

Welchen Tipp haben Sie für junge Gründerinnen?

Gerade Frauen wünschen sich bei der Gründung oft eine gewisse Sicherheit. Das ist leider häufig das Dilemma, dass Frauen, obwohl sie eine tolle Idee haben und genug Leidenschaft mitbringen, um mit ihrem eigenen Business erfolgreich zu sein, vor der Gründung zurückschrecken. Ich bin davon überzeugt, dass Deutschland viel mehr Gründerinnen braucht, die die Power haben, Dinge anzupacken und einfach zu machen. Franchise kann da ein guter Einstieg sein. Beim Franchise-Konzept ist  das Geschäftsmodell schon etabliert und ich kann mich um die wesentlichen Dinge kümmern. Mit einem erprobten Franchise-System als Partner hat man eine gewisse Sicherheit und die Franchisenehmer profitieren von einem bestehenden, starken Netzwerk. Wenn ich alleine gründe, habe ich das eben nicht.

Vielen Dank für das spannende Gespräch!

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Neben ihren Studios haben Christine Margreiter und Sibylle Stolberg noch die gemeinnützige GmbH „Waxing for Beauty“ gegründet, die Jugendliche und Erwachsene aus Kriegsgebieten nach Deutschland holt, die einen Teil ihrer Schönheit zum Beispiel durch Unfälle oder Krieg verloren haben und vor Ort nicht operiert werden können.

Hier findet ihr Wax in the City:

Fotos: Julia Novy

Layout: Lisa-Marie Vogler

– Diese Story ist in Kooperation mit Wax in the City entstanden –

 

 

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