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Business

Pilotin Anna Schimitzek: "Die Luftfahrt braucht (mehr) mutige Frauen*!"

14. Januar 2026

geschrieben von Lisa van Houtem

Pilotin Anna Schimitzek

Noch immer sind Frauen* im Cockpit die Ausnahme. Nur rund 6,9 Prozent der kommerziellen Pilot*innen in Deutschland sind weiblich – ein Wert, der zeigt, wie stark traditionelle Rollenbilder und strukturelle Hürden diesen Beruf bis heute prägen. Dabei geht es längst nicht nur um Technik oder Talent, sondern um Sichtbarkeit, Vorbilder und die Frage, wem wir Verantwortung in luftiger Höhe zutrauen.

Pilotin Anna Schimitzek gehört zu jener kleinen Gruppe von Frauen*, die sich für den Weg ins Cockpit entschieden haben – und ihn heute selbstbewusst gehen. Mit uns spricht sie über Verantwortung im Cockpit, vom Leben mit Schichtdienst und welche Rolle Mentor*innen und weibliche Vorbilder in ihrer Ausbildung gespielt haben. Ein Gespräch über einen Beruf, der mehr ist als ein Job – und darüber, warum die Luftfahrt dringend mehr Frauen* braucht.

"Je öfter man Frauen* im Cockpit sieht und je normaler dieser Anblick wird, desto eher trauen sich junge Frauen*, diesen Weg selbst zu gehen."

femtastics: Laut einem Flyer der “VCockpit” (Vereinigung Cockpit e.V., Pilotenausbildung) gibt es in Deutschland etwa 1.020 Berufspilotinnen. Der Frauenanteil bei kommerziellen Pilot*innen in Deutschland liegt bei etwa 6,9 %. Warum entscheiden sich immer noch verhältnismäßig wenige Frauen* für diesen Berufsweg?

Anna Schimitzek: Aus meiner Sicht liegt das vor allem an der sehr langen Tradition dieses Berufsfeldes. Viele junge Frauen* begegnen der Idee zu fliegen noch immer nicht selbstverständlich, weil ihnen Vorbilder fehlen. Oft existiert das unterschwellige Gefühl, dass die Rolle im Cockpit eher einem männlichen Ideal entspricht und diese Bilder sitzen tiefer als man denkt.

Was sich ändern muss, ist Sichtbarkeit. Je mehr Frauen* ihre Geschichten erzählen, je öfter man Frauen* im Cockpit sieht und je normaler dieser Anblick wird, desto eher trauen sich junge Frauen*, diesen Weg selbst zu gehen. Es braucht außerdem frühe Berührungspunkte in Schulen, in der Berufsberatung und in den Medien. Mut entsteht, wenn man sich wiederfinden kann.

"Viele Airlines arbeiten aktiv daran, Barrieren abzubauen."

Hat sich die Branche in den letzten Jahren aus deiner Sicht verändert? Gibt es spürbare Fortschritte für Frauen*?

Ich fliege zwar erst seit wenigen Monaten aktiv als Berufspilotin, aber schon während meiner Zeit in der Flugschule hatte ich das Gefühl, dass sich die Branche bewegt. Frauen* im Cockpit sind heute sichtbarer und ein fester Teil vieler Besatzungen. Es gibt mehr Unterstützungssysteme, mehr Austausch und ein deutlich gewachsenes Bewusstsein für Gleichberechtigung. Der Anteil ist zwar weiterhin niedrig, aber die Richtung stimmt. Viele Airlines arbeiten aktiv daran, Barrieren abzubauen.

Meine Flugschule hat zum Beispiel den „Future Female Pilots Day“ ins Leben gerufen. Dabei ging es darum, ein Informationsformat nur für Frauen* zu schaffen, die sich für den Beruf interessieren, und einen geschützten Rahmen zu bieten, in dem Fragen gestellt werden können, die man sich in einer großen gemischten Runde vielleicht nicht trauen würde.

Es gibt noch viel zu tun, aber man spürt, dass das Thema ernst genommen wird und immer stärker in den Mittelpunkt rückt.

Wie war das bei dir: Wann und wie entstand bei dir der Wunsch, Pilotin zu werden? Wie war der Weg dahin?

Als Tochter eines Piloten und einer Flugbegleiterin bin ich schon früh mit dem Beruf in Kontakt gekommen. Ich durfte meine Eltern einige Male zur Arbeit begleiten und wann immer möglich im Cockpit mitfliegen. Für mich war schnell klar: Das möchte ich auch machen.

"Man wächst jeden Tag über sich hinaus, lernt unter Druck zu arbeiten, im Team zu funktionieren und Verantwortung zu tragen."

Wie leicht oder schwer fiel es dir, einen Ausbildungsplatz zu finden?

Ich habe mich direkt nach dem Abitur beworben und musste ein mehrtägiges Auswahlverfahren durchlaufen, bevor ich starten konnte. Nach der Zusage konnte ich zeitnah mit der Ausbildung beginnen.

Wie hast du die Ausbildung erlebt?

Die Ausbildung war eine der prägendsten Phasen meines Lebens. Sie verlangt dir viel ab, aber gibt dir gleichzeitig jeden Tag so viel zurück. Man wächst jeden Tag über sich hinaus, lernt unter Druck zu arbeiten, im Team zu funktionieren und Verantwortung zu tragen. Es ist ein anspruchsvoller, aber unglaublich erfüllender Weg gewesen.

Gab es Mentor*innen oder Role Models im Training oder Flugbetrieb, die deine professionelle Entwicklung geprägt haben?

Ja, absolut. Ich kann mich sehr gut an meine erste Fluglehrerin erinnern. Sie war eine der wenigen Frauen* in meinem gesamten Training und hat mir das Landen beigebracht. Vor allem aber hat sie mir in einem entscheidenden Moment unglaublich viel Mut und Selbstbewusstsein gegeben, weil sie gespürt hat, dass ich genau das damals gebraucht habe. Ich hatte viele tolle Ausbilder, aber Frauen* bringen oft ein anderes Feingefühl mit, das in so prägenden Phasen einen riesigen Unterschied machen kann.

Generell freue ich mich immer, wenn ich auf Frauen* in der Branche treffe, weil es eben noch so selten vorkommt. Die wenigen Frauen*, die man in Dokus sieht, auf Social Media entdeckt oder deren Bücher man liest, werden schnell zu wichtigen Orientierungspunkten. Man hangelt sich an ihren Geschichten entlang, weil echte Vorbilder rar sind. Besonders wertvoll ist auch zu sehen, wie sie Themen wie Familienplanung, Partnerschaft oder den Umgang mit unregelmäßigen Arbeitszeiten meistern. Diese Begegnungen bleiben hängen und geben Kraft. Sie zeigen, dass man nicht allein ist, dass es Frauen* gibt, die diesen Weg erfolgreich gegangen sind, und man es deshalb auch schaffen kann.

"Verantwortung bildet das Fundament unseres Berufs. Im Cockpit zählt jede Entscheidung."

Du hast gerade die unregelmäßigen Arbeitszeiten angesprochen. Schlaf spielt dabei sicher auch einen Rolle. Wie bekommt man trotz Schichtdienst genug Quality Sleep, hast du da Hacks und Learnings aus deinem Alltag?

Kurze Power Naps vor sehr späten Diensten oder Nachtschichten können Gold wert sein. Keine koffeinhaltigen Getränke mehr nach einem bestimmten Zeitpunkt. Außerdem: ein klarer mentaler Cut vor dem Schlafengehen. Wie wichtig der ist, hat mir auch das vierwöchige Schlaftracking mit der „Samsung Galaxy Watch8“ im Rahmen der “Held*innen der Nacht”-Kampagne von "Samsung", an der ich teilgenommen habe, bestätigt.

Die Schlafcoaching-Funktion mit „Galaxy AI“ gibt hilfreiche personalisierte Vorschläge zur Abendroutine und der optimalen Schlafumgebung. Ich versuche beispielsweise etwa zwei Stunden vor dem Schlafen nichts mehr zu tun, was mich mental oder körperlich anstrengt. Stattdessen lese ich lieber noch ein Buch oder höre ein Hörbuch. Kleine Rituale helfen dem Kopf, schneller herunterzufahren.

Was bedeutet Verantwortung für dich im Cockpit?

Verantwortung bildet das Fundament unseres Berufs. Im Cockpit zählt jede Entscheidung, weil sie direkte Auswirkungen auf die Menschen hat, die uns anvertrauen, dass wir sie sicher ans Ziel bringen. Verantwortung heißt, Abläufe konsequent einzuhalten, Risiken realistisch einzuschätzen und als Crew geschlossen zu handeln. “Verantwortung” ist ein großes Wort, für uns aber tägliche Praxis und Selbstverständlichkeit.

"Die Luftfahrt braucht (mehr) mutige Frauen*, und du kannst eine davon sein."

Was würdest du jungen Mädchen sagen, die davon träumen zu fliegen, sich aber vielleicht nicht trauen?

Stell dir vor, deine Träume sind wie ein innerer Kompass. Wenn er immer wieder in die gleiche Richtung zeigt, kannst du ihm vertrauen. Manchmal scheint der Traum vom Fliegen zu weit weg, quasi unerreichbar, aber du musst nicht sofort alles wissen oder können. Der Weg dorthin entsteht beim Gehen. Suche dir Menschen, die an dich glauben, dich unterstützen, und lass Zweifel nicht lauter werden als deine Begeisterung. Die Luftfahrt braucht (mehr) mutige Frauen*, und du kannst eine davon sein.

Hier findet ihr Anna Schimitzek:

Foto: Anna Schimitzek