Trennung mit Kindern: femtastics Leserinnen erzählen von ihren Erfahrungen

2. September 2023

Geht eine Paarbeziehung in die Brüche, ist dies meist eine Zeit großer Umbrüche – oftmals verbunden mit vielen emotionalen Herausforderungen. Gibt es dazu noch gemeinsame Kinder, kann die Trennung nochmals schwerer fallen und Probleme verdichten sich, aber auch das Gegenteil kann der Fall sein. Eine Zeit des Umbruchs birgt immer auch Chancen für einen neuen Lebensentwurf, der im besten Fall alle Beteiligten glücklicher und zufriedener macht.

Wie kann ein neues Leben aussehen? Welche Absprachen werden getroffen? Wie sieht die neue, finanzielle Aufstellung aus? Wir haben unsere femtastics Community auf „Instagram“ gefragt, wie sie die Zeit der Trennung empfunden haben, welche Probleme es zu bewältigen gab und wie sie die Trennung heute leben.

Isabella: „Es muss nicht immer die Mutter die Kinder behalten.“

„Wir haben uns damals überwiegend im Guten getrennt. Unsere Kinder waren 1,5 und 3,5 Jahre alt. Ich hatte mich gerade komplett neu beruflich orientiert nach drei Jahren zu Hause. Allerdings fiel mir nach einigen Wochen auf, dass ich mein Leben so lebte wie er es wollte und ich dauerhaft so nicht glücklich werden würde (gekriselt hatte es während der zweiten Schwangerschaft schon).

Also habe ich alles hingeworfen und einen Job bei meinem Traumarbeitgeber angenommen, in diesem Zuge erfolgte dann auch die einvernehmliche Trennung. Uns war beiden klar, dass ich erstmal viel unterwegs sein würde in ganz Deutschland. Er hatte sein beruflich und privat beständiges Umfeld und stand finanziell deutlich besser da. Daher kam gemeinsam die Entscheidung, dass die Kinder bei ihm bleiben würden. Gleichberechtigung eben. Es muss in unseren Augen nicht immer die Mutter die Kinder behalten.

Anfangs war ich knapp 600 Kilometer entfernt. Ich habe die Kinder jedes zweite Wochenende bei ihm besucht und nur für die Ferien zu mir geholt. Inzwischen wohnen wir nur noch zwei Stunden entfernt. Die Kinder sind jedes zweite Wochenende und anteilig unter der Woche bei mir. Sie sind inzwischen 7,5 und 5,5 Jahre alt. Der Unterhalt ist nach wie vor außergerichtlich geregelt.“

Claudia: „Wie wird es für die Kids und wird es jemals Familienfotos von uns geben?“

„Für mich war es zunächst ein Riesenschock. Unsere zweite Tochter war gerade einmal zehn Wochen auf dieser Welt. Ich war noch fast im Wochenbett und voller Hormone, die mich durcheinander wirbelten. Als Erstes ging mir durch den Kopf: Wie wird es für die Kids und wird es jemals Familienfotos von uns geben?

Ziemlich schnell waren wir uns einig: die Kinder zählen und unsere Egos müssen hinten anstehen. Seit nunmehr zweieinhalb Jahren leben wir im Wechselmodell. Eine Papawoche und eine Mamawoche. Zwischendurch gibt es zu verschiedenen Anlässen wie Geburtstage, Einschulung, Weihnachten oder einfach mal Eisessen Familienfotos. Darauf sind wir stolz und sind vielleicht auch ein klein bisschen Vorbild für andere Familien. Für die Kinder ist es selbstverständlich geworden, sie spüren, dass wir uns gut verstehen. Wie sie es als Erwachsene sehen werden, wird sich zeigen. Manchmal macht mir das Angst.

Komischerweise komme ich manchmal in die Verlegenheit, erklären oder gar rechtfertigen zu müssen, dass wir unser Familienmodell so leben wie wir es leben und warum es so gut läuft. Es scheint doch eine Seltenheit zu sein. Ich finde, das sind wir unseren Kindern schuldig. 

Vor allem im Urlaub zeigt sich allerdings wie herausfordernd es sein kann. Immer allein die Verantwortung zu tragen, die Augen überall zu haben. Es ist auch anstrengend, aber es zeigt mir: Ich kann alles schaffen. Eines bewegte mich in der Zeit der Trennung sehr: Ich habe wieder zu mir gefunden – als Frau. Als begehrenswerte Frau.

Eine mir sehr nahestehende Person sah mich einmal an und sagte, sie verstehe nicht, wie ich die Zeit ohne die Kinder so genießen könne. Aber ja, der Papa liebt und betreut unsere Kinder genauso wie ich, sie sind in guten Händen und ich kann mich in der Papawoche auf mich konzentrieren.“

Julia: „Das Schlimmste an der Trennung sind die Schuldgefühle den Kindern gegenüber – es für sie nicht geschafft zu haben.“

„Wir waren sehr jung, als wir ein Paar wurden und haben uns getrennt, als die Kinder drei und sechs Jahre alt waren. Das Schlimmste an der Trennung sind die Schuldgefühle den Kindern gegenüber – es für sie nicht geschafft zu haben. Dabei waren wir uns eigentlich immer sicher, dass, wenn es ein Paar hinkriegt, dann ja wohl wir. Für mich ist damals die Welt zusammengebrochen, obwohl ich es war, die am Ende den Schlussstrich gezogen hat. Für ihn sicher auch.

Träume zu begraben und all das aufzugeben, was man sich für das Leben gewünscht und auch fest vorgenommen hatte, hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Das brauchte erstmal ein neues Fundament, das neue Leben als vermeintlich ‚gescheiterte Familie‘, wie das gern von außen betrachtet wird und irgendwie auch immer noch von mir. Mich davon freizumachen, ist mir auch nach vier Jahren nicht ganz gelungen, genauso wenig wie von den Schuldgefühlen. 

Heute leben wir im Wechselmodell, wir verstehen uns, es geht uns allen gut. Das war nicht immer so, aber es war immer klar, dass wir im Sinne der Kinder handeln und möglichst davon ausgehen, dass hier jede*r sein*ihr Bestes gibt. Wir haben viel geredet, vor allem mit den Kindern und nie schlecht vor ihnen über den*die andere*n. Ich denke, es gibt für Trennungskinder kaum Schlimmeres, als im Loyalitätskonflikt zwischen den Eltern zu stecken. Die beiden kleinen Menschen, die keine Wahl hatten, verdienen es, dass wir als Eltern aus der Situation das Beste für sie machen.

Ich würde sogar so weit gehen, dass das, was wir jetzt leben wirklich geteilte Elternschaft ist, geteilte Sorge- und geteilte Care-Arbeit – so wie es eigentlich sein sollte und ich denke, wir können ganz uneitel stolz darauf sein, wie wir das bisher gemeistert haben. Auch wenn wir kein Paar mehr sind, bin ich wirklich froh, dass meine Kinder einen Papa haben, der sich so kümmert und einsetzt und da ist – denn das ist leider so gar nicht selbstverständlich.

Was mich überrascht hat, ist wie lange Dinge heilen müssen. Mir hat mal jemand gesagt: Eine Trennung zu verarbeiten braucht halb so lange, wie die Beziehung gedauert hat. Bei 13 Jahren ist das eine wirklich lange Zeit, aber es scheint was dran zu sein. Und wir werden alle etwas mitnehmen. Sowohl wir Eltern als auch die Kinder.“

Illustration: Adobe Stock

2 Kommentare

  • N sagt:

    Es spricht mir so aus der Seele! Wir sind seit 4 Monaten getrennt aber leben weiter zusammen als Eltern-WG mit unseren Kindern (10 & 13). Die beiden finden es noch schwierig und fragen oft, ob wir nicht wieder zusammen kommen können damit alles wieder so „schön“ ist wie früher. Dass es für uns als Paar am Ende nicht mehr schön war verstehen sie natürlich nicht und da wir auch nichts negatives über unsere Paarbeziehung sagen wollen, ist das gerade ein bisschen schwierig zu vermitteln. Ich hoffe so sehr, dass sie später einmal erkennen, dass es so für Mama und Papa am besten war, und dadurch auch für sie.

  • Nils E. sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel zu Trennung mit Kindern. Gut zu wissen, dass man sagt, es dauert halb so lang wie die Beziehung, eine Trennung zu verarbeiten. Ich werde jetzt die familienrechtliche Angelegenheiten klären lassen zur Scheidung und wollte mich hier mal belesen.

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