Mia Vadasz mischt stilvoll Zürichs Shopping-Welt auf

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Zusammen mit ihrem Mann führt Mia Vadasz in Zürich den Store und das gleichnamige Label Townhouse Zurich, unter dem sie schöne Accessoires und Living-Produkte verkaufen. Außerdem haben die beiden das Männer-Label Pelikamo gegründet und Mia noch ein Schmucklabel und Accessoire-Label für Mamas. Die 36-Jährige, die gebürtig aus der Schweiz kommt und eine japanische Mama hat, sprudelt vor Ideen, die sie gerne in die Tat umsetzt – und ist dabei sehr stilsicher. Keine Frage, dass wir Mia bei unserem Zürichbesuch kennenlernen mussten! Wir besuchen sie in ihrer Traumwohnung mit Panoramablick über den Zürichsee im schön grünen Stadtteil Zollikon.

 

femtastics: Du bist in Zürich aufgewachsen. Was gefällt dir am Leben hier?

Mia Vadasz: Zürich bietet so viel, gerade im Sommer mit dem See. Habt ihr schon die Strandbäder gesehen? “Badis” heißen die. Du kannst in der Mittagspause mal eben schwimmen gehen! Auch die Größe der Stadt finde ich toll. Ich bin eigentlich immer zu Fuß unterwegs, gerade mit meinem Baby. Hier gibt es viele Museen, schöne Parks und Spielplätze. Du bist in zwei Stunden in den Bergen und kannst im Winter Skifahren. Außerdem bist du schnell in Italien oder in Frankreich … es ist perfekt!

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Mia wohnt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in einer schönen Wohnung mit großer Terrasse und Ausblick.

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Zürich bietet so viel, gerade im Sommer mit dem See.

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Du wohnst etwas außerhalb, im beschaulichen Zollikon. Was hat dich hierher verschlagen?

Zollikon liegt außerhalb der Stadt. Mein Mann ist hier aufgewachsen. Es ist aber Zufall, dass wir hier gelandet sind. Nach der Hochzeit wollten wir umziehen, und außerhalb der Stadt hat man natürlich mehr Platz. Das war uns für das Baby wichtig. Ich fand es einfach schön hier, und mein Mann kennt sich hier aus. Back to the roots!

Was sind deine Lieblingsplätze in und um Zürich?

Ich finde das Quartier rund um den Rindermarkt in der Altstadt sehr schön, da gibt es ganz viele tolle kleine Läden. Die Josefwiese ist toll, eine große Wiese, auf der man picknicken kann – mit Baby super. Das machen wir oft am Wochenende. In Zürich genieße ich die Kombination aus Altstadt und der etwas eleganteren Bahnhofstraße, dazu Kreis Vier und Fünf, wo alle hippen Restaurants und Cafés sind. 

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Rechts: Schmuckstücke von Mias Label MIAKI

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Ich habe mich immer sehr für Ästhetik interessiert, ich wollte immer mein eigenes Label haben.

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Rechts: auch Vodka lässt Mia exklusiv für Townhouse Zurich produzieren.

Mitten im Stadtzentrum hast du einen Store, Townhouse. Das Label hast Du 2009 zusammen mit Deinem Mann gegründet. Wie kam es dazu?

Wir haben beide BWL studiert und zunächst beide den klassischen Weg eingeschlagen: Mein Mann war in der Beratung tätig und ich war bei L’Oréal im Produktmanagement. Das haben wir drei Jahre lang gerne gemacht, wir hatten Freude am Job. Aber ich wollte immer selbstständig sein. Ich habe mich immer sehr für Ästhetik interessiert, ich wollte immer mein eigenes Label haben. Es hat sich per Zufall ergeben – damals wohnten wir in der Altstadt oberhalb vom jetzigen Townhouse. Als wir hörten, dass die Ladenfläche frei wird, haben wir relativ schnell unsere Jobs gekündigt und den Laden eröffnet. Wir waren noch kinderlos, hatten eine gute Ausbildung, es war der richtige Zeitpunkt – jetzt oder nie! Und wir hätten wieder in unsere Jobs zurück gekonnt, wenn es nicht geklappt hätte.

Seid ihr direkt mit eurem eigenen Label gestartet?

Zunächst hatten wir unseren Laden als klassischen Concept-Store geplant. Das heißt, wir haben am Anfang andere Labels eingekauft und haben mit einer kleinen eigenen Kollektion aus fünf Produkten angefangen. Dann wurde unsere eigene Kollektion immer größer; auch weil wir merkten, dass es schwierig ist, einzigartige Produkte anzubieten, wenn man auf Messen einkauft. Viele Läden haben die gleichen Produkte. Das hat uns extrem genervt und irgendwann haben wir gesagt: Das geht so nicht. Wir haben daraufhin alle Labels wieder herausgenommen und unser eigenes Townhouse-Label gegründet. Jetzt verkaufen wir nur noch unsere eigenen Sachen.

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Wir waren noch kinderlos, hatten eine gute Ausbildung, es war der richtige Zeitpunkt – jetzt oder nie!

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Schmuckstücke von MIAKI

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Die Kerzen und Täschchen sind von Townhouse Zurich.

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Wir stecken sehr viel Leidenschaft in unser Label, und ich glaube, das haben die Leute gemerkt.

 

Seit der Eröffnung hat sich wahnsinnig viel getan – ihr habt viel internationale Aufmerksamkeit erhalten, etablierte Medien haben schon im ersten Jahr über euch berichtet. Es folgten neue Kollektionen und zahlreiche Collabs mit anderen Brands. Wie habt ihr es geschafft, dass Townhouse so erfolgreich wurde?

Wir haben viel gearbeitet! Am Anfang war es natürlich schwierig und wir mussten auf vieles verzichten. Wir haben sieben Tage die Woche gearbeitet, waren jeden Tag zu zweit im Laden. Am Sonntag und Montag haben wir von zu Hause aus gearbeitet. Wir haben aber auch sehr viel Glück gehabt, es hat alles gepasst und die Leute sind auf uns zugekommen. Wir mussten gar nicht viel Pressearbeit machen. Wir stecken sehr viel Leidenschaft in unser Label, und ich glaube, das haben die Leute gemerkt. Unser Konzept war zudem damals ziemlich einzigartig. Da gab es noch keine Concept-Stores in Zürich. Wir produzieren fast alles in Europa, designen alles selbst; diese Mischung kam gut an. Wir wollten keine Massenware, die billig produziert wird. Wir wollten etwas kreieren, hinter dem wir voll und ganz stehen können. So ist Townhouse entstanden, und daraus Pelikamo, unser Herrengeschäft.

Wann kam das dazu?

Das kam 2012. Es war meine Idee und ich konnte meinen Mann überzeugen. Pelikamo entstand aus dem Townhouse heraus, weil wir dort auch Männer-Produkte hatten und diese sehr gut liefen. Wir sahen Potential für einen Herren-Laden in Zürich. Inzwischen ist es unser Hauptgeschäft geworden. Mein Mann arbeitet jetzt 100 Prozent für Pelikamo. Wir haben für Pelikamo ein tolles Team und ein Büro, in dem mein Mann jeden Tag ist. Auch 80 Prozent meiner Arbeitszeit fließen in Pelikamo. Den Rest meiner Arbeitszeit verbringe ich mit Townhouse – und ich mache ja noch MIAKI und Elma&Polina. 

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Links: Die “YES”-Ballons haben Mia und ihr Mann zur Hochzeit bekommen. Gerahmt erinnern sie an den besonderen Tag. Rechts: Tasche von Elma&Polina

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Insgesamt sind es jetzt also vier Labels: neben Townhouse und Pelikamo machst du das Schmuck-Label MIAKI und Elma & Polina, ein Accessoire-Label für Mamas. Hast du dich etwa gelangweilt mit zwei Labels?

Ich finde es extrem spannend, neue Sachen zu machen, die Abwechslung gefällt mir sehr. Im Pelikamo liegt der Fokus auf Männer, die Produkte im Townhouse kann ich selber tragen und ich habe dort die Möglichkeit, mich kreativ auszutoben. Der Job bei Pelikamo ist mehr Unternehmensführung geworden, was auch sehr spannend ist, aber auch da mache ich noch die Produktentwicklung. Die zwei anderen Labels sind spontan entstanden: Elma&Polina entstand, als ich mit einer Freundin, die auch gerade Mama geworden war, einen Kaffee trinken war. Wir haben uns angeschaut und gesagt: Lass uns doch etwas gemeinsam machen!

Das ist deine Devise: einfach machen?

Genau, ich mache dann einfach!

Wer macht das Design für eure Produkte?

Bei Townhouse machen mein Mann und ich das zusammen, bei Pelikamo auch, aber da haben wir noch ein Team, das uns unterstützt. Das wäre sonst zu viel, es ist auch wesentlich komplexer. Die Entwicklung eines Produkts für Pelikamo, zum Beispiel eine Jacke, kann bis zu einem Jahr brauchen: Schnittmuster, Reißverschlüsse, Innenfutter, … das Design muss hundertprozentig stimmen. Im Townhouse sind es eher Accessoires, die in der Entwicklung nicht so komplex sind. Den Schmuck entwerfe ich alleine. Wir arbeiten mit spezialisierten Firmen. Mein Mann und ich haben beide keine Design-Ausbildung; wir haben uns immer nur für das Ästhetische interessiert. Die Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten, sind jeweils auf ein Produkt spezialisiert. Mein Lieblingsbeispiel ist unser Sockenproduzent: ein Familienunternehmen in Rom, das seit 120 Jahren nichts anderes als Socken macht. Unsere Expertise kommt von unseren Produzenten und wir verbringen viel Zeit damit, diese zu finden.

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Auf der Patchwork-Decke aus japanischen Stoffen hat schon Mia als Baby gelegen. Jetzt ziert sie in einem Rahmen das Kinderzimmer von Mias Tochter.

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Wie können wir uns deinen Arbeitsalltag vorstellen? 

Mein Arbeitsalltag ist sehr unterschiedlich, ich genieße sehr die Abwechslung. Zwei Tage in der Woche bin ich in unserem Pelikamo-Büro, da gibt es immer viel zu tun. Produktentwicklung steht sehr stark im Fokus, aber auch die strategischen Entscheidungen. Ich kümmere mich auch noch um Human Ressources und Marketing. Einen Tag pro Woche arbeite ich zu Hause. Da versuche ich, kreativ zu arbeiten, ich zeichne, suche nach Inspirationen. Das ist Zeit für mich, ich kann ganz in Ruhe arbeiten. Wir arbeiten aber auch viel abends und am Wochenende, wenn das Baby schläft …

Trennt ihr Arbeit und Privates? Oder ist das für euch eine Welt?

Es ist schwierig, das zu trennen, es ist aber auch nicht so, dass es mühsam ist. Es gibt Themen, die wir nicht unbedingt beim Abendessen besprechen möchten, wie beispielsweise Zahlen, aber wir teilen natürlich den Alltag und tauschen uns aus. Wir sprechen dauernd über Arbeit, aber es ist ok, wir machen es ja gern.

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Mia macht uns einen bunten, leckeren Couscous-Salat mit Avocado, Mozzarella, Beeren und frischen Kräutern.

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Was sind die Herausforderungen, ein Unternehmen zusammen mit dem Partner zu führen?

Es muss natürlich gut funktionieren und das wussten wir. Wir haben zusammen studiert und schon zu Studienzeiten viele gemeinsame Projekte umgesetzt, wir wussten, wir ergänzen uns gut. Ich glaube, nicht alle Paare können zusammenarbeiten, das funktioniert nicht immer. Bei uns klappt es. Privat streiten wir nie, wenn wir streiten, ist es geschäftlich. Das gehört dazu. Und es ist gut, ein Büro zu haben mit Leuten um dich herum.

Wie wichtig war die berufliche Erfahrung im Konzern für die Selbstständigkeit?

Schon sehr wichtig. Das Studium war gut und spannend, aber das meiste haben wir während des Jobs gelernt. Ich bin froh, dass wir uns nicht direkt nach dem Studium selbstständig gemacht haben. Ich hätte sofort loslegen wollen, mein Mann hat aber gesagt, lass uns erstmal arbeiten. Im Nachhinein bin ich froh. Wir haben in den drei Jahren so viel gelernt, in Strukturen zu arbeiten, die Prozesse … das war extrem wertvoll. Ich würde es rückblickend auf keinen Fall anders machen.

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Privat streiten wir nie, wenn wir streiten, ist es geschäftlich.

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Zu eurem ersten Store sind weitere hinzugekommen. Hattest du je Sorge vor dem finanziellen Risiko, das eine Store-Eröffnung mit sich bringt?

Du kriegst schon ab und zu kalte Füße, aber wirklich Sorgen gemacht haben wir uns nie. Die schwierigste Zeit war das erste Jahr, aber wir hatten genug Selbstvertrauen, weil wir wussten, wir würden wieder einen Job finden. Das war entscheidend. Es gab keinen Tag, an dem ich es bereut hätte. Etwas banal gesagt, haben wir unser Hobby zum Beruf gemacht, wir haben nie den Wunsch verspürt, in unsere alten Berufe zurückzukehren.

Wir haben nie den Wunsch verspürt, in unsere alten Berufe zurückzukehren.

Du bist seit kurzem Mama. Wie organisiert ihr Job und Familie?

Ich habe mir im Voraus viele Sorgen gemacht. Ich hatte große Angst, weil wir unser ganzes Leben lang immer viel gearbeitet haben, auch am Wochenende. Ich wusste, wenn wir ein Baby haben, dann geht das nicht mehr. Es hat sich aber sehr gut eingependelt. Ich trenne das: Wenn ich mit meinem Baby zusammen bin, beantworte ich keine Mails und gehe nicht ans Telefon, so funktioniert es sehr sehr gut.

Ist deine Tochter schon in der Kita?

Ja, drei Tage in der Woche. Das funktioniert sehr gut und ist für mich auch schön. So kann ich mich drei Tage lang komplett auf die Arbeit fokussieren und die anderen Tage bin ich voll für meine Tochter da. Ich genieße es extrem.

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Wenn ich mit meinem Baby zusammen bin, beantworte ich keine Mails und gehe nicht ans Telefon.

Femtastics-Mia-Vadasz-Details

Wie häufig arbeitest du an Produktentwicklungen? Ist das etwas Saisonales oder ein laufender Prozess?

Daran arbeite ich immer. Elma&Polina beispielsweise haben wir erst im Dezember mit einer ganz kleinen Kollektion gestartet. Jetzt ist die zweite Kollektion in Produktion und kommt in drei Wochen. Bei Townhouse ist es so, dass ich mich jede Woche hinsetze und mir neue Designs überlege.

Hast du einen ultimativen Business-Tipp für junge Gründerinnen?

Wir haben uns von Anfang an zu Herzen genommen, nur das zu machen, was uns wirklich gefällt. Jedes Produkt, das wir kreieren, ist ein Produkt, was wir selber nutzen und tragen. Wir haben beide BWL studiert, ohne den Designer-Blick, und so entwickeln wir auch unsere Produkte: Wir überlegen, was der Kunde möchte, wir haben nicht den Anspruch, etwas Künstlerisches zu machen. Es soll etwas sein, was qualitativ gut ist und woran der Kunde Freude hat. Oft sind es die einfachen Sachen, die der Kunde möchte. Den Pelikamo-Pullover verkaufen wir am meisten in Blau, Grün und Grau. Wir haben nicht das Bedürfnis, etwas ganz Ausgefallenes zu kreieren, sondern produzieren zeitlose Klassiker. Wir haben immer den Kunden und seine Wünsche im Kopf. Dieser Ansatz hat bei uns funktioniert. Auch versuchen wir, alles von Null neu zu definieren. Wir übernehmen nichts, nur, weil es die anderen so machen. Im Retail gibt es ganz klare Gesetze, aber wir machen zum Beispiel keinen Sale. Wir überlegen immer, ob etwas wirklich sinnvoll für uns ist. Das kann ich allen empfehlen: dass man seinen eigenen Weg findet.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Ich habe viele Visionen, arbeite immer sehr spontan. Mein Mann hat seinen Fünf-Jahres-Plan und weiß, wohin wir möchten. Ich bin eher “go with the flow” und intuitiv, es muss im Herzen stimmen. Am Ende haben wir die gleiche Vision; mein Mann setzt die Ziele langfristig und ich denke, es muss jetzt stimmen. Wir finden uns immer in der Mitte.

Vielen Dank für das Gespräch, Mia!

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Der Townhouse-Store in der Altstadt von Zürich.

Femtastics-Townhouse-Zurich-Taschen

 

Hier findet ihr Mia Vadasz:

 

Townhouse Zurich: Weite Gasse 4, 8001 Zurich

Fotos: Mojca Vidmar

Layout: Carolina Moscato

 

 

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