Female Finance: Corona – die zweite Welle

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29. Oktober 2020

Die Fallzahlen der Corona-Infektionen schießen in die Höhe und es steht außer Frage, dass wir uns mitten in der „zweiten Welle“ befinden. Was heißt das für deine Investitionen?

Die Suche nach der Glaskugel

Der wichtigste Satz in unsicheren Zeiten wie momentan lautet: „An der Börse wird die Zukunft gehandelt.“ Die Börse spiegelt nicht wider, wie die Situation aktuell ist, sondern wie die Zukunft aussieht. Das Problem daran ist natürlich: Niemand weiß, was die Zukunft bringen wird. Die Börsenkurse zeigen also die Erwartungen der Investor*innen für die Zukunft. Einmal den Blick in die Glaskugel, bitte!

Was heißt das für dich als Investorin? Solltest du lieber verkaufen, um einem möglichen Absturz zuvor zu kommen? Oder sind die Corona-Fallzahlen bereits eingepreist und die Börse wird sich kaum oder gar nicht bewegen?

Langfristig Gewinn; kurzfristig Panik

Fakt ist: Es gibt keine zuverlässigen Vorhersagen für die Börsenkurse. Fakt ist auch: In den allermeisten Fällen war es bislang immer besser, investiert zu sein, als nicht investiert zu sein. Der Absturz im Frühjahr war rasant, aber die darauffolgende Erholung ging genauso schnell (und unerwartet) vonstatten. Wichtig ist, dass du langfristig denkst und kurzfristige Schwankungen sowohl finanziell als auch emotional aushalten kannst; dass du also nicht irgendwann in Panik oder aus finanzieller Not verkaufst. Dann kannst du am Aufschwung, der irgendwann wieder kommen wird, teilhaben. Langfristig sind Aktien ein toller Renditetreiber.

Wenn du also schon investiert bist, würde ich dir raten, abzuwarten und vielleicht gar nicht ins Depot zu schauen. Denn was du im Fall eines Börsencrashs in deinem Depot siehst, ist nur ein sogenannter Buchverlust. Solange du nicht verkaufst, bleibt es eine Zahl in deinem Depot; erst, wenn du die Aktien zu einem niedrigen Preis verkaufst, realisierst du diesen Verlust.

Solange du nicht verkaufst, bleibt es eine Zahl in deinem Depot; erst, wenn du die Aktien zu einem niedrigen Preis verkaufst, realisierst du diesen Verlust.

Claudia Müller ist Gründerin des „Female Finance Forum“.

Sommerschlussverkauf

Falls du noch nicht investiert bist oder noch Geld hast, das du „nachschießen“ möchtest, könnte jetzt eine spannende Zeit sein, um einen möglichen Abschwung nutzen zu können. Ein Börsensturz ist für uns als Investorin wie ein Sommerschlussverkauf: Du bekommst mehr für dein Geld. Falls du über einen Sparplan regelmäßig investierst, nimmst du diese Sommerschlussverkäufe automatisch mit.

Bei aller Schlussverkauf-Panik solltest du dir natürlich eine gute Strategie überlegen. Ein paar Kriterien für deine Investitionen an der Börse sollten sein:

  • Risikostreuung: Investiere lieber nicht in nur ein paar einzelne Unternehmen, sondern achte darauf, dass deine Investitionen international und aus verschiedenen Branchen aufgestellt sind. Am einfachsten und kostengünstigsten geht das mit Aktienfonds, z.B. ETF. Hier kannst du dich zu dem Thema einlesen.
  • Langfristig denken: Mach dir nicht zu viele Gedanken über kurzfristige Börsenschwankungen. Eine Investition in Aktien (und auch in einen Aktien-Fonds oder Aktien-ETF) solltest du mindestens zehn Jahre lang nicht anfassen; zumindest nicht verkaufen. Das solltest du auch bedenken, wenn du überlegst, welche Summe du investieren möchtest. Hast du dieses Geld zurzeit verfügbar, oder möchtest du in Wirklichkeit in drei Jahren eine Immobilie kaufen und brauchst das Geld als Eigenkapital? Dann solltest du es nicht in Aktien investieren.
  • Notgroschen: Corona hat gezeigt, dass unser System doch nicht so sicher ist wie gedacht. Umso wichtiger ist ein gut gefüllter Notgroschen, der dich ruhig schlafen lässt und auf den du im Notfall zurückgreifen kannst. Der Notgroschen sollte so hoch sein, dass er dich und alle von dir abhängigen Menschen, Tiere oder Zimmerpflanzen für drei bis sechs Monate finanzieren kann. Das können schnell 10.000 Euro oder auch 20.000 Euro sein. Dieses Geld solltest du schnell zugänglich z.B. auf einem Tagesgeldkonto verfügbar haben. Auf gar keinen Fall solltest du dieses Geld nehmen, um im Schlussverkaufrausch Aktien zu kaufen. Der Notgroschen ist nur für den Notfall da.

Niemand weiß, wie sich die Börse in den nächsten Monaten entwickeln wird. Daher solltest du deine Strategie nicht kurzfristig anpassen. Finanztip hat getitelt: „Augen zu und durch.“ Dem kann ich nur zustimmen.

 

Text: Claudia Müller

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Illustration: Stefanie Berkmann

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