Female Finance: Krankenversicherung – gesetzlich oder privat?

28. Februar 2020

Die Krankenversicherung ist in Deutschland (zum Glück) Pflicht. Aber wie unterscheiden sich die gesetzliche und die private Krankenversicherung?

Gesetzliche Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung funktioniert nach dem Solidaritätssystem: Je weniger Einkommen man hat, desto niedriger ist der Beitrag. Kinder und Ehepartner*in ohne eigenes Einkommen sind mitversichert. Allerdings ist der freiwillige Beitrag z.B. als Selbständige relativ hoch, da von einem Mindesteinkommen ausgegangen wird. Außerdem zahlt bei Angestellten der Arbeitgeber die Hälfte des Beitrags; diesen Anteil musst du als Selbständige selbst übernehmen. Dafür steigt der Beitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht über einen Höchstbeitrag, egal, welches Einkommen, Alter oder welchen Gesundheitszustand du hast.

Private Krankenversicherung

Als Selbständige, Beamtin, Studentin oder Angestellte mit einem Brutto-Jahresgehalt von mehr als 60.750 Euro (Stand 2019) hast du die Wahl, ob du aus der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln möchtest. Private Krankenversicherungen dürfen sich ihre Kundinnen aussuchen und dich sogar ablehnen, falls du Vorerkrankungen hast. Der Beitrag, den du zahlst, richtet sich nach deinem Alter, Gesundheitsstand und der Leistung der Krankenversicherung. Außerdem gibt es keine Mitversicherung für Kinder oder Partner*in; jede Versicherte muss einen eigenen Beitrag zahlen.

Claudia Müller ist Gründerin des „Female Finance Forum“.

Welche Versicherung ist besser?

Die Frage, welches Versicherungssystem besser zu dir passt, ist individuell und kannst nur du beantworten. Häufig locken private Krankenversicherungen mit niedrigen Beiträgen in jungem Alter. Insbesondere Selbständige sollten jedoch darauf achten, dass sie für später genug Rücklagen bilden, da die Beitragshöhe für die private Krankenversicherung mit dem Alter steigt. Eine Rückkehr von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung ist meistens nicht möglich, insbesondere in höherem Alter. Ab 55 kannst du im Normalfall nicht mal aus der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln, wenn du arbeitslos und somit ohne Einkommen bist; du zahlst den vollen Beitrag der privaten Krankenversicherung.

Private Krankenversicherungen übernehmen meistens mehr Leistungen als die gesetzliche Krankenversicherung. Auch bekommst du als Privatpatientin häufig schneller einen Termin bei der Spezialist*in, und manche Ärzt*innen nehmen sogar nur Privatpatient*innen. Du solltest allerdings auf jeden Fall genau hinschauen, welche Zusatzleistungen du in der Versicherung brauchst. Außerdem muss „mehr“ nicht unbedingt „besser“ heißen: Manche Leistungen werden Privatpatient*innen gerne empfohlen, da sie den Ärzt*innen gutes Geld bringen. Dabei sind sie teilweise nicht nur unnötig, sondern können sogar mit Gefahren verbunden sein. So birgt z.B. jede Gewebeprobe, die entnommen wird, eine Infektionsgefahr.

Fazit

Für Beamt*innen lohnt sich häufig die private Krankenversicherung, weil der Staat einen großen Anteil der Kosten übernimmt. Den meisten anderen Versicherungsnehmer*innen empfehlen Verbraucherschützer wie Finanztip tendenziell die gesetzliche Krankenversicherung. Eine Ausnahme bilden hier möglicherweise Menschen mit konstant hohem und sicherem Einkommen.

Zusätzliche Leistungen lassen sich besser über Krankenzusatzversicherungen wie eine Auslands-Krankenversicherung, Krankentagegeldversicherung oder eine Zahnzusatzversicherung abdecken.

Text: Claudia Müller

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Illustration: Stefanie Berkmann

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