Modern Witchcraft: Die Magie des Hexenzirkels – finde deinen Coven!

29. April 2022

Hannah Krutmann ist Co-Gründerin des „Almost Magazins“ und Co-Autorin des Buches „Everyday Magic“. Sie versprüht auf ihrem Instagram-Account die schönsten Seventies-Vibes – und ist eine selbsternannte Hexe. In ihrer „Modern Witchcraft“-Kolumne schreibt sie monatlich für femtastics über Magie und Hexenkunst. In Teil 3 verrät sie uns, was das Besondere an einem Coven ist und wie man ihn findet. Es lebe die Schwesternschaft!

“If you are a woman and dare to look within yourself, you are a witch. You make your own rules. You are both free and beautiful. You can be invisible or evident in how you choose to make your witch-self known.”

(Frei übersetzt: Falls du eine Frau bist, die es wagt, in sich hinein zu schauen, bist du eine Hexe. Du machst deine eigenen Regeln. Du bist frei und schön. Du kannst dein hexiges Ich im Verborgenen oder öffentlich zeigen.)

Dieses Zitat stammt aus dem Manifest des „W.I.T.C.H.-Coven“, einer feministischen Gruppierung von 13 Frauen* in New York in den Sechszigerjahren. Mit radikalen, feministisch-magischen Aktionen kämpften sie damals gegen das Patriarchat und den Kapitalismus. Vieles von dem ist heute nicht mehr zeitgemäß – so war ihr Feminismus noch nicht intersektional, ihr Name stand ausgeschrieben für “Women’s International Terrorist Conspiracy from Hell” (das Wort “Terrorismus” war zu der Zeit noch anders konnotiert) und bezeichneten Frauen*, die heirateten wollten als “Huren” oder “Sklavinnen”, was heute sicher auch nicht mehr gemacht würde. Doch viele Passagen aus ihrem Manifest, wie die oben zitierte, und ihre generelle Ausrichtung sind noch immer modern und sogar relevanter als je zuvor. Das „W.I.T.C.H-Kollektiv“ ist ein gutes Beispiel für die Verbindung von Feminismus, Aktivismus und Hexenkunst. So tanzten, sangen und verhexten die 13 Frauen beispielsweise am Halloweenmorgen 1968 die Wall Street, um gegen den Kapitalismus zu protestieren, woraufhin die Börse magischerweise tatsächlich um 6,5 Punkte fiel.

Gemeinsam sind wir stärker


Oft denken wir beim Wort “Hexe” an eine eigenbrötlerische Person, die ihre Magie für sich alleine am Rande der Gesellschaft praktiziert. Klar, solche Hexen gab es immer und gibt es auch heute noch. Die meisten Hexen wissen aber, dass wir alle gemeinsam(!) stärker sind und so finden sie sich in Covens (Hexenzirkeln) zusammen.

Für welchen Zweck man seine Kräfte bündelt und welche Art der Magie man praktiziert, kann ganz unterschiedlich sein. Nicht jeder Coven ist politisch, aktivistisch unterwegs wie beispielsweise das New Yorker „W.I.T.C.H-Kollektiv“. Viele Covens fokussieren sich auf Umweltschutz und die Huldigung der Natur oder gleichen klassischen Frauenkreisen. Hier geht es vor allem darum sich einen sicheren Ort zu schaffen, an dem sich die Personen über ihre Gefühle und Erfahrungen austauschen, einander Rat geben und zuhören können, um dann im Alltag gestärkt die eigenen Kämpfe zu auszutragen. Viele Covens treffen sich auch, um Jahreskreisfeste, wie beispielsweise die Rauhnächte oder die Sommersonnenwende zu feiern. Man trifft sich hier mit der “Chosen-Family”, um gemeinsam die Natur zu verehren und Rituale abzuhalten. Das ist im Prinzip wie eine Familienfeier zu Weihnachten mit der Familie – nur, dass du dir diese Familie selbst aussuchst und ebenfalls selbst entscheidest, welche Feste für dich Sinn ergeben.

Ein Coven ist ein Kollektiv von Gleichgesinnten, die sich zu spirituellen und emotionalen Themen austauschen und gegenseitig empowern möchten und dabei aktiv Schwesternschaft leben.

Was ist ein Coven?


Ein Coven besteht traditionell aus 13 Hexen, doch er kann auch größer oder kleiner sein. Alles ab zwei Personen würde ich als Coven gelten lassen. Das Wort „Coven“ leitet sich übrigens von den englischen Begriffen „covene“ (versammeln) und „covenant“ (Bündnis) ab und wird oft als Hexenzirkel übersetzt. Es bedeutet aber auch so viel wie „Band“, “Gesellschaft” oder “Priesterschaft”. Ich persönlich verstehe unter einem Coven eine Neuinterpretation einer feministisch-magischen Glaubensgemeinschaft, ein Kollektiv von Gleichgesinnten, die sich zu spirituellen und emotionalen Themen austauschen und gegenseitig empowern möchten und dabei aktiv Schwesternschaft leben.

Die Magie des Kreises

Die geometrische Form des Kreises wird oft mit einem Hexencoven in Verbindung gebracht. Es gibt unzählige Abbildungen von Hexen, die nackt oder angezogen in der Natur im Kreis tanzen oder um ein Feuer versammelt sind. Das Tolle an einem Kreis ist, dass alle seine Mitglieder gleich wichtig sind. Niemand ist hier der*die Anführer*in. Ein Hexencoven kommt wunderbar ohne Guru oder Oberhaupt aus, es geht um die Begegnung auf Augenhöhe. Jede Person ist gleich wichtig und bringt ihre individuellen Superpowers mit. Klar gibt es (leider) auch Hexencovens, die die patriarchal-hierarchischen Strukturen von Anführer*innen reproduzieren, aber die meisten Hexenzirkel funktionieren wunderbar ohne und haben meist lediglich eine Person, die moderiert oder organisiert, nicht aber bestimmt.

Casting a Circle

Der Kreis symbolisiert außerdem einen sicheren Ort, der seine Mitglieder von der äußeren Welt abgrenzt und in sich Magie entstehen lässt. Wenn du dich etwas mit Hexenkunst und Spellcasting auskennst, weißt du sicher, dass vor den meisten Ritualen und Spells ein Kreis gezogen wird. Das kann durch Steine, Salz, die Anordnung von Kissen oder Yogamatten auf dem Boden oder rein energetisch geschehen. Das hat den Sinn, dass sie Energie, die durch den Spell oder das Ritual heraufbeschworen wird in der Kreismitte bleibt und sich dort konzentriert. Der Kreis, in dem wir stehen/sitzen/tanzen und der uns von der Umgebung abgrenzt, hilft uns dabei, uns sicher zu fühlen und uns emotional zu öffnen.

Wer ist dein Coven?


Unsere Beziehungen und Mitmenschen sind unserer größten Lehrer*innen und Spiegel. Durch sie können wir so viel über uns selbst erfahren und über Liebe, Frieden, Mitgefühl, Grenzen, Empowerment und Vergebung lernen. Gleichzeitig sind es die Verbindungen zu anderen, die die größten Herausforderungen bedeuten können. Einen Coven zu haben, heißt einerseits, dass du ein starkes Support-System hast, eine Gemeinschaft, in der du Halt und Hilfe finden kannst und über dich hinauswachsen kannst. Auf der anderen Seite steht ein Coven für Commitment, Verbindlichkeit, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Wie sieht es bei dir gerade aus? Wenn du eine kleine Inventur deiner menschlichen Beziehungen machst, hast du so etwas wie eine Coven? Oder hast du eher viele Einzelverbindungen oder bemerkst du vielleicht, dass du zwar tolle Freund*innenschaften hast, doch deine Magie eher im Verborgenen praktiziert, weil deine Freund*innen da anders ticken?

Ich persönlich habe das große Geschenk schon immer leicht tiefe Freund*innenschaften zu schließen und einen Haufen toller Personen (in meinem Fall besonders Frauen*) in meinem Leben zu haben. In der Regel sind das aber alles Frauen*, die sich untereinander nicht kennen und mit denen ich gern 1:1 Zeit verbringe. Vor einigen Jahren beschloss ich allerdings, dass all diese Menschen sich unbedingt gegenseitig kennenlernen sollten und veranstaltete mein “Almost 30 Festival” zu Ehren meiner Freund*innenschaften (kurz vor meinem 30. Geburtstag).  Hierbei entstanden so viele neue Verbindungen untereinander und die Idee für das heutige „Almost Mag“ – ein Printmagazin, das von persönlichen Geschichten und der ständigen Erweiterung eines Freund*innenkreises lebt – einer Art Coven wenn man so möchte.

What comes around goes around


Unter Hexen sagt man: Das, was du in die Welt hinaus gibst, erhältst du dreimal so stark zurück. Ich selbst gebe viel in Freund*innenschaften und bin zuverlässig und loyal. Mir fällt es immer leichter, Gleichgesinnte (Hexen) kennenzulernen, da ich offener mit meiner Hexenkunst umgehe. Oft ist das direkt der Anknüpfungspunkt und über Social Media oder bestehende Freundinnen lerne ich weitere Hexen oder magisch Interessierte kennen. Es passiert immer häufiger, dass sich Bekannte bei mir melden, die auf ihrer persönlichen Reise ein neues Interesse an Hexenkunst entdeckt haben und sich deshalb mit konkreten Fragen bei mir melden. Nicht selten sind durch diese magischen Annäherungen aus Bekanntschaften enge Freund*innenschaften entstanden.

Mit welchen Freund*innen oder Hexen, die du in deinem echten Leben oder über Social Media kennst, würdest du dich gern mal online oder IRL treffen?

Starte deinen Coven!


Egal, wo du gerade auf deiner hexigen Reise unterwegs bist, wie wäre es deinen eigenen Coven zu starten? Mit welchen Freund*innen oder Hexen, die du in deinem echten Leben oder über Social Media kennst, würdest du dich gern mal online oder IRL treffen und dich in Ruhe austauschen und vielleicht ein Ritual veranstalten? Frag sie! Oder willst du vielleicht erstmal reinschnuppern, ob so etwas für dich passt, weil du vielleicht ähnlich wie ich eigentlich kein Gruppenmensch bist? Dann schau doch mal nach „Women Circles“, Mondritualen oder anderen Veranstaltungen online oder in deiner Nähe, an denen du teilnehmen kannst. Social Media ist super, um Hexen zu finden und direkt schon mal ihren Vibe auszuchecken. Let the magic begin! Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit deinem Coven und habe eine kleine Liste für dich mit Hexen und Veranstalterinnen magischer Kreise aus meinem Umfeld, die ich dir empfehlen kann. Vielleicht passen sie oder ihre Themen ja zu dir:



Inga Laumann – Mondzyklus, Manifestation, Rauhnächte, Rituale & Selbstliebe

Noemie Christoph – Tarot & Embodiment

Brit Morbitzer – Rauhnächte, Authentizität, Business, Intuition & Frauenkreis

Maria Christina Gabriel – Rituale, Chakras, Spirit Baby Communication, Mam Blessings & Awakened Home

Stefanie Blösch – Menstruationszyklus, Ayurveda & Yoga

Rolling Tiger – Kakao Zeremonien, Mondzyklus, Ayurveda & Frauengesundheit

Sarah Jegelka – Ahn*innenarbeit & Rückführungen

Katja Vogt – Menstruationszyklus & Mondzyklus

Kim Gerlach – Aromatherapie & Breathwork

Sabrina Hense – Yoga, Breathwork, Reiki & Coaching

Peace of Mind – Women Circle & Yoga

Iva Samina – Tantra, Menstruationszyklus, Hypnobirthing, Frauengesundheit & Sex

Lara Leonie Keuthen – Waldbaden

Lori Haberkorn – Astrologie, Mondzyklus & Manifestation

Matcha Mornings – Heilkräuter, Kristalle & Regenerative Business

Sabine Reiter – Selbstliebe & Sinnlichkeit

Stephanie Johne – Yoni Steaming, Belly Binding & Doula



Fotos: Hannah Krutmann für femtastics / Aufmacherbild: iStock/Ponomariova_Maria

1 Kommentar

  • Birte sagt:

    Ich bin mittlerweile über 50 und bin begeistert von dieser Seite.
    Ich bin seit über 25 Jahren eine bekennende Wicca. Habe bis vor knapp 10 Jahren einem Kreis, in Hamburg, angehört.
    Lebe seit 2013 aber nun in Mitteldeutschland und fühle mich etwas einsam, da die Gleichgesinnten leider etwas sehr Jung sind. Glg

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