Was eine Psychotherapeutin über Toxische Beziehungen zu sagen hat – Dipl.-Psych. Sonia Kessler-Scheil im Interview

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1. Februar 2021

Was genau steckt dahinter, wenn sich Menschen in Beziehungen toxisch verhalten? Und warum fällt es Betroffenen oft so schwer, die toxische Beziehung zu beenden, obwohl sie unglücklich sind? Lassen sich toxische Beziehungen – und toxische Menschen – heilen? Und wie verarbeitet man das Erlebnis einer toxischen Beziehung? Diese Fragen haben wir Dipl.-Psych. Sonia Kessler-Scheil gestellt. Die 37-Jährige praktiziert seit 2012 als Psychotherapeutin und führt seit Anfang 2018 zusammen mit zwei Kolleginnen ihre eigene Praxis in Berlin, in der ihre Arbeit einen verhaltenstherapeutischen Schwerpunkt hat.

femtastics: Der Begriff “toxisch” in Bezug auf Beziehungen ist in letzter Zeit – u.a. dadurch, dass das Thema mentale Gesundheit in den Medien und sozialen Netzwerken präsenter geworden ist – fast schon zum Trendbegriff geworden. Was genau meint er aus der fachlichen Perspektive?

Dipl.-Psych. Sonia Kessler-Scheil: Erstmal stimme ich dir da zu. Das ist tatsächlich ein bisschen ein „Modebegriff“ geworden und es gibt die Tendenz, dass jede Beziehung, die einen unglücklich macht, als „toxisch“ abgestempelt wird. Das Wort eignet sich besonders gut dafür, weil es so unscharf ist. Es meint keine genaue Diagnose und kann sich auf ganz verschiedene Dinge beziehen: auf einen Menschen, eine Beziehung, eine Struktur oder ein System. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Meiner Erfahrung nach gibt es Beziehungen, die einseitig toxisch sind, in denen das toxische Verhalten klar von einer Person ausgeht. Das sind tatsächlich in der Mehrzahl Männer – deshalb kann es passieren, dass ich mich verstärkt auf Männer beziehe, wenn ich über diesen Fall spreche. Sehr viel häufiger in der Allgemeinbevölkerung anzutreffen sind aber toxische Beziehungen, in denen die Toxizität von beiden Seiten kommt, sodass sozusagen beide Partner die schlechtesten Seiten an einander zum Vorschein bringen, in einem negativen Paartanz gefangen sind und beide zur Aufrechterhaltung dieser Giftigkeit beitragen.

Menschen schildern oft, dass diese toxischen Beziehungen supertoll beginnen. Am Anfang ist es der Himmel auf Erden und es ist superintensiv.

Das kann sich auf Liebes- oder Paarbeziehungen genauso beziehen wie auf freundschaftliche oder familiäre Beziehungen, richtig?

Ja, ganz klar. Wie gesagt ist der Begriff so unscharf, dass er alle diese Fälle einbezieht. Zwischen Eltern und Kindern ist es natürlich besonders fatal, weil da keine Augenhöhe gegeben ist.

Woran erkenne ich toxische Beziehungen? Was machen sie mit mir?

Menschen schildern oft, dass diese Beziehungen supertoll beginnen. Am Anfang ist es der Himmel auf Erden und es ist superintensiv. Dabei entsteht etwas, das man mit einer Sucht vergleichen könnte. Intensives Erleben, der andere holt einem die Sterne vom Himmel … Und dann kippt das Ganze. Der toxische Partner beginnt, den anderen kleinzureden, subtil herunterzuputzen, zu entwerten. Oft werden Gefühle oder Gesagtes umgedeutet – „Das habe ich doch nie gesagt. Das ist dein Problem, wenn du das so verstanden hast!“. Das untergräbt seitens der Person in der Opferrolle natürlich das Vertrauen in die eigene Person. Wenn solche Aussagen nur oft genug wiederholt werden, fängt man an, sie zu glauben und an sich selbst zu zweifeln. Das Opfer denkt: „Das muss an mir liegen. Das muss meine Schuld sein!“. So schleicht sich das ein.

Toxische Menschen jagen einen sozusagen einmal in die Hölle und zurück – aber zwischendrin wird man plötzlich überschüttet mit Liebe oder Komplimenten.

Warum fällt es oft schwer, eine toxische Beziehung zu beenden?

Diese Suchtstruktur ist deshalb so stark, weil das Prinzip der „Intermittierenden Verstärkung“ wirkt. Das ist immer dann der Fall, wenn man für ein bestimmtes Verhalten unregelmäßig belohnt wird – mal jedes siebte Mal, dann jedes zehnte Mal, dann vielleicht jedes dritte Mal. Das ist genau das, was toxische Menschen machen. Sie jagen einen sozusagen einmal in die Hölle und zurück – aber zwischendrin wird man plötzlich überschüttet mit Liebe oder Komplimenten oder einem tollen Überraschungsurlaub, für den wahnsinnig viel Geld ausgegeben wurde. Man wird sprichwörtlich um den Finger gewickelt, weil man plötzlich wieder im Fokus der Aufmerksamkeit steht, aber nur ganz isoliert und ganz kurz, bevor es wieder abreißt.

Das lässt häufig Frauen so lange bei ihren toxischen Partnern ausharren und lässt sie immer wieder Hoffnung schöpfen. „Im Kern ist das ein Guter. Der hat nur gerade superviel Stress auf der Arbeit und verhält sich deshalb so. Wenn ich ihn nur gut genug behandle, dann wird er sich ändern und dann wird das Negative alles aufhören!“.

Übrigens ist es häufig so wie bei suchtkranken Partnern, dass derjenige in der Opferrolle das Verhalten seines Partners nach außen gerne vertuscht. So geraten sie immer mehr in eine Isolation und eine Co-Abhängigkeit.

Sind es Menschen mit bestimmten psychischen Voraussetzungen, die besonders anfällig dafür sind, in toxische Beziehungen zu geraten?

Ja. Es gibt ein Prinzip aus der Paartherapie, das sich „Differenzierung“ nennt. Das wurde erfunden von David Schnarch – no pun intended – und besagt, dass Beziehungen dann besonders stabil sind, wenn beide Parteien einen hohen Differenzierungsgrad haben. Mit „Differenzierung“ meint er im Grunde die Fähigkeit, seine eigenen Emotionen regulieren zu können und nicht hundertprozentig abhängig zu sein von einer anderen Person, die das für einen übernimmt. Also zum Beispiel in einer Stresssituation oder in einer traurigen Situation nicht zu hundert Prozent darauf angewiesen zu sein, dass der Partner oder die Partnerin mit dieser negativen Emotion irgendetwas macht und das Gewicht für einen trägt.

Das bedeutet nicht, dass solche Menschen einen besonders hohen Differenzierungsgrad haben, die komplett autonom sind, die sagen, dass sie niemanden brauchen und glauben, völlig unabhängig von den Belangen ihrer Mitmenschen zu sein. Das gar nicht. Es sind vielmehr Menschen, die in der Lage sind, die Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen und die auch das Vertrauen in sich haben: „Ich werde damit umgehen können. Es fühlt sich im Augenblick schrecklich an, aber ich weiß, ich kann das schaffen. Ich werde das überleben. Gerne mit meinem Partner, aber ich bin nicht existentiell darauf angewiesen.“ Solche Menschen können den Mittelweg gehen zwischen „Ich bin für mich da“ und „Ich kann trotzdem in einem bedeutsamen Kontakt mit anderen Menschen sein und Nähe zulassen.“

Menschen mit einem niedrigen Differenzierungsgrad dagegen sind das Gegenteil davon: Sie sind in emotionalen Krisen vollkommen angewiesen auf, vollkommen abhängig von einer anderen Person, die hilft, die Last zu tragen und zu mindern. Solche Menschen neigen dementsprechend dazu, in Liebesbeziehungen mit dem Partner oder der Partnerin völlig zu verschmelzen und sich selbst aufzugeben und zu vergessen. Sie spüren ihre Grenzen nicht gut – und wer seine Grenzen nicht gut spürt, der kann sie auch nicht gut verteidigen. Er oder sie bekommt es vielleicht gar nicht mit, wenn sie eingerannt werden.

Das ist aus Gründen über die wir tagelang sprechen könnten – unter anderem ganz stark kulturell überlagert – besonders bei Frauen und vor allem jüngeren Frauen oft gegeben. Sie haben nicht gelernt, sich selbst und vor allem die eigenen Grenzen ausreichend wahrzunehmen. Solche Menschen sind besonders anfällig dafür, Opfer toxischer Beziehungen zu werden. … Und in einem solchen Fall ist „toxisch“ ja fast synonym bedeutend für „narzisstisch“: narzisstische Menschen, die andere zu ihren eigenen Zwecken missbrauchen und manipulieren – und andere kleiner machen müssen, damit sie sich selbst größer und besser fühlen.

Wer seine Grenzen nicht gut spürt, der kann sie auch nicht gut verteidigen. Das ist aus Gründen über die wir tagelang sprechen könnten besonders bei Frauen oft gegeben.

Dipl.-Psych. Sonia Kessler-Scheil führt zusammen mit zwei Kolleginnen die „Praxis am Markgrafenkarrée“ in Berlin. Ihr Weg dorthin verlief nicht ganz geradlinig: Sie zog nach dem Abitur aus dem Südschwarzwald ohne Plan nach Berlin, begann zunächst, Geschichte und Islamwissenschaften zu studieren, bevor ihr bewusst wurde, dass sie „viel mehr interessiert, warum sich Menschen so verhalten wie sie es tun. So stand irgendwann die Psychologie im Raum.“. An ihr Psychologiestudium schloss sie die Zusatzausbildung zur Psychotherapeutin an. Mit ihrem Beruf ist sie heute sehr glücklich: „Ich finde, mit unserem Beruf gehen unfassbare Privilegien einher: In die Welten anderer Menschen eintauchen und sogar mitwirken zu dürfen, das ist der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann. Das wird auch nie langweilig, weil jeder Mensch ein eigenes Universum mitbringt.“.

Warum verhalten sich Menschen toxisch, was steckt dahinter? Wenn das häufig narzisstische Personen betrifft, sprechen wir hier ja von einer Persönlichkeitsstörung.

Persönlichkeitsstörungen existieren aus einer großen inneren Not heraus. Da gibt es einen großen inneren Mangel. Jemand kann sich selbst etwas nicht geben, was er deshalb unbedingt von außen braucht und alle Kraft einsetzt, das zu bekommen und die Welt so zu gestalten, dass sie ihn stabilisiert.

Bei Narzissmus geht es um Anerkennung um Wichtigkeit. Ich vertraue der Sache nicht, dass ich wirklich wichtig oder liebenswert bin und Anerkennung verdient habe. Und weil ich dieser Sache nicht vertraue, muss ich umso mehr Aufwand betreiben, um das bei meiner Umwelt einzufordern und um das schreckliche Gefühl des Mangels zu kompensieren oder sogar überzukompensieren. Das ist meiner Meinung nach stark kulturell überlagert, denn es gibt viel mehr männliche Narzissten als weibliche Narzissten. Man sagt in der Psychologie, das Äquivalent zum Narzissmus auf der Seite der Männer ist die Histrionische Persönlichkeitsstörung auf der Seite der Frauen.

Histrionische Persönlichkeiten sind extrem schillernd und achten extrem darauf, dass sie bemerkt und bewundert werden. Das funktioniert nur ein bisschen anders als Narzissmus, weil weniger versucht wird, die Bewunderung über Abwertung von anderen Personen zu erreichen, sondern mehr durch Selbstdarstellung. Zum Beispiel sind völlig banale Geschichten bei diesen Personen immer höchst dramatisch und aufgebauscht. Das Motiv, das dahintersteht, ist ähnlich wie beim Narzissmus, nur die Mittel unterscheiden sich. Und das bewegt sich häufig entlang der Geschlechtergrenzen.

… weil Frauen tendenziell gesellschaftlich eher Gefallsucht oder Anpassungszwang vermittelt werden?

Ja, genau. Bei Frauen wird es häufig bestraft, wenn sie sich sehr selbstbewusst durchsetzen. Frauen müssen das indirekt machen, nur dann wird es belohnt.

Bei Narzissmus geht es um Anerkennung um Wichtigkeit. Ich vertraue der Sache nicht, dass ich wirklich wichtig oder liebenswert bin und Anerkennung verdient habe. Deshalb muss ich umso mehr Aufwand betreiben, um das bei meiner Umwelt einzufordern und um das schreckliche Gefühl des Mangels zu kompensieren.

Um zurück zu toxischen Beziehungen zu kommen: Lässt sich eine toxische Beziehung heilen oder reparieren?

Dabei kommt es darauf an, ob es sich um eine Beziehung handelt, in der die Toxizität von beiden Seiten kommt, oder um eine missbräuchliche Beziehung, in der es relativ klar einen Täter und ein Opfer gibt, und in der einer persönlichkeitsgestört ist und der andere nicht. Dann ist es schwierig, denn wie der Begriff schon suggeriert sind Persönlichkeitsstörungen recht robust und ich-synton. Das ist der Unterschied zwischen Persönlichkeitsstörungen und allen anderen Störungen: Bei allen anderen Störungen ist es in der Regel so, dass die/der Betroffene, sie gerne loshätte – egal, ob Angststörung, Depression oder Anderes. Persönlichkeitsstörungen dagegen sind Teil der Persönlichkeit, das bedeutet, die/der Betroffene erkennt über lange Zeit nicht, dass etwas mit ihr/ihm nicht stimmt, sondern denkt, mit der Welt würde etwas nicht stimmen.

Erst wenn die Probleme so groß werden, wenn sich die dritte Frau mit derselben Begründung getrennt hat, die fünfte Stelle verloren wurde oder zum xten Mal eine exzessive Trinkphase eskaliert ist, dann kann das ein indirekter Weg sein, der die Betroffenen doch in eine Therapie treibt – häufig über die Hausärzt*in. Solche narzisstisch geprägten Menschen kommen oft in die Therapie und fragen: „Bieten Sie auch Coaching an?“. Sie suchen ein Coaching oder eine Fehleranalyse und meinen, sie bräuchten keine Therapie. Als geschulte Therapeut*in lässt man sich darauf ein und so ist letztlich dann eine Therapie möglich, aber das dauert häufig sehr lange.

Aber der- oder diejenige in der Opferrolle hat keine Möglichkeit, die Beziehung von innen zu heilen?

Davon würde ich intensiv abraten. Ausnahmen mag es geben, aber die Wahrscheinlichkeit, dass das gelingt, ist äußerst gering, weil man selbst viel zu involviert ist, weil viel zu viele Verletzungen passiert sind. Das ist wie der Versuch, sich mit einer bereits verletzten Hand die eigene Hand zu amputieren. Das ist sauschwer bis unmöglich.

Und das will der toxische Partner ja auch nicht zulassen, denn es würde schließlich ein Machtgefälle bedeuten, wenn der andere ihm/ihr hilft. Das macht es zusätzlich sehr unwahrscheinlich.

Wie oder wann schaffen Betroffene es trotzdem, toxische Beziehungen zu beenden? Erst, wenn alles komplett eskaliert?

Häufig das, ja. Sie können einfach nicht mehr. Oft steht das übrigens in Verbindung mit körperlichen Phänomenen: die Betroffenen bekommen einen Bandscheibenvorfall oder es passiert ein Unfall, weil sie auf der Autobahn eingeschlafen sind – und während sie im Krankenhaus aus dem Beziehungskontext herausgerissen sind, wird ihnen ihre Situation bewusst

Manche haben aber auch ein funktionierendes, stabiles soziales Netz – Familie oder Freunde – und schaffen es, sich noch ein Stück weit für Gespräche mit Menschen zu öffnen, die Warnungen aussprechen oder kritische Fragen äußern, die zu den Betroffenen durchdringen. Dazu muss ich noch sagen, dass das natürlich aktuell durch Kontaktbeschränkungen besonders schwer ist.

Nach einer toxischen Beziehung ist das Vertrauen in sich selbst massiv verletzt und muss wieder in mühseliger Kleinarbeit aufgebaut werden.

Welche psychischen Spuren oder Narben kann eine toxische Beziehung hinterlassen?

Das Vertrauen in sich selbst ist massiv verletzt und muss wieder in mühseliger Kleinarbeit aufgebaut werden. Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen wieder herstellen, sich wieder selbst spüren zu können. Nicht jedes Bauchgefühl sofort zu hinterfragen und nur noch im Kopf zu sein und alles anzuzweifeln, was man spürt. Die Glaubenssätze, die einem jahrelang eingetrichtert wurden, wieder loszuwerden und ein gesundes Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Das geht natürlich einfacher mit therapeutischer Hilfe. Ich kann empfehlen, sich da Hilfe zu holen und das professionell begleiten zu lassen. Zum Teil ist Traumatherapie notwendig.

Das lässt sich mit einem chaotischen, überfüllten Kleiderschrank vergleichen, in den man immer mehr hineinstopft: Wenn man sich nicht die Mühe macht, alles einzeln herauszunehmen und sorgfältig auszusortieren und zusammenzufalten, dann muss man sich immer mit dem ganzen Körpergewicht mit voller Kraft dagegen lehnen, damit nicht ständig alles herausplatzt und über einem zusammenbricht.

Was kann ich tun, wenn ich toxische Verhaltensweisen an Menschen in meinem Umfeld bemerke und helfen möchte?

Am besten ist es, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen, weil Menschen einander immer sehr genau beobachten. Dass man zum Beispiel selbst Grenzen setzt, wenn man toxisches Verhalten bemerkt.

Zudem kann man die betroffene Person, die vermeintlich unter einer toxischen Beziehung leidet, ganz niedrigschwellig fragen, wie es ihr mit der toxischen Person geht. Wenn man allzu schnell Zuschreibungen macht und mit etwas herausplatzt wie „Das ist doch eine toxische Beziehung, was ihr habt! Ich habe darüber gelesen.“ und eine ganz klare Täter-Opfer-Zuschreibung macht, dann ist Widerstand leider programmiert, dann gehen sofort die Schotten dicht. Das ist ein ganz normaler Reflex. Dann sagen selbst die Opfer: „Du hast uns das gar nicht zu sagen!“. Am besten stellt man keine Suggestivfragen – „Der manipuliert dich doch, oder?“ – sondern stattdessen offene Fragen, die wirklich Interesse zeigen, wie „Wie fühlst du dich mit ihm/ihr?“ oder „Wie fühlst du dich nach Treffen mit ihr/ihm?“. So trivial es klingt: Da sein. Einfach zeigen, dass man aufmerksam ist und sich interessiert. Nicht im Sinne, dass man Buch führt, wer sich wie ungesund verhält, oder dass man andere Menschen bewertet; sondern einfach signalisieren, dass man da ist und für Gespräche zur Verfügung steht. Das kann Türen öffnen.

Aber leider müssen Betroffene – egal auf welcher Seite – oft viele Runden drehen, bis sich die Situation bessert. In der Regel muss der Preis, den man dafür zahlt, dass alles so bleibt wie es ist, sich höher anfühlen als der Preis, den man für eine Veränderung zahlen muss. Das ist auch für das Umfeld manchmal nicht leicht zu ertragen.

Vielen Dank für das Gespräch, Sonia.


Hier findet ihr Sonia Kessler-Scheil:



Betroffene von toxischen Beziehungen, die Hilfe suchen, finden hier erste Ansprechpartner*innen:

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP e.V.): 0800 777 22 44



Fotos: Tolgahan Kaftan

22 Kommentare

  • Supergut erklärt, werde ich weiterempfehlen!
    Vielen Dank🙏

  • Julia Kppr sagt:

    Ich habe bis heute in einer toxischen Beziehung gesteckt und wäre fast wieder eingeknickt – der Artikel hat mir gerade sehr geholfen, mich wieder zu sammeln und die Beziehung erneut von außen zu beurteilen.

    Ich kann wirklich nur von ganzem Herzen danken ♥️

    • Katharina Charpian sagt:

      Liebe Julia, es freut uns, dass wir dich mit unserem Artikel ein bisschen unterstützen können. Alles Liebe für dich, Katha

      • Rei sagt:

        Ich lebe selbst in einer toxischen Beziehung (3 Jahre) und habe dadurch stechen/ziehen in der Herz Gegend + Druck Gefühle in der gesamten Brust, leider habe ich es auch erst dadurch gemerkt und auch meine grenzen besser kennen gelernt, da ich jetzt weiss dass das Panikattacken sind habe ich Angst dass die ohne eine Konfrontation nicht weg gehen oder sogar schlimmer werden.. :/ aber auch Angst vor der Konfrontation.. ich meine ängste muss man doch irgendwie angehen oder nicht? Aber wenn ich daran denke in diese Wohnung zu gehen und meine Sachen zu holen schmerzt es wieder.. :’c

  • Danielo Pagel sagt:

    Ist es eventuell richtig sich seinem toxischen Partner, die Stirn zu bieten und einfach zu sagen ist mir egal was du möchtest ich denke jetzt eins mehr an mich? Zum beispiel sitze ich grade am Feuer und entspanne… Es tut mir gut… Meine Frau wollte es überhaupt nicht das ich mich in ruhe hinsetze, ich solle doch lieber bei ihr in bett sein… 10 monate hat es sie nicht interessiert was ich mach und unsere (damals 3 jährige Tochter) lieber war sie das ganze Wochenende bei einem anderen Mann… Dazu muss ich sagen nicht um sexuell aktiv zu sein… 2 Pubertätsfasse mit 27… Hat ihr Träume gebracht was ihr in der Jugend widerfahren ist(fast Vergewaltigungen 2x Glück gehabt) aber trotzdem hat sie diese Leute in mir gesehen und wollte nichts mit mir zu tun haben… Ich war nur da um geld zu verdienen und pünktlich zu hause zu sein um auf unsere Tochter aufzupassen.. Und sie war fast 1 Jahr zu Hause krankgeschrieben…. Wie ich 2 jahre später erfahren habe das sie burn out hatte… Anhand der Krankschreibungen heraus gefunden… Nichts hat meine Ehefrau mir erzählt… 2017… Alles 2020 herausgefunden… Und toxische partner können ihren Partner kein recht geben so gerne sie es würden… Aber sie würden mir gerne antworten…. Kann es nicht… Deshalb und meiner Tochter zur Liebe bin ich weiterhin bei der Frau die mir sehr weh getan hat…. Und indem sie mir nicht antwortet bekomm ich doch meine Antwort…. Manchmal muss man sich wege suchen und alles 3-4 mal durch den Kopf gehen lassen…. In diesem Sinne die Hoffnung und der lebenswille ist das letzte was geht… Mein Slogan… Andere haben nur ein Bein.. Somit geht es mir doch ganz gut…

    Mfg
    D. Pagel

  • Müller A. sagt:

    Neuste Studien zeigen, dass die Frauen genauso oft Narzisstinnen sind, wie die Männer Narzissten. Das Thema verkommt nämlich mittlerweile auch zum Bashing von Männern. Dabei zeigt Dr. C. Malkin in seinen Studien auf, dass Männer genauso häufig von toxischen Beziehungen betroffen sind wie Frauen. Er vermutet, dass die Dunkelziffer bei Männern sehr hoch ist, da Männer Missbrauch nicht gern zugeben.

    • Helena Ruth sagt:

      Nach diesem Artikel bin ich mir endlich sicher, dass ich nicht das Problem bin und kann mich auf dem Gedanken einlassen mich therapieren zu lassen. Diese Erkenntnis alleine steckt voller Erleichterung. Vielen Dank!

      • Ich glaube es ist für den gesunden Partner oder Partnerin so schwer alles zu durchschauen, weil der Toxische Partner so lügt und verdreht und manipuliert. Auch sieht man von ausserhalb der Kernfamilie. Ein glücklicher Toxe der sich ja nichts anmerken lässt. Er sucht auch im aussen Aufmerksamkeit indem er sich anpasst und mit seinem charm und hilfsbereitschaft die er vortäuscht alle blendet und in seinen Bann zieht! Oft wird dem Opfer so auch wenn es wirklich zur Trennung kommt die ganze lasst und schuld von ausserhalb noch zu geschoben! Wir lassen uns sooo täuschen, das ist für die wahren Opfer der schlimmste schaden. Denn ihnen wird niemand glauben! Zum teil spielen auch die eigenen Kinder das mit! Denn sie möchten sich auch nicht dem Opfer meist der Mutter zuwenden! Traurig aber war!

        • Mara sagt:

          Ja das gabe ich leider auch erlebt. Auch von meinen Kindern nachdem ich mich getrennt hatte. Nach fast 30 Jahren! Mein Exmann ist hochmanipulativ und sehr intelligenter.
          Mara

          • SonneMondundSterne sagt:

            Hallo Mara,
            30 Jahre darin gefangen?!
            Derzeit verstehe ich Vieles bei mir. 32 Jahre blind zu sein erschreckt mich zusätzlich!
            Hast Du Interesse am Erfahrungsaustausch? Ich würde mich über eine Rückmeldung freuen!

    • Annette L. sagt:

      Hallo, kannst Du mir mit Kontaktdaten helfen mit guten Therapeuten? PLZ 957XX
      Ein guter Verwandter steckt tief in einer narzisstischer Beziehung, findet nicht heraus! Er braucht nach langem Krankenhausaufenthalt unbedingt Hilfe von jemanden, der sich mit solchen Beziehungen auskennt und helfen kann! Die Ärzte dort haben nichts erkannt und konnten ihm nicht helfen und haben ihn in diese Beziehung nun „austherapiert“ entlassen….?! Vielen Dank!

    • Jacinto sagt:

      Aus der Sicht eines Mannes :

      Ich war in einer sehr ungesunden Beziehung die mich emotional und psychisch Kaputt gemacht hat. Ständig psychischer terror , Grenzen übertreten , meine Bedürfnisse missachtet , manipuliert , ignoriert. Hatte null Kraft für Arbeit, Familie Freunde … bin seitdem nicht belastbar seit 2 Jahren … hab deswegen zu Drogen gegriffen wo ich mich wieder lebendiger und wieder Kraft hatte …was wieder ein Teufelskreis war. Wenn mich eine Frau versucht Kontakt mit mir aufzunehmen bekomme ich ein mulmiges Gefühl und Ängste. Mein ganzes Leben zeigt sich schon mit ungesunden Beziehungen. Mittlerweile hab ich damit abgeschlossen das ich alle8ne sein will und möchte und keinen mehr ranlasse. Ich hab mein Herz geöffnet mich verletzlich gezeigt und alles wurde gegen mich angewendet. Ich hab kein Vertrauen mehr in den Frauen auch wenn ich es gerne wieder haben möchte für das ist Zuviel passiert.

      • Mara sagt:

        Ich kann dich verstehen. Aber ich glaube, wir müssen trotzdem offen bleiben. Ich kann dir das nur empfehlen. UND: Geh erstmal deinen Weg. Reflektiere, warum dir das passieren konnte. Lass dir dabei helfen, allein schafft man das meist nicht. Ansonsten triffst du immer wieder einen ähnlichen Typ Frau. Das ist ein Prozess, ein Weg auf den du dich begeben musst, DEINEN Weg!
        Es spricht eine Frau, die sich nach fast 30 !!! Jahren von einem hochtoxischen Mann getrennt hat. Seitdem gehe ich ihn, meinen Weg. Immer wieder mit Hilfe. Toxen erkenne ich jetzt ziemlich schnell und trenne mich dann. Ich habe gelernt, gut mit mir zu sein und allein zu leben. UND natürlich habe ich trotzdem eine tiefe Sehnsucht nach einer schönen Partnerschaft.
        Mara

  • Birte sagt:

    Wieso bekommt man NIRGENDS wirkliche Hilfe! Vor fast 2 Jahren habe ich es endlich geschafft aus meiner toxischen Beziehung zu entfliehen. Ich war am Ende, habe mir selbst und meinen Sinnen nicht mehr ge- und vertraut. Nachdem er mir erneut drohte bin ich bei meinem Hausarzt zusammen gebrochen und konnte meine Maske nicht mehr aufrecht erhalten. Er gab mir eine Nummer von einer Klinik und vermittelte mich an eine Therapeutin. Nach weiteren 4 Wochen und einem Nasenbruch schaffte ich es endlich Ihn zu verlassen und alles an mir „abprallen“ zu lassen was er auf mich niederließ. Um endlich wieder das Gefühl von Sicherheit zu haben und da ich keinerlei Nervenkostüm mehr hatte ging ich 8 Wochen in die Klinik. Als ich aus der Klinik kam war ich positiv gestimmt und hatte wieder ein wenig Kraft und das war gut so, denn andernfalls weiß ich nicht wie das Ganze für mich ausgegangen wäre, denn jetzt fing es wieder an und endete in für mich Unvorstellbaren. Ich hatte eine einstweilige Verfügung die Ihm egal war. Wöchentlich war ich bei der Polizei und zeigte Ihn an und das einzigste was ich mir von einer Polizistin anhören durfte war, ich solle mich nicht so anstellen oder in ein Frauenhaus gehen. Es endete damit, dass er heute im Gefängnis ist, wegen dem was er mir angetan hat. Für mich unfassbar kurze 2 1/2 Jahre(Ersttäter müssen i. d. R. nur 2/3 verbüßen = 20 Monate)! Jedoch weiß ich heute, dass diese 2 1/2 Jahre für diese Taten wirklich viel ist. Wie traurig ist das Bitte in einem Land wie Deutschland im Jahre 2020 (bzw. heute 2021)? Ich erhole mich und tanke langsam viel zu langsam wieder Kraft in der Hoffnung stark genug zu sein wenn er wieder raus kommt, denn ich weiß ich werde wieder keine Hilfe bekommen!

  • Kerstin sagt:

    Vielen Dank dafür. Nun weiß ich endlich das ich, so hart es auch ist, da bleiben muss. Ein lieber Freund steckt in einer solchen Beziehung und wird wohl noch einige Runden drehen bis er den Absprung schafft.

  • Christa sagt:

    Ich hatte keinen Begriff dafür bis vor Kurzem; mein Bruder galt einfach seit Kindesbeinen an als streitsüchtig, hinterlistig und gemein. Ihm ging es nur gut, wenn er Unfrieden stiften konnte. Wir haben mit Verständnis, Ablehnung, Streit etc. reagiert…. Natürlich ohne Wirkung. Er hat die Mitmenschen, Religionen und Drogen gewechselt….. Natürlich ohne Wirkung. Mittlerweile über sechzig hat sich nicht viel geändert. Ich habe instinktiv aufgehört auf seine persönlichen Angriffe zu reagieren, da er ja nicht den Konsens sucht, sondern die Eskalation als Ziel hat. Das hat mich befreit.
    Gerne würde ich mich aber weiter in das Thema einlesen. Was können Sie an Literatur dazu empfehlen?
    Danke!

  • I.ener sagt:

    Hallo, ich war in einer toxischen Beziehung. 3 1/2 Jahre . Am Anfang der Himmel und dann die Hölle. Ich bin ein sehr lieber und verständnisvoller Mensch und werde das auch trotz dieser schlimmen Erfahrung immer bleiben. Und dann hatte ich das endlich erkannt. Ich habe mich getrennt und dann darüber sehr viele hilfreiche Bücher gelesen . Das wichtigste und beste für mich war und ist totaler Kontaktabbruch . Ich wünsche allen die hier betroffen sind, Kraft und Vertrauen in sich selbst um das durchzuziehen und vor allem redet mit Leuten darüber denen ihr vertraut. Das hat mir sehr viel geholfen. Danke an diese Menschen.
    Ich wünsche euch alles Gute und hoffe und glaube auch fest für euch für einen Neuanfang.
    I.

  • Pascal sagt:

    Hallo ihr lieben,
    Ich war nun fast 7 Jahre in einer toxischen Beziehung… Ich dachte immer man könne helfen. Der Wille war da doch Geist am Ende schwach…. In den knappen 7 Jahren On off Beziehung ist so einiges passiert….. Ständiges kontrollieren stand an der Tagesordnung, genauso wie Unterstellung, Faktenverdrehung, Stalking und vorallem krankhafte Eifersucht. Ich hatte mit jedem was wenn ich mich mal verspätet hatte…. Weibliche Freunde waren komplett Tabu und selbst die freundliche Kassiererin im Supermarkt ließ ihr Puls höher schlagen wenn Sie mir nur einen schönen Tag wünschte… Eine Chefin zu haben ging gar nicht…. Selbst Freunde die eine Freundin kennengelernt haben wurden sofort schlecht geredet um mich dort fern zu halten….. Lügen und Dramatisierung steht bei solchen Menschen an der Tagesordnung….
    Sie muss Tabletten nehmen werden jedoch nicht regelmäßig genommen und Therapiesitzungen werden nur unregelmäßig besucht….
    Nach einen Off in der Beziehung holte sie mich immer wieder ins on mit schönen Worten und teilweise Selbsterkenntnis…. hielt nur nie lange an nach frühstens 2 Wochen und spätestens 1 Monat ging die selbe Leier von vorne los…. Ähnliche wie eine Schallplatte die hängen geblieben ist….
    Nun habe ich mir gesagt so geht es nicht weiter und habe den Kontakt abgebrochen….
    Zuerst fühlte es sich wie eine innere leere an begleitet mit nassen Händen und schlaflosen Nächten… Die Gedanken drehten sich im Kreis und nur um die Person zb. Warum ist sie so? Könnte ich doch daran Schuld sein das es nicht aufhört? Warum nimmt sie nicht die Medikamente? Bin ich ihr denn gar nicht wichtig?
    Nun sind aber die Gedankengänge verschwunden da mir Freunde und Familie sehr gut geholfen haben und mich immer wieder aufbauten….
    Eine neue Frau kennen zu lernen fällt mir jedoch noch sehr schwer weil das ganze mein Vertrauen genommen hat und die Angst besteht wieder herein zu fallen….
    Ich hoffe diese Angst verschwindet auch bald….
    Wichtiger ist es denke ich, das ich wieder lachen kann und meine Antriebslosigkeit fast verschwunden ist……

    Lasst euch nicht unter kriegen und bleibt stark!

    Liebe Grüße

    Pascal

    • Ines sagt:

      Hallo Pascal, ich würde mich freuen, noch mehr von deiner Beziehung zu erfahren, da wir das gleiche Problem mit unserem erwachsenen Kind haben und nicht wissen, wie wir reagieren sollen.
      Eventl. kannst du mit mir Kontakt aufnehmen, es würde mich freuen.
      Grüße
      Ines

  • Mathias sagt:

    Manchmal braucht auch der Hilfe der sie gar nicht haben will. Sowas öffnet einem echt die Augen, auch wenn sehr spät. Aber wer Hilfe möchte wird sie auch bekommen.

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