Mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf! Autorin Katharina Katz hat die besten Tipps für junge Eltern

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4. Oktober 2021

Wie schafft man es als Eltern, den Spagat zwischen Erziehung, Job und Beziehung zu meistern, ohne dabei sich selbst zu verlieren? Diese Frage stellte sich Katharina Katz („Einfach Machen – der Guide für Gründerinnen„), kurz nachdem sie vor drei Jahren ihre Tochter zur Welt brachte. Denn ihre bis dato gleichberechtigte Beziehung mit ihrem Mann geriet zwischen Kinderbetreuung, Haushalt und ihrem Beruf als Autorin und Coach plötzlich ins Wanken. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, nahm Katharina die Herausforderung an und machte sich auf die Suche nach Profis, die modernen Eltern Tipps für mehr Vereinbarkeit geben. Mit Erfolg: Nach vier Monaten hatte sie ihr zweites Sachbuch „Zwischen Laptop und Legosteinen“ geschrieben – vollgepackt mit Checklisten, Plänen und Tools für Eltern, die wie Katharina auf der Suche nach neuen Impulsen sind. Welche das sind und was sie selbst davon im Alltag umsetzt, erzählt sie uns in ihrer hübschen Wohnung und beim anschließenden Fotoshooting im Innenhof mitten in Hamburg-Rotherbaum.

femtastics: 2018 kam dein erstes Sachbuch „Einfach Machen“ auf den Markt. Hättest du dir damals vorstellen können, jemals einen Elternratgeber zu schreiben?

Katharina Katz: Ja, ich hatte immer im Kopf, dass es eine Art Weiterführung zu „Einfach Machen“ geben sollte – mit Fokus auf den Aspekt Familie. Denn leider ist es ja oft noch so, dass Frauen mit dem Mutterwerden erstmal raus aus ihrem Job sind – gerade für Gründerinnen eine große Herausforderung. Im Juli 2018 kam meine Tochter zur Welt. Nach und nach wurden meine Buchpläne konkreter – sowohl durch den Austausch mit anderen Müttern, als auch durch eigene Erfahrungen. Es kamen allerdings noch ein paar neue Aspekte hinzu, mit denen ich vorher nicht gerechnet hatte.

Wie meinst du das?

Direkt am Anfang meiner Elternzeit steckte ich in der Promotion für „Einfach Machen“. Ich merkte aber schnell, dass ich eine Pause brauchte, es war alles ganz schön viel! Als meine Tochter beispielsweise neun Wochen alt war, habe ich noch eine Buchparty veranstaltet. Dann habe ich gedacht: „Okay, jetzt möchte ich auch einfach mal Mutter sein!“. Trotzdem hielt ich an meinem Plan fest, nach sechs Monaten wieder zu arbeiten. Ich stellte allerdings fest: Irgendwie funktioniert es nicht. Ich dachte, ich würde platzen vor Arbeitswut – aber da war einfach kein Platz mehr für Kreativität. Stattdessen nahm die Organisation unseres neuen Alltags mit Kind meine ganze Zeit ein. Ich musste mich erstmal sortieren mit dem wenigen Schlaf und den Herausforderungen drum herum. Ich war richtig erschrocken über mich und dachte: „Wo sind denn meine ganzen Ambitionen hin? Ich bin jetzt Mutter, wann kommt der Rest zurück?“.

Katharina lebt mit ihrer Familie in einer Altbauwohnung in in Hamburg-Rotherbaum. Der Gebäudekomplex in der Nähe der Sternschanze war früher ein Krankenhaus.

Ich war richtig erschrocken über mich und dachte: „Wo sind denn meine ganzen Ambitionen hin? Ich bin jetzt Mutter, wann kommt der Rest zurück?“.

Wie ging es anderen Frauen in deinem Umfeld?

Ich habe viele Mütter kennengelernt, die all das ähnlich erlebten. Die also früh wieder loslegen wollten und dann gemerkt haben, dass da eine Bremse ist. Oder auch überrascht waren, wie sehr sie in ihrer Mutterrolle aufgehen. Obwohl sie sich im Vorfeld ganz anders eingeschätzt haben. So war es auch bei mir. Und das fand ich unheimlich spannend.

Total! Und die Idee fürs neue Buch nahm langsam Formen an?

Genau. Ich habe einfach gemerkt, dass es rund ums Muttersein und das Annehmen und Finden der eigenen neuen Rolle – auch innerhalb der neu gebildeten Familie – viele Themen gibt, die kaum öffentlich besprochen werden. Auch in Sachen Job. Denn nur wenn die Arbeitswelt familienfreundlicher wird, können wir als Familie unseren Job und den Alltag besser miteinander kombinieren. So war es mir am Ende wichtig, ein Buch zu schreiben, dass all diese Faktoren berücksichtigt. Und die Frage beantwortet, wie wir uns als Familie organisieren können, um die Rückkehr in die Arbeitswelt zu erleichtern.

Mittlerweile arbeitest du neben deiner Schreibtätigkeit auch als Coach für Sachbuchautor*innen. Welche Erkenntnis hat dir bei der Rückkehr zur Arbeit geholfen?

Die Tatsache, dass Ambitionen auch mal Pause machen dürfen. Die kommen von ganz alleine wieder! Es ist ganz normal, dass man sich mit einem Baby oder kleinem Kind erstmal neu sortieren muss – und das darf man auch.

Es ist ganz normal, dass man sich mit einem Baby oder kleinem Kind erstmal neu sortieren muss – und das darf man auch.

Im Vorwort deines Buches steht, dass du zwischendurch die Idee hattest, Familien zu porträtieren und anhand dieser Beispiele zu zeigen, wie sie Vereinbarkeit leben. Was hat dich dazu veranlasst, von diesem Plan abzuweichen und stattdessen einen Ratgeber mit Expert*innenmeinungen zu verfassen?

Als ich mich auf die Suche nach passenden Familien machte, wurde ich vor allem auf Social Media fündig. Das Problem mit Plattformen wie Instagram ist aber oft, dass hier nur die perfekten Momente gezeigt werden. Da sieht man lauter aufgeräumte Wohnungen und Kinder, die zufrieden ganz allein in ihrem Zimmer spielen. Ich fing an, mich zu vergleichen und fühlte mich schlecht. Auch wenn ich natürlich wusste, dass diese Fotos nicht die Realität abbilden. Ohnehin ist das Thema Familie viel zu individuell. Eine Familie mit Nanny und Großeltern hat mit ganz anderen Problemen zu kämpfen als eine, die seit drei Jahren auf den Kita-Platz wartet. Die Parameter stimmen einfach nicht. Und das Buch sollte nicht dazu führen, mich oder andere unter Druck zu setzen. Frei nach dem Motto „Cool Moms Don’t Judge“ wollte ich mich und andere frei von jeglichem Vergleich machen und einen Ratgeber für alle Lebenssituationen schaffen.

Warum tun wir uns gerade in Sachen Familie und Kinderkriegen oft so schwer, offen zu kommunizieren, wenn es gerade mal nicht gut läuft?

Wahrscheinlich, weil einen nichts angreifbarer macht. Außerdem hat jeder eine Meinung zu Erziehungsmethoden oder dem Alltag mit Kindern. Und wenn man ausspricht, dass es nicht so läuft wie man es sich vorgestellt hat, wird das Problem für viele am Ende nur noch lauter. Insofern verstehe ich auch, dass viele Eltern eben diese Realität nicht in der Öffentlichkeit zeigen.

Frei nach dem Motto „Cool Moms Don’t Judge“ wollte ich mich und andere frei von jeglichem Vergleich machen und einen Ratgeber für alle Lebenssituationen schaffen.

Du beschreibst in deinem Buch ganz offen, dass die gleichberechtigte Beziehung mit deinem Mann nach der Geburt eurer Tochter sich in Richtung eines Rollenmodels verschob, mit dem du dich nicht wohlfühltest. Wie habt ihr dieses Problem für euch gelöst?

Wir waren die ganze Zeit im Gespräch. Aufgrund meiner Selbstständigkeit mussten wir schon immer Lösungen finden, um unseren Alltag zu gestalten. Als unsere Tochter auf der Welt war, haben wir relativ früh angefangen, mit konkreten Plänen zu arbeiten und unseren Alltag zu organisieren. Der Durchbruch war das Essensmanagement: Jeder ist wochenweise für den Einkauf zuständig, plant, was es gibt und bestellt das Ganze dann, sodass es kein Geschleppe gibt. Eine unheimliche Erleichterung! Besondere Leckereien können zum Beispiel gemeinsam auf dem Markt gekauft werden. Den üblichen Einkaufsstress haben wir damit gar nicht mehr.
Ein weiterer Meilenstein war die Eingewöhnung in die Kita. Ich kann mich noch genau daran erinnern, als unsere Tochter zum ersten Mal sechs Stunden am Stück dort war. Ich habe gedacht: „Wow! Was man in dieser Zeit alles machen kann!“. Ich schaffe in der Zeit locker das, was ich früher an einem Acht-Stunden-Tag gemacht habe. Weil man einfach weiß: Das muss jetzt gemacht werden.

Das Thema Arbeitsaufteilung und Vereinbarkeit mit einem Kind kann schnell sehr emotional werden, vor allem wenn noch Schlafmangel hinzukommt. Wie bleibt man im Gespräch mit dem/r Partner*in sachlich?

Man sollte die Dinge in einem ruhigen Moment ansprechen. Und nicht dem anderen im Affekt irgendetwas an den Kopf werfen – sondern sich gemeinsam in Ruhe hinsetzen und dann alles durchgehen, was einen beschäftigt. Auch so etwas wie Zeiterfassung kann helfen. Sprich: Was mache ich an einem Tag eigentlich alles und wie lange brauche ich dafür? So wird dem Partner schnell klar, was man leistet.

Außerdem ist es sicher wichtig, sich auch Auszeiten nur zu zweit zu nehmen …

Auf jeden Fall! Dafür sollte man wirklich jede Gelegenheit nutzen, auch wenn sie noch so klein ist. Wenn ihr abends zum Beispiel noch nicht losgehen wollt und das Kind mit einer dritten Person allein lassen mögt, geht doch tagsüber zu zweit etwas essen! Oder frühstückt morgens gemeinsam, wenn das Kind schon in der Kita ist. Bestellt euch Sushi, wenn das Kind schläft und schaut einen Film. Und damit meine ich jetzt nicht den x-ten Fernsehabend, sondern ein bewusst geplantes Ereignis, zu dem man sich verabredet. Sprich: Es gibt immer Möglichkeiten, wenn man nur will.

Besonders schön ist der grüne Innenhof, auf den Katharina von ihrem Balkon aus blickt. „Wir treffen uns einmal die Woche mit unseren Nachbar*innen und essen alle zusammen im Gemeinschaftsgarten. Die Menschen, die hier leben, sind echt toll.“

Es kann total hilfreich sein, alle bestehenden Aufgaben einmal runterzuschreiben. Und dann Verantwortlichkeiten abzugeben und gleichzeitig transparent zu werden.

Wie habt ihr euren Mental Load unter Kontrolle gebracht?

Es kann total hilfreich sein, alle bestehenden Aufgaben einmal runterzuschreiben. Und dann Verantwortlichkeiten abzugeben und gleichzeitig transparent zu werden. Denn es bringt ja nichts, wenn der eine immer mit den Kindern zum Schwimmen geht und nur derjenige weiß, wo die Schwimmflügel liegen. Dieses Wissen zu teilen, und sei es auf den ersten Blick noch so banal, ist total wichtig. Zudem ist ein Familienordner eine tolle Sache. Jeder hat seinen Bereich mit wichtigen Infos, beim Kind kommen zum Beispiel Telefonnummern und Adressen von Freunden rein. So hängt all das nicht nur an einer Person.

Siehst du dich selbst als Vorbild in Sachen Vereinbarkeit?

Nein. Bei mir läuft nicht alles perfekt, und das finde ich auch wichtig zu betonen. Denn darum geht es gar nicht. Wir scheitern immer wieder oder müssen uns ganz neu sortieren, je nachdem, in welchem Set-up wir uns gerade wiederfinden. Und ich habe auch überhaupt nicht den Anspruch, zu sagen: „So wie ich das mache, läuft es perfekt!“. Ganz im Gegenteil! Deshalb habe ich ja auch mit Expert*innen gesprochen, die sich in ihrem jeweiligen Bereich bestens auskennen und wertvolle Ratschläge geben können, ohne anderen Familien dabei ein Korsett aufzwingen zu wollen. Auch das ist aber keine Garantie, dass plötzlich alles super läuft.

Wann geratet ihr an Grenzen?

Immer wieder. Unsere Tochter hat zum Beispiel gerade die Kita gewechselt und infolgedessen hatten wir eine ziemlich lange Krankheitswelle. Dann stehst du wieder da, musst Pläne umschmeißen und die komplette Woche neu organisieren. Da fragt man sich schnell: „Warum hakt das denn jetzt bloß wieder so?“. Aber letztlich ist das ja eine Ausnahmesituation und insofern völlig normal.

Bei mir läuft nicht alles perfekt, und das finde ich auch wichtig zu betonen. Wir scheitern immer wieder oder müssen uns ganz neu sortieren, je nachdem, in welchem Set-up wir uns gerade wiederfinden.

In „Zwischen Laptop und Legosteinen“ geht es auch um das große Thema Betreuung. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht und welche Tipps kannst du Familien geben, die ohne Großeltern oder sonstige Angehörige in der Nähe auskommen müssen?

Schau, welche Allianzen ihr mit anderen Müttern und Vätern, mit Nachbar*innen und älteren Kindern bilden könnt.
Wir haben zum Beispiel das Glück, dass wir eine ganz tolle Nachbarschaft haben, in der viele Kinder in ganz verschiedenen Altersstrukturen leben. Das heißt, man kann auch einfach mal zu einem Nachbarn oder einer Nachbarin sagen: „Du, ich muss noch etwas erledigen, könntest du mein Kind kurz mitbetreuen?“ Und andersrum natürlich auch. Und auch die älteren Nachbarskinder passen draußen beim Spielen mit auf. Dadurch, dass wir einen abgeschlossenen Innenhof haben, geht das.

Was sollte sich deiner Meinung nach hierzulande ganz konkret für Eltern und Familien ändern?

Ich denke, dass gerade bei der Elternzeit noch einiges getan werden muss. Dieses Thema ist für viele noch immer schwer zugänglich. Direkt nach der Geburt muss man einen endlosen Stapel an Formularen ausfüllen und Dokumente zusammentragen, um das Elterngeld zu beantragen. Zu diesem Zeitpunkt hat man aber echt andere Sorgen. Und dann ist man so erleichtert, wenn das Thema endlich durch ist, dass man gar keine Lust mehr hat, sich irgendwann im Laufe der Zeit noch mal damit zu beschäftigen und sich zu fragen: „Sollten wir noch mal nachjustieren?“. Es müsste viel mehr Beratungsstellen und Hilfen geben, die vielleicht nach der Geburt des Kindes noch mal kontaktieren und fragen: „Wollt ihr eure Elternzeit so aufteilen wie geplant? Oder sollen wir noch mal etwas ändern und gemeinsam schauen, was für Möglichkeiten es noch gibt?“. Denn letztlich kann man ja erst nach der Geburt realistisch einschätzen, wie man als Familie funktioniert. Ich glaube, dann würden viele die Elternzeit ganz anders nutzen.

Letztlich kann man ja erst nach der Geburt realistisch einschätzen, wie man als Familie funktioniert.

Was würdest du am liebsten mit deinem Buch bewirken?

Ich wünsche mir einfach, dass Familien miteinander ins Gespräch gehen. Dass Eltern gemeinsam schauen, wie sie eine Lösung für ihr individuelles Problem finden.

Und auf welche neuen Projekte von dir können wir uns bald noch freuen?

Tatsächlich habe ich schon ein drittes Buch geschrieben, das nächstes Jahr im Januar erscheint. Der Titel steht noch nicht ganz, es wird aber an „Einfach Machen“ anschließen. Und sich rund um das Thema „Let’s Get Digital“, also wie man sein Business in den Onlinebereich bringen kann, drehen.

Wir sind gespannt. Vielen Dank für das Gespräch, Katharina!

Hier findet ihr Katharina Katz:

 

Hier findet ihr Katharinas Buch:


Layout: Kaja Paradiek

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